Charlie, Stockholm & BumBum

5  15.12.2005

Pro:
preislich O . K .  Spannung, Handlung, Thema, Thrill, Charaktere, Entwicklung der Charaktere

Kontra:
nur 221 Seiten

Empfehlenswert: Ja 

Lady-Alexa

Über sich: Mal da.. mal nicht.

Mitglied seit:24.08.2003

Erfahrungsberichte:745

Vertrauende:285

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 116 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

EINLEITUNG

Das Buch „Amok“ habe ich bei Libro für 10€ gekauft. Das war im Sommer, und da war ich gerade auf einem Stephen King –Trip. Den Titel habe ich zufällig ausgewählt, und ich denke, bei Stephen King kann man nicht allzu viel falsch machen. Ich habe erst vor Kurzem gesehen, dass man aber auch „Amok“ zusammen mit dem „Todesmarsch“ (ein anderes Buch von King) in einem Doppelband für 15€ kaufen kann. Das wäre natürlich billiger gewesen, hätte ich das damals schon gewusst. Nun ja, hinterher ist man immer schlauer. Für sich gesehen sind aber 10€ durchaus in Ordnung.


FAKTEN

Originaltitel: Rage
Deutsche Übersetzung: Joachim Honnef
Erschienen im Original: 1977
Erschienen in Deutsch: 1988
Verlag: Heyne
Seiten: 221


AUTOR

Stephen King schrieb „Amok“ 1977, es war der erste Roman unter seinem Pseudonym „Richard Bachman“. Unter diesem Pseudonym verfasste Stephen King noch 5 weitere Romane (zwischen 1977 und 1985), die sich erst mäßig verkauften. Als die wahre Identität von Bachman aber an die Öffentlichkeit kam, landeten auch diese Werke in den Bestseller-Listen. Stephen Edwin King wurde 1947 in Portland, USA geboren. Mit 7 Jahren schrieb er seine ersten Geschichten, 1973 verkaufte er die Taschenbuchrechte für sein Werk „Carrie“ für stolze 400.000 Dollar. Dadurch, und durch die erfolgreiche Verfilmung des Buches wurde Stephen King schlagartig weltbekannt.


HANDLUNG

Charlie Decker ist 17 Jahre alt, und mit einem Schraubenschlüssel hätte er fast seinen Chemie- und Physiklehrer John Carlson erschlagen. Am nächsten Tag wird er während des Unterrichts zu Diraktor Thomas Denver gerufen, der Charlie vom Unterricht ausschließt. Doch statt die Schule zu verlassen, holt Charlie einen Revolver samt Munition aus seinem Spind. Er erschießt die Algebra-Lehrerin Mrs. Underwood und nimmt die Schüler ihrer Klasse als Geiseln. Die Geiseln und Charlie sitzen nun in der Schule fest, und im Laufe der Geiselnahme entwickeln sich die Jugendlichen zu einer Art Therapie-Gruppe. Charlie Decker spielt mit den Geiseln einige grausame Spiele, so wird die Mutter des Klassenschwarms als Alkoholikerin entlarvt – vor allen anderen. Charlie erschießt dann auch noch den Geschichtslehrer Vance, und die Sache gerät außer Kontrolle ...


INTERESSANTES

2000 wurde der Roman vom amerikanischen Markt genommen, nach dem Schulmassaker von Littleton und einigen anderen Szenen mit Schusswaffen an Schulen, wollte man „Werbung“ vermeiden. Michael Carneal hat 1997 drei seiner Mitschüler erschossen, und er soll die Taschenbuchausgabe von „Amok“ in seinem Spind gehabt haben. Ein anderer Amokläufer, der zwei Mitschüler erschossen hatte, soll sogar aus „Amok“ zitiert haben. Stephen King setzt sich mit dem Phänomen des Stockholm-Syndroms auseinander.


