Der visuelle Overkill
09.11.2010
Pro:
Sängerin & Band, optische Untermalung
Kontra:
teilweise die Vorgruppe/n, das Gedränge bei An - und Abfahrt
Empfehlenswert:
Ja
 Demelza
Über sich:
Ich habe mir ein neues Lieblingszitat ausgesucht: "Meine Niedlichkeit überlagert die Brisanz me...
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Liebe Amy-MacDonald-Fans, am 8.11.2010 war es soweit: Im Rahmen der European-Arena-Tour 2010 fanden sich
Amy MacDonald & Band in der Jahrhunderthalle Frankfurt-Höchst ein. Der Radiosender hr3 hatte ja schon lange dafür geworben, und da wir in Offenbach/Main wohnen, war für meinen Mann und ich klar gewesen, daß wir uns die Tickets im Moment des offiziellen Vorverkaufs sichern würden. Punkt 10 Uhr hatte ich am 31. Mai dieses Jahres bei der Kartenverkaufsstelle auf der Matte gestanden und mich für zwei Stehplatzkarten/Parkett entschieden, zum Preis von insgesamt 81,-- Euro. So teure Karten hatte ich noch nie besessen (sieht man einmal ab von Tickets für mehrtägige Open-Air-Festivals), aber was tut man nicht alles als echter Fan, wenn Konzerte der Lieblingskünstlerin nur spärlich gesät sind. So viel erst einmal zur Vorgeschichte (muss ich extra erwähnen, wie groß meine Vorfreude und die meines Mannes war? Ein halbes Jahr kann sooo lang werden) – kommen wir also in wenigen Augenblicken zu dem
8. November 2010 - dem Tag, an dem wir gegen 18 Uhr mit dem Auto von zu Hause aus ohne Navigationsgerät aufbrachen, um über A3, A5 und A66 zur Jahrhunderthalle nach Frankfurt-Höchst zu gelangen und hofften, bloß ja nicht das Konzert zu verpassen. Um diese Zeit drohte vor uns ein Mega-Stau, aber zum Glück für uns (nicht für die anderen) drängte sich die Autoschlange vor der A3 in die Gegenrichtung. Puh – noch mal Glück gehabt – aber fast hätten wir uns verfahren. Nach bangen 40 Minuten erreichten wir noch vor 19 Uhr, der offiziellen Zeit des Einlasses, den riesigen Parkplatz und reihten uns geduldig in die Schlange ein, die minütlich länger wurde. Auch hier hatten wir Glück, denn die Security-Leute hatten mit uns Erbarmen und öffneten die Zugänge zur Halle früher. Hurra! Auch die Preise für Bier und Limo hielten sich in Grenzen (3,-- Euro pro Person). Mit 3,-- Euro für einen Wrap und 4,-- Euro für einen Burger zum Selberbelegen rangierten die Essenspreise am Rande der Schmerzgrenze, aber dafür wurden die Frikadellen auch von zwei Köchen mit weißen Kochmützen gebraten. Wohl bekomm's. Nachdem wir den Merchandising-Stand, die Raucherzone und den Stand mit Bier und Sekt (6,-- für ein Gläschen ist dann doch ein wenig happig) im nächsten Geschoß aufgesucht hatten, schlenderten wir langsam in Richtung Halle und folgten den Klängen vom Band, das während der Umbaupause lief. Die erste Vorgruppe namens Martin & James hatten wir wohl verpaßt. Schade. Aber es sollte ja noch ein Act vor Amy MacDonald und ihren Jungs auftreten: Fyfe Dangerfield. Nun ja, Amy MacDonald war erst um 21 Uhr dran – da war ein bißchen Lala im Vorfeld, um die Wartezeit zu überbrücken, bestimmt nicht so übel, auch wenn ich diesen Knaben noch gar nicht kannte. Anderen war er mit seinen Begleitmusikerinnen wohl eher ein Begriff, da die meisten in unserer Nähe fleißig applaudierten. Ich fand seine ruhigen Songs gar nicht mal so übel, nur hätte ich mir an diesem Abend vielleicht nicht ganz so ruhige Musik als Auftakt zu einem Konzert, bei dem die Post abgehen sollte, gewünscht. Wer sich den Künstler anschauen und -hören möchte, für den hält Youtube ein Video zu seiner Coverversion von Billy Joels „She's always a woman“ bereit. Ich fand seine Version, wie gesagt, nicht schlecht, aber als Vorprogramm zu Amy ein wenig deplaziert. Just my five cents. Kommen wir nun zum ganz großen Kino – dem visuellen Overkill. 21 Uhr : what makes you different „What
Bilder von Amy Macdonald Konzert-Tickets
