Amerikas Familien bedroht durch Rechtsradikalismus
18.05.2002
Pro:
Gute Umsetzung einer brisanten Thematik, gesellschaftskritisch und ehrlich, Edward Norton und Edward Furlong (die Hauptsprecher), gute Machart
Kontra:
könnte eventuell von Nazis als Bestätigung gesehen werden, obwohl der Film eigentlich gegen sie gerichtet ist
Empfehlenswert:
Ja
 Teejee
Über sich:
Mitglied seit:22.03.2002
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Vertrauende:8
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 87 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ein richtig amerikanischer Film behandelt ja in aller Regel folgende drei Heiligtümer: Amerikas Freiheit, Amerikas Familien und Amerikas Helden. Dazu gibt es unzählige Beispiele, um ein paar zu nennen: Independence Day, The Patriot (welches ein absolutes Extrembeispiel darstellt) oder auch Thirteen Days. Und wie verhält sich da ein Film aus Amerika, der sogar im Titel American heißt?
Im Grunde genauso, doch mit der kleinen Ausnahme, dass Amerika nicht von Aliens, Engländern oder Russen bedroht wird... sondern von seinen eigenen Leuten. Und es sind auch nicht irgendwelche Randgruppen, handelsübliche Verbrecher oder Geisteskranke, die Amerika in seinen Grundtugenden erschüttern, sondern die gebildete Mittelschicht höchstpersönlich.
Also auf jeden Fall ein nicht-typischer „We all love America“-Film. Die „Amerikanische Geschichte X“ OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO
Ein ehrlicher, gutmütiger und bescheidener Feuerwehrmann hat eine Familie von vier Kindern und seiner hübschen Frau. Die Gegend in der er lebt ist eigentlich recht harmlos und seine beiden Söhne ganz intelligent. Die erste Tochter liegt vom Alter her zwischen den beiden und die letzte ist quasi noch ein Baby. Am Essenstisch erwähnt er, nicht unbedingt rassistisch gemeint, dass er in seiner Truppe Schwarze unterbringen musste, damit das Verhältnis der Anzahl von Weißen zu Schwarzen eingestellten Feuerwehrmännern stimmt, und er etwas dagegen habe, da er sich nun auf noch unqualifizierte Leute verlassen muss, nur damit irgendeine Quote stimmt, und er so sein eigenes Leben und das seiner Kollegen bei Einsätzen gefährdet. Der älteste Sohne Derek (Edward Norton), der noch eine ganz ansehnliche Haarpracht hat und er eher den Typ Streber vermittelt, beginnt nur zaghaft Zweifel an seiner sehr liberalen Meinung zu haben.
Dummerweise nur geschieht bald darauf ein fatales Unglück, sein Vater wird bei einem Einsatz von einem Schwarzen, der sich nicht helfen lassen wollte, erschossen, und fortan trägt er einen unglaublichen rassistischen Hass in sich, mit dem er seine ganze Familie vergiftet. Er verändert sich radikal und schon bald läuft er mit Glatze und Hakenkreuz auf der durchtrainierten Brust herum, und auch seinen jüngeren Bruder Danny (Edward Furlong) zieht er da mit rein. Anfangs ist die Gemeinschaft der Rechten noch sehr klein, doch schnell gewinnen sie neue Anhänger und sie begehen auch mal einen Überfall auf einen ausländischen Supermarkt... Eines Nachts wird dann sein Auto von zwei Farbigen geknackt, die zuvor ein Basketballspiel gegen die Weißen verloren hatten. Da steigt Derek endgültig aus und tötet beide auf äußerst grausame Weise...
Als die Polizei eintrifft, wird alles letztendlich auf eine Art Notwehr geschoben, während jedoch Danny genau gesehen hat, wie Derek einen bereits kampfunfähigen Schwarzen kaltblütig ermordet hat... es hätte lebenslänglich sein können für Derek, doch so sind es nur ein paar Jahre im Gefängnis... ... die ihn total verändern. Er kommt dort zur Besinnung, was ihm die dort inhaftierten Nazis jedoch schnell übelnehmen...
