Erfahrungsbericht über

American History X (DVD)

Gesamtbewertung (371): Gesamtbewertung American History X (DVD)

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SCHWARZ-WEISS MALEREI ?

4  02.07.2002

Pro:
geniale Inszenierung

Kontra:
Klischeekiste mal wieder rausgekramt

Empfehlenswert: Ja 

Headhuntaz

Über sich: Mein erster eigener Roman ist erschienen :D käuflich überall zu erwerben. "Der letzte Sommer de...

Mitglied seit:17.03.2001

Erfahrungsberichte:220

Vertrauende:37

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 134 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Vorgeschichte gibt’s dieses Mal nicht, bin ins Wohnzimmer gegangen (mein Fernseher ist ja zur Zeit kaputt) und hab die Glotze angestellt und mir den Film reingezogen...

°°°°°Story°°°°°
Derek Vinyard (Edward Norton) kommt am selben Tag nach Hause aus dem Knast, an dem sein Bruder Danny (Edward Furlong) von seinem Lehrer und Direktor zum Privatunterricht verdonnert wurde, weil er einen Aufsatz über Adolf Hitler geschrieben hat. Das wäre allein schon ein Grund zur Sorge, aber in Dannys Bericht geht hervor, dass Adolf ein Bürgerrechtler war, denn Danny ist nach seinem großen Vorbild Derek auch ein fester Anhänger der amerikanischen Neonazibewegung und drückt das auch immer wieder gerne aus, denn er ist darauf ziemlich stolz. Idiot. Derek hingegen macht seiner Familie, allen voran seiner krebskranken Mutter und seiner lieben, nicht rechtsextremen Schwester, mehr Sorgen. In den Knast kam er, weil er 3 Schwarze umgebracht hatte, nachdem sie sein Auto klauen wollten. Als er wieder zuhause ist, merkt man ihm seine braune Vergangenheit doch kaum mehr an. Er trägt keine Glatze mehr und lässt überall durchblicken, dass er mit den Nazis splitten will – doch warum? Auf der Flucht vor seinen braunen Kumpanen in der Nacht nach einer Nazifeier erklärt er seinem geschockten Bruder Danny, wie alles dazu kam und davon handelt der Film.

°°°°°Meine Gedanken °°°°°
Ein heißes Eisen, muss ich schon sagen. Allein die Thematik des Films ist schon problematisch, doch die Umsetzung eines solch brisanten Stoffes foderte eine wahrliche Meisterleistung. Zu der Inszenierung möchte ich nun erst einmal noch nichts sagen, sondern allein von den Grundvorraussetzungen einer solchen Story. Ich finde, es ist bestimmt interessant zu hören, wie ein Neonazi aus Amerika dazu kommt, ein wirklich fester Anhänger der Bewegung, sich von seiner Gruppe zu trennen. Im Film hört man immer wieder, dass Derek Vinyard für die gesamte Organisation in seiner Stadt ein absolutes Idol gewesen ist in Sachen Anschläge, Proteste usw. Alle halten ihn für den Übergott der Skins, und dann kommt der auf einmal und sagt, er habe keine Lust mehr. Wie kann das gehen? Man erfährt erst einmal, worum es im Einzelnen geht, bevor der Regisseur einem mit Schwarz Weiß Aufnahmen Rückblenden vorsetzt, die alle zusammen ein klares Bild ergeben. Am wichtigsten für den Verlauf der Story ist wohl auch das Verhältnis von Bruder zu Bruder. Danny, das erfährt man recht früh, hält seinen Bruder für ein absolutes Idol, für einen Helden, denn er beschützt ihn, hat Angst um ihn und ist stark und kann sich durchsetzen. Danny denkt, wenn er so ist wie sein Bruder, dann wandelt sich seine Persönlichkeit genauso. Das ist der springende Punkt bei diesem Film. Derek will seinen Bruder unbedingt von der Szene abbringen, er muss es tun, denn er weiß ganz genau, dass sich sein Leben wie das seines Bruders ändern muss, damit er wieder auf den richtigen Pfad kommt. Eine Stelle im Film, ziemlich zum Schluss, ist besonders wichtig geworden, denn da heißt es: „Hat sich durch das was du tust, dein Leben verbessert?“ Das sagt Derek sein schwarzer Lehrer im Knast. Darüber sollte man mal nachdenken, finde ich.

°°°°Daten des Films°°°°
OT: American History X
Land: USA 98
R:Toni Kaye
D:Edward Norton, Edward Furlong
Stacy Keach, Acery Brooks
FSK: ab 16
Länge: 110 Minuten

°°°°Meine Meinung zu...°°°°

Kamera:
Ehrlich gesagt, Leni Riefenstahl wäre ziemlich neidisch. Denn selbst die hätte den Skin Derek mit seinen Tattoos nicht besser in Szene setzen können. Das kann man dem Film vorhalten, aber eine grandiose Optik hat er ja schon. Nicht nur in den Szenen, die durch Schwarz Weiß Aufnahmen getränkt die Superleistungen der Weißen auf dem Sportplatz demonstrieren müssen, selbst eigentlich normale Situationen fängt sie wunderbar ein, indem sie irgendwie eine komische räumliche Linie durch das Bild zieht. Ich weiß auch nicht, aber manchmal kommt es einem ziemlich illusionenhaft vor. Also, ein doppeltes Plus an die perfekte Kameraarbeit, dadurch wird die Atmosphäre des Films noch verstärkt.