makes you different from anyone in here? What makes you stand out from the crowd?“ Als diese Worte auf der großen Leinwand eingeblendet wurden, stand der Opener fest: „An Ordinary Life“. Amy und ihre Jungs gehen also gleich in die Vollen. Wurde ja auch langsam mal Zeit, daß Schwung in die sich wegzuträumen beginnende Menge in der Halle kommt!, dachte ich mir und sprang begeistert in die Höhe. Meine eingeschlafenen Beine waren auf der Stelle vergessen. Von den ersten Takten an, ging das Publikum mit; und ich war so hingerissen, daß ich doch glatt die Reihenfolge der Songs vergessen habe. Aber Ihr müßt nicht traurig sein, denn welche Lieder an diesem Abend noch gespielt wurden, das habe ich mal eben kurz zusammengefaßt (ein Anspruch auf die korrekte Reihenfolge oder gar Vollständigkeit kann nicht erhoben werden):Poison Prince - Mr Rock'n'Roll - Spark LA - Footballer's Wife - The Youth of today Love Love - Give It All Up - This Pretty Face Troubled Soul - This is the life - No roots Run - The road to home - Let's start a band Born to run - What Happiness Means To Me - Don't Tell Me That It's Over Ups – mein Fehler, sorry. Kann doch mal passieren. Schließlich hat sich die liebe Amy mitten in „Mr Rock'n'Roll“ verhaspelt, aber dank tatkräftiger Unterstützung des mitsingenden Publikums gleich wieder im Text den Anschluß gefunden. Wenn ich also ein paar Songs vergessen haben sollte, bitte ich um Nachsicht. Dafür aber sind mir die kleinen Geschichten, die Amy zwischen den Songs erzählt hat, umso deutlicher im Gedächtnis haften geblieben. Kaum zu glauben, verkündete sie mit charmantem Lächeln, daß sie noch vor zwei Jahren ausschließlich in kleinen Clubs aufgetreten ist, und jetzt steht sie auf großen Bühnen. Ja ja, so kann's gehen. Oder daß die besten Songs direkt nach einem Konzert entstehen, wie zum Beispiel „Run“. Das tolle Konzert, auf dem wir Amys dunkle Stimme endlich auch einmal live erleben durften, war jedoch nicht nur gespickt mit zahlreichen Anekdoten aus dem Tourleben mit ihrer Band, sondern war auch optisch ein wahrer Augenschmaus; auch wenn ich von einem visuellen Overkill geschrieben habe – hier habe ich ihn ausnahmsweise positiv besetzt. Oft nehme ich vor lauten Tönen und grellen Farben reißaus, doch bei diesem Konzert stimmte einfach alles. Die einzelnen Songs waren mit den dazu passenden Bildern untermalt. In „Spark“ flimmerten über die Leinwand Bilder eines in seinem Raumanzug durchs All schwebenden Astronauten („I am the spaceman flying high – I am the astronaut in the sky“), zu „Footballer's Wife“ gab's ein monochromes Foto in bräunlichen Gelbtönen von Fred Astaire und Ginger Rogers („Now Ginger Rogers, Fred Astaire, would you dance for me 'cause I just don't care what's going on today“) - in dieser Kombination zum Weinen schön -, und „LA“ wurde durch Abbildungen von Palmen optisch verschönert. Ach, fast hätte ich noch „This pretty face“ vergessen. Bei diesem Song durften wir auf der Leinwand grell leuchtetnde, grafisch verfremdete Aufnahmen von einer Schönheitskönigin mit Diadem auf dem Haupt bewundern, was auf mich ziemlich ironisch wirkte, angesichts der von Amy zum besten gegebenen Anekdote, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Ausgerechnet „This pretty face“ war das Lied, das sie bei einer der unzähligen Fernsehshows im Rahmen ihrer aktuellen Tournee spielen sollten; bei der Fernsehshow handelte es sich jedoch nicht um eine Musikshow, sondern um eine „Beauty show“, also eine Schönheitsshow. Ich tippe mal auf eine Sendung wie „Germany's Next Top Model“, obwohl ich hätte wetten können, daß sie auf ihren Auftritt bei „Popstars 2010 – Girls forever“ angespielt hat; denn diese Sendung ist ein meinen Augen ein verkappter Schönheitswettbewerb. Aber das soll auch weiter nichts zur Sache tun, denn es geht ja hier um ein wirklich tolles Konzert und nicht um eine Kritik an Casting-Shows. Zurück zu den Liedern.Wie man unschwer erkennen kann, spielten Amy und ihre Band nicht nur die Lieder