Konzertbewertung des Autors:
| Pro: |
Musik verbindet, mitreißend, viel Humor, viele glückliche Gesichter |
| Kontra: |
Musik kann nicht negativ sein |
| Kompletter Konzertbericht |
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Ende Oktober vergangenen Jahres ging bei mir das Telefon. Meine Mutter war am Apparat. Sie hatte gehört, dass es in Hamburg im kommenden Januar ein Andre Rieu Konzert geben würde. Mehr wusste sie darüber nicht, aber es war schon seit Langem ihr Herzenswunsch, diesen Stargeiger einmal live zu sehen. Einmal in ein so großes Konzert zu gehen. Nun denn, wir machten uns im Reisebüro mit Konzertkartenverkauf schlau und so erwarb ich dann zwei Karten, eine für meine Mama und eine für mich für das Andre Rieu Konzert in der O2 World in Hamburg.
Andre Rieu:
Ich wage mal zu behaupten, dass Andre Rieu einer der Menschen ist, an dem man kaum vorbeikommt, wenn sich in der deutschen Fernsehwelt umschaut. Immer wieder liest man etwas oder sieht etwas vom Stargeiger, der mit seiner Musik Millionen verzaubert, der aus keinem Silvesterabend wegzudenken ist, seine eigenen Konzerte als Shows dann im Fernsehen vermarktet und auch sonst einfach präsent ist. Andre Rieu stammt aus den Niederlanden, ist 1949 geboren und spielt seit Kindesbeinen an Violine.
Rieu spricht viele Sprachen. Neben seiner Muttersprache spricht er fließend Deutsch, Englisch und Französisch, sowie Spanisch und Italienisch. Von seinen deutschen Kenntnissen konnten wir uns im Konzert wirklich überzeugen und ich muss sagen, bis auf einen kleinen, aber sympathischen Akzent, war es wunderbar.
So ist Rieu ein Showman wie er im Buche steht. Er gibt sich souverän, elegant mit einer gewaltigen Prise Witz und Humor. Ebenso habe ich Familiensinn bei ihm entdeckt, denn er zeigte gleich zu Beginn seines Konzertes auf zwei riesigen Leinwänden ein Portrait seiner im letzten Jahr geborenen Enkelkinder. Wirklich süß und das Publikum lobte dieses kleine optische Schmankerl auch mit einem gewaltigen „AAAHHH“.
Soweit zu Rieu selbst und einigen wissenswerten Punkten, die ich entweder von meiner Mutter erfahren habe oder selbst durch das Konzerterlebnis entdeckt habe.
Der Veranstaltungsort:
Abgehalten wurde das Konzert in der O2 world in Hamburg. Diese ist eine große Veranstaltungshalle, in der sich die namenhaften Stars unserer Zeit nahezu die Klinke in die Hand geben. Doch es finden dort auch andere Events, zum Beispiel auf sportlicher Ebene statt.
Die Anreise war für mich eine recht lange Fahrt, über eine Stunde auf der Autobahn von Norden kommend und dann noch mit einigen Runden versehen, bei der Suche nach der O2 World und als ich diese entdeckt hatte, einem Parkplatz. Das Parkleitsystem zeigte immer wieder ein „gesperrt“ an, so dass ich die Parkplätze um die O2 World erst mal nur umkreiste, dann schließlich bei der Imtech Arena landete, dessen Parkplatz frei gegeben war, dort aber nicht bleiben konnte, weil der Parkplatz nach Anfrage nicht lange genug geöffnet sein würde und schließlich einfach einen gesperrten Parkplatz im unmittelbaren Bereich der O2 World ansteuerte. Hier durfte ich dann parken, Parkwächter waren dort, die auch gleich 4 Euro Parkgebühr verlangten.
Nun denn, diese Erfahrung kostete einiges an Nerven. Wenn man es nicht gewöhnt ist, in der Großstadt zu fahren, dann auch noch vom Parkleitsystem an der Nase herumgeführt wird, ist das nicht angenehm. Aber immerhin konnte ich unser Fahrzeug in unmittelbarer Nähe der Halle abstellen und mit meiner Mutter dann das Konzert besuchen.
