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Jetzt habe ich mir alle Berichte über Animation durchgelesen und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen festgestellt, dass so einige Berichte von Gästen erstellt wurden. Nun ja, jedem das seine. Ich arbeitete von 1999 bis 2002 für zwei Veranstalter und eine Agentur in Tunesien und auf ... Bericht lesen





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ANIMATION - "Lächeln bis zum Umfallen"
Erfahrungsbericht von Bifie über Animateur/in
01.03.2002


Produktbewertung des Autors:   

Einstellungschancen: gut 
Aufstiegschancen gut 
Verdienstmöglichkeiten: mittelmäßig 
Sozialleistungen: durchschnittlich 

Pro: Spaß, Sonne, Teamarbeit, neue Länder, Kulturen und Menschen kennenlernen, .  .  .
Kontra: Langer Arbeitstag und einiges mehr, wie in jedem anderen Beruf auch

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Jetzt habe ich mir alle Berichte über Animation durchgelesen und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen festgestellt, dass so einige Berichte von Gästen erstellt wurden. Nun ja, jedem das seine.

Ich arbeitete von 1999 bis 2002 für zwei Veranstalter und eine Agentur in Tunesien und auf Kreta .

Bevor ich mit dem Erfahrungsbericht über meine erste Saison beginne, folgen nun noch einige Hinweise.

Voraussetzungen
  • gute, positive Ausstrahlung
  • Lernwilligkeit und Disziplin (auch wenn man z.B. Probleme mit dem Tanzen hat, wird solange geprobt, bis JEDER den Tanz kann )
  • Selbstbewusstsein
  • Toleranz
  • Verständnis für die Mentalität und Kulturen anderer Länder
  • Kritikfähigkeit und Stressresistenz (psychisch und Physisch)

Es gibt natürlich auch Reiseveranstalter, bei denen die Arbeitsbereiche streng getrennt werden, so dass z.B. die Kinderanimateure am Abend nicht auf der Bühne stehen.

In der Animation hat man die Gelegenheit seine Menschenkenntnis zu verbessern, man bildet sich automatisch, ganz nebenbei, weiter und man kann seine Kreativität ausleben.

Für alle angehenden Animateure, die im Kinderbereich arbeiten möchten und keine Ausbildung in diesem Bereich haben: Stellt euch das bitte nicht so einfach vor! Als Neulinge und feste Animateure (also für die ganze Saison) werdet ihr meistens als Miniclub BetreuerInneninnen eingesetzt. Das heisst Ihr arbeitet die meiste Zeit mit 4-7jährigen Kindern zusammen, die sich nicht wie in einem Kindergarten verhalten. Sie wissen genau, dass sie im Urlaub sind und mehr Freiheiten haben. Nicht umsonst wird oftmals eine Ausbildung im pädagogischen Bereich verlangt. Obwohl ich wusste, was auf mich zu kommt, habe auch ich diese Arbeit unterschätzt und fühlte mich mit den Kleinen oft überfordert und verausgabt. Es wird immer schwarze Schafe in der Animation geben, aber lasst euch dadurch nicht abschrecken. Ich würde trotzdem jedem, der die "Sonne im Herzen" hat, empfehlen in der Animation zu arbeiten und auch, wenn viele "Nicht-Animateure" es schon oft gehört haben und es trotzdem nicht glauben: Es besteht wirklich akute "Suchtgefahr" und der "Entzug" ist die Hölle!
Noch eine Bitte: Bewerbt euch nur wenn ihr euch über alle Konsequenzen im Klaren seit:
  • wenig Privatsphäre
  • ihr werdet Eure Familie und Freunde eventuell sieben Monate nicht sehen
  • ihr werdet Euch verändern und nicht jeder im alten Freundeskreis wird davon begeistert sein

Das Wichtigste zuletzt: Ihr müsst vor den Gästen wirklich immer gut drauf sein. Ein Animateur der nicht immer ein Lächeln auf dem Gesicht hat, oder wenigstens immer ein paar nette Sätze für die Gäste übrig hat, ist nicht wirklich gut. Könnt ihr das nicht durchziehen, ist dies der falsche Job für euch.

Meine erste Saison, oder der "Flug ins Unbekannte

Die Vorbereitung

Es begann bei mir wohl so, wie bei jedem anderen Neuling. Nach dem "bestandenen" Casting fing ich schon drei Monate vor dem Abflug an zu packen. Als ich dann schließlich mit meinen Eltern am Flughafen stand, hatten sie Tränen in den Augen. Ich hingegen strahlte sie an. Meine 68 kg (!!!) Gepäck (verstaut in zwei Koffern und einer Reisetasche) waren schon im Flieger und ich wollte auch endlich los. Ich ließ also die Abschiedsszene hinter mir und wagte mich endlich in die Abflughalle.
Im Nachhinein kann ich sagen: Spart am Gepäck! Weniger ist manchmal mehr. Ich habe in meiner ersten Saison z.B. zu viele Bücher (Kinderspiele etc.) mitgeschleppt. Auch Pullover kann man sich weitgehend sparen.


