70s for runaways
17.06.2001
Pro:
Eine große Reise in die amerikanische Kultur der frühen 70er
Kontra:
Kann nicht schnell mal nebenbei gelesen werden
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 meteohh
Über sich:
i shouldn't visit this place## meine berichte wurden von meteohh vorher anderweitig als meteo oder H...
Mitglied seit:21.11.2000
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„Wir hatten zwei Beutel Gras, fünfundsiebzig Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, einen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und ein ganzes Spektrum Upper, Downer, Heuler, Lacher […] einen halben Liter unverdünnten Äther und zwei Dutzend Knick und Riech.“ …was hält man von einem Buch, das solch eine Liste auf Seite zwei präsentiert? Angst und Schrecken in Las Vegas – eine wilde Reise in das Herz des Amerikanischen Traums. Hunter S. Thompson nimmt uns mit auf seinen Trip, den er im Jahre 1971 selbst erlebte. Einen Trip der uns entweder abstößt oder zum Lachen reizt. Er kann uns neugierig auf die Drogen machen, sollte er aber nicht. Leser von Drogen- und Popliteratur – also von Irvine Welsh und Sibylle Berg – stumpfen in der Regel ab. Der Horror, der sich hinter Drogenerlebnissen versteckt, geht zugunsten des Amüsements über das schräge Geschehen verloren. Simuliert der Handelnde am Telefon eine Verhaftung, um die von ihm unter Drogen zum Sex gezwungene Minderjährige loszuwerden, so kann man sich ein Grinsen nicht verkneifen. Doch bildet diese Beschreibung nicht vielmehr etwas ab, das wir alle fürchten sollten? Den kompletten Kontrollverlust, den Moment, wo unser Verstand die Initiative abgibt. Etwas das sich übrigens auch bei jedem durchschnittlichen Stadtfest am Beispiel des Alkohols gut beobachten läßt.Drogenkultur als Motiv Das ganze Buch schildert einen einzigen Drogen-Trip. Das Geschehen einer Woche, in der die Hunter Thompsons alter ego Dr. Duke in Las Vegas Recherchen anstellen soll. Der erste Teil beschäftigt sich mit den Erlebnissen rund um einen Auftrag des Sports Illustrated zu einem Motorradrennen, der zweite dann mit denen um einen Bericht für den Rolling Stone zu einer Drogenkonferenz der amerikanischen Bezirksstaatsanwälte. Es ist nicht schwierig Angst und Schrecken als Werbung für Drogen misszuverstehen. Das große Abenteuer Droge – der amerikanische Traum. Horrortrips lassen sich nicht ignorieren, aber auch die Protagonisten überleben sie ja, wieso also nicht ich. Weil Dr. Duke und Dr. Gonzo dem Teufel immer nur haarscharf von der Schippe springen. Nimmt man Warnungen ernst, die Hemmschwelle, Drogen zu nehmen, sinke bei Jugendlichen immer mehr ab, wirkt vor allem die filmische (meteo(HH)) Umsetzung mit einem umwerfenden Johnny Depp als Duke nur „cool“. Erkenntnis aus der Kloake Jedoch war Hunter Thompsons Motiv sicherlich nicht eine Werbekampagne. Dazu hatte er 1971 schon zu viele Drogenwracks gesehen. Um die Schrecken der verschiedenen Drogenerfahrungen, nicht nur als lustig zu empfinden, sondern sie zu verstehen, darf man die ernsteren Passagen nicht überlesen. Der Kern des Buches findet sich im zweiten Teil versteckt zwischen Geldsorgen und der Beschreibung des zerstörten Hotelzimmers, in dem „zoologische Experimente mit Whiskey und Gorillas einen katastrophalen Ausgang genommen hatten“. Auf diesen nicht einmal vier Seiten beschreibt Thompson, wie der Glaube an die Droge als Befreiung zur blinden Unterwerfung führte. Die Droge bildete die einzig akzeptierte höhere Autorität. Im Zuge dieser Unterwerfung mutierte der Traum der Love & Peace Generation zum „aggressiv-eiligen Gruppen-Ego-Trip in die Selbsterhaltung“. Mitten auf diesem aggressiven Ego-Trip befindet sich Thompson während (und wahrscheinlich auch noch vor und nach) dieser Woche in Las Vegas. Die Droge bestimmt sein Denken, fühlt er sich schlecht, schluckt er Speed, ist er zu aufgekratzt, raucht er ein wenig Gras. So bestimmt die Droge die Stimmung und diese wiederum ihn. Es verwundert, Thompson schafft es, aus diesem Drogentaumel heraus noch dieses Bewußtsein für die Probleme des Drogenkonsums zu erhalten. Verwunderung Verwunderung über das ganze Buch ist angebracht. Denn das Ganze ist sehr zwiespältig. Die bewusste Kritik Thompsons auf der einen kontrastiert die Bejahung des Drogenkonsums für sich selbst auf der anderen Seite. In einem Nebensatz in Almost Famous fordert der Redakteur des Rolling Stone den Hauptcharakter William Miller auf, er solle nicht zu sehr über die Stränge schlagen, denn „wir haben schon einen Hunter Thompson“. Dieser bildet also zu seiner Zeit schon eine (traurige?) Berühmtheit. Seine Einstellung zeigt ein Zitat, dass uns noch vor Beginn der Geschichte erwartet: „Der so sich zum Tier macht, befreit sich von dem Leid, ein Mensch zu sein.“Fear and Loathing Angst und Schrecken in Las Vegas – eine wilde Reise in das Herz des Amerikanischen Traums. Mit diesem Buch reist man in die wilde Welt der späten 60er und der frühen 70er. Wenn die Lebensgeschichte von Cameron Crowe in Almost Famous die verklärende Einführung in diese Zeit bildet, so zeigt Thompson mit seiner Story dem objektiven Leser die extremsten Seiten. ____________ Für weitere Informationen zu Thompson und zum Stil des Buches empfehle ich die Meinung von kochski. Die Meinung bezieht sich zudem auf die Ausgabe, die bei 2001 im Moment für 16,95 Mark zu erhalten ist. Diese enthält Zeichnungen Ralph Steadman sowie ein Foto von Hunter S. Thompson zusammen mit seinem "Anwalt".
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30.07.2001 13:15
Klasse Meinung und ey! Danke für das Lob und den Hinweis auf meine Meinung! Beste Grüße, Kochski =)
17.06.2001 21:04
Ist nicht so meine Richtung... Lese lieber mehr Komödien, aber ein guter Bericht.. Bis denne...
17.06.2001 20:57
na, da kann ich mich den beiden vorgängern ja nur anschließen... *lach* hab weder das buch gelesen noch den film gesehen, aber hast das szenario sehr gut beschrieben, klingt allerdings irgendwie etwas nach tarantino (schrei, wenn ich da falsch liege...), und für den konnte ich mich noch nie begeistern (jedefalls nicht so richtig)... viele grüße, steffen