Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Aufregend, leckerer Speisefisch - ein großartiger Fisch |
| Kontra: |
Knochenschmerzen |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Hai liebe Leserinnen und Leser. Heute möchte ich euch wieder mit Angeln erfreuen. Diesmal geht es um den zweitgrößten Süßwasserfisch in unseren Hemisphären - dem Wels, dem Unheimlichen Bewohner unserer Flüsse und großen Seen. Da immer noch viele Geheimnisse und Mythen über diesen Fisch im Umlauf sind, möchte ich euch erstmal den Fisch vorstellen, die Gerätschaften im Groben und auch die eine oder andere Angelmethode - evtl. auch noch eine persönliche Kurzstory, die ich erleben habe dürfen.
Mysterium Wels (oder im bayrischen auch Waller genannt)
********************************************************************
Ein Wels erinnert auf den ersten Blick wohl eher an eine riesige, mutierte Kernkraftkaulquappe - er sieht ja auch fast so aus.
Große Flossen hat er nicht - nur ein paar Brustflossen und den Flossensaum am Schwanz (sieht so ähnlich aus wie bei einem Aal).
Der Wels ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt und ist auf der unteren Körperhälfte marmoriert. Der Kopf ist ungewöhnlich riesig und irgendwie furchterregend, weil der Kopf eigentlich nur aus Maul besteht. Wenn man nun einen Wels von 1 m länge fängt, dann hört sich das Riesig an - doch viel Fleisch besitzt er da noch nicht, denn das Meiste dieses Fisches besteht wie gesagt aus Kopf bzw. Maul.
Er Besitzt an seinem Kopf viele Barteln, die ihm zur orientierung im Wasser dienen. Ein Bartelpaar ist sehr lang, damit ertastet er seine Beute. Die Augen dieses Fisches sind im vergleich zum Kopf oder zu anderen Fischen dieser Größe recht winzig und er kann nur zwischen Hell und Dunkel unterscheiden. Der Wels ist überwiegend Nachtaktiv und hasst Licht - allenfalls vor und nach Gewittern ist er auch kurzfristig Nachts aktiv. Er ist eher ein wenig aggressiver Raubfisch - im Gegensatz zu Hecht oder Zander, von denen bekannt ist, das sie schon mal auf Badegäste oder Angler losgehen. Tatsächlich kann man als Taucher hingehen und einen schlafenden Riesen streicheln, ohne das etwas passiert. Beim streicheln mit einem Holzstück wird er abhauen und woanders weiterschlafen - wenn man das mit einem Metallöffel macht, ist ein Angriff vorprogrammiert - dazu rammt der Wels seinen Gegner einfach mit dem Kopf - es ist schon vorgekommen, das Tauchern die Rippen bei einem solchen Angriff gebrochen wurden. Die Taucher waren damals mit Reperaturarbeiten an einer Brücke beschäftigt und haben den Riesen wohl unabsichtlich berührt.
Viele behaupten immer, ein Wels würde auch Hunde fressen - das ist Mumpitz, so ein Hund wird sich wohl nicht mitten in der Nacht auf einem See befinden, oder - außerdem dürfte ein Dackel viel zu groß sein. Allenfalls verschwinden mal Enten oder Gänse im Maul eines jagenden Welses, das wars denn auch - also nix mit dem Killerwels Bruno, von dem im Sommer diesen Jahres erzählt wurde.
Der Wels wird bis um die 3 m lang, etwas mehr oder weniger ist immer drin und bis etwas über 100 kg schwer.
Das Gerät
*************
Da wir es mit einem Gegner zu tun haben - der nicht nur groß ist, sondern auch zu 99 % aus Muskeln besteht - besteht bei der Wahl des richtigen Gerätes kein Kompromiss zwischen Qualität und Preis zur Debatte, denn Schwächen beim Angelgerät darf man sich auf gar keinen Fall erlauben, sonst hat man keine Chance.
Die Schnur
....................
Hier sollte man auf eine 0,50 - 0,60 mm geflochtene Schnur zurückgreifen, da sie zum einen weich ist und keine Dehnung hat - so hat man den Fisch besser unter Kontrolle und zum anderen hat sie eine sehr hohe Tragkraft.
