American Beauty (DVD)

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American Beauty (DVD)

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Die Offenbarung des Lester Burnham

5 12. Jan 2003

Pro:
Grandiose Schauspieler, erstklassiges Drebuch, schöne Bilder und eine tiefschürfende Moral .  Für mich der beste Film aller Zeiten .

Kontra:
Es gibt nix, verstanden? !

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Action:

Anspruch:

Humor:

Romantik:

Spannung:

mehr


Christo-Boy

Über sich: Out of Cuba. Christo-Boy kehrt nach Oberschwaben zurück.

Mitglied seit:06.11.2002

Erfahrungsberichte:37

Vertrauende:11

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 41 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Vor fast 2 Jahren hatte mein Bruder den Film 'American Beauty' auf VHS von seinem Kumpel ausgeliehen. Er fragte mich, ob ich Lust hätte, den Film zu sehen. Eigentlich hatte ich keine. Ich wußte, der Film war vor kurzem im Kino gekommen und hatte mich damals schon nicht sonderlich interessiert, aber ich sagte trotzdem ja. Damals hatte ich noch keine Ahnung, wie nahe ich dran war, diesen Film niemals zu sehen und damit den größten Fehler meines dummen, kleinen Lebens zu begehen.

[ STORY ]

Lester Burnham (Kevin Spacey) führt ein Leben wie viele Menschen auch: gut situiert im kleinbürgerlichen Milieu. Er hat eine Frau, Carolyn (Annette Bening), und eine Tochter, Jane (Thora Birch). Er führt also ein ganz normales Leben ... nach außen hin. Hinter der Fassade brodelt es jedoch: Seine Frau und seine Tochter halten ihn für einen totalen Verlierer. Und sie haben recht.

"Sehen Sie mich an: Ich hole mir unter der Dusche einen runter. Das wird der Höhepunkt meines Tages sein. Von jetzt an geht's nur noch bergab."

Bei einer Cheerleader-Aufführung seiner Tochter verliebt sich Lester in deren Freundin Angela (Mena Suvari). Dieser Zeitpunkt ist der Wendepunkt seines gesamten Lebens. Er verlagert all sein Streben auf ein Ziel: Angela flachzulegen. Als er auf den neuen Nachbarsjungen Ricky (Wes Bentley) trifft und in ihm seinen persönlichen Helden sieht, beginnt Lester, sein kleinkariertes Leben über Bord zu werfen. Fortan bricht er jedes Tabu: er kündigt seinen Job, erpresst seinen Chef, fängt an zu kiffen und trainiert sich in der Garage bei Pink Floyds musikalischer Untermalung Muskeln für Angela an.

Während Lester all sein Heuchlertum ablegt, blicken wir hinter die Fassaden der anderen, dabei steuert die ganze Geschichte auf ein unheilvolles Ende zu.

[ OHNE SCHEISS ]

Gentlemen, ich war sprachlos. Als der Film nach 117 Minuten zu Ende ging, hing ich wie benommen in meinem Sessel und starrte auf den Abspann und den darauf folgenden Ameisenkrieg. Was hatte ich mir hier angesehen?
Um das herauszufinden, spulte ich die Kassette zurück un sah mir den Film gleich nochmal an. Mit dem Resultat, dass ich um ein weiteres sprachlos war.

'American Beauty' hatte seine bösen Krallen um mich gelegt und mich nie mehr losgelassen. Das hat sich bis zum heutigen Tag nicht geändert. Ich hab den Film in der Zwischenzeit bestimmt noch dreimal gesehen und jedesmal, wenn ich ihn mir ansehe, finde ich ihn noch besser.

Heute, nachdem ich weiß Gott schon viele Filme gesehen habe, immer auf Qualität achtete (naja, nicht immer), Fight Club auch darunter war, bringe ich überzeugter denn je die Worte über meine (virtuellen) Lippen: Dies, o meine Brüder, ist der beste Film aller Zeiten.

[ HINTERGRUND ]

Doch lassen wir diese Behauptung nicht leer im virtuellen Raum stehen, sondern gehen wir der Sache auf den Grund. Wir folgen also Lester Burnham in seine Nachbarschaft, seine Straße, sein Leben. Wir stoßen auf einen Mann, der niemandem etwas wert ist. Seiner Frau nicht, seiner Tochter nicht, seinem Arbeitgeben nicht, und am wenigsten sich selbst. Er ist der geborene Verlierer.

