Da ist was faul
06.03.2000 (10.01.2001)
Pro:
Lebendiger und sogar witziger Exkurs über ein "anrüchiges" Thema .
Kontra:
Entfällt .
Empfehlenswert:
Ja
 drewniok-pb
Über sich:
Der Alltag ist wieder zurück, aber nebenbei erscheint viel Gutes, Blödes oder beides unterhaltsam Ve...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 5 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Man denke sich eine Frage aus, die auf eine anscheinend völlig selbstverständliche Sache zielt, stelle die (scheinbar) bekannten Antworten in Frage, beleuchte sein Thema aus möglichst unterschiedlichen Richtungen und bleibe dabei (endlich einmal) ohne Furcht, sich in Exkursen, Abschweifungen und Anekdoten zu verlieren. Wenn man es richtig macht, entwickelt sich daraus womöglich eine jener "wissenschaftlichen Plaudereien", die Wissen auf unterhaltsame Art und ohne erhobenen Zeigefinger vermitteln. Die richtige Mischung für diese flüchtige Verbindung zu finden, ist ein rares Talent, das in erster Linie im angelsächsischen Kulturraum zu blühen scheint. Während in Deutschland der "ernsthafte" Gelehrte seinen Ruf in Gefahr sieht, sobald er seine Kenntnisse in allgemein verständliche Worte kleidet ("popularisiert" - schon das Wort hat hierzulande einen negativen Klang), vertreten in England und den USA immer wieder anerkannte Koryphäen den Standpunkt, dass es den wirklich fähigen Lehrer auszeichnet, sich aus seinem Elfenbeinturm hinaus zu begeben und möglichst vielen Menschen verständlich zu machen. Midas Dekkers stammt zwar aus den Niederlanden, hat sich aber diese erfrischende Auffassung zu Eigen gemacht. Ohne Scheu widmet er sich einem höchst diffizilen Thema - dem Phänomen des Alterns und der Alterung, des Todes und des Zerfalls und der anschliessende Auflösung, wenn die belebte und die unbelebte Materie wieder zueinander finden. Dekkers denkt stellvertretend für seine Leser über die Vergänglichkeit aller Dinge nach und dokumentiert, was dabei geschieht, und welche Ursachen es hat oder haben könnte. Dabei nähert er sich seinem Stoff nicht abstrakt, sondern geht unbekümmert als Universalgelehrter barocken Stils, als Historiker, Naturwissenschaftler und Philosoph zugleich darauf zu. Die Fragen scheinen einfach, haben es aber in sich. Was ist eigentlich Staub? Können Elefanten oder andere Tiere trauern? Was geschieht wirklich mit dem menschlichen Körper, wenn er tot ist? Wieso sind Ruinen romantisch? Und so führt eine Frage zur nächsten, werfen die Antworten neue Fragen auf und werden Dinge in einen Zusammenhang gebracht, den man so zuvor nie gesehen hatte. Das ist vielleicht nicht besonders tiefschürfend und oft sogar geschwätzig, aber meistens interessant und höchst aufschlussreich - jedenfalls für den, der kein schlechtes Gewissen bekommt, weil er bei der Lektüre eines Sachbuchs nicht jedes zweite Wort nachschlagen muss.Originell sind auch die Abbildungen, die jenseits aller Morbidität die eigenartige Poesie unterstreichen, die der Vergänglichkeit innewohnt. Abgerundet wird das Vergnügen an der Lektüre durch die vorzügliche Übersetzung - und alle diese Erfreulichkeiten zusammen unterstreichen einmal mehr, wie wertvoll die Bücher aus dem btb Verlag (der ja eigentlich "nur" eines der zahlreichen Imprints des Medienmix-Konzerngiganten Bertelsmann ist) für den bibliophilen Entdeckungsreisenden sind, der sein Pläsier ein wenig abseits des vielbefahrenen Mainstreams sucht. Originaltitel: De vergangelijkheid btb Verlag (Taschenbuch Nr. 72723) Erschienen im Januar 2001 Aus dem Niederländischen von Ute Hempen 20,00 DM ISBN 3-442-72723-5(Copyright 10.1.2001/Dr. Michael Drewniok
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21.08.2002 17:32
Du schreibst wirklich gut! lg Star16
27.02.2001 11:22
Hallo drewniok-pb, ich bin kurz vor Ende des Buches und habe es mit sehr viel Spaß gelesen. Dein Bericht passt sehr gut, vielen Dank dafür; ich freue mich immer wieder über gut geschriebene Beiträge. - Gruss - kansas