Der Wirbel
----------------
Auch hier darf man sich nicht an zwei - drei Cent festklammern, legt lieber mehr Geld an und kauft euch die kleinen Big Game Meereswirbel, die beim Angeln auf Blauhai usw. eingesetzt werden - die halten bombenfest und biegen nicht gleich auf.
Die Rolle
-----------------
Vergesst Stationärrollen, denn das Getriebe ist in der Regel den extremen Belastungen nicht gewachsen und spätestens nach dem ersten Kapitalen dürft ihr sie wegwerfen. Greift lieber zu einer guten Multirolle. Die Vorteile sind: sie haben kein Getriebe und sind sehr stabil, die Bremsen arbeiten genauer und wirken direkt. Nachteile: Teuer und gewöhnungsbedürftig im Umgang.
Die Rute
..................
Auch hier darf kein Kompromiss gemacht werden, denn ich habe schon kräftige Kohlefaser - Pilkruten explodieren hören und sehen, wobei dieser Angler mit schlimmen Gesichtsverletzungen ins Krankenhaus musste. Die Rute soll mindestens ein WG von 100 g und mehr haben, wenn man nicht mit Spinnern oder Woblern angeln möchte. Als Welsspinnrute kann ich nur die "Blechpeitsche" von Profiblinker empfehlen - natürlich auch die anderen Welsruten dieser Anbieter aus Köln.
Die Haken
___________
Da man am Anfang immer noch zum Ansitzangeln geht und mit totem Köderfisch (oft über 4 Pfund und mehr) angelt, empfehlen sich hier sehr große, handgeschmiedete Angelhaken (mit meinen kann man sogar ein kleines Auto abschleppen *ggg*). Diese sind sehr stabil und sehr gut für diese Fischart geeignet. Natürlich soll dieser Haken entweder an einem längeren, weichen Stahlvorfach oder Kevlarvorfach befestigt sein, denn der Wels hat wie ein Aal Bürstelzähne (kleine Zähne, die sich beim anfassen so anfühlen wie eine Drahtbürste), und diese Zähne reiben geflochtene Schnur oder normale Schnur in Nullkommanix auf.
Das erste Angeln auf Wels
*******************************
Wir gehen hin und bauen uns erst einmal eine einfache Montage zusammen. Wenn man nun die Schnur durch die Rutenringe gezogen haben, schieben wir ein etwa 100 g Blei mit Öse auf die Schnur. Danach kommt eine Gummiperle und dann der Hochseewirbel in den man das Vorfach mit unserem Haken hängt - fertig.
Wenn man eine solche Rute auswerfen möchte, sollte man den Haken in den Schwanz eines toten Köderfisches stecken (der Wels schluckt den Köder immer mit dem Kopf voran) - und das ganze einfrieren. So geht der Köderfisch nicht beim Auswerfen flöten. Allerdings kann man den Köder auch per Boot auslegen, dann erspart man sich die Mühe.
Hat man die Rute ausgeworfen, klemmt man die schnur wie beim Karpfenangeln leicht fest und legt die Rute in zwei stabile und fest in die Erde grammten Rutenhaltern ab. Vergesst nicht, die Rute irgendwie zu sichern, denn der Welsbiss ist dermaßen Ruppig und Heftig, das die Rute ohne Probleme geklaut wird, ohne das man die Chance hat sie noch zu retten.
