Amerikanischer Jungbrunnen: Frauen, Fitness & Fun
22.05.2002 (01.06.2002)
Pro:
ZURECHT bester Film 1999 ! Schauspielerische Ausnahmeleistungen ! Interessanter Lebenswandel eines Vorstadtamerikaners ! Musik, Ton, etc . !
Kontra:
! ! ! - Drogenkonsum wird etwas verharmlost - ! ! !
Empfehlenswert:
Ja
 Teejee
Über sich:
Mitglied seit:22.03.2002
Erfahrungsberichte:27
Vertrauende:8
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 115 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Es ist zwar schon wieder ein paar Jahre her, dass ich diesen Film gesehen habe, doch im Grunde kann ich mich noch gut an die sehr eigene und teilweise etwas verrückte Story erinnern. Viele wissen wahrscheinlich, dass dieser Film fünf Oscars abgeräumt hat, und das in dem Jahr, in dem auch "Matrix" gekürt wurde (vier Oscars)! Ist diese sehr hohe Auszeichnung auch gerechtfertigt?
Vorstadtleben in Amerika -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-. Der tragische Hauptsprecher ist Lester Burnham (Kevin Spacey), der in einer kleinen Vorstadt mit seiner Frau Carolyn (Annette Bening) und seiner Tochter Jane (Thora Birch) lebt. Er berichtet gleich zu Anfang als Erzähler, dass er in einem Jahr sterben wird... und wie es dazu kam, dass ist dann der Film...
Er durchlebt gerade seine Midlife-Krise, er ist 42 Jahre alt, hat einen langweiligen Job, seine Frau und er leben zwei verschiedene Leben, seine Tochter hasst beide Eltern. Im Grunde werden nun drei Handlungsstränge, die sich immer wieder verbinden, dargestellt, der erste handelt von Lester himself:
Auf einer Schulveranstaltung sieht er die Freundin seiner Tochter, Angela Hayes (Mena Suvari), als Cheerleaderin tanzen und verliebt sich in sie. Alle seine Phantasien kreisen fortan nur noch um die junge Teenagerin, und gleich nach diesem Abend, als seine Tochter zusammen mit ihrer Freundin dasteht, mischt er sich schon mal ein und redet ein bisschen was daher. Seine Tochter findet das zwar total peinlich, doch Angela kann er damit sogar beeindrucken, später berichtet sie ihrer Freundin sogar, dass sie ihn irgendwie süß findet. Lester weiß, dass Angela auf starke Männer steht, da er zufällig mitbekommt, wie Angela Thora berichtet, ihr Vater bräuchte vielleicht ein paar mehr Muskeln. Deshalb fängt er wie ein Irrer an zu trainiern, doch das ist noch nicht alles... Er will sich wieder jung fühlen, daher nimmt er auch Drogen, die ihm ein Nachbarsjunge (im Alter seiner Tochter) zukommen lässt. [Hierbei sei angemerkt, dass der Drogenkonsum in dem Film nicht unbedingt angeprangert wird, sondern eher in positives Licht gerückt wird. Wer sich einen Lebenswandel wie den von Lester Burnham wünscht, dem sei das trotzdem nicht angeraten! Naja, ihr, meine Leser, seid ja zum Glück alle erwachsen und wisst, was ihr tut!] Außerdem schmeißt er seinen Job und fängt als Fastfoodverkäufer an...
Schafft er es letztendlich, Angela für sich zu gewinnen, oder scheitert er an dem Altersunterschied? Und wie reagiert der Vater des Nachbarjungen darauf, dass sein Sohn ständig bei Lester zu Besuch ist, was ihm "verdächtig" ist? Wird natürlich nicht verraten! Der nächste Handlungsstrang betrifft seine Tochter, die von Angela immer massig stories hört, wie sie es mit einem Kerl nach dem anderen treibt. Sie selbst ist aber noch Jungfrau... an ihrer Oberweite liegt es jedoch nicht, zwar hat sie sich seit sie noch sehr jung war Geld angespart für eine Brustvergrößerung, doch die Natur kam ihr dann doch zuvor... Und der Nachbarsjunge (der auch die Drogen verkauft) filmt sie auch noch ständig! Anfangs extrem gestresst lernt sie den Spanner dann doch etwas besser kennen, und er kann sie mit seinen teils kranken philosophischen Theorien rumkriegen. Er filmt alles, was er für interessant erachtet... eine Tüte, die von einer Windböe umhergewirbelt wird, oder eben Jane. Selbst als auch Angela bei Jane zu Hause war, die einfach besser aussieht und auch noch ne Riesenshow am Fenster zu Ehren des bösen Spanners abzieht, filmt er an ihr vorbei und zielt genau auf Jane! Das war natürlich, bevor die beiden dann zusammenkamen...(danach muss er sie ja nicht mehr filmen...)
