Sometimes there's so much beauty in the world...
14.11.2011
Pro:
Hervorragender Film - ohne jeden Zweifel
Kontra:
Das Bonusmaterial könnte spannender sein
Empfehlenswert:
Ja
 Schlucke
Über sich:
With forgiveness as our torch and imagination our sword - We'll untie the ropes of hate and slash op...
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Ein nackter Frauenbauch. Eine Hand, die eine mit Wasserperlen benetzte Rose auf den Bauch drückt. Natürlich, bei einem solchen DVD-Cover schaut man gerne hin, man wird auch direkt darauf aufmerksam. Dementsprechend fordert das Cover auch: ...sehen Sie genau hin. Vier Worte, so viele Bedeutungen. Und im Falle von American Beauty, Sam Mendes' Kino-Regiedebüt auch eine klare Aussage, die nicht nur für den Film, sondern doch bitte für das ganze Leben gelten sollte.
Vorhang auf Ein anonymer, US-amerikanischer Vorort. Die Straßen sind sauber, die Gärten gepflegt. Glückliche Menschen leben in ihren bescheidenen Häusern ein möglichst sorgenfreies Leben. Sie gehen täglich zur Arbeit, kehren am Abend zu ihren Lieben zurück, tauschen sich mit ihren Nachbarn aus, putzen ihre Autos, gehen einkaufen und tun all die Dinge, die zum Alltag dazugehören.
In diesem Viertel leben auch die Burnhams: Vater Lester (Kevin Spacey), Mutter Carolyn (Annette Bening) und die pubertäre Tochter Janey (Thora Birch). Lester arbeitet bei einem Verlag, Carolyn als Maklerin: Die Familie lebt frei von finanziellen Sorgen. Lester Burnham fungiert als Erzähler aus dem Off, der uns mitteilt, dass er - an dem Tag, an dem ihn der Zuschauer kennenlernt - nur noch ein Jahr zu leben hat. Man weiß also schon nach wenigen Filmminuten, was am Ende geschehen wird - was jedoch zwar das Was, nicht jedoch das Wie vorwegnimmt. Wir erfahren, wie unwohl sich Lester Burnham in seinem Leben fühlt. Er befindet sich mitten in der Midlife Crisis; sein Job füllt ihn nicht aus, seine Frau ist nur auf den schönen Schein aus und seine Tochter respektiert ihn nicht. Das Onanieren unter der Duschen kurz nach dem Aufstehen wird zum Höhepunkt des Tages (im wahrsten Wortsinne), danach funktioniert Lester nur noch.
Dies ändert sich jedoch eines abends, als Lester und Carolyn ihrer Tochter bei einem Auftritt ihrer Cheerleader-Gruppe zusehen. Lester lernt so Amanda (Mena Suvari) kennen, die beste Freundin seiner Tochter. Sofort verliebt sich Lester in die junge Schönheit und sieht in dieser Liebe endlich einen neuen Sinn in seinem Leben. Von diesem Moment an verändert er alles: Er kauft beim neuen Nachbarn Ricky Haschisch, er kündigt seinen Job, er stemmt Gewichte. Durch seinen neuen, unangepassten Lebensstil zerstört Lester langsam, aber sicher die vormals prächtige Fassade seines Familienlebens. Was nach außen hin stets perfekt schien, bröckelt nun und fällt schließlich in sich zusammen. Und je mehr sein Umfeld zusammenbricht, blüht Lester auf - bis er schließlich sterben muss.
Loben Dass Kevin Spacey ein hervorragender Schauspieler ist, hat er spätestens mit seiner Oscar-Prämierung für seine Rolle in Die üblichen Verdächtigen bewiesen. Konnte er damals jedoch "nur" die Throphäe für die beste männliche Nebenrolle gewinnen, so brachte ihm seine Darstellung des Lester Burnham 1999 den Oscar für die beste männliche Hauptrolle ein - und, meine Freunde: Kein Mensch, der je American Beauty gesehen hat, zweifelt auch nur eine Sekunde daran, dass diese Auszeichnung verdient gewesen ist.
