SINNERS & SAINTS
20.01.2002
Pro:
regt zum Nachdenken an
Kontra:
nicht ganz nachvollziehbar, könnte möglicherweise falsch verstanden werden
Empfehlenswert:
Ja
 TFaust99
Über sich:
why should you need any other when you're a world within a world
Mitglied seit:31.01.2001
Erfahrungsberichte:155
Vertrauende:63
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 74 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Einen gar nicht amerikanischen Film lieferte uns Regisseur Tony Kaye vor einigen Jahren. Amerikanischer Rechtsradikalismus sollte das Thema sein, ein tiefer Einblick in die Neonaziszene der Staaten. Ob das wirklich funktioniert hat und was ich von dem Resultat, das uns seit einiger Zeit schon mit „American History X“ vorliegt, halte, das könnt Ihr hier lesen... Derek Vinyard (Edward Norton) kommt aus dem Knast. Drei Jahre zuvor hatte der Skinhead drei Schwarze getötet, die sein Auto stehlen wollten. Doch – welch Wunder ! – Derek hat jetzt eine schicke Kurzhaarfrisur und ist irgendwie ein halbwegs netter Typ, ein liebendes Familienoberhaupt geworden. Was ist mit dem hasserfüllten Neonazi, dem Anführer der lokalen rechten Szene geschehen ? Ganz einfach: er ist ein anderer Mensch geworden. Hass und Gewalt hat er abgeschworen, nachdem er bemerkt hat, dass seine schwarzen Mitbürger eigentlich doch „ganz nett“ sein können. Und jetzt ist er draußen – keine gesiebte Luft mehr, Freiheit. Doch da gibt es noch eine Sache, die Derek unbedingt zu erledigen hat. Sein Bruder Danny (Edward Furlong) ist nämlich auf dem gleichen Weg, den er selbst einst beschritt und der tragisch mit seiner Gewalttat endete. Immer tiefer steckt Danny in der rechten Szene. Kann Derek ihm die Augen öffnen oder ist es schon zu spät ?
So viel, oder besser gesagt so wenig zum Film selbst – schließlich sollt Ihr ihn noch selbst sehen können, ohne das Ende schon zu wissen. Eins sei jetzt schon gesagt: es lohnt sich. Der Film regt zum Nachdenken an, und sei es auch nur über die Schwächen desselben. Und derer gibt es einige. Zum Einen wäre da die Tatsache, dass dem Zuschauer während des gesamten Films keinerlei Wertung vorgelegt wird. Das ist im Grunde alles andere als schlecht, schließlich will man ja nicht bevormundet werden und jeder mit gesundem Menschenverstand versehene Mensch sollte wissen, dass Rechtsradikalismus nichts „Gutes“ ist. Trotzdem legt der Film einen schwierigen Start hin – die in schwarzweißen Rückblenden erzählte Vorgeschichte ist dermaßen frei von Wertung, dass man sich des öfteren die Frage stellt, auf welcher Seite der Film denn jetzt steht – unterstützt er die Täter in ihren Handlungen oder doch die Opfer ? Das ist vorerst nicht ganz klar und ändert sich auch während des ganzen Films nicht sonderlich. Andererseits hat man nicht die klassische Situation, dass es die „Guten“ und die „Bösen“ gibt. Denn hier haben alle Dreck am Stecken, nicht nur die Neonazis. Kriminalität ist nun mal ein Problem in amerikanischen Großstädten, warum sollten die eigentlichen Opfer, die Schwarzen, nicht auch Waffen tragen und kriminell sein ?
Weiterhin – und hier sehe ich den größten Schwachpunkt des Films – spielt Edward Norton sehr gut, doch die Rolle selbst überzeugt nicht völlig. Es ist einfach unglaubwürdig, dass Derek durch seinen Gefängnisaufenthalt komplett umgekrempelt wird. Nur durch ein paar nette Unterhaltungen mit dem farbigen Mithäftling und der Erkenntnis, dass eigentlich die weißen Mithäftlinge die Bösen sind sollte ein dermaßen intelligenter und charismatischer Mensch nicht seine kompletten Überzeugungen aufgeben, das ergibt keinen Sinn. Oder auch andersherum: ein dermaßen intelligenter und charismatischer Mensch dürfte im Grunde gar nicht rechtsradikal sein – dazu wirkt er einfach zu gescheit. Und das alles dem verstorbenen Vater zuzuschreiben, ist ebenfalls recht billig. Streiten kann man sich auch über das Ende des Films, welches hier natürlich nicht verraten wird. Es sei nur gesagt, dass praktisch die gesamte bis dahin aufgebaute Aussage des Films in Frage gestellt wird. Andererseits wäre der Film nicht unbedingt glaubwürdiger, würde er anders enden. Spreche ich in Rätseln ? Tut mir Leid.
Unterm Strich bleibt mit „American History X“ ein guter, wenn nicht sehr guter Film, den anzuschauen sich lohnt. Wer die zwar nicht allzu häufigen aber dafür umso brutaleren Gewaltszenen verkraften kann und sich nicht von der Wertungslosigkeit in die Irre führen lässt, der wird mit genug Diskussionsstoff belohnt. „American History X“ ist nicht unbedingt der geeignete Stoff für den nächsten Videoabend, aber gesehen sollte man diesen Film schon haben.
... und die richtigen Fragen stellen ... Thomas Faust, 20.01.2002
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09.08.2005 18:42
Also für mich ist der film eindeutig Pro-Nazi. Es gab einige szenen die sie aus dem Film geschnitten haben und meine Meinung bestätigen das der für Nazis ist. LG
26.01.2005 15:59
>> „American History X“ ist nicht unbedingt der geeignete Stoff für den nächsten Videoabend<< - das dachte sich meine Englisch-LK-Lehrerin sicher auch, als ein Mitschüler wie versprochen den Film mit in den Unterricht brachte und sie ihn selbst vorher noch nicht gesehen hatte... :-) - Alles in allem ein toller Bericht!! **LG, DoriScully
03.06.2002 21:23
ich hab den film noch immer nicht gesehen *schäm* muss ich definitiv nachholen da ich ein absoluter fan von Edward Norton bin ( kommt zeimlich bald nach Johnyn depp *sabber* ! ;o) greetz