Hallo Leute!
Nach zahlreichen Berichten über das Brandungsangeln wird es nun auch mal Zeit, dass ich mich ein bisschen ausführlicher dem Bootsangeln widme. Anfangen möchte ich heute mal mit dem Pilken auf Dorsche. Ich habe das Pilken als Methode für diesen Bericht ausgewählt, da ich über das Brandungsangeln und das Fischen von der Mole bereits andere Berichte geschrieben habe.
@@@@@ Generelles @@@@@
Bei dem Begriff „Pilker“ handelt es sich um Fischimitationen, die zumeist aus Blei bestehen und in bunten Farben lackiert sind. Sie werden kurz über Grund angeboten und sollen für den Fangfisch einen potentiellen, verletzten Beutefisch darstellen. Pilker kann man in den unterschiedlichsten Gewichtsklassen und Farbkombinationen kaufen, was dazu führt, dass mancher Angelladen an der Küste weit über 500 dieser fängigen Eisen in seinen Regalen hängen hat. Pilker kommen hauptsächlich zum Fang von Dorschen zum Einsatz.
@@@@@ Angelmethoden @@@@@
Das Haupteinsatzgebiet der Pilker ist das klassische Pilken, bei dem der Pilker an einer etwa 2,50-3,00 Meter langen Rute ausgeworfen und, nachdem er bis auf den Grund abgesunken ist, zick-zack-weise wieder an das Boot/ den Kutter „herangepilkt“ wird. Der Pilker vollführt bei den Absinkintervallen dabei taumelnde Bewegungen, die dazu führen, dass die Räuber auf ihn aufmerksam werden. Auch das Herunterlassen an der Bordwand und somit das senkrechte Fischen eines Pilkers ist eine durchaus gängige Methode.
In den letzten Jahren gewinnt aber auch eine weitere Methode mehr und mehr an Bedeutung, auch wenn sie von den „richtigen Pilkanglern“ anfangs nur belächelt wurde, das sogenannte Jiggen. Ich werde dem „Jiggen“ wohl noch mal einen extra Bericht widmen, aber an dieser Stelle sei kurz vermerkt, dass es sich um eine Angelmethode handelt, bei der kleine Gummiköder seitlich er Schnur den Köder bilden und der Pilker lediglich als Gewicht ans Ende des Vorfachs gehängt wird.
@@@@@ Die Wahl des Pilkers @@@@@
Die Wahl des richtigen Pilkers ist eine nicht ganz einfache, wie man immer wieder sieht, wenn man Anfängern auf den Kuttern über die Schultern schaut. Da sieht man die heißesten Angelmethoden, bei denen 200 Gramm Eisen an 50er Schnüren bei Windstille ins Wasser gefeuert werden – damit kann man die Dorsche höchstens erschlagen, nicht aber zum Anbiss verlocken. Ebenso schwachsinnig ist das Anbieten eines 100 Gramm Eisens bei Windstärke 7 und einer Drift von 10 Knoten. Denn bevor das Eisen auch nur Ansatzweise in Grundnähe kommt, hat man die anderen 20 Mitangler auf dem Kutter gefangen, deren Freude über den kapitalen Fang sich zumeist eher in Grenzen hält.
Wie man an den Beispielen erkennen kann, ist die Wahl der richtigen Pilkers absolut wichtig, nicht nur für den Fangerfolg, als vielmehr auch für den Frieden an Bord. Bei der Pilkerwahl heißt es, wie beim Angeln übrigens sehr oft, „So schwer wie nötig, so leicht wie möglich“. Viele „alte Hasen“ sagen sogar, dass diese Weisheit viel wichtiger ist als alle Farbkombinationen und Pilkerformen, eine Sichtweise, der ich mich nur bedingt anschließe, denn ich gehöre, ich muss es zu meiner Schande gestehen, auch ein wenig zu den Materialfetischisten, die den Fischen nur das Beste angedeihen lassen wollen.
Nun ist es nicht völlig von der Hand zu weisen, dass auch die Farbwahl an einigen Tagen regen Einfluss auf das Beißverhalten der Fische nimmt und der Angler, der sich ein bisschen auch mit diesen Dingen auskennt wird am Ende des Angeltages die Nase vorn haben, wenn es darum geht, die Erfolge des Tages auf den Tisch zu legen. Durchaus hilfreich ist es, wenn man sich nicht zu schade ist, auch mal den Kapitän, oder den meist auch sehr erfahrenen Bootsmann zu fragen welche Farben denn „im Moment laufen“ und welche Gewichtsklassen er empfehlen würde. Besonders Anfängern an der Küste lege ich diese Strategie sehr ans Herz, bevor sie bei der Ausfahrt ihr ganz persönliches Waterloo erleben.