Die diebische Freude, die Lester Burnham das Umkrempeln des eigenen, in einer Sackgasse festgefahrenen Lebens bereitet, bringt Spacey mit einer solchen Intensität und Glaubwürdigkeit rüber, dass man als Zuschauer spürt, dass Spacey seine Filmfigur geradezu lebt. Gleichgültig, ob Spacey von der einen auf die nächste Sekunde ausflippt, weil er Respekt einfordert, ob er seinen Boss erpresst oder aber Angela anstarrt: In jeder Szene spielt Spacey glaubwürdig. Eine eindrucksvolle Schauspielleistung, die - wie gesagt - völlig zurecht mit dem Oscar prämiert wurde. Eigentlich ist es eine Schande, dass neben dieser Leistung beinahe alle anderen Darsteller ein wenig verblassen. Dies soll jedoch nicht als Kritik verstanden werden, denn American Beauty ist - ohne jede Ausnahme bis in die kleinste Nebenrolle hervorragend besetzt. Es verwundert daher nicht, dass Annette Bening für ihre Darstellung der Carolyn Burnham ebenfalls eine Oscar-Nominierung erhielt. Thora Birch glänzt als rebellischer, aufmüpfiger und vom Leben angeödeter Teenie ebenso wie Mena Suvari, die hier eindrucksvoll beweist, dass ihr tragische Rollen ebenso stehen wie Figuren in einer Teeniekomödie wie American Pie.
Ebenfalls erwähnt werden muss Wes Bentley, der in American Beauty zum ersten Mal einem größeren Publikum bekannt gemacht wurde. Mit vielen Facetten spielt er den undurchsichtigen Ricky Fitts, der sich im Laufe des Films jedoch als einziger wirklicher Sympathieträger entpuppt.
Starren Nicht umsonst wurde Sam Mendes 1999 mit dem Oscar für die beste Regie ausgezeichnet. Sein Film überzeugt in inszenatorischer Hinsicht auf ganzer Linie und die Schauspielerleistungen belegen eindrucksvoll, dass Mendes sein Team zu Topleistungen motivieren konnte.
Optisch beeindruckt der Film vor allem dann, wenn sich Lester in seine Traumwelt flüchtet, in der er seine erotischen Fantasien mit Angela auslebt. Dazu gehört eine mysteriöse musikalische Untermalung sowie unzählige Rosenblätter, die als Symbol des Films gelten können. In anderen Szenen hält sich der Film geradezu "zurück": Die Kamera zeigt nur das alltägliche Grauen, das sich hinter der scheinbar heilen Fassade der gepflegten Vorstadthäuser abspielt. Ganz ohne Musikuntermalung, hektische Schnitte oder ähnlichen Schnickschnack entlarvt Mendes die scheinbar heile Welt als Illusion.
Staunen In der englischen Sprache gibt es den Begriff des "Instant classics"; als diesen bezeichnet man einen Film, einen Roman oder auch ein Lied, den oder das man konsumiert und sofort weiß: Man hat es hier mit einem Meisterwerk zu tun, das noch auf Jahre und Jahrzehnte Menschen begeistern wird.
Im Falle von American Beauty hatte ich solche Gedanken nicht. Ich habe ihn damals zum ersten Mal angesehen, als er gerade frisch auf Video in den Videotheken veröffentlicht worden war. Vielleicht fehlte mir damals die Reife oder aber das Verständnis; genau weiß ich es nicht, doch beim ersten Schauen vermochte mich American Beauty gewiss nicht zu begeistern. Glücklicherweise gab ich dem Film eine zweite Chance. American Beauty ist eine dieser wenigen Filmperlen, die das Lala-Land (danke, MissVega!) immer wieder produziert. Ein Film, dessen Drehbuch beinahe mit einer tickenden Zeitbombe zu vergleichen ist, da er einen Blick wirft hinter all den Schein und die glitzernde Fassade, die den ach so erstrebenswerten "American Way of Life" so ausmachen. Während alle Charaktere im Film zunächst gefestigt, glücklich und mehr oder weniger erfolgreich wirken, so stellt sich schnell heraus, dass sie praktisch alle gescheiterte Existenzen sind, die sich jedoch so sehr in ihren Alltag verrannt haben, dass sie ihr Unglücklichsein nicht mehr wahrnehmen.
