Ein irrationales Gefühl

3  26.11.2002

Pro:
???

Kontra:
jede Menge

Empfehlenswert: Nein 

chris10

Über sich: ~*~ Man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. ~*~ [ Friedrich N...

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Das Thema 'Angst' ist ein immer wieder aktuelles Thema und wirft die Frage auf, ob es sie in diesem Ausmaß schon immer gab. Immer mehr Menschen haben Angstattacken, leiden unter Phobien, haben sogar Angst vor der Angst. Dabei ist Angst eigentlich nichts anderes als ein Warnsystem, das vor Unbekanntem und vor Gefahren warnt - und nur so sollte es auch eigentlich sein.

Angst ist die häufigste psychische Erkrankung und wird seit einigen Jahren immer ernster genommen und sogar als Krankheit anerkannt. In Göttingen im Klinikum der Universitätsklinik gibt es sogar eine Angstambulanz. Das verdeutlicht doch die Aktualität diese Krankheitsbildes.

Die Medizin definiert Angst wie folgt: Angst ist ein unangenehmer, oft auch als quälend empfundener Spannungszustand mit Gefühlen des Einengens und Bedrohung. Auch häufig mit Reaktionen des vegetativen Nervensystems verbunden. Z.B. Zittern, Herzklopfen, Schweißausbrüchen, Schlaflosigkeit, manchmal sogar Panik - für uns nicht beeinflussbar.

Angst kann eine Reaktion auf äußere Gefahren oder Bedrohungssituationen sein, aber auch als Reaktion auf seelische Konflikte entstehen. Auch hier sind die Übergänge von 'normalem' zu krankhaften Angstreaktionen fließend. Die Ängste sind einfach irrational, aber wenig zu beeinflussen, sinnlose Angst macht krank. Angsterkrankungen werden in plötzliche, anfallsartige Angst und generalisierte Angststörungen eingeteilt.

Angst wirkt wie ein Alarmsystem in unserem Körper, welches uns in Gefahrensituationen vor unüberlegtem Handeln warnt und zugleich auch schützt. Diese Angst fördert die Leistungsfähigkeit des Menschen, indem sie Wachheit, Vorsicht und sämtliche Funktionen unseres Organismus auf das Höchste steigert. Ohne diese sinnvolle, normale Angstreaktion wären wir ständig in Gefahr.

Leider funktioniert unser Alarmsystem nicht immer richtig. Denn wenn die Angst zu großer Erregung führt, blockiert etwas in uns und verhindert sinnvolles Verhalten. (Prüfungssituationen z. B.)

Im Zustand der Angst spielen drei Komponeneten eine Rolle:

• die kognitive Komponente, das heißt, das Erkennen bzw. Wahrnehmen der Gefahr.
• die Physiologische Komponente, das sind die körperlichen Veränderungen wie beschleunigter Herz- und Pulsschlag, Blässe oder Schweißausbruch.
• und die motorische Komponente, sie äußert sich durch automatische Flucht- und Abwehrbewegungen und evtl. auch in verbalen Äußerungen. Dies alles zusammen erleben wir als Angst.

Es gibt wohl niemanden, dem Momente der Angst unbekannt sind:

• dem Erkennen der Gefahr
• blitzschnell springt unser 'Motor' an und bringt uns auf Hochtouren
• der Blutdruck steigt
• das Herz schlägt schneller
• der Schweiß bricht aus
• intensive Atmung etc.

Dies alles geschieht in Bruchteilen von Sekunden, aber wir sind sofort physisch und psychisch auf eventuelle Abwehrreaktionen oder auf das Flüchten vorbereitet.

Das vegetative Nervensystenm sorgt dafür, dass unser Körper immer wieder in den Zustand eines physiologischen Gleichgewichts zurückkehrt. Unser Nervensystem ist auch in extremen Situationen belastbar und zeigt Signale wie Müdigkeit oder auch Erschöpfung an. Aber im Zustand der angespannten Erregung, also bei Angst, ist es etwas anders. Dann werden zusätzliche Energien freigemacht. Dauert ein Angstzustand länger, reagiert unser Körper mit typischen Angstsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder auch Durchfall.

Die etwas 'andere Angst' äußert sich, indem Menschen sich vor etwas fürchten, das eigentlich keine echte Gefahr darstellt, aber diese Angst kann Angst machen und unser Leben einengen. Das vegetative Nervensystem 'hilft' normalerweise den Zustand der Ausgeglichenheit immer wieder herzustellen, indem es in der Lage ist, neue Bedingungen zu adaptieren.

Das heißt, wenn bestimmte Reize immer wieder oder auch ununterbrochen auf uns einwirken, reagieren wir auf sie allmählich immer schwächer, bis Reaktionen ausbleiben. Also haben wir uns an sie gewöhnt, sie adaptiert. Dies ist nur ganz einfach dargestellt, die Zusammenhänge sind viel komplizierter.

Normale Ängste wie Angst im Dunkeln, vor Schlangen, Gewittern etc. treten nicht störend in Erscheinung, in den meisten Fällen haben wir uns durch wiederholte Erfahrungen daran gewöhnt bzw. sie neutralisiert. Aber es gibt auch Menschen, die sogenannte Phobien haben, das sind unbegründete irrationale Änste, die mit keiner Gefahr verbunden sind. Wie z.B. der Angst vor Spinnen, Fahrstühlen, vor großen Plätzen oder Höhen, Felltieren, Brücken, Ansammlungen von Menschen etc.

