Aber es wundert mich doch, dass niemand etwas merkt.
07.04.2009
Pro:
Aufmachung, Sprachwahl, Einführung, Verständlichkeit, Kritik
Kontra:
viele Zeichensetzungsfehler, wirkt teilweise "gestellt" und "kindisch - trotzig"
Empfehlenswert:
Ja
 Cosmay
Über sich:
"Es kommt mir obszön vor, wenn Menschen jederzeit erreichbar sind. Es ist nicht richtig." ...
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Es gibt Bücher, bei denen es mir vorkommt, als hätten außer mir selbst nicht sonderlich viele Personen von deren Existenz auch nur geahnt ~ somit kommt es schon mal vor, dass ich jahrelang auf die Gelegenheit warte, ein Buch endlich einmal zu Gesicht bzw. zu lesen zu bekomme. //ANDERS LEBEN//ist so ein Werk, welches in der breiten Masse regelrecht untergeht. Bereits im Jahre 2004 erschien diese recht persönliche Veröffentlichung rund um das Thema „Selbstverletzendes Verhalten“ im U-books Verlag, durch den u. a. Dirk Bernemann sich einen Rang und Namen machte. Die Herausgeberin dieses 164 starken Sammelsuriums nennt sich „Dark Angel“ und ist nicht näher zu identifizieren; was meiner Ansicht nach auch nicht sonderlich wichtig ist ~ mehr Gewicht lege ich wie so oft auf den Inhalt, auf das, //WORUM ES GEHT// Wie die Buchuntertitel es schon verrät geht es im groben und ganzen um das Thema Selbstverletzung; darum, wie manche nicht-nur-Borderliner mit diesem „anders Leben“ umgehen, welche Erfahrungen sie machten. Nicht wie so oft wurde hier eine wissenschaftliche Abhandlung oder ein einzelner Erfahrungsbericht veröffentlicht, nein, vielmehr gliedert sich das Buch in Vorwort, Einführung und kommt sodann auf die kleinen großen Fragen~ Was ist SVV? ~ Ursachen und Hintergründe ~ Hilfe und Alternativen ~ Beiträge und Erfahrungsberichte ~ Fragen und Antworten ~ Gedichte und Zeichnungen ~ Beratungsstellen und letztlich dem Ausklang zu sprechen. Schnell wird klar, dass niemand der „Betroffenen“ mit vollem Namen ausgewiesen wird, der Leser findet lediglich den Vornamen bzw. den selbst erwählten Namen; nie aber das Alter der „Erzähler“, wobei ich letzteres durchweg interessant gefunden hätte ~ vor allem auch im Hinblick darauf, dass das sog. „cutten“ oftmals als Modeerscheinung der schwarzen Szene verschrieen wird. //DIE UMSETZUNG// Schon das Vorwort und die Einführung zeugen von solch einer Einfühlsamkeit, so dass es jedem leicht fallen dürfte, sich in dem Werk zurecht zu finden. Einfache, jedoch bedeutende und nachhallende Worte sind es, die hier gewählt wurden, um das ein oder andere deutlich zu machen und eben auch unmittelbar anzusprechen. Scheinbar ganz nebenbei geht das Vorwort auf jenes Vorurteil ein, welches immer unterstellt wird: das nur „total psychisch kranke“ in der Lage sind, sich selbst etwas anzutun:“Wir haben alle mit unseren Dämonen zu kämpfen. Und selbst wenn man sich nicht mit Klingen die Haut aufschneidet, sollte man sich immer fragen, ob das eigene Leben auch nicht hätte ganz anders verlaufen können. Oder auch, ob man nicht selbst bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legt, die gar nicht so weit weg sind von dem, Was man unter S.V.V. versteht.“ (ZITAT S. 12) Ebenso berührt die Einführung von Dark Angel, die ganz nebenbei ein Zitat von Friedrich Nietzsche einbaut und mit ihrer Wortwahl Neugierde und eine gewisse Spannung nebst Erwartung bzgl. der Folgeseiten erweckt.Besonders hervorzuheben meiner Meinung nach auch die durchweg kritische Auseinandersetzung mit dem Thema der „Ersatzhandlung“; der auf fachspezifischen Internetseiten angebotenen Alternativen, die beinah durch die Bank als „lächerlich“ zu bezeichnen sind. Lobenswert, dass nicht nur zur Sprache kommt, wie unsinnig manche Vorschläge sind, sondern eben auch dargelegt wird, warum Betroffene zu diesem Urteil gelangen ~ nicht zu vergessen, dass hier ebenso eine akzeptablerer Lösung vorgestellt wird: die der passiven Selbstkontrolle. Die Seiten mit dem Inhalt der Erfahrungsberichte berührten mich, verärgerten mich aber gleichso ein wenig. Nicht nur, dass die Formatierung in „Blocksatz“ manches mal den Text dermaßen verzieht, dass es mir als Leseliebhaberin nicht nur in den Augen wehtut, sondern obendrein die immense Anzahl von Rechtschreibfehlern. Nicht katastrophal