Da haben wir beispielsweise die Nachbarn der Burnhams: Auf der einen Seite ein schwules Liebespaar, das natürlich in der sehr aufgeklärten amerikanischen Gesellschaft (ja, durchaus die Stelle zum Lachen!) völlig akzeptiert wird und auf der anderen Seite die Familie Fitts, die aus dem schon erwähnten Ricky, der völlig traumatisierten und apathischen Mutter Barbara und Col. Frank Fitts, der seine Familie mit harter Hand führt und der Schwule verachtet, besteht. In der Welt des Col. Fitts existiert nur ein grobes schwarz-weiß-Denken, das sich auch schlicht mit den Begriffen "gut" und "böse" beschreiben lässt. Hier haben Homosexuelle keinen Platz und auf den Gedanken, dass der eigene Sohn ebenfalls schwul sein könnte, reagiert Frank Fitts mit Schlägen und nicht mit Verständnis. Figuren dieser Art finden sich zuhauf im Film; auch Carolyn Burnham gehört eindeutig zu dieser Sorte Mensch. Während sie nach außen hin den schönen Schein wahrt und sich als glücklich verheiratete und erfolgreiche Frau präsentiert, akzeptiert sie Individualität und andere Denkensweisen nicht. Ihr Leben folgt klaren Strukturen, Spontaneität hat hier keinen Platz. Dies äußert sich eindrucksvoll in der Szene, in der Lester mit ihr auf der Couch schlafen will und sich die beiden zum ersten Mal seit scheinbar langer Zeit näherkommen: Bevor Carolyn ihren Gefühlen freien Lauf lassen kann, sorgt sie sich eher um das teure Mobelstück, das...leiden könnte.
Jede Figur in American Beauty besitzt mehr als Netz und doppelten Boden. Hier lohnt es sich definitiv, genau hinzuschauen, denn durch das Zusammenspiel der hervorragend ausgearbeiteten Charaktere lebt der komplette Film. Als heimlicher Sympathieträger entpuppt sich recht schnell der zunächst schüchtern und gleichzeitig leicht furchteinflößend wirkende Ricky Fitts. Der wird in der Schule als Außenseiter und Sonderling präsentiert, der stets seine Videokamera bei sich trägt und alles für ihn Interessante filmt. Doch nach und nach lernt der Zuschauer eine Figur kennen, die sich in all der Oberflächlichkeit und all den Lügen, aus denen die Gesellschaft in American Beauty gestrickt ist, treu bleibt. So kündigt er beispielsweise spontan und ohne jedes Zögern einen Aushilfsjob, weil ihm der Chef das Gespräch mit Lester Burnham auf dem Hinterhof untersagt. Auch daran erkennt Lester selbst, wie festgefahren sein eigenes Leben ist. Auch in der wohl schönsten Szene des Films spielt Ricky Fitts die Hauptrolle...oder vielmehr etwas, das er gefilmt hat: Eine simple Plastiktüte, hastig auf den Asphalt geworfen, die dort zwischen Blättern liegt und vom Wind hin- und hergewirbelt wird. Was zunächst kitschig wirkt, lässt sich danach getrost als Metapher für die Gefühle der Figuren, allen voran Lester, begreifen: Auch Lester wäre gerne wie diese Tüte: frei, ungebunden und von allen Zwängen befreit. An großen Szenen mangelt es American Beauty glücklicherweise nicht. Das liegt auch an den herrlichen, messerscharfen Dialogen, die Alan Ball im Drehbuch untergebracht hat. Mit beißendem Zynismus lässt er seine Figuren teilweise auftreten, vor allem Lester zeichnet sich dadurch aus. Beispiele gefällig?
Auf einem Makler-Empfang: Carolyn: My husband, Lester. Buddy Kane (Maklerkönig): It's a pleasure. Lester: Oh, we've met before, actually. This thing last year, Christmas at the Sheraton... Buddy Kane: [tut so, als könne er sich erinnern] Oh yeah, yes... Lester: It's OK, I wouldn't remember me either. Beim Abendessen: Carolyn: Your father and I were just discussing his day at work. Why don't you tell our daughter about it, honey? Lester: Janie, today I quit my job. And then I told my boss to go fuck himself, and then I blackmailed him for almost sixty thousand dollars. Pass the asparagus. Carolyn: Your father seems to think this kind of behavior is something to be proud of. Lester: And your mother seems to prefer that I go through life like a fucking prisoner while she keeps my dick in a mason jar under the sink. Carolyn: How dare you speak to me that way in front of her. And I marvel that you can be so contemptuous of me, on the same day that you LOSE your job. Lester: Lose it? I didn't lose it. It's not like, "Whoops! Where'd my job go?" I QUIT. Someone pass the asparagus, please.
Entschuldigt, dass ich die Szenen in der Originalsprache aufschreibe...dies tue ich jedoch auch hauptsächlich deswegen, weil die synchronisierte Version nicht mit dem Original mithalten kann. Und Szenen wie diese sind einfach herrlich. Weil sie trotz aller Komik immer noch einen sehr ernsten Hintergrund besitzen. Überhaupt: Selten konnte ein Film so viele verschiedene Genres und Emotionen bedienen. American Beauty vereint verschiedenste Filmarten in sich: Janey und Ricky stehen für den Coming-to-age-Film; das ganze Beziehungsgeflecht spricht für ein Drama, der Ton für die Komödie und die Machart für eine Tragödie, die in ähnlicher Form auch auf der Theaterbühne aufgeführt werden könnte - es verwundert nicht, dass Regisseur Mendes zuvor ebendort gearbeitet hat.