Einlass:
Der Einlass war zwei Stunden vor dem Konzert. Eine kleine Menschen Traube hatte sich vorher schon dort gebildet und so mussten wir etwas warten. In der Wartezeit kamen Securitymitarbeiter herum, die die größeren Handtaschen der Besucher durchsuchten. In Zeiten mit Furcht vor größeren Attentaten bei Menschenansammlungen nicht verkehrt und absolut verständlich. Ich hatte nichts zu verbergen und ließ den Securitymenschen gern meine Tasche durchsuchen. Allerdings fragte ich mich, warum er nur die wartenden Personen durchsuchte, die größere Handtaschen dabei hatten. Eine kleinere Waffe hätte auch in einem kleinen Konzerthandtäschchen Platz gefunden...
Als es dann endlich soweit war, dass die kleine Menschenansammlung schon in die Halle durfte, wurden am Eingang unsere Karten gecheckt. Dann durften wir in den Bereich um den Veranstaltungsort gehen und uns dort an den verschiedenen gastronomischen Angeboten gütlich tun, Fanartikel kaufen, unsere Jacken an der Garderobe abgeben und uns dort solange amüsieren, natürlich kostenpflichtig, bis es einen Aufruf gab, dass man die Konzerthalle betreten konnte.
Es geht los:
Auch hier wurden unsere Karten noch einmal kontrolliert und uns die richtige Reihe im Block zugewiesen. Wir hatten Karten für den Bereich Block U7, Reihe 15 mit ziemlich mittigen Plätzen. Und ich würde immer wieder auch für andere Konzerte diese Plätze buchen. Da bin ich richtig toll im Reisebüro beraten worden und das war auch gut so.
Man fragte mich, für wen ich denn die Karten haben wollte. Nun ja, für eine ältere Dame und für mich. Man fragte mich, ob die Dame denn gut sehen könnte. Nein, so ganz wollten die Augen nicht mehr. Und wie stünde es um das Hören? Auch das war nicht mehr so, wie man es sich wünschen würde, schließlich ist die 80 nicht mehr weit an Lebensjahren... Da empfahl man mir diese Reihen in dem besagten Block. Denn ansonsten so das Zitat der Mitarbeiterin des Reisebüros, könnte ich meiner Mutter ebenso gut eine CD kaufen. Okay, ich war schnell überredet und ließ dann auch den stolzen Preis von knappen 84 Euro pro Person zu.
Rieu schlägt also wirklich gut zu Buche bei seinen Preisen, aber selbst ich muss sagen: Es lohnt sich, wenn man etwas mit klassischer Musik anfangen kann.
Wir warten auf den Anfang:
Nachdem wir uns in unsere Reihen gezwängt hatten, warteten wir auf den Anfang. Es war in den Sitzreihen etwas eng und so wahnsinnig bequem waren die Sitze, die man wie im Kino runterklappen musste auch nicht. Daher wunderte es mich, wie viele ältere Menschen, in diesem Konzert auch in den Rängen saßen. Schaute man von oben nach unten, wie sich dort direkt vor der Bühne die Konzertsitzreihen füllten, erkannte man, dass die wenigsten hier im Alter unter der 50 Jahrgrenze lagen. Überall sah man ergraute, schlohweiße Haare und die Herrschaften waren nicht selten über 70 Jahre alt. Nur wenige fanden sich dort in diesem Konzertsaal in meinem Alter ein, wenn dann begleiteten sie wie ich einen älteren Rieufan. Das war augenscheinlich. Somit ist klar, sein größtes Klientel liegt doch bei den Ü-60zigern.
Obwohl ich noch bemerken möchte, dass ich ein paar Kinder mit ihrer Familie dort gesehen habe. Aber sie waren die wirkliche Ausnahme und noch nicht im Teenageralter angekommen.
So habe ich mir einen guten Überblick über das Publikum verschafft und fand es auch eigentlich gar nicht schlimm in dieser Runde zu den Jüngeren zu gehören. Vielmehr fand ich es klasse, dass die ältere Generation sich so aktiv betätigte, sich schick in Schale geworfen hatte und den Weg in die O2 World gefunden hatte. Ich muss aber sagen, einen richtigen Dresscode für diesen Abend konnte ich nicht entdecken. Viele kamen in wirklich schicken Roben dort an, die Herren im Anzug, aber die Jeans und Pulli- Fraktion war auch vorhanden, vorwiegend bei den begleitenden jüngeren Gästen.
Auf jeden Fall war hier bei diesem Betrachtungen eines klar: Musik verbindet.