viele, aber eben genug, um mich zweifeln zu lassen. Zweifeln an der „Echtheit“ der Erfahrungsberichte; denn während man die Rechtschreib- und vor allem Kommafehler noch der Abtipperin in die Schuhe schieben kann sind die Sätze beinah aller Betroffenen ähnlich schief konstruiert, so dass die Schlussfolgerung erlaubt sein dürfte, dass vieles von einer einzelnen Person geschrieben wurde. Manche Sätze kann ich einfach nur als „ekelhaft“ bezeichnen, eben weil man sie je nach dem zweimal lesen muss, um überhaupt unmittelbar den Sinn erkennen zu können: “Jede Gruppe hat unterschiedliche Therapieabläufe und ist individuell auf die einzelnen Personen innerhalb der Gruppe abgestimmt. So kann es sein, dass nach der Reflektion, die eine Gruppe Ergotherapie hat, und in der anderen Gruppe diese Therapieform gar nicht enthalten ist im Ablaufplan.“ (ZITAT inkls. Originalgetreuer Komma-Setzung; S. 81)~ Stelle ich mich wieder an? Mag sein; aber mich ärgert es einfach wenn einem solche schiefen Sätze derartig ins Auge springen und dann noch von unterschiedlichen Personen stammen sollen. Trotzdem halte ich diese Berichte für informativ und inhaltlich korrekt, zumal ich der Autorin unterstellen mag, dass sie durchaus „Ahnung“ hat ~ und wer selbst zu jenen, die „anders leben“ gehört, der kann sich obendrein vorstellen, welche „Gründe“ die mit-familie hat....Warum jedoch das Kapitel „Fragen und Antworten“ unbedingt an einen Fragebogen, der in jüngeren Schultagen in Steckbriefbüchern ausgetauscht wurde, erinnern muss, bleibt mir ein unfröhliches Rätsel. Klar, die Thematik bezieht sich auf die Selbstverletzungen; und doch sind die Fragen derartig „albern“ gestellt, dass ich eher missmutig über die Antworten zu „Wie fühlst du dich dabei und danach?“, „Was liebst du und was hasst du?“ u.ä. huschte. Eindeutig mehr Zuspruch meinerseits fanden die Zeichnungen und Gedichte, die man manchesmal in Ruhe betrachten muss, um wirklich alles darin zu entdecken. Den Schluss bildet eine Art „Kurzgeschichte“, die mich im ersten Moment eher befremdet denn angesprochen hat ~ doch die Schlusssequenz stimmte mich wieder versöhnlich. //SUMMA SUMMARUM//hatte ich mir von dem Buch mehr erhofft. Die Aufmachung ist mehr als gelungen was die Covergestaltung, die beinhalteten Zeichnungen sowie die Qualität des Papiers angeht. Dem entgegen stehen wie gesagt Tippfehler, schiefe Formulierungen sowie Formatierungsprobleme, die allesamt mir ein wenig meiner Begeisterung genommen haben. An der „Echtheit“ der Berichte darf meiner Ansicht nach zu recht ein wenig gezweifelt werden; wobei ich andererseits hier nicht unbedingt einen definitiven Minuspunkt sehe. Die Umsetzung trifft die Wirklichkeit sehr gut, wie ich denke; und doch finde ich es „falsch“, etwas als „authentisch“ zu verkaufen, was in Wirklichkeit „nur“ als Niederschrift eines Ausschnittes des „wahren Lebens“ niedergeschrieben wurde. Somit kann man sich auch bei diesem im U-book Verlag erschienenen Werk wieder fragen, ob es vielleicht eine „Fälschung“ ist, wie es auch bei der Kinderprostituierten Natascha aus „Seelenficker“ der Fall gewesen sein soll.Fakt aber hin, Fakt her: solche Dinge, die sich hier wiederfinden, die offenbart werden; jene Blicke in die Seele... sie sind echt. Wenn nicht hinter jenen Namen, wie sie hier veröffentlicht wurden, dann hinter anderen, die DA DRAUSSEN versuchen sich zurechtzufinden. Eine von uns Mitten unter euch. „Noch heute ist mein Arm das Schlachtfeld für diesen Kampf, der in meiner Seele tobt.“
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31.05.2009 03:08
Hmmm.... vom Thema her nicht meins und das Buch selbst, scheint auch nicht wirklich das gewisse Etwas zu haben... Sicherlich kein Thema, was man umgehen sollte, aber man kann sich einfach nicht mit allem beschäftigen, nicht wahr?
30.04.2009 22:17
Das Cover ist zumindest recht eindrucksvoll - da kann ich dir nur zustimmen.
09.04.2009 13:55
Es gibt so viele "Erfindungen", bei denen man sich fragen sollte, ob das Ganze nicht vielleicht irgendwo irgendwem passiert ist - und diese Möglichkeit (Wahrscheinlichkeit) erschlägt einen... *seufz* Da fällt mir wieder ein, warum ich nur ungern Nachrichten schaue, die sind mir großteils einfach zu depri. ;-)