vom aktuellen Album, sondern auch ältere Stücke. Es war für mich mal etwas neues, die eher folk- bzw. countrylastigen Songs in rockigem Gewand präsentiert zu bekommen, ohne daß die ausdrucks- und wandlungsfähige Stimme der Sängerin untergegangen wäre. Die betrübliche Tatsache, daß der Sound dabei leider nicht immer klar bei uns ankam, führe ich darauf zurück, daß wir ziemlich weit links von der Bühne und genau vor den Lautsprecherboxen standen. Das optimale Konzertvergnügen hatten vermutlich die Menschen in der Mitte der Menge vor der Bühne, aber man kann nicht alles haben. Ich stand glücklicherweise so, daß ich zum einen Amy noch sehen konnte und zum andern von dem grellen Licht nicht ständig geblendet wurde, sondern nur ab und zu. Dennoch reichte die Lichtmenge aus, um einen großen Teil der Fotos, die ich und andere während des Konzerts mit dem Handy aufnahmen, unbrauchbar zu machen. Ja, selber schuld – wer ist auch so blöd und macht Aufnahmen mit dem Handy? Das kann ja nix werden!, höre ich Euch jetzt sagen, aber hey! Eine normale Kamera hätte ich wahrscheinlich gar nicht mit in die Halle hineinbringen dürfen, mein Handy dagegen wurde nicht konfisziert. Und ein paar Erinnerungen möchte man doch auch behalten oder mit anderen teilen, auch wenn die Bilder technisch nicht gerade die Créme de la Crème sind. Ein paar Notizen zu meinen zehn Aufnahmen findet Ihr übrigens am Ende meines Berichts. Don't Tell Me That It's Over Sagt nicht, daß es schon vorbei ist! Erst viertel nach zehn, und dabei hat uns doch der nette Mann von der Security erzählt, daß das Konzert bis viertel vor elf dauern würde. Nein, vorbei war es auch noch nicht; das Publikum skandierte so lange „Zu-Ga-Be! Zu-Ga-Be!“, bis Miss MacDonald alleine zurückkam und sich ihre Gitarre schnappte, um einen Song von Bruce Springsteen darzubieten. Nein, liebe Freunde der Nacht, es handelte sich nicht um „Dancing in the dark“, das ich mir so herbeigesehnt hatte, sondern um „Born to run“ - ein weiterer Springsteen-Klassiker, der mir in der Akustikversion fast noch besser gefiel als das von mir so geschätzte Original. Da fehlte mir „Dancing in the Dark“ kein Stück. Hierfür gab es frenetischen Jubel. Aber hallo; mit dem definitiv letzten Song, diesmal wieder mit der kompletten Band, klang dann ein geniales Konzert aus – der perfekte Abschluß meines Urlaubs. Ein bißchen Kritik, nach den Anmerkungen zu meiner Fotostrecke 01 ~ Im Foyer der Jahrhunderthalle: Im Foyer im ersten Stock gab es außer einem Merchandising-Stand mit CDs, Postern, T-Shirts und Tassen auch noch einen Stand mit Bier, Wein und Sekt, sowie freundliches Securitypersonal, das einen in die richtige Richtung schickte. Wir hatten Stehplatzkarten fürs Parkett, das sich auf der ersten Etage befindet – die Sitzplätze befanden sich im nächsten Stock. Dumm für diejenigen, die zwischendurch mal auf die Toilette mußten. Toiletten befinden sich nämlich im Erdgeschoß, hinter der Garderobe. PS: Das gelbe Licht im Hintergrund auf meinem Foto war in natura viel intensiver. 02 ~ wir beide: Ein gruseliges Selbstporträt, auf dem man sehen kann, wie dicht sich die Menge hinter uns bereits gedrängt hatte. Fragt lieber nicht nach den Temperaturen während des Konzerts! Eine wahrlich schweißtreibender Event. Ich hoffe, mein Mann verzeiht mir, daß ich ihn hier mit mir zusamme hochlade.03 ~ Ordinary Life: Diese Lichtshow war wirklich vom allerfeinsten – da bekamen wir was für unser Geld geboten. Einziger Wermutstropfen: Manchmal wurde ich von den Scheinwerfern fies geblendet. 04 ~ LA: Außer Palmen wurden uns bücherregalähnliche Objekte präsentiert. Es hätten auch Wolkenkratzer sein können. Wer weiß das bei moderner Kunst schon so genau? Es lebe die künstlerische Freiheit.05 ~ Amy auf Leinwand: Amy auf der Bühne zu fotografieren, konnte ich mit meinem Handy vergessen. Wenn mal kein Schweinwerfer in meine Richtung strahlte, war zwar der ideale Moment gekommen, aber die junge Dame sah auf dem Foto so klein und verloren aus, daß ich lieber den Moment abwartete, in dem eine Nahaufnahme von ihr auf der Leinwand erschien. 