Nun heist es warten, warten, warten - oft monatelang. Doch irgendwann sitzt man da im Halbschlaf, weil der Morgen schon graut und plötzlich knallt es in der Rute. Nun heist es erst, aufspringen und die Rute um jeden Preis festhalten. Dann wird sich der Wels nach einer kurzen Flucht einfach auf den Boden legen. (Hatte ich erwähnt, immer nur zu zweit zu fahren? - Denn alleine wird man es nicht schaffen einen so großen Fisch zu landen.) Nach einer weile flüchtet er nun wieder - in einer langen Flucht, die euch das Schwitzen lehren wird und euch fast die Arme aus dem Körper reißt. Die Rollenbremse sollte so eingestellt sein, das der Fisch leicht gebremst wird - ihr dürft auf gar keinen Fall an der Bremse spielen während ihr drillt, sonst gibt es einen Knall und das wars dann. Stellt die Bremse nur ein, wenn er sich gelegt hat. So geht es dann bis keine Schnur auf der Rolle ist. Glaubt mir - es ist nicht möglich einen wegschießenden Wels zu bremsen - versucht es nicht mal, er soll sich nur anstrengen müssen. Damit ihr überhaupt die Chance bekommt ihn zu Gesicht zu bekommen, müsst ihr verhindern, dass er sich auf den Grund legt - dazu wäre ein Boot nötig. Dazu wirft man kleine Steine dorthin, wo Luftblasen an die Oberfläche kommen - das ist der Wels, der sich gerade ausruht - ihn einfach hochpumpen geht nicht, er wird zu schwer sein. Mitunter kann der Drill dieses Muskelpaketes stunden dauern. Ihr werdet sämtliches Gefühl in Armen und Rücken verlieren, die Knochen schwellen an und werden möglicherweise Blau und ihr werdet beten müssen, das es bald herum ist. Ihr glaubt es nicht, wieviel Kraft so ein Tier hat. Wenn die Fluchten kürzer werden und der Wels immer öfter ausruht, dann könnt ihr versuchen, ihn an einer flachen Stelle zu landen indem ihr ihn z.B. auf eine Sandbank zieht. Euer Kumpel hat sich natürlich schon den Arbeitshandschuh aus Leder angezogen, damit macht er dann den Wallergriff d.H. Mit beiden Daumen greift man dem Wels ins Maul. Unten am Kinn besitzt der Wels eine Art Tasche oder Falte, dort kommen die anderen Finger hinein. Nun heist es zerren - die Rute sollte allerdings nie aus der Hand gelegt werden, weil plötzliche Fluchten immer möglich sind. Wenn man noch kann hilft man seinem Kollegen. Wenn alles klappt, dann hat man einen der schmackhaftesten Fische gefangen, die es neben Lachs und Aal gibt. Naja, und einen Muskelkater, der bis zu zwei Wochen andauern kann und einem viel Freude macht. Da kann ich nur viel Franzbrandwein (für die äußerliche Behandlung der schmerzenden Stellen), lecker Bierchen zum wiederaufbau der verlorenen Energie und eine liebende Ehefrau empfehlen *ggg* - naja und viele Stunden in denen man viel Anglerlatein und tolle Storrys über den Fang dieses Fisches erzählen kann - die anderen Angler werden wohl vor Neid platzen.
Köder die ich empfehlen kann
************************************
Zum einen angele ich viel mit toten Köderfischen wie großen Brassen, Döbeln usw. Natürlich kann man sein Glück auch mit einem oder zwei Päckchen Tauwürmern an einem Haken probieren, aber die meisten davon werden wohl von Aalen geklaut.
Natürlich sind schon stinkende Hühnerdärme vorzüglich geeignet - aber ich erbreche mich immer dabei, weil ich den Gestank nicht ertragen kann, so lasse ich die Übung aus.
Natürlich kann man auch wie beim Haiangeln Lockmittel (Rubbydubby) machen (allerdings nicht für den Haken).
Dazu zermatsche ich tote Köderfische zu einem Brei, gebe viel Blut dazu *werdegrün*, Fischöl und zermanschte Regenwürmer gehören auch dazu. Diesen Brei gebe ich in einen Zwiebelsack, der enge Maschen haben soll und binde ihn zu. Eine lange Schnur wird dann am Sack befestigt und diese an der anderen Seite an einen Baum gebunden. den Sack werfe ich dann in die Nähe meines Hakenköders. Die Strömung trägt dann den Duft dieses - für den Fisch lecker riechenden Köders - in die Richtung unseres Köderfisches. Man kann diese Methode allerdings auch für den Fang von großen Aalen nutzen - das hilft in den meisten Fällen.
Ich weis - sowas ist echt unappetitlich, doch wenn das zum Fang eines wirklich leckeren und großen Fisch führt, dann nimmt man das halt hin.
