Angel Heart

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20 BIG MOVIES (07): ANGEL HEART

5  13.08.2006

Pro:
*  *  *  Ein Meisterwerk  *  *  *

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


Milsch

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:192

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 113 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

"There's death everywhere these days." -Louis Cyphre

1. DIE STORY
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Brooklyn, 1955: der mysteriöse Louis Cyphre hat einen scheinbar einfachen Auftrag für den heruntergekommenen Privatdetektiv Harold Angel. Angel soll den ehemaligen Schnulzensänger Johnny Favorite aufspüren, der Cyphre noch die Einlösung eines Pfandes schuldig sei. Favorite lebe nach einer schweren Kriegsverwundung angeblich traumatisiert in einer Privatklinik, doch Cyphre zweifelt daran und möchte diese Aussage diskret überprüfen lassen.

Angel übernimmt den Fall und findet beim behandelnden Arzt Dr. Fowler schnell heraus, dass zwei angebliche Freunde Favorite schon kurz nach dessen Einlieferung abholten und dafür bezahlten, dass der Klinikaufenthalt weiterhin vorgetäuscht wurde. Wenig später wird Fowler ermordet aufgefunden, und nur auf Cyphres Drängen ermittelt der nun sichtlich verängstigte Angel weiter und folgt den vagen Spuren nach New Orleans.

Dort leben Margaret Krusemark, eine frühere Freundin Favorites, sowie sein damaliger Gitarrist Toots Sweet. Und Favorite hat auch eine Tochter dort, die 17jährige Epiphany Proudfoot. Es zeigt sich bald, dass alle diese Personen viel mit Voodoo und Okkultismus zu tun haben, und auch Johnny Favorite selbst scheint in schwarzer Magie bewandert gewesen zu sein. Noch bevor Angel das Puzzle halbwegs zusammensetzen kann, geschehen weitere Morde. Nun kann er nicht mehr zurück: selbst unter Mordverdacht stehend, versucht er verzweifelt, hinter Favorites Geheimnis zu kommen.

Der anfangs harmlose Fall entwickelt sich so zum Höllentrip, bei dem am Ende Harry Angel selbst in den Mittelpunkt rückt. Gemeinsam mit Louis Cyphre, seinem wahrlich teuflischen Auftraggeber...

2. DIE REGIE
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Zwei Dinge empfinde ich für Regisseur Alan Parker charakteristisch, und beide gründen wohl in den Erfahrungen mit seinen frühen Musikfilmen, "Fame" und "Pink Floyd: The Wall". Erstens legt Parker größten Wert auf die musikalische Untermalung, mehr als viele andere Regisseure schätzt er den Film als Gesamtkunstwerk und stuft die Rolle der Musik dabei relativ hoch ein (mehr dazu unter Punkt 5).

Zweitens, und das ist noch wichtiger für seine Filme,

Bilder von Angel Heart
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Angel Heart Bild 20240255 tb
Das Filmplakat
ist er ein Ästhet der Bildkomposition, er arrangiert seine Sets und seine Optik höchst akribisch und legt großen Wert auf Atmosphäre. Ausserdem benutzt Parker eine sehr suggestive Symbolik. In "Angel Heart" sind das vor allem die schleppend laufenden Ventilatoren, die den Tod ankündigen, und der hinabfahrende Aufzug, der die Fahrt in die Hölle symbolisiert und dann im Abspann unglaublich beklemmend eingesetzt wird.

Niemals aber rutscht der Film in eine aufdringliche oder überdimensionierte Bildsprache ab. Geschickt konterkariert Alan Parker sehr durchgestylte Einstellungen mit fast schon dokumentarisch anmutenden, schlichten Aufnahmen aus Harlem oder New Orleans. Immer achtet er jedoch darauf, dass der Film seine Durchgängigkeit behält und auch die schlichten Bilder nicht profan wirken. Abschließend ist noch zu erwähnen, dass Parker Blut und Gewalt ganz bewusst auch zeigt. Nicht wenige Szenen aus "Angel Heart" sind daher nichts für schwache Nerven.


3. DIE SCHAUSPIELER
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"Angel Heart" ist schauspielerisch geprägt von einem Namen: Mickey Rourke, der den Harold Angel spielt. Wenn man diesen Film ansieht, ist kaum zu glauben, dass Rourke schon wenig später in der Versenkung verschwand und allenfalls noch mit zweitklassigen Streifen, einer halbherzigen Laufbahn als Profiboxer und durch Drogenexzesse von sich reden machte.

Mickey Rourke hatte seinerzeit den Ruf eines jungen Wilden in Hollywood, er hatte bereits bemerkenswerte Leistungen abgeliefert wie etwa seine Parts in "Rumble Fish" und "Diner" oder die Hauptrolle in "Year Of The Dragon". Die leicht angeknacksten, innerlich gespaltenen Typen waren sein Ding - schon wurde er (nicht unpassend) mit James Dean verglichen. Meiner Meinung nach ist "Angel Heart" Rourkes Meisterstück.