Als er wieder auf freien Fuß ist, muss er schnell erkennen, dass sein ehemaliger Mentor Cameron, ein alter Nazi, ziemlich gute Arbeit geleistet hat und mittlerweile hunderte Nazis in der Szene aktiv sind. Auch sein Bruder Danny ist voll dabei, seine Familie wird regelmäßig von Nazis besucht, was seiner Mutter eigentlich gar nicht gefällt. Dannys Zimmer ist zugepostert mit Nazisymbolen- und Flaggen... außerdem steht Danny kurz vor dem Rausschmiss aus der Schule und hat sich bereits ernst zunehmende farbige Feinde gemacht... Wie kann er das nun wieder alles rückgängig machen oder wieder zurechtbiegen?
Zum Ende wirds auf jeden Fall nochmal richtig dramatisch... Schauspieler *+*+*+*+*+*+
Da muss ich natürlich erstmal einen meiner Lieblingsschauspieler überhaupt nennen, Edwart Norton! Er spielt Derek Vinyard, und das meiner Meinung nach absolut überzeugend. Er verändert sich zweimal im Film komplett (von seiner Mentalität her), in den Rückschauen, die im Film immer wieder vorkommen, sieht man ihn noch vor seiner Nazizeit als Streber-Grünschnabel, nach dem Knast ist er darauf bedacht, normal rüberzukommen und sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und alles gutzumachen. Als Nazi ist er anfangs noch einigermaßen besonnen und rastet zumindest beim Basketballspiel, als er übelst gefoult wird von einem Schwarzen, nicht aus und bleibt fair und cool. Doch als dann sein Auto geknackt wird, drehen beim ihm die Sicherungen endgütlig durch... Der Regisseur Tony Kaye (von ihm ist mir sonst kein Film bekannt) wollte Edward Norton eigentlich ab einem bestimmten Zeitpunkt aus dem Film drängen, da er ihn für zu weich für die Rolle hielt. Das wäre echt voll daneben gewesen kann ich nur sagen, und glücklicherweise hat Edward das nicht mit sich machen lassen!
Zuerst hat Kaye den Film dann radikal gekürzt, dann hat Edward wieder ne eigene Fassung zusammengeschnitten, die wieder länger war... dieser "Krieg" hat letzendlich zu einer Verzögerung des Filmstarts geführt. Edward Norton auf jeden Fall ist ein absolut genialer und total talentierter Schauspieler, am Besten hat er mir gefallen in: - The Score (mit Robert de Niro) - Fightclub (mit Brad Pitt)
Edward Furlong als Dereks Bruder, Danny Vinyard: Er spielt seine Rolle überzeugend und passt auch relativ gut dazu. Anfangs ist er noch unselbstbewusst und folgt seinem Bruder ins Nazitum, doch als Derek wieder aus dem Gefängnis kommt ist er älter geworden und schon ungefähr 18, er ist sehr selbstsicher geworden, zu selbstsicher, und lässt sich von Derek nicht wieder aus der Naziszene verdrängen. Nur allmählich kann er überzeugt werden, so dass er später sogar sein Zimmer "aufräumt", sprich alles Nazizeugs abhängt. Er hat noch nicht in besonders vielen Filmen mitgewirkt, sei nur einer genannt, bei dem er 7-8 Jahre vorher mitgewirkt hat, obwohl er ein noch recht junger Schauspieler ist: Terminator 2, als der kleine Junge, der von Arnold Schwarzenegger alias Terminator beschützt wird.
