American Psycho (2000)

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American Psycho (2000)

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Der verirrte Mensch

4  29.06.2005

Pro:
Christian Bale in einer denkwürdigen One - Man - Show

Kontra:
das Oberflächliche am Satirischen

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

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JerryMaguire

Über sich: www.filmbesprechungen.de, www.filmzentrale.com ---------> Lesen!

Mitglied seit:01.08.2002

Erfahrungsberichte:183

Vertrauende:38

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 65 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Eine Irrfahrt sondergleichen. Das Abseitige, das Perverse, das bis zum Anschlag Extreme gehört in Mary Harrons gleichnamiger Buchverfilmung nach Bret Easton-Ellis' Bestseller nicht etwa zum gruseligen Unterton, im Gegenteil, versteht sich ihre Adaption vor allem als satirische - und auf beängstigende Art faszinierende - Destruktion maskuliner Stärke, männlicher Existenz, machoistischer Selbsterfüllung im Amerika der 1980er.

»Es ist der Patrick Bateman in uns allen«, scheint eine unmissverständliche Zwischenbotschaft des Films zu sein, es ist das Psychopathische im Menschen, das Abnormale im Verhalten, das übersteigerte Verzehren nach sexueller Gier und das Ausleben jedweder Phantasie, dessen Beschreibung dieser Film nicht müde wird. Hauptfigur ist eben jener Patrick Bateman (Christian Bale), nicht nur als Sinnbild für den typisierten Yuppie an der Wallstreet zu sehen, sondern gleichermaßen Sinnbild für den moralisch unbegrenzten Menschen. Batemans Körper, seine äußere Hülle, ist die oberflächliche Projektion von Perfektion. Jeder Muskel ist gestählt, jede Hautpartie penibelst gesäubert, keimfrei, startbereit für ein unbeschränktes Leben im Exzess.

Er ist mehr Maschine als Mensch. Innerlich verkümmert, äußerlich intakt, mehr als das, angepasst, besser noch: ideal. Bateman funktioniert tadellos in einer materialisierten Welt. Der bekennende Musikfan und fanatische Lebemann bekennt sich ganz frei zu seinen schmutzigen Gelüsten, seinen derben Phantasien, seinem asozialen Verhalten und seiner Gier nach Erfolg. Bateman ist losgelöst von allem, was Moral oder politische Korrektheit gebieten, orientiert sich in seinen triebhaften Orgien weder an gesetzlichen, noch an irgendwelchen anderen Maßstäben. Macht ihn das zum Psychopathen?

Ohne Skrupel beginnt er zu morden. Aus Langeweile sozusagen, doch das dieses Hobby mehr wird als der perfide Zeitvertreib eines zur Perversion gezwungenen Amerikaners ist früh zu erkennen. Entweder, weil Easton-Ellis' Roman als inhaltliche Grundlage dient, oder weil es der Künstlichkeit dieser durch und durch sterilen Umgebung nach einem instinktiven Rückgang in die triebgesteuerte Natur des Menschen bedarf. Weil hinter all den sauberen Fassaden und exaltierten Personen das pure Verlangen nach Gewalt steckt, weil sich irgendwo in diesen gelebten Lebensträumen, in all ihrer Sterilität, Langeweile breit macht, weil der Wille zum Exzess, zur Explosion, zum Ausbrechen aus der imperialistischen Gefühllosigkeit zum Greifen nahe ist.

Bateman selbst charakterisiert sich als »zu Gefühlen unfähig«, obwohl er all die Wesenszüge eines Menschen trägt - außer Neid und Missachtung bleibt nichts zurück. Der losgelöste Mensch ist im Grunde seines Seins einsam und bindungslos, verloren gegangen zwischen Himmel und Hölle, ohne Rückfahrtschein auf einer seelischen und körperlichen Odyssee, die auch in Mary Harrons Verfilmung keinerlei Katharsis für den Leidenden bereit hält. Bateman verirrt sich in seinem selbstkreierten Kosmos, zu dem er scheinbar wahllos den gepflegten Massenmord hinzugesellt, gleich neben Haarpflege und Phil Collins.

Mit welch experimenteller Freude sich Bateman an die Morde macht gehört zu den beliebten Skandalen an einem Film, der weitaus weniger martialisch und bestialisch als das Buch beschreibt, was den schizophrenen Antihelden mit emotionalem Ausgleich befriedigt. Doch längst ist dies keine Geschichte über einen Serienkiller, vielleicht ist es nicht einmal eine Geschichte. Denn mit all der geballten Satire und bissigem Zynismus lässt sich nur schwerlich ansprechende Unterhaltung erschaffen, als vielmehr das Sittengemälde eines vollkommen amoralischen Menschen, die gesellschaftliche Kritik an einer ganzen Generation von Erfolgsmaschinen, kaputten Menschen mit intakten Visitenkarten, längst erfüllten Träumen, die nur noch angetrieben werden von ihren albtraumhaften Phantasien. Es ist das Menschliche im Menschen, das nicht mehr vorhanden ist, so dass selbst einer desillusionierten Seele wie Patrick Bateman nicht einmal der psychedelische Trip zwischen Perversion und Illusion noch so etwas wie irdische Erlösung zugesteht.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
logan

logan

29.07.2005 03:19

http://suicidegirls.com/words/American+Psycho+director+Mary+Harron/print/

coookie

coookie

16.07.2005 19:22

interessante interpretation, gewürzt mit deinem üblichen pathos, liest sich geschmeidig wie butter; und deine roman-kenntnisse konnten sicherlich auch nicht schaden. lg, jan

berti.r

berti.r

02.07.2005 19:03

dem inneren Auge genügend Gründe geliefert, was den äußeren nicht zugemutet werden braucht

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