Es war nett mit Annett
25.01.2008
Pro:
blemlos unterhaltend
Kontra:
streiches programm
Empfehlenswert:
Ja
 anna_susanna
Über sich:
global denken, lokal die zeche prellen. (matthias beltz)
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An der Annett scheiden sich die Geister. Manche hassen sie, manche mögen sie, dazwischen scheint es wenig zu geben. Annett weiß das, und Annett kokettiert gekonnt mit dem Image der "Pop-Elfe" oder der "Berufslolita" - nur zwei von vielen Stempeln, die man ihr im Jahre 2004, als sie mit "Das Spiel" den Durchbruch schaffte, sofort aufdrückte. So sagt sie zu Beginn ihres Zugabenteils in der Alten Oper zu Frankfurt: "Eine Berufslolita also, was immer das auch sein mag, soll ich sein. Nun, die Leute haben mir auch weitaus schlimmere Namen gegeben." Sie haucht die Worte geradezu ins Mikrofon, ihre Hände huschen immer wieder, wie auch während des gesamten Konzerts, über ihr schwarzes, schlichtes, knielanges Kleid, unter dem sie ebenso schlichte schwarze Strumpfhosen trägt, ganz ohne, wie man vielleicht erwarten könnte, aufreizendes Muster. Dazu schwarze Pumps, die die kleine Blondine ein wenig größer erscheinen lassen - aber nur ein wenig. In der neunten Reihe sitzend haben wir an diesem Januarabend einen ausgezeichneten Blick auf das Bühnengeschehen. Aus irgendeinem Grund scheinen die Frankfurter Fans besonders verrückt nach Frau Louisan zu sein, denn bereits als sie zum ersten Mal die Bühne betritt, schallt ihr ein nicht enden wollender Applaus entgegen. Fast ein wenig unangenehm scheint ihr das zu sein, sie lächelt geradezu verschüchtert - das tut sie im Laufe des Abends immer wieder - schreitet aber dennoch mit gekonntem Hüftschwung nach vorne an den Bühnenrand, ans Mikro und eröffnet den Abend mit zwei oder drei Liedern aus ihrem neuesten Album "Das optimale Leben". Zwischen den einzelnen Stücken erzählt sie hie und da kurz etwas zur Entstehungsgeschichte der Songs, kommentiert manche Lieder gar selbstironisch. Sie lässt es sich beispielsweise nicht nehmen, nach zwei, nun, sagen wir mal, nicht gerade vor Lebensfreude sprühenden Liedern zu sagen: "Zwei von dieser Sorte direkt hintereinander, das hält ja kein Mensch aus. Dann jetzt mal etwas völlig Unverfängliches." Und es folgt "Dings", ein in der Tat äußerst unverfängliches, um nicht gar zu sagen: inhaltlich durchaus belangloses Liedchen. Womöglich macht gerade das Frau Louisans Musik aus: Diese Mischung aus teilweise überdurchschnittlich gut getexteten und dann wiederum wie Fließbandware getexteten Liedern. Wenn man denn auf Texte Wert legt. Tut man dies nicht, muss man sich im Grunde nur noch entscheiden, ob man mit Frau Louisans Stimme und der Art und Weise, wie sie ihre Lieder live darbietet, leben kann oder nicht. Ihre sechsköpfige Band, die sie auf der aktuellen Tour begleitet, macht es dem Publikum allerdings sehr leicht, zu einer Entscheidung zu kommen. Die Herren sind allesamt, das hört man rasch, Musiker mit Leib und Seele. Einige von ihnen beherrschen die verschiedensten Instrumente, jeder kann durch mindestens ein Solo glänzen - und der Saal tobt. Und mitten auf der Bühne (oder bei drei Liedern auch mitten im Saal) steht und geht Annett - und auch sie lebt für die Musik. Sie wirkt sehr echt (so man das als Zuschauer denn beurteilen kann), lebt geradezu auf in ihrer Musik und verleiht allen Liedern, und mögen sie manchmal textlich auch noch so simpel gestrickt sein, einen Hauch des nicht ganz Gewöhnlichen. Geradezu überflüssig und teilweise gar störend erscheinen da die Bilder, die bei manchen Liedern per Projektion auf eine im Bühnenhintergrund schwebende Leinwand geworfen werden. Da menschelt es denn hie und da doch etwas zu sehr, wenn zu einem Lied über Verlust und das Weiterleben danach ("Ende Dezember") diverse Winterlandschaftsbilder gezeigt werden - der Liedtext hätte hier problemlos für sich selbst sprechen können. Als umso gelungener kann man dafür den Kurzauftritt ihres Special Guests bezeichnen. Der Singer and Songwriter Martin Gallop, ein in Deutschland lebender Kanadier, überzeugt auf ganzer Linie mit seinen akustikgitarrenlastigen Liedern über "deutsche Frauen". Witzig und selbstironisch stellt er sich dem Publikum vor, das ihn ohne langes Zögern in sein Herz schließt. Und allerspätestens beim dritten Song, den er gemeinsam mit Annett singt, liegen ihm die Frankfurter endgültig zu Füßen. Fast will das Publikum die Sängerin samt ihrer Musiker auch nach fast drei Stunden nicht wieder von der Bühne lassen. Drei Zugaben sind inklusive, eine davon natürlich "Das Spiel", das, wie mir scheint, inzwischen ein wenig an Wirkung verloren hat. Überhaupt scheint es zu den meisten anderen Stücken, die Annett an diesem Konzertabend präsentiert, gar nicht so recht zu passen. Glücklicherweise aber hat ihr Debüt-Album ja noch mehr Lieder zu bieten, die wesentlich beeindruckender daher kommen, und die sie ihrem Publikum nicht vorenthält.Alles in allem bescherte Annett ihren Zuhörern einen runden, gelungenen Konzertabend, mal emotional, mal mitreißend, mal beschwingt. Sie kann all das, ob sie nun nachdenklich auf einem Barhocker sitzt (und dabei manchmal rasch ihr Kleid zurecht zupft, um auch bloß nicht zuviel Bein zu zeigen), oder ob sie lebensfroh bis verführerisch über die Bühne wirbelt. Und so manchem Herrn im Publikum dürfte denn doch ein wenig anders geworden sein beim Anblick von Frau Louisans ab und an lasziv geschwungenen Hüften. Ja, sie kann auch das. Aber eben nicht nur. Singen kann sie nämlich auch.
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25.04.2008 20:38
Auch wenn ich die Lieder von Annett Louisan mitunter sehr amüsant finde, aber ein ganzes Kozert von ihr könnte ich mir nicht antun...
05.03.2008 09:24
Uh nein. Bin dennoch dagegen.
04.02.2008 21:42
*schmunzel*...ich seh mir gerade die Fotos an und glaube, die Frau muss ein Zwerg sein! *g*