Darsteller:
Edward Norton ist ein Gott, das muss man wirklich mal sagen. Wie er den Skin Derek spielt, ist einfach zum Niederknien. Er schafft es nicht nur, seinem Charakter Tiefe zu verleihen, sondern bringt es auch fertig, dass man Sympathie für ihn empfindet. Aber natürlich zum größten Teil erst dann, wenn er wild um sich schlägt und seinem früheren Führerboss so richtig schön eins in die Fresse knallt – hähä. Denn Cameron, das ist sozusagen der oberste Anführer der Neonaziszene in diesem Kaff, will ihn wieder in die Truppe mit einspannen und ist so dermaßen fanatisch und ein Arschloch, dass man richtigen Hass auf ihn entwickelt. Edward Furlong, den meisten wohl bekannt durch den zweiten Teil der Terminator Reihe, hat es auch ziemlich drauf, genauso der Rest der „Familie“, in der Derek lebt. Ein zweifaches Plus auch hier dran.

Story:
Wie oben schon genannt, muss man sich erst einmal vor Augen halten, was es eigentlich bedeutet, auf einmal mit seinem früheren Leben abzubrechen und auch was es für Gefahren und Konsequenzen nach sich zieht. Die Grundidee des Buches ist wirklich nicht schlecht und so kann man für die Storyline auch nichts gegen sagen. Dennoch muss man stark differenzieren zwischen den beiden Punkten Storyline und Idee, denn der Film ist nicht linear aufgebaut, das meiste spielt sich in Rückblenden ab, was eigentlich schon bei Sleepers nicht schlecht war. Durch den geschickten Aufbau erfährt man immer mehr und mehr über die dunkle Vergangenheit und Dereks Läuterung.

Klischee:
Jaaa, das übliche wird wieder aufgerissen, die Rassentrennung in diesem Film ist deutlich zu spüren, aber vor allem zu Ungunsten der „Weißen“ – ich meine ist schon klar, ich kann Nazis auch net leiden und ihre Einstellung kotzt mich schon ziemlich an, aber: nicht jeder, der so eine politische Einstellung hat, ist nicht gleich gewaltbereit und läuft mit Springerstiefeln durch die Gegend und zündet Häuser von Nichtariern an. Ich kenne ein paar Leute, deren Grundeinstellung auch eher in Richtung Rechts geht, aber die sind eigentlich ganz normal. Okay, sie hören kein Störkraft oder laufen mit Hakenkreuzen an ihre Wangen gemalt durch Neumarkt, erst recht nicht am Tag. Was ich nur sagen will ist, dass das Klischee böser brutaler Nazi einfach viel zu überzogen wirkt. Es gibt einfach viel zu wenig Entscheidung und Unterscheidung beider Typen. Derek dagegen wirkt nicht überzeichnet, seine Beweggründe sind begründet und es liegt wohl auch eher an der Ausfüllung der Rolle durch den perfekten Edward Norton, dass man hier weniger das Gefühl hat, eine Klischeekiste vorgesetzt zu bekommen.

°°°°°°Meine Meinung°°°°°°°
°°°°°°°°°°°Fazit°°°°°°°°°°°°°

American History X ist ein sehr guter Film, weil gut gemacht, gut durchdacht und stark besetzt, aber seine Eindeutigkeit schimmert viel zu sehr durch. Man merkt einfach, dass der Film mehr oder weniger die Aussage hat: Nazi böse! Nazileben scheiße! Nazibewegung Abschaum! Und so weiter. Man bekommt sozusagen einen Overkill an Gründe, „ganz normal“ zu bleiben und nicht rechts zu werden – denn: Nazis sind Säufer, Randalierer, Proleten, Assis, Trunkenbolde und absolut gewalttätige Subjekte der Gesellschaft. In ihren Zimmern hängen Flaggen von Hakenkreuzen, mindestens 3 Adolf Hitler Bilder mit amerikanischen Parolen hängen an ihren Wänden und dazu rocken sie auch noch zu irgendwelchen Underground Bands ab, die immer wieder vom Schrecken der Juden und Schwarzen berichten – das war mir einfach viel zu klischeehaft. Die Story rund um Derek, sein familiäres Verhältnis und die Tragik in der Person Danny Vinyard ist gut gemacht, keine Frage und auch sehr menschlich umgesetzt, aber es stören einen schon irgendwie diese Kleinigkeiten.

Man merkt schon, wieso der Regisseur sich von diesem Projekt distanziert hat. Denn seine Fassung des abgedrehten Materials ist das nicht, sondern die von Edward Norton geschnittene Version. Dies resultierte aus einem langen Rechtsstreit zwischen Regisseur und Produktionsfirma und am Ende wollte er sogar ein Pseudonym für sich von der American Director’s Guild erwirken lassen, dies wurde jedoch abgelehnt.

Also, keine uneingeschränke Empfehlung, aber natürlich eine Empfehlung. Dieser Film bringt einen wirklich zum Nachdenken und man kann ihn nicht einfach vergessen. Dennoch: ein wirklich bahnbrechender Film ist er nicht.

© by the Headhuntaz
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Leabest

Leabest

21.02.2003 00:22

Ich fand den Film schon richtig super!!! lea

heidelbaerchen

heidelbaerchen

08.09.2002 02:13

Der Film hat mich auch ganz schön schockiert. Aber jeder sollte ihn gesehen haben. Liebe Grüße, heidelbaerchen

BillMaplewood

BillMaplewood

18.07.2002 03:30

Ich verstehe Deinen Klischeekisten Gegenargument leider nicht. Du hast diesem zwar einen eigenen Absatz gewidmet, aber trotzdem. Sonst ist Dein Bericht aber sehr gut, obwohl dieser Film bei mir ganz klar mit 5 Sternen durch gegangen wäre. Mfg Björn.

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