Die Figur des Harold Angel ist dazu natürlich auch wie geschaffen, da sie eine ungeheure Entwicklung durchmacht: der abgerissene kleine Privatschnüffler, der sich mit Bagatellen über Wasser hält, wird hineingezogen in einen Strudel aus Gewalt und schwarzer Magie und realisiert schliesslich, dass er selbst bis zum Hals in seinem eigenen Fall steckt. Es ist grandios, zu beobachten, wie Rourke diese Höllenfahrt in Gestik, Mimik und Aussehen bestreitet. Alles an ihm ist zu jedem Zeitpunkt vollständig präsent und der jeweiligen emotionalen Lage angemessen: seine Augen, seine Stimme, seine Körperspannung. Seine Höhepunkte hat er freilich in den gemeinsamen Szenen mit jenem anderen großen Schauspieler, der Louis Cyphre verkörpert: Robert De Niro.

De Niro liefert auch in "Angel Heart" eine Topleistung ab, wie man es von ihm gewohnt ist. Allerdings tritt er nur in wenigen Szenen auf, und dann immer gemeinsam mit Rourke, dort allerdings spielt er konstant unglaublich konzentriert und hochklassig. Die Szenen mit Rourke und De Niro sind ein Hochgenuss schauspielerischer Klasse.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch Lisa Bonet, die Darstellerin der Epiphany Proudfoot. Für sie war dieser Film ein riesiges Wagnis: spielte sie bisher die brave Denise Huxtable in der familientauglichen "Cosby Show", so musste sie hier eine Voodoo-Priesterin geben und dabei halbnackt tanzend Hühnern den Hals aufschneiden. Ausserdem hat sie eine freizügige Sexszene mit Rourke und benutzt einige derbe Kraftausdrücke.

Die Wandlung von der braven Cosby-Tochter zur lasziven Okkultistin gelingt ihr in beeindruckender Manier. Es wird erzählt, dass sie seinerzeit ihren Mentor Bill Cosby um Rat gefragt und der ihr zur Annahme der Rolle geraten habe. Zwar konnte Lisa Bonet in den folgenden Jahren keine größeren Filmerfolge mehr aufweisen, die Rolle der Epiphany Proudfoot bleibt aber als starke Leistung unvergessen.


4. DAS BUCH
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Alan Parker las den Roman "Falling Angel" von William Hjortsberg bereits im Erscheinungsjahr 1978, begann aber erst 1985, daraus ein Drehbuch zu entwickeln. Hierbei orientierte er sich zwar einigermassen eng an den Figuren und der Idee der Vorlage, nahm aber dramaturgisch deutliche Änderungen vor. So datierte er die Story um einige Jahre zurück (Hjortsbergs Roman spielt 1959) und verlegte den Schwerpunkt der Handlung nach New Orleans, während "Falling Angel" komplett in New York angesiedelt war. Und - unnötig zu erwähnen - Parker fand für den Film einen weitaus originelleren Titel als den "gefallenen Engel".


5. DIE MUSIK
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Verantwortlich für die Filmmusik war Trevor Jones, mit dem Alan Parker - der wie gesagt der musikalischen Ausgestaltung eines Films hohe Aufmerksamkeit schenkt - bereits mehrfach zusammengearbeitet hatte. Der Figur des Johnny Favorite, der ja ein Schnulzensänger war, wird konsequent ein etwas kitschiger Song quasi als Leitmotiv zugeordnet: "Girl Of My Dreams". Dieses Thema zieht sich durch den ganzen Film: es wird von Harold Angel im Auto gepfiffen, von Epiphany Proudfoot in der Badewanne gesungen, oder es taucht in verschiedenen Variationen (beispielsweise als Klaviergeklimper oder im verkratzten Schallplattenklang) als Hintergrundmusik auf.

Eine ziemlich freie Variation davon liess Parker von dem bekannten Jazz-Saxophonisten Courtney Pine einspielen. Diese sehr stimmungsvollen Saxophonsequenzen unterlegen sowohl den Abspann als auch die Einstiegsszene, tauchen aber auch während des Films an passender Stelle auf.

Ansonsten wird zur reinen Verstärkung der düsteren Atmosphäre gerne mit breiten, dunklen Synthesizerakkorden gearbeitet, die kaum auffallen und eher unterbewusst wahrgenommen werden. Und dann gibt es natürlich während der Aufnahmen in New Orleans viel typische Südstaatenmusik. Höhepunkt aus meiner Sicht ist dabei der Gig von Toots Sweet, den Blueslegende Brownie McGhee spielt. McGhee performt in einer rauchigen Kaschemme seinen "Rainy Rainy Day", dass es eine wahre Freude ist.