Das Hotel und unsere Unterkunft

In meiner ersten Saison arbeitete ich in einer tunesischen Clubanlage als Kinderanimateurin. Vor Saisonbeginn fand eine 10tägige Schulung statt, die Praxiseinheiten, aber auch viel Theorie enthielt. So bereitete uns also hervorragend auf unsere Saison vor. Außerdem hatten wir in unserem Hotel eine Vorbereitungszeit von drei Wochen, um die Shows einzustudieren, die Texte zu lernen und die Programme zu schreiben.

In "meinem" Hotel fühlte ich mich sofort wie zuhause. Wir hatten das besondere Glück einen eigenen kleinen Wohnkomplex (mit elf Zimmern) am Rande der Anlage zu haben. Das Housekeeping reinigte sogar unsere Zimmer, was nicht als Selbstverständlichkeit abzutun ist. Außerdem hatten wir einen kleinen Garten. Nicht zu vergessen unsere eigene Waschmaschine, welche einige nette Erinnerungen in Form von Rostflecken und Harissa, in unserer Arbeitskleidung hinterließ. Dies als Warnung für alle, die in Tunesien arbeiten werden: Wascht Klamotten mit Harissaflecken einzeln, da Harissa die Waschmaschine als "Wirt" benutzt und sich wie ein Virus auf die anderen Klamotten ausbreitet. Es gibt kein Gegenmittel! Nur ganz selten hat das "böse" Harrissa Erbarmen und lässt sich entfernen. Trotzdem ist es von Vorteil, wenn die Animation eine eigene Waschmaschine hat, da in der Hotelwäscherei alles gemischt gewaschen wird und jedes Teil Bekanntschaft mit dem Trockner macht. So wird eine schwarze Hose zu einer grau gebleichten.


Das Team

Es bestand anfangs aus unserem Teamleiter (ein Deutsch/Tunesier), einem Musikanimateur, drei tunesischen Sportanimateuren, einer deutsche Fitnessanimateurin, einem tunesischen und zwei deutschen Kinderanimateuren und einem deutschen und einem tunesischen Wassersportlehrer. Wir waren also ein relativ großes Team. In den Osterferien kamen noch zwei Kinderanimateure dazu.
Der deutsche Wassersportlehrer hatte in Deutschland eine hübsche Freundin sitzen, die ganz und gar nicht damit einverstanden war, dass er als Animateur arbeitete. Nach nur vier Wochen flog er wieder nach Deutschland. Später erfuhren wir, dass die Beziehung in die Brüche ging und er schon einen Monat später wieder in Tunesien, für einen anderen Veranstalter, arbeitete. Deswegen von mir ein kleiner Hinweis dazu: Beziehungen, die schon länger bestehen, gehen meistens in die Brüche, wenn ein Partner als AnimateurIn ins Ausland geht. Das habe ich leider bei meinen KollegenInnen festgestellt. Es mag Ausnahmen geben, aber ich kenne keine.

Im Team gab es oft Probleme unter den Tunesiern. Zwei von ihnen Schlugen sich am laufenden Band. Leider auch vor Gästen, was natürlich nicht das Gelbe vom Ei war.
Unsere Fitnessanimateurin hatte oft Probleme mit dem tunesischen, stellvertretenden Teamleiter, da er einen rauen Umgangston uns Mädels gegenüber an den Tag legte. Damit hatte ich allerdings keine Probleme. Ich redete einfach mit ihm, wie er mit mir und das klappte ganz gut. Wenn also mal wieder ein "Hol mir mal was zu trinken" kam, konnte er sich darauf verlassen, dass er mir wenig später auch etwas holen durfte, was er dann auch bereitwillig tat. Er nahm mich auch oft vor dem TL in Schutz. Einmal gab es ein Problem, als ich eine Freundin von ihm ansprach, ob sie sich nicht auch in dem Hotel aufgehalten hat, in dem vor Saisonstart die Schulung statt fand. Leider habe ich das Mädchen mit einer anderen Freundin von ihm verwechselt und so sprach sie meinen Kollegen auf mein kleines "Missgeschick" an. Der zerrte mich in einen Raum der Requisite, warf die Tür zu und schrie mich an: "Wieso mischt du dich da ein, machst du das noch mal, schlage ich dich zusammen". Daraufhin erwiderte ich trocken: "Fässt du mich an, bring ich dich um". Anschließend war wieder alles okay.
Ansonsten haben wir uns als Team und Familie (mal abgesehen vom Teamleiter) supergut verstanden und jede Menge Spass miteinander gehabt.