An dieser Stelle eine Abhandlung über die richtige Farbe zu der richtigen Zeit zu schreiben ist vielleicht ein bisschen zu Umfangreich, aber vielleicht gelingt es mir, euch ein bisschen dazu zu bringen, selber diejenigen Überlegungen zu machen, die zum richtigen Ergebnis führen. Ein guter Angler versteht nämlich seine Beute und kennt, gerade beim Angeln, ihren aktuellen Geschmack. Es hilft sehr, wenn man sich einfach ein bisschen mit dem Lebensstil der Beute auseinandersetzt und versucht zu verstehen, warum an einem Tag eben der braun-rote Pilker besser fängt als der gelbe oder der blaue, der übrigens fast nie gut fängt...;)
Fangen wir an mit der Beute: ein ganz wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Farbe ist die Farbe der Beute, auf die es ganz aktuell gehen soll; wenn die Krebse sich gerade häuten ist es sehr wahrscheinlich, dass auch die Dorsche das mitbekommen haben und die nun weichen und wehrlosen Tiere gierig aufschlürfen. Wenn wir nun einen Pilker anbieten, der mit seinem silbernen Glanz wunderbar einen Sandaal imitiert, sind wir ganz sicherlich auf dem falschen Dampfer und werden nur sehr wenig Fische ergattern können. Wenn wir aber einen braun-roten Pilker in die Fluten werfen und diesen ganz nah am Grund anbieten (ich habe noch nie eine Krabbe 2 Meter hoch springen sehen), werden wir auch erfolgreich sein.
Ein anderes Beispiel wäre die Heringszeit, bei der es uns nicht viel nützt, wenn wir einen Pilker in den genannten Krebsfarben verwenden, da Heringe in der Regel silber sind.
Natürlich spielen auch äußere Komponenten eine Rolle und man muss auch diese bei der Köderwahl berücksichtigen. So ist es beispielsweise besser, bei dunklem Wetter einen leuchtenden Pilker zu verwenden als einen dunklen, denn schließlich muss der Fisch ihn ja sehen können, was in 20 Metern tiefe schon bei Sonnenschein schwierig ist, bei schlechtem Wetter aber zu der Suche nach den Nadel im Heuhaufen wird.
Al diese Dinge sollte man bei der Pilkerwahl bedenken, auch aber die Wahl der Pilkerform, es gibt sehr stark taumelnde Modelle, aber auch Modelle, die sehr straight zum Grund gehen und wie ein Pfeil durch das Wasser huschen. Hier ist es sehr stark Jahreszeit abhängig, davon ob die Fische müde und träge sind, oder ob sie aktiv nach Nahrung suchen (ersteres im Hochsommer, das zweite im Frühjahr und Herbst).
@@@@@ Beifänger @@@@@
Viele Angler machen es so, dass sie zusätzlich zu dem Pilker am Ende der Hauptschnur noch ein Vorfach mit sogenannten Beifängern vor das Eisen schalten. Diese Beifänger bestehen zumeist aus Gummi und sind so um die 7-10 Zentimeter lang. An der Küste ist die Farbe „japanrot“, ein sehr stark leuchtendes rot, die wohl gängigste, aber ähnlich wie bei den Pilkern mit Abstand nicht die einzige Farbe. Mehr als zwei Beifänger zu benutzen finde ich sinnlos, denn diese Behindern nur den Lauf des Pilkers. Meine Empfehlung gerade für Anfänger ist aber eh, Beifänger erste einmal wegzulassen und ein Feeling für das Fischen mit dem Pilker zu entwickeln, denn nur wenn man das hat, kann man auch mit Beifängern vernünftig angeln und diese gezielt und lockend einsetzen.
Ich hoffe ich konnte euch wieder ein paar Tipps geben. Wir sehen uns an der Küste...;)
Petri Heil!
Liebe Grüße
***Free***
17.09.2004 15:16
Mal interssant zu lesen, hab davon wirklich sowas von kein plan ... gruß vom alias
04.08.2004 22:33
Super Erfahrungsbericht wirklich 1 A
23.07.2004 18:18
Ja, alles klar. Aber erklär mir mal folgendes: Auf einem Angelkutter, auslaufend Heiligenhafen, stehen zwei richtige Angler, ich nenne sie mal so, weil sie über und über mit entsprechenden Ansteckern übersät waren, und angeln. Sie sind offensichtlich Freunde. Beide haben nahezu das gleiche Geschirr. Sie stehen nebeneinander. Der eine zieht und zieht und der andere hat den ganzen Tag keinen einizigen Biss. Das begreifen er, aber auch ich aus den Augenwinklen, überhaupt nicht. Bis heute nicht. Gruß Dieter