"Wenn das kein Judenlachen ist!"
20.02.2002
Pro:
leicht verständlich;Preis;Spannung;Story;Aktualität
Kontra:
erfordert Nachdenken beim und nach dem Lesen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Wie ergreifend ist die Story?
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 stefan2004
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In meinem Deutsch-LK stand mal wieder das Lesen eines Gesamtwerkes auf dem Programm. Eigentlich keine so tolle Sache, wie ich finde, denn zum einen wird das Werk meist vorgegeben und zum anderen ist das häufig mit Kosten verbunden. Aber da das alles im Lehrplan vorgeschrieben ist, so sagen es die Lehrer jedenfalls, hilft kein meckern und rummotzen. „Andorra“ sollte das Werk heißen, welches die nächsten 2 Wochen meines Lebens bestimmen wird. Der Titel weckte in mir nicht unbedingt Interesse und ich sah mich schon mit 3 Kannen Kaffee am Abend vor der Klausur das Buch lesend. Doch es kam mal wieder ganz anders und nun sitze ich hier und versuche Euch von diesem tiefgreifenden und sehr nachdenklich machenden Buch zu überzeugen. Kurzbiografie des Autors ******************* 15. Mai 1911: Geburt in Zürich 1924 - 1930: Besuch des Realgymnasiums in Zürich 1931 - 1933: Studium der Germanistik in Zürich 1936 - 1941: Studium der Architektur, Diplom 1942: Heirat mit Constanze von Meyenburg 1939 - 1945: Militärdienst als Kanonier 1942: Architekturbüro in Zürich 1948: Kontakt mit Bertholt Brecht 1954: Auflösung des Architekturbüros, freier Schriftsteller 1960 - 1965: Wohnsitz in Rom 1965: Wohnsitz in Tessin, Schweiz 1968: Politische Publizistik in Zürich 4. April 1991: Tod in Zürich im Alter von 79 JahrenMax Frisch ist einer der bedeutsamsten Gestalter der deutschsprachigen Literatur des 20ten Jh.. Die Neutralität seines Heimatlandes machte ihn zu einem kritischen und objektiven Beobachter der Vorgänge in Europa. Er wurde durch keine Ideologie geblendet und verfolgte mit offenen Augen und Bewusstsein die turbulenten und erschütternden Ereignisse um ihn herum. Die Missstände im Verhalten der Menschen verarbeitete er in seinen Büchern und zeigte auf zu welchen Folgen diese führen können. Er kämpfte für Toleranz und Einhaltung der Demokratie und Menschenrechte. Handelnde Personen ***************Andri - Hauptfigur des Stückes Barblin - Andris Schwester Der Lehrer - Vater von Andri und Barblin Die Mutter - Mutter von Barblin Die Senora - Mutter von Andri Die Andorraner - (Der Tischler; Der Pater; Der Doktor; Der Wirt; Der Soldat) Inhalt ****In einem imaginären Kleinstaat Andorra, leben die Einwohner in Vorurteilen voneinander getrennt, als „Schwarze“ und als „Weiße“. Im „weißen“ Teil wächst der 20 jährige Andri auf. Auf Grund des Gerüchtes, sein Pflegevater, der Lehrer, habe ihn als Judenkind vor dem Zugriff der „Schwarzen“ gerettet und aufgezogen, wird ihm das Schandmahl des Andersartigen aufgeprägt. Die „Weißen“ ächten einerseits den Angriff auf den Juden seitens der „Schwarzen“ , andererseits drängen sie Andri in das Klischeebild des Judseins. Der Tischlermeister meint, Andri sei als Tischler ungeeignet, da ja jeder wisse, dass Juden nur für das Geschäftliche taugen. Er verlangt deshalb einen viel zu hohen Preis für die Ausbildung Andris, da er meint, er verursacht einen höheren Aufwand, da er ja nichts handwerkliches kann. Doch Andri stellt sich als sehr geschickt heraus, wird aber durch einen Komplott zwischen dem Meister und seinen Gesellen gedemütigt. Der Meister testet einen Stuhl des Gesellen. Dieser geht kaputt und der Meister sowie die Gesellen behaupten, Andri hätte ihn hergestellt. So wird Andri in den Verkauf geschickt, was ihn wenig befriedigt, da er sich nicht selbst verwirklichen kann. Er wird von allen Andorraner schlecht behandelt, da er ja Jude sei und somit minderwertig. Der Soldat misshandelt ihn, der Doktor beleidigt ihn, da seiner Meinung nach nur Juden die Lehrstühle dieser Welt besetzen und selbst der Pater, der für jeden Menschen Gehör haben sollte, lehnt Andris Bitte um Hilfe ab. Von einer Mauer des Vorurteils umgeben, klammert sich Andri an seine Liebe zu Bablin, der ehelichen Tochter seines Pflegevaters. Er möchte sobald er genug Geld hat, vor seinen Quälgeistern entkommen und mit Bablin fliehen. Er hält um die Hand Bablins an, doch diese wird ihm vom Lehrer verweigert – da sie in Wirklichkeit seine Halbschwester ist. Nun bildet Andri die Eigenschaften