Auftakt:
Unter unserem Rang war seitlich die Bühne aufgebaut. Hier standen alle Musikinstrumente, Stühle für die Orchestermitstreiter und einiges an Blumendekoration und so weiter parat. Es fehlten nur noch die Musiker.
Links und rechts neben der Bühne gab es riesige Leinwände. Und ich muss ehrlich gestehen, dass mich das schmerzlich an Michael Jackson erinnerte, der ja auch mit Leinwänden auf seinen Konzerten gearbeitet hatte... Ich hielt das für ein Markenzeichen Mjs und musste nun feststellen, dass das auch andere Künstler machten, sogar Andre Rieu mit seiner klassischen Musik. Ich hatte mir in der Hinsicht auch gar keine große Performance vorstellen können mit einem Orchester, einem klassischen Violinespieler und so weiter. Doch ich sollte eines Besseren belehrt werden.
Als es nun soweit war, dass das Konzert beginnen sollte, wurde das Licht gedimmt. Es war ein schönes Schummerlicht vorhanden und auf den Leinwänden erschien ein Countdown. Dieser war mit Feuerwerkseffekten versehen und wirkte schon recht eindrucksvoll. Dann ging es gen 0 und der Feuerwerkseffekt gab ein Bild von Andre Rieu und seinen Mitstreitern frei. Sie marschierten auf diesem Bild durch einen Gang in einem Konzertsaal. Gebannt schauten wir erst auf die Leinwand, bis wir dann mitbekamen, dass das kein Video war, sondern eine Liveaufnahme von dem, was unter uns geschah. Unten im Saal marschierten Andre Rieu und seine Orchestermitglieder durch die Menschenmengen und winkten und lachten, ein wirklich gelungener Auftakt. Als ich meiner Mutter ein Zeichen gab, dass sie mal lieber nach unten gucken sollte, anstatt auf die Leinwand, war es um sie geschehen. Sie war begeistert wie ein Teenager und ich muss sagen, ich amüsierte mich auf eine Art köstlich darüber. Auf der anderen war ich froh, dass dieser Konzertbesuch eine so tolle Wirkung auf sie ausüben würde. Sie konnte sich gar nicht satt sehen an dem was, da unten durch die Gänge zog, winkte ihnen fröhlich zu und war einfach begeistert. Hin und weg wie man bei uns so schön sagt.
Aufmachung:
Ich war beeindruckt von dem, was ich sah. Die Bühnengarderobe der Mitwirkenden war einfach wunderschön. Die Damen trugen alle wundervolle Kleider im historischem Stil. Die Herren waren im feinsten Anzug mit Weste und Fliege dabei. Man fühlte sich in die Vergangenheit zurückversetzt. Die Zeit war stehen geblieben.
Auch Rieu zeigte sich in einem eindrucksvollen Bühnenoutfit. Besonders fielen mir hier seine glänzenden schwarzen Schuhe auf. Die Blumendekoration auf der Bühne und das ganze Arrangement war der Kleidung der Mitwirkenden angepasst. Es war einfach stimmig. Hinter den Sitzen für die Musiker befand sich noch eine Art Leinwand, die bei einigen Liedern mit einem Hintergrund versehen war, der zu der jeweiligen Musik passte.
Rieu begrüßt seine Fans:
Nachdem dieser schwungvolle Auftakt erledigt war, richtete Andre Rieu einige begrüßende Worte an seine Konzertbesucher. Unter anderem zeigte er die oben erwähnten Babyfotos und dann ging es auch schon in die Welt der Musik und Unterhaltung.
