Amore Amore
17.11.1999
Pro:
Kontra:
Empfehlenswert:
Ja
 jwi
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:400
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 5 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als hilfreich bewertet
Italien 1997, Regie: Leonardo Pieraccioni, mit Leonardo Pieraccioni, Lorena Forteza Wenn sich Europas Filmindustrie gegen die Übermacht Hollywoods anstemmen kann, dann in der Regel mit hausgemachten Komödien. In der Vergangenheit zeigte sich allerdings, daß die EU demnächst vielleicht eine gemeinsame Währung haben mag, ein gemeinsames Humorverständnis bedarf dagegen noch der Entwicklungshilfe. Die bis vor kurzem erfolgreichste italienische Filmkomödie, Roberto Benignis 'Das Monster', flopte im Ausland total, und das zurecht: Peinlicher geht's nur noch in deutschen Klamotten zu.
Im letzten Sommer wurde das Machwerk immerhin entthront: 'Il Ciclone' (auf gut deutsch 'der Wirbelsturm') fegte über die italienischen Leinwände, doch im Deutschen ist daraus nur der bescheuerte Dutzendtitel 'Amore Amore' geworden. Schwache Leistung, denn besagter Wirbelsturm ist eine Truppe äußerst attraktiver spanischer Flamenco-Tänzerinnen, die in der italienischen Provinz hängenbleiben und ein kleines Kaff mächtig durcheinanderwirbeln. Der junge Buchhalter Levante, gespielt von Regisseur Leonardo Pieraccioni daselbst, liebt eigentlich nur die Poesie der Mathematik; seine lesbische Schwester Selvaggia hat's eher mit der hübschen Apothekerin, und Bruder Libero malt einfältige Bildchen, wenn er nicht gerade Insektenschutzmittel auf den Feldern versprüht. Alles in Ordnung halt, bis sich eben der Kleinbus mit der Flamencotruppe zu Levantes Familie verirrt, worauf die hübschen Tänzerinnen prompt mehr oder weniger eindeutigen Angeboten und Nachstellungen ausgesetzt sind. Doch zumindest Levante ist nicht auf das schnelle Vergnügen aus. Er hat sich ernsthaft in die temperamentvolle Caterina (Lorena Forteza) verguckt, doch die ist leider mit einem herzhaft doofen Großwildjäger verbändelt.
Es dauert ein bißchen, bis 'Amore Amore' in Schwung kommt, doch auch die sanft humorvolle Beobachtung des öden Dorflebens im ersten Drittel ist nicht ohne Reiz. Danach zieht Regisseur Pieraccioni die Temposchraube etwas an, ohne dabei gleich in Hektik zu verfallen. Das ist unter dem Strich gewiß kein Meisterwerk, vielleicht aber gerade auf seine bescheidene Weise die richtige Medizin gegen triste deutsche Herbsttage, ein Film wie ein Schluck leichten italienischen Weißweins zur Pizza: kein komplexes Edelgewächs, aber unkompliziert und - in Maßen genossen - erfrischend. Ein Haken: Das bezieht seinen Witz nicht selten aus Sprachspielen, den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen dem Italienischen und Spanischen. Das ist beim besten Willen nicht synchronisierbar. Vielleicht liegt es daran, daß der Verleih in beiden Pressevorführungen vorsichtshalber nur das Original gezeigt hat. Ein endgültiges Urteil ist also ohne Kenntnis der deutschen Fassung zumindest problematisch.
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21.08.2002 17:46
Du schreibst wirklich gut! lg Star16
21.08.2002 17:46
Sehr guter Bericht, gefällt mir! lg Star16