Es ist NUR EIN FILM!!
03.03.2002
Pro:
ernster Film, der sich nicht zu lasch mit dem Faschismus beschäftigt
Kontra:
zu sehr überzeichnete Charaktere
Empfehlenswert:
Ja
 Blacklady
Über sich:
You miss 100% of the shots you don't take.
Mitglied seit:30.04.2000
Erfahrungsberichte:534
Vertrauende:65
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 101 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich hatte schon im Vorfeld geahnt, dass dieser Film keine leichte Kost sein würde und war dementsprechend präpariert daran gegangen ihn zu schauen. Es passiert mir zwar nicht selten, dass mich ein Kinostreifen emotional mitnimmt, aber dieser Streifen traf bei mir einen ganz besonderen Nerv...
Ein ausgeprägtes Vorstellungsvermögen ist oft von Vorteil nur nicht dann, wenn in einem Film mit der eigenen Phantasie gespielt wird. Es gab eine Szene in diesem Film, wo ich mir immer wieder vor Augen halten mußte, dass es "nur" ein Film ist. Ich hätte mich sonst übergeben. Aber dazu später mehr...
---DIE STORY------------------------------------------ Derek Vinyard ist jung, intelligent und ein weißer Amerikaner. Er hat einen großen Freundes- und Bekanntenkreis und eine feste Freundin. Alles normal? Oh nein, nicht alles.
Wenn Derek sich entkleidet, fällt einem als allererstes das überdimensional große Hakenkreuz ins Auge, das quer über seine Brust tättowiert wurde. Derek ist ein Anhänger der White Power-Generation. Viele desorientierte, weiße Jugendliche scharren sich um den etablierten Nazi Cameron und verbreiten Hass und Gewalt in ihrer Umgebung. Derek, von Cameron als dessen Sprecher auserkoren, führt diese "Gang" an.
Als eines Abends drei Schwarzen Derek den Wagen stehlen wollen, rastet dieser total aus. Er nimmt sich seine Knarre und erschießt einen, ein weiterer kann fliehen. Der Dritte wurde nur angeschossen und da Derek keine Munition mehr hat, statuiert er ein Exempel. Er läßt den Schwarzen auf den Bordstein beißen und springt ihm auf den Kopf...Man sieht und hört zwar nichts von dieser Szene, aber die Phantasie geht noch Tage danach mit einem durch! 3 Jahre später. Dereks kleiner Bruder Danny ist genau in die Fußstapfen seines großen Vorbildes getreten. Er steht unter Camerons Fuchtel und als er für die Schule einen Aufsatz schreiben soll, wählt er sich den "Hitler-Leitfaden Mein Kampf". Dannys Lehrer ist geschockt, aber er will den intelligenten Jungen nicht gleich aufgeben und bietet ihm eine "Resozialisierungsmaßnahme" an. Er soll einen Aufsatz über das Leben und die Taten seines Bruders Derek schreiben, der an diesem Tag nach drei Jahren Haft wieder auf freien Fuß kommt.
Danny, vollgepummpt mit der Nazipropaganda seines Bruders und seines "Führers" Cameron weiß sich anfangs nicht zu helfen. Da hilft es ihm auch nicht weiter, dass sein Bruder im Knast eine Drehung um 180 Grad vollbracht hat. Viele schleche Erfahrungen, der erste richtige Kontakt zu einem Schwarzen und ein paar Nazis die Geschäfte mit den "Latinos" machen. Dereks Weltbild brach zusammen und er begann zu begreifen... Genau einen Tag hat Derek Zeit seinem kleinen Bruder klarzumachen, warum das von ihm vertretene Weltbild falsch ist. All die rassistischen Aussagen, es verstorbenen Vaters, nichts soll Danny mehr glauben. Und siehe da, Derek erreicht, was keiner für möglich hielt...und Danny wird am Tag seiner Wandlung von einem schwarzen Mitschüler in der Toilette erschossen.