06 ~ This pretty face: Noch eine visuelle Untermalung. Eine Schönheitskönigin bei der Krönung.07 ~ This is the life: „and you're singing your song, thinking 'this is the life', and you wake up in the morning and your head feels twice the size...“ wie man sich eben nach einer durchfeierten und durchzechten Nacht so fühlt. Und auf der Leinwand gab's die entsprechenden Aufnahmen von Partypeople im Pub zu sehen. 08 ~ Zuschauer: Hier mal eine Aufnahme von den Zuschauern vor mir, als blaue Wolken und stilisierte Vögel (ich weiß nicht mehr, zu welchem Song) über die Wände der stockdunklen Jahrhunderthalle flogen und uns ein roter Scheinwerfer entgegen kam.09 ~ der visuelle Overkill: Meistens blau oder rot überflutet, seht Ihr hier nun das Ergebnis, wenn man in dem Moment auf den Auslöser drückt, wenn man von vorne geblendet wird und man raten kann, wer da nun auf der Bühne zu sehen ist. Viel Spaß beim Suchen der Sängerin. 10 ~ Jahrhunderthalle: Wir verließen den gastlichen Ort und begaben uns auf die Suche nach unserem Auto. Die Autoschlange, in der wir anschließend warteten, war nicht von schlechten Eltern und bescherte uns einen Heimweg von fast einer Stunde. Insgesamt gesehen, war das Konzert eine runde und absolut geniale Sache, die den zunächst hoch erscheinenden Eintrittspreis von 40,50 Euro pro Karte jedoch voll und ganz rechtfertigten. Das lag zum einen an dem Sound, der zu 90% glasklar bei uns ankam; manchmal gab es akustisch leider eine etwas schwammige, mit Brummen oder Verzerrungen überlagerte Suppe, was aber an unserem Platz gelegen haben könnte. Auf den Sitzplätzen im oberen Rang wäre das Problem eventuell gar nicht aufgetreten; allerdings war auf dem Parkett eindeutig die bessere Stimmung: Hier wurde getanzt, mitgesungen und -geklatscht, und bei einem der ruhigen Balladen war der Mann vor mir sogar so mutig, als einziger ein brennendes Feuerzeug in die Höhe zu halten. Die ruhigen Momente waren aber eher dünn gesät. Die meisten Songs verführten geradezu, mitzutanzen, was bei manchen zur schweißtreibenden Angelegenheit geriet – da lief so mancher Schweißtropfen von einer Glatze. Ein Effekt, der bei mir nicht auftreten kann, aber dafür wurde mir im dünnen T-Shirt bald äußerst warm... Auch optisch war das Konzert ein Genuß, die Lichtshow vom allerfeinsten. Statt lediglich die Bühne mit farblich wechselnden Strahlern auszuleuchten, zauberten die Bildtechniker Stimmungen an die Wände und bunte Bilder und Filme sowie schwarz-weiße Nahaufnahmen der Musiker auf die Leinwand. Eine ähnliche Show wurde mir zuletzt auf dem Wave-Gotik-Treffen bei der Band „Collection d'Arnell Andrea“ geboten. Das einzige, was mir an dem ganzen Drumherum nicht gefallen hat, war der Anflug von Stau auf der A3, als wir zur Jahrhunderthalle fuhren – und das Unvermögen der anderen Autofahrer, nach dem Konzert beim Verlassen des Parkplatzes das Reißverschlußprinzip anzuwenden; wenn es wieder so ein grandioses Konzert in der Jahrhunderthalle gibt, informiere ich mich vorher besser und nehme die S-Bahn. Aber dafür können weder der Veranstalter noch Amy MacDonald und ihre Band etwas. Deshalb vergebe ich für diese Veranstaltung fünf Sterne. P.S.: Information über weitere Termine, für Interessierte 9.11.10 Stuttgart, Porsche-Arena 11.11.10 Berlin, o2-World 12.11.10 Dresden, Messe Dresden 13.11.10 München, Zenith 15.11.10 Düsseldorf, Philippshalle
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04.12.2010 17:19
Beneidenswert das Konzert sowie der Bericht. Doch dein "hochgeladener" Mann sieht eigentlich recht friedlich aus...
22.11.2010 22:37
toll.. bh!
13.11.2010 19:54
da ärgere mich schon ein wenig, dass ich diese Gelegenheit nicht wahrgenommen habe. Sie kommt aber hoffentlich mal wieder....