KRITIK

Die Story ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Schon der Titel lässt erahnen, worum es geht, und schon auf den ersten Seiten wird klar, dass die Umsetzung des Themas „Amok“ keineswegs leicht zu verdauen sein wird. King führt uns die Charaktere seiner Erzählungen wieder sehr nahe vor Augen, und die persönliche Darstellung vermittelt dem Leser das Gefühl, die Charaktere zu kennen. Das macht die Story noch emotionaler und stellt eine gute Verbindungsgrundlage her. Das relativ kurze Werk umfasst nur 221 Seiten, die es aber in sich haben. Schrecken, Qualen und Angst dominieren die Erzählung, und auch wenn es keine „Monster“ im eigentlichen Sinne gibt, so haben wir doch einen Bösewicht. Und zwar einen überaus interessanten. Gut gefällt mir, dass King hier nicht ein Monster gegen einen Helden stellt (wie sonst sooft), sondern dass hier interessanter Weise beide in einer Figur vereint werden. Charlie reift während der Geiselnahme heran, und entwickelt sich vom blindwütigen Monster zum Helden. Man könnte auch sagen: Der Held taucht erst nach und nach auf, und zwar so, dass man es am Anfang gar nicht mitbekommt. Sehr gelungen finde ich auch die Umsetzung des Themas „Stockholm-Syndrom“ (das bezeichnet ein psychologisches Phänomen, bei dem die Opfer einer Geiselnahme ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Peinigern aufbauen. Das kann sogar soweit gehen, dass Opfer und Täter sich verlieben oder kooperieren). Stephen King zieht dieses Thema gleich von zwei Seiten auf: Die Geiseln entwickeln eine Beziehung zu Charlie, aber es scheint, als würde auch Charlie selbst „Opfer“ dieses Stockholm-Syndroms werden. Der Teil von ihm wird immer stärker, der mit den Geiseln sympathisiert und ihnen nahe sein will. Eine interessante Entwicklung, die psychologisch sehr interessant ist. Insgesamt ist die Story erschreckend und eindeutig dem Horror-und-Thriller-Genre zuzuordnen. Vor allem durch die Aktualität (Geiselnahmen an Schulen seinen derzeit ja richtig „in“ zu sein), wird dieses Werk noch interessanter. Dass das Buch als „Vorlage“ dienen könnte halte ich eher für unwahrscheinlich, aber ich bin ja auch der Meinung, dass Computerspiele Kinder nicht zu Killern machen, und auch da sind einige anderer Meinung. Ich behaupte einmal, die Story ist eher abschreckend als werbend, und von daher hätte ich keine Bedenken, meine Tochter das Buch lesen zu lassen, wenn sie erst alt genug ist (Soll heißen, frühestens in der Pubertät, für Kinder ist das nichts). Dass das Buch vom Markt genommen wird, weil es im Spind eines Amokläufers lag, finde ich schon hart übertrieben, schließlich wurde das Buch von vielen, vielen Menschen gelesen, die alle nicht Amok gelaufen sind. Das ist Amerika. Wie dem auch sei, ich finde das Buch spannend und mitreißend, das Thema ist hochinteressant und ich hätte das Ganze am Liebsten in einem Durch ausgelesen. Man kann es nicht mehr aus der Hand legen, wenn man erst einmal angefangen hat.


EMPFEHLUNG

Spannend, thematisch spitze und preislich O.K.
5 Sterne und eine klare Empfehlung

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
jansdarling2002

jansdarling2002

19.09.2007 22:08

Das habe ich gerade angefangen zu lesen...bis jetzt find ich das schon ganz klasse, lg Chrissy

C3PO-oh

C3PO-oh

20.12.2005 00:58

*michvorsichtigumguck* - sorry, muß ein wenig vorsichtig sein, in meinem NdV wimmelts in letzter Zeit nur noch so vor Horrorfans und Amokläufern. Ach ja, ich wollte ja was zum Bericht schreiben. In Amerika wurde das Buch aus dem Verkehr gezogen? Mei, was der Dabbejuu doch für ein fürsorglicher Mensch ist. Ich hatte da in den letzten Jahren ein bißchen nen anderen Eindruck. Unglaublich, wie man sich täuschen kann *hust*

Rojin79

Rojin79

16.12.2005 18:12

Wieder mal ein super Bericht von dir.Lg Rojin

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  1. Tazi
  2. nicki28
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