Musik:
Natürlich erlebten wir in die klassische Musik in einer hingebungsvollen Darbietung. Es wurden leidenschaftliche Walzer gespielt, hinreißende Melodien performt, die man aus der Operette kannte und nicht selten ging durch die Reihen ein „Aah“ und „Ooh“. Die Lieder aus den Operetten, die auf der Bühne von drei Tenören, die zum Team Rieus gehörten, dargeboten wurden, wurden in den Reihen von den Musikliebhabern mitgesummt, gesungen und auch gepfiffen. So saß man dort mitten drin in einer Welt voller Musik. Wie der Star und das Orchester dieses Mitmachen der Fangemeinde nun empfunden haben, weiß ich nicht. Ich fand es in einer Art verwunderlich, da schließlich die Mehrheit der Gäste über 60 war, sich aber zum Mitsingen hinreißen ließ, wie Teenager im Popkonzert und auf der anderen Seite fand ich es irgendwie toll. Es zeugte von Leben, von Anteilnahme, von Freude. Und ich glaube, dass das auch das ist, was Rieu an seinem Beruf so zu schätzen weiß. Er kann Freude in die Herzen der Menschen zaubern, ihnen Leben einhauchen und sie dazu bringen, vielleicht Dinge zu tun, die sie sonst, nie tun würden. Die Musik verbindet, die Musik überwindet Grenzen, genau das spiegelte sich in diesem Konzert irgendwie wider. Auch, wenn Rieu nicht mein Musikgebiet als solches ist, kann ich doch meine Parallelen zu Michael Jackson ziehen, der auch immer sagte: Musik verbindet. Und das ist wirklich so. Die Melodien, die ja wirklich jeder irgendwann einmal gehört hat (ob nun gewollt oder ungewollt) gehen ins Blut. Sie lassen einen mitklatschen (viele eben auch mitsingen) und bringen die Menschen zusammen. Come together, egal wie alt Du bist, egal welche Handicaps Du hast, sei dabei. Eine ganz große Message.
Slapstick:
Ich hatte mir ein Konzert mit Andre Rieu eigentlich recht schlicht vorgestellt. Ich hatte gedacht, dass dort halt der Geiger im Vordergrund steht, sein Orchester dahinter und das es eine recht triste Sache werden wird. Was soll man auch großartig performen beim Violine spielen?
Doch das war ein Irrtum wie sich herausstellte. So war allein schon das Reden Rieus stellenweise scharfzüngig mit einem sehr trockenen Humor, dann wiederum gab er sich sich selbst verlierend seiner Musik hin und versuchte uns, dem Publikum, zu erklären, was ihm Musik bedeutete und er erzählte uns Anekdoten aus seinem Leben, die Musik betreffend. Es war ein Dialog da mit dem Publikum und das verwunderte mich. Ich habe oft Popkonzerte besucht, aber diesen intensiven Dialog habe ich bei keinem der Stars erlebt, den ich bisher im Konzert gesehen hatte. Es war erstaunlich, sympathisch und neu für mich. Immer wieder sprach er das Publikum an, machte Späße und erzählte dann auch wieder ernsthaft Dinge, die ihn bewegten.Doch nicht nur Rieu war für den Humor in diesem Ensemble zuständig. Es schien mir so, dass alle Orchestermitglieder eine Art Slapstick praktizierten. Sie schubsten sich teilweise, funkelten sich böse an, vertrugen sich wieder und agierten richtig während des Spielens. Besonders beim Chor, der zu der instrumentalen Musik sang, fiel mir eine intensive Arbeit mit Händen, Körperhaltung/Sprache und Gesichtsausdrücken auf. Stellenweise wirkte es überzogen, aber es passte zu diesen vielen Slapstickeinlagen, die die anderen Mitwirkenden brachten. So ging zum Beispiel bei einem Winterlied, ich glaube mich zu erinnern, dass es der Schlittschuhläufer Walzer von Levy war, eine Art Flachmann bei den männlichen Orchestermitgliedern einer bestimmten Reihe rum, die dann einen kräftigen Zug scheinbar aus der Flasche nahmen, um sich warm zu halten. Und dieses taten sie mit einem unglaublichem Ausdruck im Gesicht, einer Körpersprache, die die Zuschauer zum Lachen brachte. Und genau diese Slapstickszenen wurden auf den großen Leinwänden übertragen. Einfach klasse gemacht und so ging es weiter.
Es gab viel Slapstick, mal jagte ein Orchestermitglied das andere, mal fiel eines fast vom Stuhl und so war es ein heiteres Treiben in der „ernsten“ Musik.
Toll war die Darbietung einer Polka, die mit einem richtigen Amboss begleitet werden sollte. Dieser wurde unter Mühen auf die Bühne geschoben und dann stellte uns Rieu einen Schmied vor, dessen Handwerkszeug ja ein Amboss ist und der es nun spielen sollte. Dabei erzählte er uns, dass es gar nicht einfach gewesen war, einen Schmied zu finden, der auch Noten lesen konnte. Unter dem Gelächter des Publikums nahm der Mann im feinen Anzug einen Hobel, um den Amboss zu stimmen, der seiner Meinung nach zuvor nicht den richtigen Klang hatte.