Die Arbeit

Fast jeder Vormittag begann um 9.30 Uhr mit einem kurzen Briefing. Obwohl unser Teamleiter auf der Bühne gut war, ein tolles Programm machte und uns beibrachte was Disziplin wirklich bedeutet, war er zur Teamführung nicht wirklich geeignet. Für das "Zu-spät-kommen" am Morgen führte er eine Strichliste. Selbst bei einer Minute bekamen wir einen Eintrag. Wer drei Striche hatte, durfte das Abendprogramm (19 - 20.30 Uhr) für eine Woche machen. Insgeheim freuten wir Kinderanimateure uns natürlich, wenndie Grenze überschritt. Dies förderte natürlich nicht gerade den Teamgeist. Da ein Animateur irgendwann schon die dritte Woche aufgebrummt bekam, setzten wir durch, dass es erst einen Strich ab fünf Minuten gibt und dass wir bei drei Strichen einen kleinen Betrag in die Anikasse warfen. Übrigens: Fünf Minuten vor der Zeit, ist des Ani's Pünktlichkeit!!!
Anfangs war ich für die Betreuung der 4-6jährigen Kinder zuständig. Zuerst war machte es mir wirklich Spaß, diese Krümel zu betreuen, aber mit der Zeit stand es mir sonstwo.
Das Programm eines Kinderanimateurs sah also wie folgt aus:
  • 10.30 Uhr bis 13.00 Uhr Kinder-Vormittagsprogramm
  • 15.30 Uhr bis 18.00 Uhr Kinder Nachmittagsprogramm
  • 18.00 Uhr halbstündiges Kinderessen statt
  • 19.00 Uhr bis 20.30 Uhr Kinderabendprogramm
  • 20.30 Uhr bis 21.00 Uhr Minidisco.
  • 21:30 bis ca. 22:30/23:00 Abendshow
  • nach der Show ging es (im Kostüm) an die Bar oder in die clubeigene Disco

Wenn man das Kinderessen betreute, war man nicht für das Kinderabendprogramm zuständig, sondern für die Minidisco. Betreute man das Kinder-Abendprogramm, war man von der Minidisco "befreit".
Zweimal in der Woche gab es ein Gala-Dinner, bei dem das ganze Animationsteam "Spalier" stand. Die zwei, die das Vergnügen hatten, bei der wöchentlichen Kochaktion dabei zu sein, waren davon befreit. Alles in allem ein sehr anstrengendes Programm. Doch wenn dann die Kinder und Erwachsenen zu einem kommen und ihr Lob aussprechen, ist der ganze Stress wieder vergessen.Der TL schrie unsere tunesischen Teamkollegen sehr oft an, aus einem Grund, den er "Teamkontrolle" nannte. Er meinte, seine Landsmänner würden ihm auf der Nase herumtanzen, wenn er es nicht täte. Auch unsere Miniclubleiterin fiel dem Geschrei sehr oft zum Opfer, was sie nach zwei Monaten dazu veranlasste, das Feld zu räumen. Später ließ sie uns die Info zukommen, dass sie sich nach den wenigen Monaten einer Therapie unterziehen musste. Also übernahm ich fortan die Miniclubleitung und war auch (endlich) die Minis los. Ich schrieb also komplett neue Programme für alle Altersgruppen, also für die Kids zwischen 4 und 17 Jahren. Ich durfte endlich meine Lieblingsgruppe betreuen, die Kinder zwischen 11 und 13 Jahren, was mir wesentlich leichter fiel und tierischen Spaß machte. Dazu kam allerdings dann das "Anlernen" der neuen Kinderanimateure.

Auf dem Programm stand einmal pro Woche ein Ausflug: In der einen Woche ein Kamelausflug und in der anderen ein Ausflug mit dem Piratenschiff. Das war natürlich auch für uns Animateure immer ein absolutes Highlight, da die Kinderanimateure immer mitfuhren bzw. ritten und auch immer ein Sportanimateur dabei war. In der Anlage war an diesen Tagen gar nichts los, da immer wahnsinnig viele Gäste mitkamen. Die Minis, die ja immer in der Überzahl waren, duften ja sowieso nur mit den Eltern gemeinsam dabei sein. Das Piratenschiff war immer besonders beliebt, der Kamelausflug war für die Gäste auch ein Highlight, für uns Animateure aber weniger. Kamele sind tierisch unbequem und nach dem Ausflug stank man immer selbst wie eines.


