Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
vielleicht die letzte Bremse, die der Körper stellt |
| Kontra: |
man denkt man stirbt, hat einen Gehirntumor, fällt um |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Dies wird ein sehr persönlicher Bericht und ich habe lange Zeit gebraucht um ihn überhaupt zu schreiben. Warum ich es tue hat viele Gründe... ich hoffe man versteht mich dann besser, aber nicht nur mich, denn hier sind schon 38 Berichte über Angststörungen, also scheine ich nicht ganz alleine zu sein.
Wie hat es angefangen?
Ich kann es heute gar nicht mehr sagen, es hat schleichend anfgefangen. Ich habe seit 10 Jahren immer nur Stress, meine Eltern und meine komplette Verwandschaft sind verstorben, ich hatte 2 unschöne Schwangerschaften und noch 2 unschönere Geburten und zwischendrin hab ich versucht das Leben meiner Familie zu managen. Es blieb also kaum Zeit für mich und so gut wie gar keine Zeit um mal zu traueren.
Der erste große Ausfall kam an einer Einweihungsparty meines jetzigen Mannes und mir. Ich bekam Herzrasen, mir wurde übel, ich hab Sehstörungen und Gleichgewichtsprobleme bekommen und lag einige Stunden später auf der Kardeologie eines Krankenhauses, wo vermutet wurde, dass ich (gerade ich!) Drogen genommen hätte. Festgestellt wurde eine Entzündung des Vagus-Nervs, vorher wurden natürlich etliche Untersuchungen getätigt, wie z.B. ein Stress-Echo vom Herz (sehr unangenehm!) und Atemtests usw. Ich bekam Placebo-Tabletten und sollte einfach losrennen, wenns mir noch mal so schlecht gehen würde.
Aus dem Krankenhaus entlassen nahm ich mehr oder weniger mein normales Leben auf. Normal heißt, dass ich 2 Jahre später auf der Busreise nach Wien zum Millenium, den Bus verlassen musste und mit dem Taxi und Zug zurückgefahren bin Normal heißt, dass ich meine kirchliche Hochzeit abgesagt habe, weil ich ja einen Grund hatte, meine schlimme Schwangerschaft nämlich.
So kamen die Panikattacken und gingen und zwar immer dann, wenn ich keinen Fluchtweg hatte. Ein weiteres Highlight meiner Panikattacken-Serie war ein Hinflug nach Fuerteventura, auf dem ich dann liegend in der Küchenkabine transportiert wurde, was auch überhaupt nicht peinlich war.
So lebte ich mal besser oder mal schlechter mit den Attacken, was eigentlich ziemlich untypisch ist, da es irgendwann immer steil bergab geht oder eben nicht mehr aus dem Haus, nicht mehr in den Supermarkt, nicht mehr ins Kino oder sonst wo hin.
Es kam aber wie es kommen musste, es ging auf einmal ohne (zuerst) ersichtlichen Grund sehr steil bergab. Diesen Sommer als es so heiß war, ging es mit von Tag zu Tag schlechter. Später habe ich gelesen, dass es typisch ist, dass die Panikzustände bei heißem Wetter stärker werden. Ich lag auf dem Boden, habe nur noch geweint, habe mich ständig übergeben und hatte ständig dieses ätzende Gefühl einer Art Schüttelfrost, bei einer Panikattacke. Der Grund war sehr schnell gefunden, zumindest der ersichtliche. Ich hatte meine Website abgegeben, die mein Baby war und 2 Jahre lang eine Art Lebensinhalt. Ich habe durch die Seite viele Freundinnen gewohnen und täglich Karten oder kleine Geschenke bekommen -ich war also neben all der Windelwechselei wichtig.
Dazu muss ich am 9. Dezember eigentlich wieder arbeiten gehen, doch man hat mir per Mail mitgeteilt dass ich eine Persona non grata bin und eine Abfindung angeboten, die allerdings falsch berrechnet war. Zu viel für mich und da kam sie - eine Angstepisode. So nennt man Panikattacken, die länger als die üblichen maximalen 30 Minuten dauern, dafür aber angeblich nicht so stark sind. Meine waren so stark, dass ich mich am Tag 3 selbst in ein Krankenhaus auf die Psychosomatik einweisen lassen habe.
Ich war mir zu diesem Zeitpunkt (wie typisch) sicher, dass ich einen Gehirntumor hatte und nur noch wenige Tage am Leben sein wurde, so groß war (und ist teilweise immer noch) der Druck auf meinen Kopf und meine Ohren. Ein nettes Give-Away, wie ich es mir später selbst erklären konnte. Ich konnte nichts mehr essen, weinte nur noch vor mich hin und hätte mir am liebsten die Decke nachhaltig und für immer über den Kopf gezogen. An das Leben nach dem Krankenhaus dachte ich mit Grausen und absoluter Panik.
