Erfahrungsbericht über

An allem nagt der Zahn der Zeit - Vom Reiz der Vergänglichkeit / Midas Dekkers

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Unser Körper ist unser eigenes Museumsstück

4  21.08.2009

Pro:
sehr detailreich

Kontra:
kleine Schrift

Empfehlenswert: Ja 

Finetta12

Über sich: "Du lächelst- und die Welt verändert sich" (Buddha)

Mitglied seit:29.03.2006

Erfahrungsberichte:249

Vertrauende:143

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 264 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo zusammen,
ab und an mag ich theoretische Bücher, das folgende sprach mich
durch den Buchrücken an:


Midas Dekkers "An allem nagt der Zahn der Zeit"


btb Verlag, ISBN 3-442-72723-5, 300 Seiten, EUR 10,00

Inhaltsangabe


Alles organisieren wir durch, räumen alles auf seinen Platz, doch der Vergänglichkeit
können wir nicht aus dem Weg gehen.Damit umschreibt Midas Dekkers ein Thema in
seinen Essays, das wir weit von uns schieben.

Schon im ersten Kapitel beschreibt er die Lebensleiter, die wir Stufe um Stufe
erklimmen.Ja, dort oben wollen wir sein, dort sitzen bleiben, wo wir sind. Gut beobachten
lässt sich so ein Verhalten bei Hühner. Auch bei ihnen gibt es eine Hierarchie, eine
Hackordnung die alles regelt. Meistens akzeptieren wir Menschen und Tiere ohne zu
murren unseren Platz in der Hierarchie, um den ehrgeizigsten unter uns die Karriere zu
ermöglichen. Die Grundlage für moderne Managementteams, Gehaltsstufen und
Aufstiegschancen bildet noch immer das Sozialverhalten unserer Vorfahren, den Affen.

Das ist das, was auf den nächsten Seiten den Inhalt der Essays ausmacht. Midas Dekkers
wandelt auf den Spuren der Geschichte, verbindet die Menschheit und die Tiere, um daraus
trockene bissige Abhandlungen zu entwickeln.

Leseprobe:
"Katzen machen keine Karriere, Menschen meistens schon .Das einzige, was ein Mensch
tun muss um vorwärts kommen, ist älter zu werden. Die Kenntnisse die man für die erste
Stelle benötigt sammelt man in seiner Jugend."

Vieles spürt Midas Dekkers auf, was teilweise heute noch seine Gültigkeit besitzt, wie z.B
etwas in vier Gruppen einteilen. Wir unterteilen den Horizont in vier Himmelsrichtungen, den
Tag in vier Teile und das Jahr in vier Jahreszeiten.

Dabei steckt in allem Erzählten das Vergängliche. Im zweiten Kapitel erfahren wir viel über
Ruinen.Gibt es z.B einen Elefantenfriedhof? Wirken nicht drei umgestürzte Säulen mit dem
Tympanon, die sie einst trugen, würdevoller? Alles was zerfällt verändert unser Leben. Etwas
Verfallenes ruft in uns ein eigenartiges Gefühl hervor, vielleicht erinnert es uns daran, das wir
nicht für ewig auf dieser Welt sind.

Doch nicht nur das anschauliche wird von Midas Dekkers erklärt, sondern auch unser
Strukturdenken, Was ist faul? Was ist vermodert? Im Laufe der Generationen hat sich z.B die
Haltung der Lebensmittel drastisch gewandelt. Alles zerbröckelt in seinen Teilchen. Sehr
plastisch schildert es Midas Dekkers anhand vom Wasser.

Leseprobe:
"Was ist so sehr damit beschäftigt, Stoffe aufzulösen, daß es selten in reiner Form vorkommt.
Schon während seiner Reise durch die Luft nimmt ein Regentropfen Stoffe auf, Kohlensäure
zum Beispiel. Dieses Gas gibt natürlichen Wasser seinen frischen Geschmack. Wirklich
reines Wasser ist völlig geschmacklos."

Auch finden wir Beispiele, wie die Luft alles zerfrisst. Immer wieder wird darum versucht, dem
Einhalt zu gebieten,z.B den Skulpturen ein neues Gesicht zugeben.

So geht es immerfort in den Kapiteln. Nichts ist von Dauer, nicht das Leben, nicht die Kunst
nicht einmal die Natur. Alles unterliegt dem Verfall, in jeder Zelle tickt die biologische Uhr.
Farben bleichen, auch wenn es wir es mühevoll übermalen. Unseren Alterungsprozess
verstecken wir hinter einem Jugendwahn. Graue Haare? Werden mit Haartönung überdeckt.
Selbst wenn wir in der Erde liegen, werden wir auf Dauer zerfressen.

Ein Rundumschlag der Biologie so könnten wir es nennen, und nach dem ersten Lesen haben
wir noch lange nicht alles erfasst, was uns Midas Dekkers sagen wollte.

Meine Meinung


Das ist eine Lektüre, die Zeit zum Lesen braucht. Erst beim zweiten oder dritten Lesen
offenbart sich, was Midas Dekkers in seinen Essays hineingepackt hat.

Ein Buch, das über die Vergänglichkeit zum Nachdenken anregen will. Manche Beispiele
sind etwas schauderhaft, wie mit den Maden, doch nur so verstehen wir, das nichts ewig ist.

Seine teilweise provokativen Aussagen verpackt der Autor mit einem Sinn für Humor.
Von der Kunstgeschichte hin zur Biologie nagt sich Dekkers durch die verschiedene
Bereiche der "Vergänglichkeit":

Dabei ist deutlich herauszulesen, das Dekkers vom Fach ist, ohne einige spezifische Begriffe
kommt er nicht umhin. Es entsteht jedoch keine Überheblichkeit,sondern eine rein sachliche
informative Darstellung.Ansonsten ist alles flüssig geschrieben.

Was mir allerdings etwas Mühe mache, war die kleinere dicht gedrängte Schrift.
Es gibt eben viel zu schreiben über die Vergänglichkeit.

Interessant waren für mich auch seine Schlussfolgerungen, die er aus seinen Beispielen
zieht. Ein Buch, das einen nachdenklich hinterlässt, um den eigenen Blick auf die Dinge
anders auszurichten.

Ein Buch das nicht nur so gelesen werden, sondern eine Diskussion wert ist. Ein Buch, das
einen ein wenig mehr beschäftigt, als einen Roman sonst.

Darum die volle Empfehlung


Der Autor


In den Niederlanden ist der dreiundsechzigjährige Midas Dekkers als Biologe, Schriftsteller
und Journalist bekannt.Er schrieb einige Besteller, die ihm Preise und Anerkennung außerhalb
der Niederlande brachten. Neben zahlreichen Kinder-und Jugendbücher, veröffentlichte er auch
Werke für Erwachsene, die sich unterhaltsam mit gesellschaftlichen Fragen beschäftigen.
Ungewöhnlich sind dabei einige seiner Standpunkte.


Danke fürs Lesen und Bewerten.
Eure Finetta
(auch für andere Plattformen)

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
meinemiamaria

meinemiamaria

18.10.2011 13:07

Witzig ! ---- Maria ----

reginamanni

reginamanni

12.05.2011 21:37

spannend..

calimero1111

calimero1111

29.05.2010 17:21

klingt nach einem echt spannenden buch! :-)

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