Wieso ist das so? Im Laufe des Films finden wir den Grund heraus: Weil er nicht er selbst ist, weil er es niemals war. Um seine nicht gesellschaftskonformen Leidenschaften zu verbergen, hat er sich die Maske der Mittelständigkeit aufgesetzt. Gleich zu Beginn des Films deckt er auf, wie sich doch sein ganzes Leben hinter einer Fassade aus gespieltem Glück abläuft, wie seine Frau ihn in dieser Hinsicht noch weit übertrifft und wie satirisch er sich selbst darin beurteilt, verdeutlicht an der Tatsache, dass der Griff von Carolyns Rosenschere farblich perfekt zu ihren Gartenschuhen passt.

In dieser Maske fühlt sich Lester nicht wohl, doch nie hatte er die Möglichkeit oder die Motivation, dieses Leben aufzugeben. Er tat es seiner Frau zuliebe, seinem Scheißjob zuliebe, wem auch immer zuliebe. Erst mit seinen erotischen Tagträumen, in denen er Angela und rote Rosenblätter sieht, beginnt seine Odyssee ins aufständige Leben, in denen er sich aus alles bürgerlichen Normen befreit.

Ab dem Moment, nach dem Wichsen in der Dusche, was sinnbildlich für den erzwungenen, eigentlich unehrlichen Orgasmus steht (seine Maske), geht es nur noch bergab. "In weniger als einem Jahr bin ich tot", sagt Lester gleich zu Beginn, "natürlich weiß ich das jetzt noch nicht." Lester beginnt sich aber dennoch wohler zu fühlen. Er nimmt einen Job bei einer Fastfood-Kette als Fleischwender an, kauft sich einen 75er Pontiac Firebird, den Wagen, den er schon immer wollte, zieht sich den besten Stoff rein, den man kriegen kann und scheißt auf alles, was sich gehört.

Das zeigt er so offensichtlich nach außen, dass ihn Carolyn postwendend verführt (was sich schon länger anbahnt, aber jetzt zum Ausbruch kommt). Jane hält ihn für verrückt, hasst ihn noch mehr als vorher. Das liegt nich daran, dass er ein Arschloch geworden ist, im Gegenteil. Es liegt nur daran, dass er ihnen allen den Spiegel vorhält. Und nicht nur ihnen, sondern auch uns, den geneigten Zuschauern, Fernsehdeutschland.

"In ihrer Lüge spiegelte sich meine Lüge", heißt es in Finchers Fight Club und so ist es auch hier. Wir folgen allen Nebenfiguren hinter ihre bürgerlichen Fassaden und erfahren, wie jeder es fertigbringt, sein wahres Ich zu verbergen, um vor der Masse nicht zu kollabieren. Regiedebütant Sam Mendes erzählt dies in ruhigen, von Conrad Hall perfekt umgesetzten, Bildkompositionen. Dennoch nimmt der Film verbal kein Blatt vor den Mund, wirkt so trotzdem herzerfrischend, obwohl es bedrückend wirkt, was gezeigt wird. Das macht 'American Beauty' zu einer wundervollen Kratwanderung zwischen Komödie und Drama, die es dennoch versteht, diese beiden Ressorts zu trennen und damit niemals ihre Ernsthaftigkeit verliert.

Am Ende - ich verrate selbst hier nicht zuviel - stirbt Lester Burnham. Obwohl er am Ziel seiner Träume angelangt zu sein scheint, erlebt er in seiner letzten Nacht einen sanften Schicksalsschlag, der ihm auf ein Mal seine Selbstachtung zurückgibt. Er sitzt am Tisch, lächelt und kann zum ersten Mal aus tiefster Herzen Ehrlichkeit sagen: "Es geht mir sehr gut." Lester Burnhams letzte Worte. Mit sich ins Reine gekommen, verabschiedet er sich aus der Welt.

Das Ende bringt diese böse Moral mit sich: Ohne eine Maske kann der Mensch in der Gesellschaft nicht bestehen. Ich denke, es gibt sehr wenige Menschen, die keine Fassade haben, in welcher Form auch immer, und deswegen wird der Film jeden Menschen ansprechen und auch in gewisser Weise faszinieren. Lester Burnham ist die zentrale Figur in dieser kleinen Gebrauchsanweisung für unser Leben, die eigentlich nur sagt: Bitte nicht auspacken. Belassen sie das Produkt in der Verpackung. Vorsicht, zerbrechlich!

Eine bitterböse, grundehrliche Moral, die unsere Armut zur Geltung bringt, den Verlust unserer Individualität. Eine Moral von undrückten Wünschen, Sehnsüchten und auch Charaktereigenschaften des Menschen, die einfach 'inkompatibel' sind. 'American Beauty' gibt keine Antwort, wie man das ändern kann, der Film sagt nur, dass es so ist und dass es scheiße ist.

Und ihr könnt sagen, was ihr wollt, o meine Brüder, aber Jesus mag für unsere Sünden gestorben sein. Lester Burnham aber starb in gewisser Weise für unsere Freiheit. Wenn ihr wisst ... was ich mit Freiheit meine.