Gut war, dass ich 2 sehr gute Bücher zur Panikstörung bekam und mich selbst erkannte. Ich brauchte z.B. in der letzten Zeit immer MCP-Tropfen gegen Übelkeit bei mir, weil man während einer Panikattacke furchtbare Angst hat sich zu übergeben, ja überhaupt unangenehm aufzufallen.
Weniger gut war, dass man mir Antidepressiva gab, auf die ich übelste Nebenwirkungen bekam, wie elektrische Schläge an Körper oder Suizid-Gedanken. Außerdem wurde ich am Abend mit Tavor "ruhig gestellt" und bei Tavor besteht ab der 2. Tablette ein großes Suchtpotential, trotzdem gibt man es Leuten mit Panikstörung und Agoraphobie nur allzu gerne.
MEIN LEBEN DAMIT:
Der Morgen bei meiner Entlassung war ätzend. Ich habe schnell noch ein Tavor genommen und hatte das 2 Antidepressivum (Ciraplex - tri-zyklisch) intus und hätte mit dem Kopf in die Wand donnern können. Zu Hause lag ich mit üblen Nebenwirkungen auf der Couch und die ganze Zeit quälte mich nur eine Frage: Werde ich wieder die Alte oder war es das jetzt? Dann waren am 2. Tag zu Hause meine Tavor-Tabletten alle und ich musste den Notarzt rufen, denn ich war hochgradig süchtig und musste dann alleine zu Hause einen Entzug machen, sowohl vom Anti-Depressivum, welche sich gar nicht vertrage hatte und was übelste Nebenwirkungen hatte, als auch vom Psychopharmaka Tavor.
Nachdem der Entzug nach cirka 10 Tagen relativ gut überstanden war, ging es mir besser. Wenn die Nerven versagten, schnappte ich mir (und schnappe mir noch) eine Baldrian-Tablette und Johanniskraut (Achtung, darf nie mit Antidepressiva zusammen genommen werden). Ich wurde an eine Psychotherapeutin verwiesen, bei der ich trotz 3-jähriger Wartezeit schon mal einen Zwischentermin hatte und die meinte, dass ich gut gehandelt hätte und keine weiteren Medikamente nehme. Falls ich wieder einbrechen sollte, hab ich aber natürlich Notfalltabletten oder ein Nottfallantidepressivum, was allerdings ganz hinten im Schrank liegt.
Ich fahre in der Nacht von Freitag auf Samstag in Urlaub und habe jetzt schon unerklärliche Panik. Es wird ein großer Akt werden, bis ich an der Côte d'Azur bin, aber ich hoffe fest ich schaffe es. Das ist auch ein Aspekt bei einer Panikstörung, schubbst man mich in einen Zug der anfährt, fahre ich mit, weil ich mit einer Situation schnell konfrontiert werde und keine Zeit habe nachzudenken. Als ich vor 4 Wochen allerdings noch 15 Minuten Zeit bis zur Abfahrt hatte, hab ich es nicht geschafft, im Zug zu bleiben, sondern bin auf den Bahnsteig und habe mich neben den körperlichen Symptomen furchtbar geschämt. Versagt mal wieder - nicht mal in der Lage meinen eigenen Körper unter Kontrolle zu halten.
Drückt mir feste die Daumen, dass ich gut in Urlaub komme und wieder zurück und dass sich die Wölkchen auf der Stimmung verziehen, denn das wäre alles, was ich mir im Moment wünsche!
SYMPTOME BEI PANIKATTACKEN:
In dem Buch stand in dem Artikel für Angehörige: Nehmen sie Panikattacken ernst. Sie sind qualvoll für denjenigen, der sie durchlebt. Das kann ich nur unterstreichen, denn eine Panikattacke ist etwas, was man niemandem auf der Welt wünscht, auch nicht den ärgsten Feinden.
Allgemein werden fast alle der folgenden Aspekte erlebt:
- Atemnot, Engegefühl in Brust und Kehle (ich ersticke)
- Hyperventilation (als Folge Kribbelgefühle in Gesicht und Händen) (ich falle gleich um)
- Herzrasen (ich werde ohnmächtig)
- Schweißausbrüche (Angstschweiß)
- Zittern - Unruhe
- Angstgedanken ("Das ist ein Herzinfarkt", "Jetzt sterbe ich gleich", "Ich werde verrückt" ...)
- Derealisations- oder Depersonalisationsgefühle ("Neben sich stehen" oder "Nicht mehr ich selber sein")
Das Gute bei einer Panikattacke ist aber, dass man gar nicht ohnmächtig werden kann. Wenn die o.g. Symptome auftreten, pumpt der Körper Adrenalin ins Blut, es geht richtig rund, der Blutdruck steigt, die Körperspannung, die Augen schalten um auf Wachsamkeit. So kann man gar nicht ohnmächtig werden, die größte Angst bei den Panikattacken.