aus, die seine Umgebung ihm unablässig einzuhämmern versucht. Der Wahn seiner Umwelt wird zum Wunschbild seiner Existenz. Er macht die Lüge zu seiner Wahrheit. Mehr und mehr akzeptiert er sich selber als Jude (obwohl er ja keiner ist) und als minderwertiges Wesen. Das Verhängnis nimmt nun seinen Lauf.Die Senora (Andris Mutter), eine „Schwarze“, kommt ins Dorf und quartiert sich für ein paar Tage ein. Gleichzeitig spitzt sich der Konflikt zwischen den „Schwarzen“ und „Weißen“ zu - ein Krieg steht kurz bevor. Es gibt erste Gerüchte das die Senora eine Spionin der „Schwarzen“ sei. Der Wirt wirft sie daraufhin aus ihrem Quartier und sie macht sich auf den Heimweg. Unterwegs begegnet sie Andri, der blutend am Boden liegt. Der Soldat hat ihn verprügelt. Die Senora erkennt ihren Sohn nicht, und bringt ihn zu seinem Vater- dem Lehrer. Nachdem sie mitbekommen hat, dass der Lehrer der Mann ist, mit dem sie Andri gezeugt hat, erkennt sie ihren Sohn. Sie verlangt nun Aufklärung, warum der Lehrer Andri nicht als seinen leiblichen Sohn akzeptiert hat und die Lüge, dass er Jude sei den Anderen erzählte. Der Lehrer bleibt weiter feige und schweigt. Sie versucht Andri die Wahrheit zu erklären und macht sich auf den Heimweg. Dort wird sie von einem Stein getroffen und stirbt. Die „Schwarzen“ besetzen Andorra und die „mutigen“ Soldaten sind die Ersten die überlaufen. Nun wird versucht den Mord an der Senora aufzuklären. Der ungeliebte Andri gilt als Hauptverdächtiger, nur allein weil er Jude ist. Die „Schwarzen“ inszenieren eine „Judenschau“. Der „Judenschauer“ soll den Täter ermitteln. Es kommt zu einem dramatischen Showdown. Aufbau ****Das Drama ist in zwölf Bildern aufgebaut. Zwischen den Bildern treten die Figuren jeweils an die Zeugenschranke. Diese Zwischenszenen spielen zeitlich lange nach dem eigentlichen Bühnengeschehen. Mit Ausnahme des Pater beteuern alle Andorraner ihre Unschuld am Ausgang der Geschichte. Einzig der Soldat gibt zu, daß er Andri nicht leiden konnte und er nach wie vor der Meinung sei, er sei ein Jude gewesen. Der Doktor, der vorgibt, sich kurz zu fassen, hält die längste Rechtfertigungsrede. Buchinfos ******Preis: EUR 5,50 Taschenbuch - 126 Seiten - Suhrkamp, Ffm. Erscheinungsdatum: 1975 ISBN: 3518367773 Fazit **** Das Buch ist leicht verständlich, aber auf keinen Fall ein gute-Laune-Entspann-Werk.Es zeigt sehr komplex und tiefgründig, wie leicht Menschen manipuliert werden können und wie schnell eine Bewusstseinsveränderung durch äußere Einflüsse eintreten kann. Max Frisch ruft zu Toleranz zwischen Menschen und Religionen auf und verdeutlicht welche zerstörerischen Auswirkungen Vorurteile haben. Er führt die Idee von Andorra auf das Bibelwort „Du sollst dir kein Bildnis machen“ zurück. Bemerkenswert finde ich, wie viel überlegenswerte und nachdenkenliche Aspekte er in diesem Stück verpackte.Es schon erschreckend zu sehen, was Menschen Menschen antun können.Es wird weniger in diesem Buch dargestellt, warum Menschen soetwas tun, sondern vielmehr die Folgen die solch ein Verhalten haben.Außerdem beinhaltet das Werk eine starke Kritik am Menschenwesen(Feigheit,Geiz,Egoismus). Sehr prägend für Max Frisch waren die Ereignisse im 2ten Weltkrieg, indem ein Volk solch einen Hass entwickelte, dass es ein anderes fast ausrottete, ohne dabei moralische Bedenken zu haben. Aber sein Drama "Andorra" bezieht sich nicht nur auf Vergangenheitsbewältigung, es geht ebenso um Heutiges, Gelebtes und Zukünftiges.Wer den Nationalismus,Antisemitismus,Rassismus und Probleme der heutigen Zeit erkennen und verstehen will, er sollte dieses Stück unbedingt gelesen haben! ~geschrieben am: 20.02.2002~ ~stefan~
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03.11.2004 21:37
ich lese das buch grade und bin auch begeistert.... ich lese das buch außer schulisch... weil mich es einfach intressierte. du hast einen wundervollen bericht geschrieben restpeckt deswegen bekommst du auch ein BH von mir.. Du hast alles erwähnenswerte erwähnt und überhaupt ich freu mich schon aufs weiterlesen. mfg Franzi,Ska
01.03.2002 20:14
Klingt nach einem echt guten Buch. Habs mir jedenfalls mal aufgeschriben - vielleicht les ichs mal. Auch wenn ich gerne in phantastische, anspruchslose Welten eintauche, manchmal les ich auch mal was anspruchsvolles. Liebe Grüsse <-FrankY-> :)
27.02.2002 22:05
prima Bericht, umfangreich und sehr leserfreundlich, weiter so:-)