Der letzte Handlungsteil befasst sich mit Carolyn, die absolute Perfektionistin. Sie verkauft Häuser als Maklerin, doch zur Zeit nicht sehr erfolgreich. Dabei ist Erfolg das einzige, was sie richtig anturnt. Ihr Mann ist da schon lange eine Niete. Deswegen schmeißt sie sich an den Mann des Erfolges persönlich, ihrem größten Konkurrenten, ran. Leider wird diese heiße Affäre dadurch zerstört, dass sie mit ihrem Lover einmal Fastfood einkaufen möchte, und die Bedienung überraschender Weise ihr Mann ist... danach hat sie eine unglaubliche Wut auf ihren Mann!! Doch wie stirbt Lester denn nun und warum? Unbedingt selbst anschauen sag ich nur, der Schluss ist... faszinierend! (um es mit dem Worten des Nachbarjungen auszudrücken!)
Schauspieler: *+*+*+*+*+*+* Kevin Spacey erstmal, ist irgendwie schon kultig. Er spielt in diesem Film meisterhaft den eingerosteten Vorstadtprovinzler, dem das Leben nicht Neues mehr bringt. Man glaubt ihm dann aber auch seinen "Absturz". Er passt perfekt zu dieser Rolle, vom Schauspielerischen her wie auch rein äußerlich. Verdient bekam er für diesen Film einen Oscar, mittlerweile ist er übrigens schon 2facher Oscarpreisträger! Weitere super Filme mit ihm sind (die ich kenne) - Verhandlungssache - Mitternacht im Garten von Gut und Böse
Übrigens war er als Kind ultrarebellisch und ist von einer Militärakademie geflogen... dieses Rebellische hat er gut in diesem Film gezeigt!! Mena Suvari: Ihre Rolle ist sie selbst: Blond, bildhübsch, blauäugig und jung. Sie spielt absolut überzeugend ein Mädchen, dass Zeit dieses Filmes damit prahlt, wie viele Jungs sie vernascht, und ihr Gehabe und Getue, ihr Auftreten und ihre Art bestätigen das eigentlich. Am Ende sorgt sie dann nochmal für eine sehr große Überraschung, dieses American Beauty!
Filme von ihr sollte man sich wirklich anschauen, nicht nur wegen ihrer Schönheit: - American Pie 1 und 2 - Loser - Sugar and Spice Die übrigen Schauspieler finde ich jetzt nicht sooo interessant...
Regisseur war Sam Mendes, von dem mir sonst kein Film bekannt ist. Naja, er bekam gleich einen Oscar dafür, also für die beste Regie! Die übrigen drei Oscars $$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$
Erstmal wurde das Drehbuch von Alan Ball geehrt, weiterhin die beste Kamera (Conrad L. Ball) und zuletzt war dieser Streifen für die Oscarjury noch der beste Film des Jahres! Klischees °°°°°°°°°
Das ist das wirklich SCHÖNE an diesem Film, er vereint mehrere Charaktere und baut diese so detailliert aus, dass sie zwar im Grunde einzigartig sind, aber dann doch mehrere Klischees in sich vereinen: Lester ist der anfangs der typische Langweiler, sein Leben hat eigentlich jetzt schon aufgehört (nicht erst nur in einem Jahr, wo es ihm wirklich an den Kragen geht!). Doch er ist später dann nicht nur der oerflächliche Verehrer der viel jüngeren Angela, sondern durch die Veränderung in seinem Leben flammt wieder Leidenschaft in ihm auf und seine ganze Art wird irgendwie total... cool. Es ist schließlich nicht mehr einfach Angela, der er hinterherjagt, sondern seine Jugend... Angela selbst hingegen ist die scheinbar arrogante Tussie, die mit allen ihren Modellagenten und Fotografen ins Bett steigt (wie sie selbst berichtet), und scheinbar kein Gewissen hat. Doch zum Schluss klärt sich da einiges auf... Carolyn ist die penible Perfektionistin, die nur ihre Rosenzucht liebt und scheinbar keine Gefühle mehr für ihre Familie kennt. Weder mit ihrer Tochter oder ihrem Mann kann sie es lange aushalten... am Ende verliert sie jedoch ihre Maske. Jane ist eigentlich frustriert, da alle Jungen nur Augen für ihre Freundin Angela haben. Sie möchte endlich auch einen Freund, während Angela ihr jeden Tag von einem Neuen erzählt... doch als sie mit dem Nachbarn zusammenkommt, hört jeder Frust auf, und plötzlich zeigt Angela reges Interesse an ihr und ihrer Beziehung zu ihrem Freund... während Jane das nun als eher etwas vollkommen normales ansieht. Jedes Klischee wird also im Grunde zum Schluss aufgehoben, kann man sagen.