Die übrigen Schauspieler sind eher die Nebenrollen, und insofern nicht unbedingt groß zu beschreiben, da sie ihre Rollen eigentlich alle gut meistern. Nur mal eine kurze Übersicht, vielleicht kennt ja jemand einen davon und mag ihn besonders und entscheidet sich deshalb, den Film zu gucken: - Beverly D'Angelo als Doris Vinyard - Avery Brooks als Bob Sweeney - Stacey Keach als Cameron (der Oberboss der Nazis) - Fairuza Balk als Stacy (die Nazifreundin von Derek) - Jennifer Lien als Davina Vinyard - Elliott Gould als Murray - Guy Torry als Lamont - Ethan Suplee als Seth - William Russ als Dennis Vinyard
Nazis raus .-.-.-.-.- Der Film ist eigentlich eindeutig in seiner Aussage, die ich gerne teile: Nazis sind im Großen und Ganzen relativ ungebildet, darum ist der intelligente Derek auch sofort ihr Anführer geworden. Es ist nicht gerade schön, ein Nazi zu sein oder ein Feind von Nazis. Als Aussteiger hat man es auch nicht leicht, sogar wenn man der Anführer war. Der Film ist finde ich sehr ehrlich und direkt, und zeigt, dass auch Amerika mit so einem Problem zu kämpfen hat, wobei ich jedoch annehme, nicht so stark wie wir hier in Deutschland. Daher sollte man als offener, selbstkritischer Deutscher diesen Film unbedingt gesehen haben, selbst wenn man (wie wahrscheinlich die meisten), nicht gefährdet ist, Nazi zu werden. Nur eine These des Films kann ich nicht so ganz teilen, und zwar wird eine intakte Familie durch die Naziideologien "zerstört". In echt ist es aber eher umgekehrt, gerade weil Familien nicht funktionieren und man keine Perspektiven hat, wird man meistens erst Nazi (siehe Ostdeutschland). Hingegen im Film sind die Brüder Derek und Danny wirklich gute Schüler und haben eine sehr liebenswerte Familie (bis sie Nazis werden). Trotzdem ist es richtig dargestellt, warum es einfach falsch ist, Nazi zu sein, und was man damit anrichtet... als Nazi hat man doch erst recht keine Perspektiven mehr!
Kamera, Ton, Machart ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Wirklich sehr gut meiner Meinung nach, der Film zeigt immer wieder Rückblicke, während die Gegenwart zu dem Zeitpunkt spielt, an dem Derek aus dem Gefängnis entlassen wird. Es gibt auch einen Soundtrack zum Film, den ich jedoch nicht mehr in Erinnerung habe. Ich kann nur sagen, dass mir da nichts Negatives aufgefallen ist. Die Kamera ist gut geführt und die Szenen überzeugend dargestellt.
Wissenswertes -!-!-!-!-!-!- Leider wurde der Film durch den Streit zwischen Norton und Kaye was Oscarnominierungen angeht fast komplett übersehen, nur Edward Norton himself wurde für einen Oscar nominiert. Dabei fand ich den Film besser als Traffic, der ja einerseits vier Oscars abräumte und andererseits auch sehr kritisch betreffend Amerika ist, nur eben hinsichtlich Drogen, und nicht Nazis.
Fazit ===== Ein wirklich interessanter Film, der auch unbedingt sehenswert ist. Und an Brisanz und Aktualität hat der Film seit 98 bestimmt nichts verloren, im Gegenteil, die Rechten haben in den letzten Jahren an Anhängern gewonnen! Das bei dem Film dann sogar Edward Norton als Hauptsprecher mitwirkt, ist für noch zusätzlich ausschlaggebend für die 5 Sterne, ich hätte auch 6,7,8 Sterne gegeben, würde man soviele vergeben können! Den Film sollte jeder ab 16 schon mal gesehen haben, gerade besonders hier in Deutschland, in dem die Thematik ja leider auch sehr aktuell ist...
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11.11.2003 15:40
Guter Bericht, guter Film, gute Wertung :)
21.08.2002 01:51
Hi, sehr guter Bericht. Ich habe den Film mehrmals gesehen und Finde ihn sehr gut gelungen, da er sehr realistisch wirkt. Die Geschichte ist wohl ziehmlich krass. Grüße: Kris
03.08.2002 00:42
sehr schöner bericht, gefällt mir sehr gut deshalb das sehr hilfreich ;-) . . . MfG Ttob