Diese Art von Ängsten entstehen nach dem russischen Psychologen Iwan Pawlow durch Konditionierung. Jeder von uns kennt wohl den 'Pawlowschen Hund'. Folgender Versuch des amerikanischen Watson Anfang der 20er Jahre, ein sehr fragwürdiges Experiment, zeigt die Entstehung von Angst durch Konditonierung.

Albert hatte am Ende des Versuches nicht nur Angst vor Tieren mit Fell, sondern auch vor Pelzmänteln und allemanderen aus Fell. Das elf Monate alte Waisenkind Albert durfte einige Wochen mit einer weißen Ratte spielen und eines Tages, als er sie gerade streicheln wollte, erschrak er durch einen lauten Gongschlag, der ertönte und fing an zu weinen und krabbelte so schnell er konnte weg. Bei Wiederholungen in den folgenden Tagen zeigte er schon Angstreaktionen beim bloßen Anblick der Ratte. Diese Angst blieb auch als er mit einem Kaninchen konfrontiert wurde und auch bei Hunden und anderen Tieren mit Fell. Diese Angst übertrug er auch auf alles andere aus Fell oder Fellähnlichem.

Was war da geschehen? Anfangs hatte er keine Angst, doch durch den unerwartet lauten Gongschlag (Reiz für Angst) wurde durch ständiges Wiederholen in Kombination mit dem Anblick der Ratte aus dem neutralen Reiz ein konditionierter Auslöser für Angst. Nach wenigen Versuchen löste allein der Anblick der Ratte Angst aus. Diese Angst wurde auf alles aus Fell übertragen. Diese Art der jetzt entstandenen Phobie ist jetzt generalisiert, das heißt, diese so entstandene Angst wird auch auf ähnliches ausgeweitet.

Wir alle haben schon erlebt, dass Gegenstände oder Situationen, die wir mit sehr unangenehmen Erlebnissen verbinden, immer wieder negative Gefühle in uns auslösen, auch wenn wir ihnen in einem völlig anderen Zusammenhang wiederbegegnen. Meist ist es uns aber nicht bewusst, wir wundern uns nur warum wir plötzlich Angst haben...

Die meisten Menschen befinden sich mit ihren Ängsten bzw, Phobien in einem Teufelkreis, denn es wird versucht, jegliche Konfrontation zu vermeiden. Hat jemand z.B. Angst, Fahrstuhl zu fahren, dann meidet er Fahrstühle, ebenso ist es bei Angst, sich in Menschenmassen aufzuhalten. Die Angst bleibt aber weiter bestehen, so intensiv wie beim ersten mal. Eigentlich muss, um dieser Angst entgegen zu wirken, die Konfrontation mit dem Reiz bzw. Angstauslöser gesucht werden.

Also mit dem Fahrstuhl fahren, sich in Menschenmassen aufhalten, denn die Gefahr, dass mit der Zeit stärkere Angstreaktionen entsehen, ist nicht zu unterschätzen. Auch längst vergessene nagative Erfahrungen können Ängste auslösen - und das ist oft so, und nur wenn wir uns des Auslösers bewusst werden, können wir dagegen etwas 'unternehmen'.

Auch ich habe manchmal (noch) Angst, Angst vor dem Überqueren von Brücken. Inzwischen weiß ich auch, was diese Angst auslöst(e). Ich hatte lange Zeit vermieden, über Brücken zu gehen, schließlich kam ich auch mit meinem Auto überall hin. Aber ich konnte für mich herausgefinden, warum das so ist und bin nun auch in der Lage über eine Brücke zu gehen, wenn ich jemanden dabei habe, dem ich vertrauen kann. Nur wenn ich es allein versuche, wird es schwierig, manchmal gelingt es mir, das hält mich aber nicht davon ab, es immer wieder zu probieren. Schließlich wohne ich in einer Stadt, in der ich den anderen Stadtteil nur erreichen kann, wenn ich über eine der Brücken gehe.

Nur wer dieses Gefühl kennt, wenn das Herz rast, der Angstschweiß ausbricht und Panik aufkommt, kann nachvollziehen, wie sich ein Mensch fühlt, der Angst hat. Aber wenn der Angstauslöser bekannt ist, lässt sich dagegen ankämpfen, ganz bestimmt. Gegebenenfalls mit professioneller Hilfe.


© chris10

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
DasMorgenblau

DasMorgenblau

13.02.2005 12:37

ja, ein sehr bekanntes gefühl. ich habe lange druntergelitten, war ja eigentlich nur depressiv aber auch paranoid. und wenn man paranoid ist, dann kriegt man es mit der angst zu tun. sekundenschnell. Liebe Grüße, Bastian

astryn

astryn

05.11.2003 21:43

Ich tue eine Therapie auch gegen Angst...

Zurzeli

Zurzeli

27.05.2003 15:47

Ich denke Angst kennt jeder einmal und erlebt dieses Gefühl. Einige ein weng stärker, einige weniger. Aber Menschen, welche unter panischer Angst leiden, unter Angstattacken, sind gequälte Menschen. Das Phänomen Anst... es kann Angst machen...

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