Eigene Erfahrungen
**************************
Ich war einmal so dumm, alleine zum Welsangeln zu gehen - ich wusste das an meiner Angelstelle einige große Welse sein mussten, denn immer klatschte etwas in der Nacht auf das Wasser, was sich anhörte wie ein Ruderboot das ins Wasser fällt. Auch verschwanden ab und an in der Dämmerung Enten von der Oberfläche und tauchten nicht wieder auf - also hieß es für mich - heute fange ich einen. Montage war schnell kurz vor der Kante zu tieferem Wasser abgelegt und das Rubbydubby war auch schon draußen. Ich habe also schnell die Hände gewaschen, etwas gegessen und wartete nun mit einem Bier in der Hand auf den Sonnenuntergang. Seit drei Tagen am Stück saß ich nun da - kein Biss, kein Zupfer - nichts hatte sich getan, außer das die Mücken mich schon fast leergesaugt hatten. Ich fühlte mich einfach schwach und wollte einfach zu meiner Lieben zurück nach hause. Aber irgendwie wollte ich noch die Nacht schlafen, weil die Augen mir schon fast alleine zufielen. Ich saß in einer kleinen und weit abgelegenen Bucht an einem riesigen Angelees - wo vielleicht mal alle Schaltjahre ein Spaziergänger oder Angler vorbei kam - nur ich bin so irre und suche mir immer genau diese Stellen aus.
Ich legte mich also auf meine Liege, trank noch ein Bier und legte mich dann um im Schein der Sterne und dem Gesang der Eule einzuschlafen. Dann - es war kurz um ein Uhr Nachts - gab es einen gewaltigen Knall und meine Rute bewegte sich in einem irren Tempo richtung Wasser. Ich rannte hin und bekam sie im letzten Moment noch zu fassen, dann begann ein Kampf, der mich zwei Stunden lang Blut und Wasser schwitzen ließ.
Immer wieder irre Fluchten und immer wieder diese Ruhephasen - selbst nach einer Stunde habe ich vom Fisch nichts gesehen - dafür war ich am Ende meiner Kräfte, hatte Durst , spürte meine Knochen nicht mehr und mein Rücken schien zerplatzen zu wollen. Ich glaube, meine Augen standen wie bei einer Wasserleiche weit vom Kopf ab - so erschöpft war ich. Nach eineinhalb Stunden hatte ich keine Schmerzen mehr - alles lief nur noch wie im Traum ab und ich nahm nichts mehr um mich wahr - aber ich wusste noch was ich wollte. Mittlerweile war ich nassgeschwitzt und habe mich in einer Ruhephase meines Gegners mit einem Gürtel an einen Baum gebunden - dieses Wesen dort draußen schien unmenschliche Kräfte zu besitzen, die niemals nachließen. Ich kam mir vor wie der Opa aus dem Film "Der alte Mann und das Meer" - und ich gab wie er nicht auf - obwohl ich betete, das Gott mir schnell Muskeln schenken würde und obwohl am liebsten gestorben wäre. Nach zwei Stunde tobte er dort draußen immer noch - und ich war dem Zusammenbruch nahe. Dann durchbrach er die Wasseroberfläche und zeigte seinen gewaltigen Kopf. Das Maul war so groß, das man darin glatt einen 10 L Eimer Wasser hineinstellen konnte - ich traute meinen Augen kaum. Dann geschah etwas, was mich entsetzte - er schüttelte seinen Kopf und dann gab es einen Pistolenschuss ähnlichen Knall - in einem Affentempo sah ich das Blei auf mich zurauschen und spürte den Luftzug, als es an meinem Ohr vorbeiflog. Vorbei der Traum vom Riesenfisch - vorbei waren auch die Höllenqualen die ich durchgemacht hatte. Nein - dieses mal habe ich mich mit jemanden angelegt, der stärker war als ich und mein Material und dieser Gegner hat mir Grenzen aufgezeigt. Ich schaute noch eine ganze Weile fast besinnungslos auf die Stelle, an der er sich gezeigt hatte. Mit zitternden Händen befreite ich mich von dem Baum und kroch auf allen vieren in Richtung meiner Liege und der Eistruhe mit dem kalten Bier. Meine Zunge war schon taub und klebte unangenehm am Gaumen fest - ich hätte nie gedacht, das Bier so gut tun könnte und das ich mich jemals so danach sehnen würde. Nachdem ich zwei Dosen auf einen Zug gelehrt hatte, legte ich mich hin und schlief bis zwei Uhr des nächsten Tages durch. Zum Glück hatte ich eine Karre bei mir, mit der ich mein Zeug zum Auto bringen konnte, was etwa 1 km weit entfernt auf dem Parkplatz stand.
Also liebe Angler und Leser - es gibt noch echte Herausforderungen im Angelsport und gerade beim Wels bleibt man oft zweiter Sieger. Ich ziehe echt den Hut vor diesem Tier.