In der Regel dauert solch eine Attacke zwischen 5-10 Minuten, kann aber auch bis zu 30 Minuten dauern. Diese Attacken können durch bestimmte Gedanken oder Orte ausgelöst werden, hat man allerdings nur Panik an einem speziellen Ort (Fahrstuhl) hat man eine Agoraphobie (Angst vor einem Ort bzw. bestimmten Situationen).
WAS ICH TUE:
Ich hasse es der Angst so viel Platz in meinem Leben einzuräumen. Ich musst eim Krankenhaus einen Test machen und heraus kam, dass ich absolut überängstlich bin, ich habe sozusagen Angst vor allem. Angst peinlich aufzufallen, Angst nicht gemocht zu werden, Angst energisch zu sein, Angst auf meinem Recht zu bestehen, Angst zu fliegen, Angst mit dem Zug zu fahren - das sind alles sachen, bei denen es keinen Fluchtweg gibt und ich durch muss. Das ist übrigens bei einer Anststörung auch die beste Therapie - eine Verhaltenstherapie gegen die Angst.
Ich habe mich jetzt bemüht einen Platz in einer Tagesklinik zu erhalten, wo ich mit der Angst langsam aber sicher konfrontiert werde und lerne mit ihr umzugehen. In der Regel dauert es 2 lange Jahre, bis man wieder Zutrauen zu seinem Körper fasst und die Attacken ganz verschwunden sind. Zur Zeit bin ich froh, wenn ich einen Tag überstehe, der noch dazu ohne Stimmungsschwankungen über die Bühne geht. Ab Oktober beginne ich zusätzlich eine Psychotherapie, damit ich weiter durchs Leben gehen kann, ohne mich vor meiner Angst zu ducken oder mir jetzt schon Gedanken zu machen, ob ich vielleicht in 2 Jahren bei der Einschulung meines Sohnes fehlen werde, weil ich eine Panikattacke habe. Ich bin auch schon stolz auf mich, weil ich ohne jeglichen Probleme in 2 überfüllten Schwimmbädern war (das letzte Mal bin ich davongelaufen und habe mich übergeben), weil ich alleine in gefüllten Geschäften war (bis vor kurzem ein Unding und oft mit Flucht verbunden) und weil ich sage: Ja, ich fahr in Urlaub!
WEBTIPPS:
http://www.panik-attacken.de
http://www.panikattacken.at
http://www.paniker.de
http://www.neuro24.de/angstst_rungen.htm
Lösungsansätze:
Aufschreiben was bei einer Panikattacke passiert, progressive Muskelentspannung, regelmässiger Sport, Verhaltenstherapie, Atemübungen, Lob durch Mitmenschen nach dem Überstehen von schwierigen Situationen
Was Panikattacken fördert:
Rauchen - Nikotin wirkt in der Regel anregend auf den Körper. Befindet man sich nun sowieso schon in einem Zustand innerer Erregung, so führt das Rauchen einer Zigarette zu einem weiteren Anstieg derselben. Die Schwelle der Anspannung, die zum Auslösen einer Panikattacke führt, wird damit schneller erreicht.
Kaffee - Ich trinke seit dem Krankenhausaufenthalt keinen Kaffee mehr, weil dadurch der Blutzuckerspiegel sinkt (cirka 15 Minuten nach der ersten Tasse). Dann sagt der Körper, dass ihm übel wird und ich befürchte die erste Panikattacke des Tages. Also bin ich auf Caro-Kaffee umgestiegen und Tee, auch sehr lecker und den Kaffe vermiss ich nicht wirklich.
Vermeidungsstrategien - man ist sonst in sich selbst gefangen. Wenn ich ausschließen würde in Urlaub zu fahren, weil ich davor zu viel Angst habe, könnte ich vielleicht so schnell gar nicht mehr in Urlaub fahren, da ich ja ein Negativ-Erlebnis hatte
Abschliessend kann ich allen Betroffenen nur raten mit der Famile und mit Freunden darüber zu sprechen. So versteht man wenn ihr euch unwohl fühlt und die Angst hat nicht mehr so viel Macht über euch. Alleine in meinem Bekanntenkreis haben 4 Frauen Angstzustände, die ihre Leben wie meins auch, mal mehr oder weniger bestimmen. Wenn ihr ins Theater oder ins Kino geht, geht erst kurz bevor der Film beginnt, setzt euch an einen Platz am Ausgang, geht nicht alleine und haltet euch die Option offen zu gehen. Ihr werdet sehen, mit diesem Notfallprogramm könnt ihr schon bald den Film geniessen und seid nachher stolz darauf, dass ihr die Situation gemeistert habt.
Wichtig ist es, dass ihr alle die ihr keine Angstzustände habt uns ernst nehmt. Wir denken dann wirklich dass wir sterben, es nicht schaffen, ohnmächtig werden, uns übergeben. Lasst uns Zeit, seid rücksichtsvoll und lobt uns, wenn wir etwas geschafft haben, was uns Angst bereitet hat. Es wird immer wieder gute und schlechte Tage geben, aber die schlechten werden weniger, wenn ihr uns helft!
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