---DIE HAUPTCHARAKTERE-------------------------------- Derek Vinyard (Edward Norton)
Derek ist ein weißer, intelligenter Amerikaner der Mittelschicht. Seine Mutter ist Hausfrau und sein Vater arbeitete bis zu seinem Tod als Feuerwehrmann. Er wurde bei der Ausübung seiner Pflicht von einem Schwarzen umgebracht. Die rassistischen Ansätze und die Ablehnung schwarzer Literatur hat Derek von seinem Vater. In dem etablierten Altnazi Cameron (Stacy Keach)hat Derek einen Vaterersatz gefunden,sowie Anerkennung und Gleichgesinnung. Derek ist der Anführer einer Gruppe, die sich die Zurückdrängung der anderen Rassen zur Aufgabe gemacht hat. Sowohl alle seine Freunde und auch seine Freundin stehen total hinter ihm und verehren Derek für seine grausige Tat. Danny Vinyard (Edward Furlong)
Danny ist 17 Jahre alt und genau in die Fußstapfen seines großen Bruders getreten. Die gleichen Freunde, eine Freundin aus der Szene und die Zugehörigkeit zu Camerons Schlägertrupp. Bilder der White Power-Generation und Poster von Adolf Hitler zieren seine Zimmerwände. Erst als Danny sich im Rahmen der Hausaufgabe mit der schrecklichen Tat und einem veränderten Derek auseinandersetzen muß, merkt man wie desorientiert er eigentlich ist. Die Familie ist ihm sehr wichtig und seine Liebe zu Derek ist wie die Liebe zu einem Vater. ---DIE HARTEN FAKTEN----------------------------------
Drama USA 1998 118 Min. FSK ab 16 Jahre Regie: Toni Kaye Edward Norton .......... Derek Vinyard Edward Furlong .......... Daniel "Danny" Vinyard Beverly D'Angelo .......... Doris Vinyard Jennifer Lien .......... Davina Vinyard Ethan Suplee .......... Seth Fairuza Balk .......... Stacy Avery Brooks .......... Bob Sweeney Elliott Gould .......... Murray Stacy Keach .......... Cameron William Russ .......... Dennis Guy Torry .......... Lamont Joseph Cortese .......... Rasmussen Jason Bose Smith .......... Little Henry Antonio David Lyons .......... Lawrence Alex Sol .......... Mitch McCormick
---MEIN FAZIT----------------------------------------- Der Film ist erschreckend, aufwühlend und zugleich dennoch eine zu einfache Art den Zeigefinder zu erheben. Denn in diesem Film passt einfach zuviel zusammen. Was wäre gewesen, wenn die Nazis im Knast keinen Drogenhandel mit den "Latinos" betrieben hätten? Wenn die einzigen Menschen, die Derek unterstützen keine Schwarzen gewesen wären? Warum hat Danny nicht gegen seinen Bruder ausgesagt, obwohl ihm die Erinnerung an die Bluttat einiges an Nerven kostet?
"American History X" ist vermutlich der erste US-Film, der einen Neonazi zum Protagonisten macht. Die Probleme bleiben nicht aus, die sich grundsätzlich immer einstellen, wenn es um künstlerische Bearbeitungen des Themas Faschismus geht. Regisseur Toni Kaye ist Werbefilmer. Viele sagen, man sieht dass die faschistischen Gewalttaten zu hübsch inszeniert worden seien. Es gibt Vorwürfe, die Bilder orientierten sich an der Ästhetik Leni Riefenstahls - der Mord geschieht in dekorativer Schwarz-Weiß-Zeitlupe.
Ich habe diese Art der Inszenierung gerade sehr berührend empfunden, findet sich dort doch auch die Szene, die mich beinah meinen Mageninhalt gekostet hat. Warum hätte das alles in Farbe sein müssen - es ist ein Rückblick, wie alle anderen in diesem Film in schwarz-weiß - und mit umherfliegendem Gehirn oder den Geräuschen eines brechenden Genicks. So hat es mich viel mehr schockiert, was ja auch Sinn und Zweck der Übung war. Sehr interessant war für mich auch die Darstellung des Charakters Camerons, der für den Forlauf der Handlung nicht wichtig war. Aber für das Verständnis und den erhobenen Zeigefinger allemal. Der kühle Geschäftsmann Cameron kontrolliert die faschistische Jugendgemeinschaft, veranstaltet ihre Konzerte und verdient sein Geld mit dem Vertrieb faschistischer Schriften. Er repräsentiert das Bild vom Mißbrauch der Jugendkultur, des überzeugten Schreibtischtäters, der die politisch diffuse Menge gezielt auf den falschen Weg bringt.
Sehr überzeugend fand ich die Darstellung von Derek nach Entlassung aus der Haft. Von Verfolgungswahn gezeichnet, taucht er als erstes auf einem Nazikonzert auf, um sich an Cameron zu rächen, dessen perfides Spiel er nun endlich durchschaut hat. Als er sein geläutertes Antlitz zur Schau stellt, hat das fatale Folgen. Alle sein Freunde sind gegen ihn, er ist ein Verräter - seine Ex-Freundin stachelt die Massen auf zum Mord an ihm... der Jäger wird zum Gejagten, just in dem Moment, wo er erkennt, dass man Leben lieber retten sollte. American History X ist ohne Frage einer der besten Filme, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Edward Norton spielt seine Rolle so dermaßen überzeugend, daß man ihm einfach jede seiner Darstellungen abnimmt. Sei es der schüchterne Teenager der unter dem Einluß seines Vaters steht, der brutale Neo-Nazi, der versucht den Grund für den Tod seines Vaters in der Rassenpolitik der USA zu finden, oder der im Gefängnis Geläuterte, der einsieht, dass all seine Ansichten falsch waren.
Unbedingt sehenswert!! Eure Wiebke
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14.10.2006 00:55
Den Film haben wir im Unterricht mit unserer Lehrerin gesehen. Allerdings kannte sie ihn garnich und hat wohl deswegen erlaubt ihn zu gucken. Ihre Meinung über den Film: Bescheiden:D... Meine Meinung: richtig toller Film!:-)
12.06.2006 19:31
Guter Bericht, doch du hättest nicht unbedingt erwähnen müssen, dass Danny am Ende erschossen wird. So etwas nennt man Spoiler. lg
21.01.2006 16:54
Du hast recht. das ist wirklich einer der besten Filme und sollte jeder mal gesehen haben. schöner bericht. lg