[ PREISE ]

Ein Film, der auf leisen Sohlen daherkommt und einschlägt wie eine Bombe. Es gab 5 Oscars: Sam Mendes erhielt die Trophäe als bester Regisseur, Alan Ball schrieb das beste Drehbuch des Jahres, Conrad Hall gewann den Oscar für die beste Kamera, Kevin Spacey seinen zweiten Oscar als bester Darsteller und natürlich gewann 'American Beauty' den Preis für den besten Film des Jahres 1999. Fünf ehrlich verdiente Oscars für einen tollen Film.

[ DARSTELLER ]

Kevin Spacey (The usual Suspects, Se7en) führt das Gesehen an. Er erbringt die wohl grandioseste Leistung seiner Karriere, die zurecht mit dem Oscar gekrönt wurde.

Annette Bening wurde für den Oscar nominiert, hätte ihn meines Erachtens auch verdient. Heulsuse Carolyn ist ihr wie auf den Leib gezimmert und besonders in den Momenten der Einsamkeit, die ihr Sam Mendes oft gönnt, überzeugt sie vollkommen.

Thora Birch (The Hole) agiert großartig als Jane Burnham. Besondere Anerkennung gilt ihr in den wundervollen Szenen mit Wes Bentley, in denen sie mit ungewöhnlicher Intensität ihren Gefühlen Audruck verleiht und mich tief beeindruckt hat.

Wes Bentleys dämonischer Blick kann einem durchaus Angst machen. Mit minimaler Mimik, aber maximaler Intensität verkörpert er den zwielichtigen Ricky, der Faszination ausstrahlt, wie kaum eine andere Figur im Film.

Chris Cooper spielt Rickys Vater, einen ehemalogen Colonel des US Marine Corps. Auch seine Leistung ist beachtlich, besonders gegen Ende des Film, wo er eigentlich zur tragischsten aller Figuren wird.

Mena Suvari spielt die göttliche, die wundervolle, die (un)gewöhnliche Angela, mit der Lester bumsen will und die ihn zunächst wie einen Fisch am Haken zappeln läßt und geil macht. Sie - als auslösendes und beendendes Moment für Lesters Wandlung - hat keine andere Wahl, als zu überzeugen, dazu ist sie viel zu schnuckelig (verzeiht mir das Wort, aber das trifft's am besten).

[ FAZIT ]

Was soll ich noch sagen? Dieser Film ist eine Offenbarung, ein wundervolles, unübertreffliches und grandioses Erlebnis, das nicht regungslos an einem vorbeischrammen wird. Zutiefst betroffen und zutiefst erheitert verlässt man die Bühne des Geschehens. 'American Beauty' ist der erste Film, bei dem ich nicht mal sage, dass er Geschmacksache ist, denn er ist der universellste Film, den ich kenne und wem er nicht gefällt, den kann ich nicht verstehen und dessen Gefühlswelt kann ich nicht nachempfinden. Vielleicht gefällt er denen nicht, die sich zu penetrant an ihre offensichtliche Fassade erinnert gefühlt haben.

Das ist die volle Punktzahl auf meiner 10er Skala. Mein Lieblingsfilm, den ich zugleich als den besten aller Zeiten anerkenne und schätze.

Abschließend möchte ich ein Zitat von Lester Burnham anfügen, das mir sehr gut gefällt:
"...und dann geht mir durch den Kopf: Ich sollte mich entspannen und aufhören zu versuchen, die Schönheit festzuhalten. Dann durchfließt sie mich wie Regen und ich kann nichts empfinden außer Dankbarkeit für jeden einzelnen Moment meines dummen kleinen Lebens."

Amen. Und all den Scheiß.

Euer ergebener Berichteschreiber
Christo-Boy
 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
BillMaplewood

BillMaplewood

03.02.2003 16:14

Herzlichen Glückwunsch zu einem Goldenen Krusti im Monat Januar!!! Mfg Björn.

carmen

carmen

24.01.2003 14:52

Der Film ist tatsächlich eine Offenbarung. Ich war total erschüttert, wie genau er soziale und familiäre Verhaltensweisen seziert, die man in genau der Form an sich oder der eigenen Familie beobachten kann - wenn man es denn mal tut. Starke Besprechung. carmen

gnoi

gnoi

22.01.2003 15:06

Anfangs dachte ich immer: Ach so ein Scheiß, das guck ich mir nie im Leben an. Dann hab ich mich überwuden und musste feststellen, genau wie du, dass der Film ein wahres Meisterwerk ist...

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  1. I...Loaded_Raft
  2. carmen
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