Shows und Proben

Wir hatten in der Anlage elf Shows (darunter Musicals, Comedy und Tanzshows), für die wir mal mehr, mal weniger hart proben mussten. Wenn wir bei einer Tanzprobe einmal nicht den richtigen Gesichtsausdruck aufsetzten oder einmal während der Probe etwas sagten, konnten wir alles noch einmal proben. Wir hatten auch ab und zu Nachtproben, die uns teilweise bis 3 Uhr nachts auf Trab hielten. Zum Glück hatten wir nette Bäcker in dem Hotel, die sich um 3 Uhr morgens schon mal einige Croissants abschwatzen ließen.
Einmal in der Woche probten wir ab 7.30 Uhr morgens. Danach folgte ein gemeinsames Frühstück (das war der einzige Tag, an dem wir alle gemeinsam frühstücken duften) und anschließend gab es ein Großmeeting, bei dem auch die Sub-Unternehmer (Angestellte von Tennisvereinen, Schwimmvereinen und Massagepraxen) dabei waren. An diesem Tag wurden uns auch immer die aktuellen Auswertungen der Gästefragebögen mitgeteilt. Bei und hat die Kinderanimation immer mit ca. 94% abgeschnitten, was schon sehr gut war. Unser TL wollte natürlich höhere Zahlen sehen. Eigentlich logisch, denn die Teamleiter bekamen einen Bonus, wenn die Prozente nur hoch genug waren. Zu den Gästefragebögen: Die sind wirklich nicht überzubewerten, da weibliche Gäste die Animation oftmals durchweg als schlecht bewerten, wenn sie nicht genügend Aufmerksamkeit von unseren männlichen Kollegen erhalten. Ein deutscher Kollege wurde anfangs mal von einem tunesischen Kollegen geimpft, dass er auf die Wünsche eines weiblichen Gastes eingehen soll, da sonst die Bewertungen schlecht ausfallen würden. Dieser Kollege grinste nur etwas erschrocken und meinte, er solle das ganz schnell vergessen, da er eine Freundin in Deutschland hat.
Unsere tunesischen Kollegen wurden von den weiblichen Gästen mit Geschenken nur so überhäuft. Da konnte man schon neidisch werden, wenn mal wieder eines dieser "besonderen" Pakete aus Deutschland ankam. Die Briefe der armen, verliebten Mädels wurden gelesen und dann - meistens - zu den Akten gelegt (zerrissen und weggeschmissen).
Es gibt aber auch immer wieder Animateur/Gast Beziehungen, die auf Ehrlichkeit beruhen. Das geht an die Mädels, die bei den vorherigen Sätzen fast der Schlag getroffen hat und an die Jungs, die gerade mit einem "das würde ich nie machen" Gesicht vor diesem Bericht sitzen.


Freizeit

Einmal in der Woche hatten wir frei. An diesem Tag fuhren wir entweder in die Stadt um zu shoppen und etwas zu sehen, oder wir faulenzten einfach in unserem Reich. Wir hatten auch immer nette Physiotherapeuten und Masseure in der Anlage, die sich immer gerne (gepriesen sei die Überredungskunst!) den gestressten Animateuren annahmen. Wir bekamen also hier und da mal eine kostenlose Massage und ein lockernde Akupressur.
Ich fuhr auch des öfteren alleine nach Sousse, was einige Gäste gar als "lebensmüde" bewerteten. Das Deutsche immer so übertreiben müssen. Man muss sich halt nur etwas anpassen und nicht in kurzem Mini und Top in die Stadt fahren, dann geht das schon.
Nachts gingen wir ab und zu in die Disco, entweder ins "Samara" oder ins "Marokkana"

Das Ende
Na ja, da unser TL uns psychisch zu Boden rang und uns permanent unter Druck setzte, kündigte einer nach dem anderen. Nach fünfeinhalb Monaten befanden sich nur noch vier Leute vom "alten" Team an der Front, darunter auch ich. Da auch ich mit der Situation nicht mehr fertig wurde und meine ehemaligen Kollegen vermisste, warf ich das Handtuch, ließ meine drei tunesischen Kollegen mit meinem unberechenbaren Teamleiter alleine und flog zurück in die Heimat.

Zu meiner ersten Saison einen abschließenden Kommentar: Ich habe trotz aller Probleme viel gelernt (vor allem über Disziplin!), viel Spaß mit meinen Kollegen gehabt, mich selbst besser kennengelernt und mir zuhause als erstes die bereits gewohnten Massagen verordnen lassen.

Ich hoffe dieser Bericht hilft dem einen oder anderen. Wenn Ihr noch Fragen zu diesem Thema habt, stehe ich Euch per Mail zur Verfügung.

Liebe Grüße, Bifie (c)   

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