Was den Film neben seinen Charakteren, den messerscharfen Dialogen und der hervorragenden Inszenierung ebenfalls noch sehenswert macht, ist der Mut der Filmemacher; diese schrecken weder vor einem im prüden Amerika unpassenden Vokabular noch vor Nacktszenen zurück. Natürlich werden hier nicht wirklich Tabus gebrochen, dafür ist im Kino schon zu viel vor American Beauty gezeigt worden. Dennoch bricht der Film mit vielen Konventionen und folgt geradlinig seiner Geschichte, ohne dabei Eingeständnisse zu machen - so zumindest mein Eindruck. So gerne ich euch Schwachpunkte präsentieren würde, ich scheitere daran. Mir gefällt der Film heute nach den genannten Startschwierigkeiten hervorragend. Zwar mag der ein oder andere das eher gemächliche Erzähltempo bemängeln, doch auch dies kann ich nicht als Schwachpunkt ansehen, da man nur so die Figuren richtig kennenlernen kann. Trotz der eher gemächlichen Erzählweise vergehen die knapp zwei Stunden Spielzeit wie im Flug. Dies liegt natürlich vor allem an der Geschichte selbst, die bis zum Ende fasziniert und am Ende auch mehrfach überrascht. Einfach großartig und ein weiterer Beweis für die Extraklasse des Drehbuchs.
Schauen Meine DVD-Version kommt in einem Pappschuber daher, die im Rahmen der Cinema Oscar-Edition erschien. Ob sich das Bonusmaterial auf dieser Scheibe von dem der "normalen" Verkaufs-DVD unterscheidet, kann ich euch leider nicht sagen. Wirklich erhellend ist das Bonusmaterial allerdings sowieso nicht. Weder der Audiokommentar noch das "Behind the Scenes"-Kurzfeature geben allzu viel Aufschluss über die Hintergründe des Films. Vor allem im Kurzfeature hat man das Gefühl, als ob sich alle Beteiligten nur über den grünen Klee loben.
Interessiert hätten mich zusätzliche Szenen, doch darauf muss man leider verzichten. Ergänzt wird das Bonusmaterial von zwei Trailern zum Film und einer Storyboard-Präsentation; vor allem letzteres gewährt immerhin einige Einblicke in das Entstehen des Films, doch ich muss zugeben, dass ich mir dieses Feature nicht komplett angeschaut haben - beträgt seine Spielzeit doch immerhin über eine Stunde! Technisch setzt die DVD keine Maßstäbe, muss sie aber nicht. Weder Bild- noch Tonqualität können besonders überzeugen noch enttäuschen sie. Soll also heißen: Hier gibt es nichts zu sagen...
Begeistern lassen American Beauty gehört zu den Filmen, die man auf jeden Fall einmal gesehen haben sollte, vor allem dann, wenn man in irgendeiner Form eine Bindung zu den Vereinigten Staaten besitzt. Sam Mendes' Kinodebüt ist gleichermaßen urkomisch wie tragisch - das Lachen bleibt oft beinahe im Hals stecken, weil das Gezeigte eigentlich zu traurig ist.Nichts, aber auch gar nichts kann man an diesem Film ernsthaft kritisieren: Die Inszenierung ist über jeden Zweifel erhaben. Ein toller Soundtrack und eine gelungene Kameraarbeit lassen inszenatorisch keine Wünsche offen. Die von Alan Ball im Drehbuch verfasste Geschichte überzeugt von der ersten bis zur letzten Sekunde mit ihren hervorragenden Dialogen, den toll ausgearbeiteten Figuren und einer Zuspitzung der Ereignisse, die am Ende in einem unverhersehbaren Finale gipfelt. Über allem thronen jedoch die Darsteller, in den Schatten gestellt von Kevin Spacey, der hier die Leistung seines Lebens abliefert und völlig verdient mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Doch auch alle anderen Darsteller überzeugen auf ganzer Linie. Das Tüpfelchen auf dem i eines hervorragenden Films.
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25.12.2011 11:52
Boah, ey! Zu viel Struktur und Absätze. Da kann man ja herrlich überfliegen und ein fröhliches BH drunter setzen.
21.12.2011 14:54
klasse berichtet
17.12.2011 12:23
Super Bericht! Hab den Film noch nie gesehen, was wohl eine Seltenheit ist. ;)