Danach fand Rieu, dass er gar nicht wie ein Schmied aussehen würde in seinem feinen Zwirn und unter dem Erscheinen von verruchten Klängen und einem Bild des „Moulin Rouge“ begann der Mann sich seines Fracks zu entledigen, seines Hemdes und stand dann in Muscleshirt auf der Bühne. Einfach köstlich. Ein Juchzen der älteren Damen im Publikum hatte er sich wohl verdient...
Pause:
Das Konzert hatte in etwa eine 2o minütige Pause. Doch es war dann so, dass Andre Rieu vor dem vollständigen Publikum auf der Bühne war. So machte er mit den „Nachzüglern“ noch seine Scherze, die dann auf den großen Leinwänden übertragen wurden. Das gab natürlich ein großes Gelächter und bei den Nachzüglern dann doch ein etwas erschrockenes Gesicht, sich auf einmal groß im Bild auf der Leinwand zu sehen. Eine Dame konnte zum Beispiel ihre Reihe nicht finden und Rieu kommentierte dieses auf unglaublich humorvolle Weise. Diese Situationskomik, die sich daraus ergab, war grandios. Schließlich erlöste die Tochter der Dame ihre Mutter und zeigte ihr die richtige Reihe. Das gab einen tosenden Applaus.
Einige Darbietungen:
Es wurden unter anderem gespielt:
An der schönen blauen Donau
Schneewalzer
Schlittschuhläufer Walzer
Amboss Polka
Wiener Blut
Don´t cry for me Argentina (aus Evita, mit dem Sologesang einer wunderbaren Künstlerin aus Australien)
und viele mehr
Extras:
Es gab einige Überraschungen während des Konzertes. So fing es in einigen Reihen unten im Parkett an zu schneien. Leider bekam man davon auf den Rängen nichts ab.
Es war aber amüsant zu zusehen, wie das Publikum unten mit Schnee bestäubt wurde.
Ebenso gab es zum Schluss des Konzertes einen Moment, in dem bunte Luftballons von der Decke herunter gelassen wurden. Auch das war ein schöner Augenblick, der einiges an „Oh“ und „Ah“ Rufen im Publikum hervor lockte. Ebenso gab es zum Abschluss des Konzertes eine sehr nette Geste Rieus seinem Orchester gegenüber, das natürlich auch beim Publikum für Erheiterung sorgte. Und zwar gab es für jedes Mitglied ein Glas Champagner, das nun nach getaner, erfolgreicher Arbeit getrunken werden durfte. Diese trank eine Dame des Ensembles in einem Zug unter dem Applaus des Publikums. Das war schon niedlich gemacht irgendwie.
Empfindungen:
Ich kann nun selbst nicht behaupten, dass ich ohne meine Mutter in dieses Konzert gegangen wäre. Dazu würde mich Andre Rieu nun doch nicht stark genug locken. Ab und an finde ich eine Darbietung von ihm im Fernsehen ganz gelungen und auch angenehm, aber ein Konzert- gerade mit den Preisen – würde für mich selbst nicht in Frage kommen. Doch so als Begleitung meiner Mutter war es für mich vollkommen okay in diesem Konzert zu sein. Im Grunde waren es wohl getauschte Rollen. So wie ich früher von meinen Eltern in meine gewünschten Konzerte begleitet wurde, als ich noch nicht alt genug war, war ich dieses Mal die Begleitung meiner Mutter. Ich habe mich in diesem Konzert, wohl gefesselt von der Musik gefühlt, aber doch mehr als Betrachter, als Beobachter. Ich habe mich amüsiert über den Witz der ganzen Geschichte, über den Humor, diese nette Mischung aus Musik, Wort und Darstellung. Doch in gewisser weise war ich distanziert. Es war der Abend meiner Mutter, die ihn genossen hat wie ein junges Mädchen. Sie hat ihrem Lieblingsstar zugewunken, die Lieder mitgeträllert, geklatscht, dass ihr nachher die Hände schmerzten und diesen Abend wirklich in ihrem Herzen gefangen gehalten. So sollte es auch sein. Und ich denke, das kann man nur, wenn man wirklich mit Leib und Seele Fan ist. Wenn man so verehrt wie ich es bei meinen Lieblingskünstlern als junges Mädchen getan habe. Ich habe hier feststellen können, dass das Schwärmen für einen Star eine Angelegenheit ist, die nur junge Menschen, im Besonderen Mädchen, ergreift. Nein, das geht mit fast 80 noch genauso gut. ;)
Auch heute nun einige Wochen nach dem Konzert, ruft mich meine Mutter noch an und erzählt mir, dass sie das ganze Konzert immer wieder gern abends im Bett revuepassieren lässt. Sie geht die Stücke durch, die gespielt wurden, sie erinnert sich an noch so kleine Gesten Rieus, das Augenzwinkern, das er an sich hatte, die Art zu lachen, seinen Humor. Einfach an alles.