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MEINE WERTUNG
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Alan Parker hat einmal betont, der Film sei in erster Linie eine klassische Detektivgeschichte, die Verbindung zum Okkulten eher zufällig und eigentlich Nebensache. Ich sehe das umgekehrt: die Detektivgeschichte ist nach meiner Wahrnehmung nur der Aufhänger, um Harold Angel in die Kreise von Voodoo und schwarzer Magie zu bringen und letztlich seinem Schicksal zuzuführen. "Angel Heart" ist keine Detective Story, es ist ein Thriller, und in diesem Genre ein Ausnahmewerk.

Vielleicht wollte Parker tatsächlich ursprünglich den Schwerpunkt anders setzen, doch vor allem die oppulenten, blutigen Bilder und die suggestiven Vor- und Rückblenden dominieren den Film. Dazu kommt das eindringliche Spiel der Akteure, allen voran Rourke, der sogar De Niro in den Schatten stellt. Schliesslich die Symbolik der Bildsprache und die packende Musik: all das schafft eine dichte, düstere, verstörende Atmosphäre, der man sich vom ersten bis zum letzten Schnitt nicht entziehen kann. Selbst der Abspann wird in den Plot integriert, die bedrückende Abwärtsfahrt mit dem alten Aufzug rundet den Film passend ab. Ich kenne keine gelungenere Schlußsequenz als diese.

"Angel Heart" ist aber auch ein Film, der vor allem durch seine offen dargestellte Gewalt und Sexualität polarisiert. Es überrascht nicht, dass das Werk nur einen einzigen Preis (für Lisa Bonet als Nachwuchsschauspielerin) gewinnen konnte, denn der Film ist alles andere als Mainstream. Er ist auch im Timing nicht immer ganz perfekt, gerade im Mittelteil gibt es einige unnötige Längen. Dennoch zähle ich ihn ohne Einschränkung zu meinen fünf Lieblingsfilmen. Es wird zweifellos anspruchsvollere und komplexere Werke geben, doch kein Thriller vermag es, mich durch seine Atmosphäre auch nach mehrmaligem Anschauen noch so in seinen Bann zu ziehen.

Belegen wir "Angel Heart" doch mit einem Zitat von Robert De Niro in seiner Rolle als Louis Cyphre: "You'll love it, or hate it." Ganz richtig. Meine Entscheidung steht.


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> Facts And Figures

Originaltitel: Angel Heart
Deutscher Titel: Angel Heart
Länge: 113 min
Veröffentlicht: USA 1987
FSK: 18
Regie: Alan Parker
Buch: Alan Parker, William Hjortsberg
Darsteller: Mickey Rourke, Robert De Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling u.a.

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Die Serie 20 BIG MOVIES informiert in kompakter und standardisierter Form über herausragende Werke der Filmgeschichte. Bisher erschienen:

[06] CASABLANCA (03.08.2006)
http://www.ciao.de/Casablanca_Film_1942_2002__Test_3116875

[05] THE GODFATHER (28.07.2004)
http://www.ciao.de/Pate_1_Der__Test_2843445

[04] ONE FLEW OVER THE CUCKOO'S NEST (27.07.2004)
http://www.ciao.de/Einer_flog_uber_das_Kuckucksnest__Test_2843089

[03] TWELVE ANGRY MEN (26.07.2004)
http://www.ciao.de/Zwolf_Geschworenen_Die_1957__Test_2842660

[02] FULL METAL JACKET (25.07.2004)
http://www.ciao.de/Full_Metal_Jacket_USA_1987__Test_2842252

[01] HIGH NOON (24.07.2004)
http://www.ciao.de/12_Uhr_Mittags__Test_2842009
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
TumblingDice

TumblingDice

30.08.2006 17:33

ja, wirklich schade, dass Rourke nicht mehr im Geschäft ist. Obwohl ich in den 80ern zwar noch halbwegs regelmäßig ins Kino ging, habe ich den Film nicht mal registriert. Aber es geht ja zum Glück nichts verloren. alea iacta

mongerbino

mongerbino

29.08.2006 13:51

Ohne Zweifel DER Film mit Mickey Rourke. Die Rolle des gebrochenen Helden bringt er hier auf den Punkt, was ihm sonst und vor allem später kaum noch gelang. Robert de Niro spielt hier meisterhaft die Rolle (Du willst sicher, dass über diese Persönlichkeit nicht zu viel verraten wird). Und Lisa Bonet liebte ich damals sowieso. Heute bin ich verheiratet, sonst würde ich sie immer noch lieben.

tecno-rules

tecno-rules

29.08.2006 10:59

auch hier kriegste ein BH von mir.. wenn das so weitergeht.. habi gleich keine mehr, aber du hast sie eben verdient! lg

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