Unser Körper ist unser eigenes Museumsstück
21.08.2009
Pro:
sehr detailreich
Kontra:
kleine Schrift
Empfehlenswert:
Ja
 Finetta12
Über sich:
"Du lächelst- und die Welt verändert sich" (Buddha)
Mitglied seit:29.03.2006
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 264 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo zusammen, ab und an mag ich theoretische Bücher, das folgende sprach mich durch den Buchrücken an:
Midas Dekkers "An allem nagt der Zahn der Zeit" btb Verlag, ISBN 3-442-72723-5, 300 Seiten, EUR 10,00Inhaltsangabe Alles organisieren wir durch, räumen alles auf seinen Platz, doch der Vergänglichkeit können wir nicht aus dem Weg gehen.Damit umschreibt Midas Dekkers ein Thema in seinen Essays, das wir weit von uns schieben.Schon im ersten Kapitel beschreibt er die Lebensleiter, die wir Stufe um Stufe erklimmen.Ja, dort oben wollen wir sein, dort sitzen bleiben, wo wir sind. Gut beobachten lässt sich so ein Verhalten bei Hühner. Auch bei ihnen gibt es eine Hierarchie, eine Hackordnung die alles regelt. Meistens akzeptieren wir Menschen und Tiere ohne zu murren unseren Platz in der Hierarchie, um den ehrgeizigsten unter uns die Karriere zu ermöglichen. Die Grundlage für moderne Managementteams, Gehaltsstufen und Aufstiegschancen bildet noch immer das Sozialverhalten unserer Vorfahren, den Affen. Das ist das, was auf den nächsten Seiten den Inhalt der Essays ausmacht. Midas Dekkers wandelt auf den Spuren der Geschichte, verbindet die Menschheit und die Tiere, um daraus trockene bissige Abhandlungen zu entwickeln.Leseprobe: "Katzen machen keine Karriere, Menschen meistens schon .Das einzige, was ein Mensch tun muss um vorwärts kommen, ist älter zu werden. Die Kenntnisse die man für die erste Stelle benötigt sammelt man in seiner Jugend." Vieles spürt Midas Dekkers auf, was teilweise heute noch seine Gültigkeit besitzt, wie z.B etwas in vier Gruppen einteilen. Wir unterteilen den Horizont in vier Himmelsrichtungen, den Tag in vier Teile und das Jahr in vier Jahreszeiten.Dabei steckt in allem Erzählten das Vergängliche. Im zweiten Kapitel erfahren wir viel über Ruinen.Gibt es z.B einen Elefantenfriedhof? Wirken nicht drei umgestürzte Säulen mit dem Tympanon, die sie einst trugen, würdevoller? Alles was zerfällt verändert unser Leben. Etwas Verfallenes ruft in uns ein eigenartiges Gefühl hervor, vielleicht erinnert es uns daran, das wir nicht für ewig auf dieser Welt sind. Doch nicht nur das anschauliche wird von Midas Dekkers erklärt, sondern auch unser Strukturdenken, Was ist faul? Was ist vermodert? Im Laufe der Generationen hat sich z.B die Haltung der Lebensmittel drastisch gewandelt. Alles zerbröckelt in seinen Teilchen. Sehr plastisch schildert es Midas Dekkers anhand vom Wasser.Leseprobe: "Was ist so sehr damit beschäftigt, Stoffe aufzulösen, daß es selten in reiner Form vorkommt. Schon während seiner Reise durch die Luft nimmt ein Regentropfen Stoffe auf, Kohlensäure zum Beispiel. Dieses Gas gibt natürlichen Wasser seinen frischen Geschmack. Wirklich reines Wasser ist völlig geschmacklos." Auch finden wir Beispiele, wie die Luft alles zerfrisst. Immer wieder wird darum versucht, dem Einhalt zu gebieten,z.B den Skulpturen ein neues Gesicht zugeben.So geht es immerfort in den Kapiteln. Nichts ist von Dauer, nicht das Leben, nicht die Kunst nicht einmal die Natur. Alles unterliegt dem Verfall, in jeder Zelle tickt die biologische Uhr. Farben bleichen, auch wenn es wir es mühevoll übermalen. Unseren Alterungsprozess verstecken wir hinter einem Jugendwahn. Graue Haare? Werden mit Haartönung überdeckt. Selbst wenn wir in der Erde liegen, werden wir auf Dauer zerfressen. Ein Rundumschlag der Biologie so könnten wir es nennen, und nach dem ersten Lesen haben wir noch lange nicht alles erfasst, was uns Midas Dekkers sagen wollte.Meine Meinung Das ist eine Lektüre, die Zeit zum Lesen braucht. Erst beim zweiten oder dritten Lesen offenbart sich, was Midas Dekkers in seinen Essays hineingepackt hat.Ein Buch, das über die Vergänglichkeit zum Nachdenken anregen will. Manche Beispiele sind etwas schauderhaft, wie mit den Maden, doch nur so verstehen wir, das nichts ewig ist.Seine teilweise provokativen Aussagen verpackt der Autor mit einem Sinn für Humor. Von der Kunstgeschichte hin zur Biologie nagt sich Dekkers durch die verschiedene Bereiche der "Vergänglichkeit": Dabei ist deutlich herauszulesen, das Dekkers vom Fach ist, ohne einige spezifische Begriffe kommt er nicht umhin. Es entsteht jedoch keine Überheblichkeit,sondern eine rein sachliche informative Darstellung.Ansonsten ist alles flüssig geschrieben.Was mir allerdings etwas Mühe mache, war die kleinere dicht gedrängte Schrift. Es gibt eben viel zu schreiben über die Vergänglichkeit. Interessant waren für mich auch seine Schlussfolgerungen, die er aus seinen Beispielen zieht. Ein Buch, das einen nachdenklich hinterlässt, um den eigenen Blick auf die Dinge anders auszurichten.Ein Buch das nicht nur so gelesen werden, sondern eine Diskussion wert ist. Ein Buch, das einen ein wenig mehr beschäftigt, als einen Roman sonst. Darum die volle Empfehlung
Der Autor In den Niederlanden ist der dreiundsechzigjährige Midas Dekkers als Biologe, Schriftsteller und Journalist bekannt.Er schrieb einige Besteller, die ihm Preise und Anerkennung außerhalb der Niederlande brachten. Neben zahlreichen Kinder-und Jugendbücher, veröffentlichte er auch Werke für Erwachsene, die sich unterhaltsam mit gesellschaftlichen Fragen beschäftigen. Ungewöhnlich sind dabei einige seiner Standpunkte. Danke fürs Lesen und Bewerten. Eure Finetta (auch für andere Plattformen)
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18.10.2011 13:07
Witzig ! ---- Maria ----
12.05.2011 21:37
spannend..
29.05.2010 17:21
klingt nach einem echt spannenden buch! :-)