Hallo Leute!
Heute möchte ich mal wieder über eine sehr schöne Angelei berichten, nämlich das Angeln auf Plattfische, namentlich sei hier die Flunder herausgegriffen. Ich habe diese Kategorie bei Ciao vorgeschlagen und darum stellt sich natürlich die Frage, warum ich gerade die Flunder gewählt habe, um eine Kategorie für die Angelei eröffnen zu lassen!? Nunja, der Grund ist der, dass der mit Abstand am häufigsten an unseren Küsten gefangene Plattfisch die Flunder ist, die sich für den Laien nur unwesentlich von anderen Plattfischen unterscheidet. Für die meisten Angler (selbst viele Angler, die im Besitz eines Angelscheins sind, können die einzelnen Plattfischarten nicht auseinanderhalten – ein Armutszeugnis...) ist daher erst mal jeder Plattfisch ein „Butt“ oder eine „Flunder“.
@@@@@ Der Fisch @@@@@
Die Flunder gehört, wie bereits erwähnt zur Familie der Plattfische, die ja, bekannterweise bodenlebende Fische sind. Ihre Unterseite ist meist schneeweiß und wird nur selten von dunklen flecken etwas gemasert (da diese Seite auf dem Boden liegt, ist das ja auch tarnungstechnisch kein Problem), die Oberseite passt sich farblich allerdings immer perfekt der Umgebung an. Besonders gerne lebt die Flunder auf ausgedehnten Sandbänken, aber auch der sogenannte Tiger- oder Leopardengrund, also ein Bodenprofil mit Steinen, Seegras und Sandbänken gehört zu den häufig frequentierten Lebensräumen. Reine Steingründe sind hingegen mehr das Revier des sogenannten „Steinbutts“ einer anderen Plattfischart.
Die Flunder döst den Großteil des Tages einfach faul im Sand herum und nur ihr Augen schauen aus eben diesem heraus, immer auf der Suche nach etwas Essbarem. Sollte der Lebensraum des Fisches allerdings seinen Ansprüchen nicht mehr genügen können, ist die Flunder in der Lage, täglich Strecken von bis zu 60 km (!! ) zu schwimmen, was im Fischreich meist nur von Lachsen überboten werden kann. Wer den Körperbau der Flunder kennt, kann sich einer gewissen Ehrfurcht nun kaum noch erwehren.
@@@@@ Die Nahrung @@@@@
Was die Nahrungsmittel angeht, ist die Flunder nicht sonderlich wählerisch – sie frisst eigentlich alles was in ihr Maul passt und verdaubar ist. Besonders gerne frisst die Flunder Watt-, bzw. Seeringelwürmer, aber auch Schnecken, Muscheln und Garnelen gehören zu Ihrer Nahrung. Wenn ihr euch nun fragt, wie eine Flunder an die Wattwürmer kommt, die ja im Boden leben?! Das ist ganz simpel: Wie man ja weiß, leben Wattwürmer in einem U-förmigen Röhrensystem, bei dem auf der einen Seite Sand in einen Trichter rieselt, von den Würmern aufgenommen und auf der anderen Seite wieder ausgeschieden wird. Und genau das ist die Seite wo die Flunder zuschlägt, denn um den Sand richtig ausscheiden zu können muss der Wurm sein Hinterteil ca. 1 Millimeter aus dem Sandhaufen herausstrecken, damit er sich nicht alles wieder in seine Wohnröhre zurückrieselt...
Wenn die Flunder dieses sieht, ist sie ruckzuck bei dem Wurm, packt ihn und versucht ihn aus seiner Röhre hinauszuziehen. Meist reißt das Hinterteil des Wurmes dabei ab....Mitleid mit den Würmern ist dennoch übertrieben, denn sie haben sich auf diese „Störungen“ eingestellt und haben vorgesorgt. Wer einmal einen Wattwurm gesehen hat, der weiß, dass einige Würmer kurze, andere lange Hinterteile haben...Das liegt einfach daran, wie oft ihnen das oben beschriebene Schicksal schon widerfahren ist...Bis zu 6 mal kann das einem Wurm in seinem Leben mitmachen, bevor das Hinterteil weg ist und es an die lebenswichtigen Teile des Körpers geht....
Was man aber nicht vergessen darf ist, dass die Flunder ein Raubfisch ist, der natürlich auch Fisch frisst. Ein sehr guter Köder für Flundern ist demnach auch Fisch, meist Heringsfetzen, oder ab ein ganzer Tobiasfisch, meist am Zweihakensystem (gehe ich gleich noch drauf ein) serviert. Tobiasfische, auch „Sandaale“ genannt, sind ca. 15 Zentimeter lange, bodenlebende Fischchen, die sich ebenfalls von Fisch und kleinen Garnelen ernähren. Besonders für kapitale (große) Flundern ist dieser Köder ein absoluter Dauerbrenner – ich habe wahre Sternstunden mit „Tobis“ erlebt.