Nur einer bleibt seinem Klischee treu: Der Vater des Nachbarjungen war beim Militär, und ist absolut blind dafür, was sein Sohn eigentlich macht. Der hat ein paar tausend volle Videokassette, alles selbstgedreht, und dealt mit Drogen. Das merkt der Vater jedoch nicht und denkt, weil sein Sohn immer nachgibt, dass dieser gut erzogen und ein gehorsamer Junge ist. Auch seine Frau ist typisch: Sie ist absolut leblos. Im Grunde ist sie nur leer. Sie hat keinen besonderen Willen mehr und ist einfach nur da, quasi. Auch sie checkt überhaupt nicht, was ihr Sohn macht. Deswegen überrascht es auch nicht, wie der Sohn geworden ist... Ton, Kamera, etc. §="=§="=§="=§="=§
Einfach super!! Der Soundtrack ist sehr gelungen, die Kamera bekam verdient einen Oscar, und überhaupt die ganze Machart, einfach spitze! Muss man selbst erlebt haben... Meine Meinung und Kritiken *hört-hört* *hört-hört* *hör
Über den Film selbst weiß ich, dass Drehbuchautor und Regisseur im Grunde Neulinge auf dem Gebiet Film waren. Sam Mendes, der Regisseur, kam sogar direkt vom Theater! Es ist einfach genial zu sehen, wie deutlich die beiden es (trotzdem oder vielleicht auch daher) geschafft haben, jeden einzelnen Charakter des Films herauszuarbeiten. Jeder ist absolut einzigartig und angeblich haben die Macher auch wochenlang mit den Schauspielern über ihre zu spielenden Rollen diskutiert, damit diese über sich hinauswachsen können. Und es ist jedem einzelnen auch wirklich gelungen! Der Film ist einfach genau nach meinem Geschmack, er ist nicht so ein Standard-Hollywood-Streifen, er präsentiert eine amerikanische Familie nicht als das höchste zu schützende Gut, sondern behandelt sie mit Zynismus und schwarzem Humor.
Fazit ===== Das Fazit fällt recht einseitig aus: ANSCHAUEN!! Ein wirklich sehr abwechslungsreicher Film mit viel Message und Herz drin, der verdient hoch dekoriert wurde und von guten Kritiken nur so überhäuft wurde! Die Schauspieler sind auch absolut treffend ausgewählt wurden und die Story optimal umgesetzt! Der Film kann auch eigentlich von jedem angesehen werden, ich kann mir eigentlich keine Altersgruppe vorstellen, der der Film nicht gefallen wird! Leiht euch den Streifen aus und erlebt einen spannenden, interessanten und eher ungewöhnlichen Videoabend!
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17.06.2002 00:01
Echt nur weiterzuempfehlen der Film. Dein Bericht ist echt super gelungen, nur weiter so ;) Grüße Tanja
10.06.2002 20:11
Der Vater des Nachbarjungen war aber auch noch für eine Überraschung gut, oder war das deine Absicht, das nicht zu erzählen? ;-) Dein Kontra (mit 6 Rufzeichen) kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen, aber das ist eine andere Diskussion - mit dem Film an sich hast du dich ja sehr gut befasst. Greetz, der Rocker
31.05.2002 23:53
Oh, und da scheint ein Stück zu fehlen, ganz am Ende Deines Berichtes...