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~~Das Leben in einer anderen Welt~~
Erfahrungsbericht von stef4219 über Amisch
05.05.2005


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Alles im Sinne der Nächtenliebe !  !  !
Kontra: Alles eine Frage der Interpretation !  !  !

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Endlich ist er fertig: Der Bericht, der mich fast 6 Tage Arbeit gekostet hat (erleichtertes Ausatmen):

Es ist wohl schwer die Frage nach Religion und Glaube mit Pro oder Kontra zu beantworten, aber man kann vielleicht hier und da ein paar Dinge herausstellen, die den Ein oder Anderen zum Nachdenken bringen.

Ich habe mich im Rahmen einer schriftlichen Arbeit sehr lange mit den <<Amischen>> oder auch <<Amish People>> befasst und habe selten an einem Thema soviel Interesse gefunden. Das Original von diesem Text ist auf Englisch geschrieben, hat mich einige Monate Zeit gekostet und ist demnach viiiiiiiiiiiiiiiel länger!
Viel Spaß beim Lesen!!!

Vor dieser Arbeit wusste ich, so wie die meisten wahrscheinlich, nicht wer oder was die Amish People eigentlich sind. Ich hatte mal was darüber gehört, dass sie keinen Fernseher und keine Autos besitzen. Das war aber auch schon alles.......


=>> Wer sind die Amish People?<<=

Im 16.Jahrhundert, zur Zeit der Reformation, gab es in Zürich eine Gruppe von jungen Reformern. Sie vertraten den Standpunkt, dass nur der Erwachsene Mensch in der Lage sei zu entscheiden, ob er getauft werden wollte, oder nicht. Außerdem waren sie für eine strikte Trennung von Kirche und Staat.
Dies missfiel den Staatsoberhäuptern, die damals noch gleichzeitig Kirchenoberhäupter waren, und die Erwachsenentaufe stand von da an unter Todesstrafe. Trotzdem verbreitete sich diese Abspaltung sehr stark bis nach Deutschland, Frankreich und in die Niederlande.
Viele der sogenannten Anabaptisten brannten auf dem Scheiterhaufen oder wurden geköpft.
Aufgrunddessen zögerten sie auch nicht, als sie von William Penn eingeladen wurden nach Amerika zu kommen. Penn hatte eine Kolonie(heute Pennsylvania) geerbt und garantierte jedem dort absolute Religionsfreiheit.
Von 1727 an flohen immer mehr Amish nach Nordamerika und bis 1937 waren auch die letzen Amischen aus Europa verschwunden.

Heute gibt es ungefähr 150000 Amische in den USA und Kanada. Sie leben vor allem in den Staaten Pennsylvania und Ohio.

Eine Gemeinde besteht aus ungefähr 25-30 Familien. Wird eine Gemeinde zu groß, so wird sie aufgeteilt.

>> Der Amische Glaube <<

Die Amish People leben strikt nach der Bibel. Dabei übertragen sie die Texte nicht auf bestimmte Situationen, sondern nehmen sie die Bibeltexte wörtlich.
Sie praktizieren Fußwäsche und empfangen zweimal pro Jahr die Kommunion. Und natürlich praktizieren sie immernoch die Erwachsenentaufe.

Außerdem halten sie sich noch an die "Ordnung". Die ist eine mündliche überlieferung von Regeln, die von Gemeinde zu Gemeinde variiert und die auch innerhalb der Gemeinde vom Ältestenrat verändert werden kann.

Trotz der Möglichen Unterschiede zwischen Gemeinden stimmt die Ordnung im großen und ganzen bei den meisten Gemeinden überein. So ist es fast überall der Fall, dass jegliche Luxusgüter, Elektrizität , Telefone und Autos verboten sind. Diese Dinge provozieren, so glauben die Amischen, Sünden wie Neid, Hochmut oder Stolz.
Außerdem lehnen die Amish People den Kontakt zu nicht Amischen ab, da diese ein sündenvolles Leben führen.

>> Amische Kinder<<

Amische Kinder wachsen im Behutsam ihrer Eltern und der Gemeinde auf. Dazu gehört auch, dass sie keine staatlichen Schulen besuchen. Dadurch wären sie zu lange von der Familie getrennt, würden andere Werte vermittelt bekommen und müssten in den meisten Fällen mit dem Bus zur Schule Fahren, was ja gegen die "Ordnung" verstößt.
So gehen die Amischen Kinder, seit einem Beschluss des Obersten Gerichtshofs in den 70ern sogar mit Erlaubnis, in die gemeindeeigenen Schulen, in denen sie von Amischen Lehrern unterrichtet werden, die selbst nie eine Universität besucht haben.