@@@@@ Die Angelmethoden @@@@@
Flundern kann man auf ganz verschiedene Arten angeln. Als Oberkategorien gibt es das Brandungs-, das Boots-, und das Molenangeln, wobei das Brandungsangeln wohl die Königsdisziplin sein dürfte. Einige Worte zu diesen Angelmethoden:
Das Brandungsangeln:
Beim Brandungsangeln ist die Flunder, neben dem Dorsch, die mit Abstand häufigste Beute. Welche Systeme man an seiner Angel fischt, ist hierbei von ganz besonderer Wichtigkeit, denn ein Doppelhaken-, ein Wishbone-, oder ein Gekipptes-System sind für absolut unterschiedliche Situationen gedacht.....und das sind nur 3 von ca. 25 verschiedenen Montagen. Die einzelnen Montagen aufzuzählen würde den Umfang dieses Berichtes sprengen, aber ich denke, dass ich diesem Thema noch einmal einen gesonderten Bericht widmen werde. Ganz besonders effektiv, dies sei aber verraten, ist es, ein tropfenförmiges Blei zu fischen und dieses gerade so schwer zu wählen, dass es bei leichtem Seitenwind langsam über den Grund rollt. Hat man nun noch ein langes Nachläufersystem (der Haken folgt in mind. 1,5 Meter Abstand dem Blei, ist der baldige Erfolg zu gut wie sicher.
Das Bootangeln:
Vorab sei gesagt, dass man beim Bootsangeln neben der Flunder auch Schollen oder Steinbutt erbeuten kann, was natürlich auch ein sehr schöner Nebeneffekt ist. Die Angelmontage, die vom Boot gefischt wird, richtet sich nach dem Status des selbigen, liegt es vor Anker oder treibt man langsam dahin. Wenn das Boot vor Anker liegt, kann man entweder, einfach ein 2-Haken-System hinauswerfen und abwarten, was so passiert, oder aber man macht es wie ich und folgt dem Grundsatz „so leicht wie möglich, so schwer wie nötig“, was bedeutet, dass man mit ultraleichtem Gerät den Fischen nachstellt. Wenn wir von unserem Boot unter der Sundbrücke von Fehmarn angeln, nehme ich meist eine leichte Downriggerrute, da diese sich richtig schön durchbiegen kann und Gewichte von maximal 20 Gramm. Ein absoluter Hit sind übrigens Perlmuttperlen vor dem Haken, denn diese Hält der Fisch für Muschel – zwei Fliegen mit einer Klappe...;) – die gilt auch fürs Brandungsangeln.
Das Molenangeln:
Hafenanlagen, im besten Fall von Fischereihäfen, scheinen Flundern magisch anzuziehen. Da Hafeneinfahrten die Eigenschaft haben, meist ziemlich eng zu sein strömt das Wasser hier stetig durch und trägt den Fischen Nahrung direkt vors Maul, handelt es sich um einen Fischereihafen, kommen die Fischreste von den Kuttern hinzu, was für die Fische vergleichbar mit dem Schlaraffenland sein dürfte...;) An Molen ist es meist nicht notwendig aufwendige Montagen zu benutzen, es reicht meist aus, ein einfaches Sargblei auf die Schnur zu fädeln und einen Haken mit Wattwurm dahinterzuklemmen...- Einfach aber effektiv.
@@@@@ Vom Töten und Ausnehmen @@@@@
Wenn Petrus einen guten Tag hat, wird der hoffende Petrijünger nun auch mit dem einen oder anderen Fisch gesegnet werden, was natürlich als nächstes die Frage aufwirft, wie man einen solchen „Butt“ nun eigentlich tötet. Viele Angler nehmen einfach ein Messer und Schneiden dem Fisch die Tasche mit den Innereien auf – dieses halte ich für barbarisch und bitte euch sehr, dies anders zu machen. Der richtige Weg, auch von der Fischereiordnung vorgeschrieben ist der, den Fisch zuerst zu betäuben und dann zu töten. Betäuben lässt sich die Flunder am besten mit einem großflächigen Holz oder Gummihammer, der ordentlich mit Schwung der Flunder auf den gesamten Kopf- und Kiemenbereich geschlagen wird. Wenn der Fisch nun keinen Mucks mehr macht, schneidet man die Innereientasche unterhalb der Kiemenböigen vorsichtig -da man sonst die Gallenblase verletzten kann und der Fisch nicht mehr genießbar ist- ein und lässt ihn ausbluten. Ausnehmen tut man die Fische, indem man den kopf abschneidet und die Innereien aus der Innereientasche pult...aber Vorsicht, ein spitzer, giftgefüllter Knochen schützt diesen empfindlichen Körperteil vor feindlichen Angriffen. Das Gift hat ungefähr die Effektivität eins Mückenstichs....
@@@@@ Appell @@@@@
Auch ein Fisch ist ein Lebewesen und verdient eine Artgerechte Behandlung. Das Leid des Fisches ist daher auf das absolute Minimum zu begrenzen.
@@@@@ Und in der Küche? @@@@@
Die Flunder ist in der Küche einer der am besten verwendbaren Fische. Ich brate sie meist nur einfach mit Speck, denn geschmacklich ergibt das Fleisch der meisten Plattfische mit dem Geschmack des Specks eine ganz besonders leckere Komposition....Für Fischfrikadellen und Kochfisch empfehle ich andere Fischarten zu nehmen, denn eine Flunder ist definitiv zu wertvoll....
@@@@@ Fazit @@@@@
Das Angeln auf Flunder hat einen ganz besonderen Zauber, denn man muss sich schon ein bisschen anstrengen um einen dieser wunderbaren Fische zu erbeuten. Das er dann auch noch so lecker ist macht den Fisch für mich zu perfekten Beute für den Meeres-Petrijünger...
Ich sehe euch an der Küste!
Liebe Grüße
***Free***
01.07.2004 18:14
Klasse Bericht. Dieter
16.02.2004 13:42
oh du gute güte, ich wüsste gar nicht, wie eine flunder richtig ausschaut
15.02.2004 16:32
Klasse Bericht! Sehr verständlich geschrieben.