Letzten Donnerstag, ich war leider nicht zuhause, aber mein Sohn war am Telefon, wollte sie mich anrufen, um mich zu fragen, ob ich noch wüsste, wo wir letzten Donnerstag um diese Zeit (20 Uhr) gewesen wären... Insofern kann ich sagen, dass dieses Konzert wohl sehr bewegen konnte, sehr mitreißen konnte, wenn man sich denn so darauf einlassen wollte, es mit allen Sinnen genießen wollte. Hätte meine Mutter Platz genug gehabt auf unseren Rängen, hätte sie bestimmt mit dem Herren neben ihrem Sitz Walzer getanzt, als dieses unten im Parkett geschah...
Ich selbst kann das Konzert als gelungen einstufen. Ich habe mich auch amüsiert und eine Menge über die Menschheit gelernt. Ebenso habe ich viele Erkenntnisse über die Musik erlangt, dass vieles, was man sonst als leere Worte abgetan hat, tatsächlich in der Realität Wirkung gezeigt hat. Musik geht über Brücken. Musik verbindet. Das war die klare Aussage dieses Abends. Und ich denke, es war ein Zeichen dafür, offen zu sein, für jede Art von Musik. Denn egal, ob nun ein Rockkonzert, ein Popkonzert, ein Klassikabend wie mit Rieu, die Wirkung bleibt gleich. Musik verbindet, Musik überwindet Grenzen. So abgedroschen diese Phrase auch sein mag. Ich habe es tatsächlich so erlebt.
Musik erfüllt die Herzen und ich bin froh, dass dieser Abend meiner Mutter so sehr gefallen hat. Sie schmiedet nun schon Pläne für den nächsten Rieu Konzertbesuch fürs kommende Jahr und es ist gut, dass sie in ihrem Alter und mit ihrem Befinden noch solche Pläne macht. Und wir werden im kommenden Jahr nach Berlin ins Konzert fahren, sollte er wieder eine Tour machen... Dann soll sie auch noch einmal Berlin sehen, wieder ein Stückchen näher an die 80 Jahre herangerückt.
Für wen ist das Konzert zu empfehlen?
Ich denke jeder, der ein wenig sein Herz für die klassische Musik öffnen kann, ist hier richtig. Es ist ein Konzert, das die Menschen verbindet, jeder ist hier willkommen, der sich auf dieses einlassen möchte.
Weitere Konzertdaten:
Weitere Konzertdaten kann man der Website von Andere Rieu entnehmen. Unter anderem gastiert er am 3. Feburar in Halle, am 4. Februar in Oberhausen, dann in Hannover. Ebenso gibt er im Zuge dieser Tour Konzerte in der Schweiz und Österreich. Ich bin darüber informiert, dass Ende Februar ein Konzert in der Sparkassenarena in Kiel sein wird. Später wird er dann noch Auftritte in London, Afrika, Australien und so weiter performen. Die genauen Daten und die Spielorte sind auf seiner Website zu finden.
Konzertdauer:
Das Konzert dauerte von 20 Uhr bis etwa 22.45 Uhr an. Dabei sind ca zwanzig Minuten Pause abzuziehen, die sich Andre Rieu und seine Mitstreiter auch redlich verdient haben. Auch das Publikum vertrat sich dort gern die Beine oder erfrischte sich im Bereich vor dem Konzertsaal.
Klang:
Der Klang in der O2 world war ausgezeichnet. Ich kann da wirklich nichts nachteiliges sagen.
Fazit:
Ein gelungener Abend, der besonders meiner Mutter viel Freude gemacht hat. Ich selbst habe mich auch gut unterhalten gefühlt, das kann ich nicht anders sagen und somit gebe ich Andre Rieu und seinem Orchester gern alle Sterne. Es ist eine wunderschöne Vorstellung gewesen und ich bin froh, dass wir dieses gemacht haben.
***Der Bericht hier ist gewidmet: Meiner Mutter ***