Im Alter von etwa 16 Jahren haben die Heranwachsenden dann die Möglichkeit, die andere Welt für eine Zeit auszutesten. In der Zeit können sie von zu Hause weggehen und jegliche Erfahrungen mit Technik, Mode etc. machen.
Danach müssen sie die Entscheidung treffen, ob sie getauft werden möchten oder nicht.
Entscheiden sie sich dagegen, werden sie in Zukunft keinen Kontakt mehr zu ihren Familien und der Gemeinde haben. Das heißt sie werden ganz alleine klarkommen.NACHTRAG:DAS HEIßT SIE WERDEN VON DER GEMEINDE AUSGESCHLOSSEN:Sie haben keine Berufsausbildung (was es in den USA ja eh in der Form, wie hier, nicht gibt) und kein Studium. Demnach ist die Aussteigerquote bei den Amischen sehr gering ( Habe mehrere Werte zwischen 4% und 10% gelesen.)NACHTRAG: JEMAND DER AUS DER GEINDE AUSGESTIEGEN IST DARF DIE GEMEINDE UM VERZEIHUNG BITTEN UND WIRD OFT WIEDER AUFGENOMMEN.EINEN WEG ZWISCHEN GEMEINDE UND RESTLICHER WELT GIBT ES NICHT.

> Konflikte zwischen dem Amischen Glauben und dem Amerkianischen Staat <

1.) DER SCHULKONFLIKT
Am Anfang des 19ten Jahrhunderts wurde die Schulpflicht in den USA eingeführt.
Erst später, als die kleinen, ländlichen Schulen zu größeren zusammengelegt wurden, die oft kilometerweit weg waren und man deshalb mit dem Bus dort hinfahren musste, wehrten sich die Amish People gegen die staatlichen Schulen.
Nachdem Drei Amische Väter ins Gefängnis gekommen waren, weil sie ihre Kinder nicht in die Schule geschichkt hatten gab es einen Prozess am Obersten Gerichtshof. Da es gegen die Amische Lehre ist, Gerichtsprozesse zu führen, wurden sie von einer Vereinigung für die wahrung der Religionsfreiheit vertreten. Diese erreichten schließlich die Befreiung der Amisch von der Amerikanischen Schulpflicht. Von da an wurde auch die Amische Schule staatlich anerkannt.

2.)DER STEUERKONFLIKT
Die Amischen zahlen alle Eigentums-,Einwohner-, Erwerbs- und Shulsteuern. Von der Sozialversicherung sind sie befreit, da sie keinerlei soziale Gelder oder Dienste in Anspruch nehmen.Im Sinne der Agape, der Nächstenliebe, verpflichten sie sich dazu alle Kranken und Armen in der Gemeinde zu unterstützen.
Außerdem zahlen sie keine Einkommenssteuer, was aber lediglich daran liegt, dass sie als Bauern selbstständig und damit, nicht dazu verpflichtet sind.
Einige Amerikaner fühlen sich durch die Befreiung benachteiligt und versuchten dagegen vorzugehen, allerdings mit wenig Erfolg.

3.) DIE WEHRDIENSTVERWEIGERUNG
Dieses Problem hat sich mitlerweile von allein gelöst, da die Wehrpflicht in den USA 1973 abgeschafft wurde.
Vorher jedoch gab es Auseinandersetzungen zwischen den Amish und der Regierung, da die "Ordnung" es verbietet in den Krieg zu ziehen. Dafür nahmen sie sogar Gefängnisstrafen in Kauf. Schließlich erreichten sie jedoch, dass sie von der allgemeinen Wehrpflicht ausgenommen wurden. Im Gegenzug dazu mussten sie Soziale Dienste leisten, die mit dem deutschen Zivildienst zu vergleichen sind.

4.) GENETISCHE STÖRUNGEN
Aufgrund dessen, dass die Amisch nur innerhalb ihrer Gemeinden oder Nachbargemeinden Heiraten und Kinder zeugen, sind über Generationen genetische Störungen aufgetreten. In diesem Fall fehlt es in den Erbanlagen an genetischer Vielfalt.
Diese Störungen, die man FOUNDER-EFFECT nennt, können Missbildungen in den Gliedmaßen, Zwergenwuchs oder sogar Kindstot hervorrufen.

Des Weiteren ist Verhütung nach der Amischen Lehre nicht erlaubt, also schützen sie sich auch nicht vor Kranheiten, die durch Geschlechtverkehr übertragbar sind.

==> KRITISCHE BETRACHTUNG
Wir können uns glücklich schätzen, dass aus der Vergangenheit gelernt haben, dass der Mensch in seinem Denken frei sein muss und wir können froh sein , dass uns Religionsfreiheit heutzutage durch unsere Verfassungen garantiert und durch den Staat geschützt wird.
Allerdings liegt es auch in der Hand des Staates, dass jeder Mensch die Möglichkeit bekommt sich frei zu entfalten. Dazu gehört auch, dass niemand gezielt daran gehindert werden darf das Maß an weltlicher Bildung zu erwerben, das nötig dafür ist, sich ein persönliches Urteil über die Welt und das eigene Leben zu bilden. Der Amerikanische Staat sollte die Highschool für alle obligatorisch machen, Amisch oder nicht!

Ich sehe ein weiteres Problem darin, dass Amische Kinder immer häufiger vom FOUNDER-EFFECT betroffen sind. Allerdings gibt es wohl kaum eine Möglichkeit die Heirat innerhalb der Amischen Gemeinden zu verbieten oder anderherum die Amischen zu zwingen Menschen außerhalb ihrer Gemeinden zu heiraten. Das wäre wohl vollkommen unmenschlich.


Ich hoffe ich konnte euch einen leinen Einblick verschaffen. Wer weiterlesen möchte, dem gebe ich gerne ein paar Literaturtips. Sind allerdings alle auf Englisch!!!

Liebe Grüße! Steffi

   

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