Schönheit liegt unter der warzigen Haut
16.01.2004 (17.01.2004)
Pro:
ruhiger Mitbewohner
Kontra:
nicht einheimisch
Empfehlenswert:
Ja
 foier
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:40
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 17 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich habe neulich meinen kleinen Zoo um ein neues Mitglied erweitert. Dies war eigentlich nicht geplant aber hat sich im Nachhinein als „Glückstreffer“ erwiesen. Und so überfiel mich mein Schicksal! Als ich in einem nahegelegenen Tierheim war, um mal wieder das verweigerte Katzenfutter wegzubringen, durfte ich mir mal wieder sämtliche Gäste anschauen und mich mit Ihnen beschäftigen. Eine der Mitarbeiterinnen zeigte mir den Notfall des Monats. Eine Aga-Kröte! Ich bin ja nun eigentlich nicht der Freund von Tieren, die in Käfigen, Terrarien oder ähnlichem leben müssen, aber dieses riesige, warzige etwas hatte es geschafft mich in seinen Bann zu ziehen. Er wurde aus einem Haushalt rausgeholt, in dem Jugendliche das Tier mit Feuerzeugen traktierten um das halluzinogene Sekret, was die Aga-Kröten alle sechs Wochen neu produzieren, abzulecken. Obwohl die Tiere im allgemeinen sowieso sehr groß sind (20-30 cm) hatten es seine vorherigen Besitzer nicht einmal für nötig befunden, ein entsprechend großes Terrarium zu besorgen und fütterten ihn mit Hausabfällen anstatt mit kleinen Tieren, wie Mehlwürmer, Regenwürmer, Heimchen, Grillen, Heuschrecken, Fischen und so weiter.
Die Geschichte ging mir so nahe, dass ich beschloss, ihm einen ruhigen Lebensabend zu bereiten. Einrichtung eines Terrariums um den Gewohnheiten gerecht zu werden! Also fuhr ich in die nächste Tierhandlung um ein schönes, großes Terrarium zu besorgen (1,75m x 0.40m x 0,40m) und es erst einmal mit Erde, Rindenmulch, Ästen, Pflanzen und einer Badewanne einzurichten. Da die Aga-Kröten mit Zimmertemperatur leben, musste ich schon mal keine Heizung mehr kaufen. Was allerdings notwendig ist, ist ein Luftbefeuchter, da entspannte 70% Luftfeuchtigkeit herrschen sollten. Eine „Lichtquelle ist überhaupt nicht notwendig, da es sich bei den Bufo marinus (lat. Name der Aga-Kröte) um Nachtaktive Tiere handelt. Das Terrarium war jetzt also Einzugsfertig und wartete deutlich schon auf seinen Bewohner.
Und zwischendurch mal etwas zu der Kröte an sich! Sie kommt ursprünglich aus Mexiko, Westindien, Mittel- und Südamerika. Vor einer halben Ewigkeit ist sie auch in Australien eingeführt worden, um dort eine Maikäfer-Plage zu bekämpfen, was aber deutlich nach hinten losging, da die Aga-Kröte ein allesfressender Vielfraß ist und außer den für sie bestimmten Käfern alles fraß, was laufen konnten und kleiner war als sie. Heute hat man in Australien keine Probleme mehr mit Maikäfern, dafür leidet dieses Land und sein Kakadu-Nationalpark unter den Aga-Kröten. Sie dezimiert die Population der einheimischen Tiere und vermehrt sich durchgehend weiter. Ein Weibchen legt bis zu 30000 Eier monatlich, die ebenfalls giftig sind. Wie muss man mit der giftigen Kröte umgehen? Die Giftdrüsen, durch die sie das Sekret etwa 30 cm weit spritzt befinden sich direkt hinter den Augen. Um ungewollte „Attacken“ zu vermeiden, kann man vorsichtig die Drüsen mit Daumen und Zeigefinger auspressen. Danach hat man wieder ungefähr 4-6 Wochen Zeit, bevor sie wieder „nachgeladen“ hat. Ich für meinen Teil halte das nicht für nötig, da man mit so einem Tier nicht unbedingt kuscheln muss oder sollte.
Im Endeffekt! Mein Erdnuckel (sein neuer Name) ist ein ruhiger, anschaulicher Mitbewohner und ich und meine Katzen wollen ihn sicher nicht mehr missen. Ich empfehle dieses Tier weiter an verantwortungsbewusste und ruhige Menschen.
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27.10.2004 23:41
Ein rührender und netter Bericht. Dennoch hätte ich gerne genauer gewußt, wie das mit der Fütterung gehen soll. Heuschrecken und Regenwürmer habe ich nicht gerade im Übermaß zur Verfügung. Aus dem Grund habe ich auch noch keine dieser Kröten. VLG - Olaf
21.04.2004 15:09
Du hast sehr viel Herz. Das macht Dich liebenswert :o)
17.01.2004 00:31
Hallo und herzlich Willkommen bei Ciao. Klasse Bericht, weiter so! LG Bianca