roderick braucht keinen weiteren Krieg
06.03.2003
Pro:
cooles Setting, starkes Handbuch
Kontra:
Grafik, Steuerung, Sprachausgabe => schlechte Atmosphäre
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Grafik
Sound
Multiplayer:
Bedienung
mehr
 roderick
Über sich:
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Vertrauende:44
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 75 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Nein, bei diesem Bericht handelt es sich nicht, wie die Überschrift vielleicht befürchten läßt, um einen weiteren Beitrag zum Thema „Krieg im Irak“. Es geht um ein Computerspiel namens „Another War“. ~~ Die Voraussetzungen ~~
Damit auch jeder befriedigt ist, hier die Herstellerangaben zu den Hardwareanforderungen: 433 MHz Pentium III mit Win 98/ME/2000/XP 128 MB RAM DirectX 8.1-kompatible Grafik (mind. 8. MB Speicher) - und Soundkarte 1,4 GB Festplattenspeicher 4-fach DVD-Laufwerk Ich würde das realistisch nennen, wenn ich mir das Spiel betrachte. Da mein System diese Voraussetzungen um ein vielfaches übersteigt, kann ich hier keine echten Erfahrungen vorweisen. Es läuft auf einem P4 mit 2,4 GHz, wenn´s jemanden interessiert. Zehn bis fünfzehn Euro sollte man im Geldbeutel haben, um das Spiel erstehen zu können, was ja durchaus erfreulich ist.
~~ Vor dem Spiel - Handbuch & Setting ~~ Was mich bei Karstadt gereizt hat, dieses Spiel zu kaufen, war das Setting und das Genre von „Another War“ (kurz: AW). Es ist ein Rollenspiel, das zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs spielt. Das ist insofern innovativ, dass bisherige große Rollenspiele im Fantasy- (Baldur´s Gate-Serie, Neverwinter Nights) oder Science-Fiction-Setting (Fallout-Serie) einen fiktiven Hintergrund angesiedelt waren. Einen derartigen, in diesem Lande vielleicht auch durchaus gewagten Spielhintergrund gab es bis dato nicht. Das fand ich sehr interessant.
Kauft man nun die DVD-Hülle und öffnet sie, findet man darin die Spiel-DVD und das Handbuch. Dieses ist außerordentlich gut gelungen. Nicht nur, dass es Spiel und Steuerung sehr gut erklärt, es stimmt den Leser auf den Grundton des Spiels ein. Tief selbstironisch und mit deftig-hintergründigen Humor wird man auf das Setting „Zweiter Weltkrieg“ eingestimmt. Charakter-Fähigkeiten wie „Herr der Schnäpse“ oder „Killer-Witz“ sind nicht nur humorvoll, sie bringen ein Zwinkern in das ja eigentlich sehr ernste Setting. Ein Beispiel für den Humor möchte ich aus dem Handbuch zitieren. Beim Thema „Waffen“ findet man unter „Flammenwerfer“ folgendes: „Das Feuer eines Flammenwerfers verängstigt und vernichtet jeden. Nach dem Kampf können Sie mit Ihren Kumpels ein Lagerfeuerchen machen und Würstchen braten.“
Ich persönlich finde diese erfrischende Stimmung in so einem ernsten Hintergrund sehr gelungen, aber ich weise daraufhin, dass das vermutlich nicht jedermanns Geschmack ist. Wie auch immer: Der Ersteindruck von AW vor dem Spiel macht durchaus Appetit auf mehr, das Setting ist interessant und das Handbuch sehr gelungen. Man erwartet ein cooles Spiel mit einigen markigen Sprüchen.
~~ Die Enttäuschung – während des Spiels ~~ Nach der problemlosen Installation startet man das Spiel. Auch dort startet es noch ganz hoffnungsfroh, die Generation der Spielfigur funktioniert leicht, auch wenn nur drei Charakterklassen schon etwas wenig für ein modernes Rollenspiel sind. Und dann geht es los. Einleitung in der Spielgrafik – und da haben wir schon einen dicken Kritikpunkt. Die Grafiker hätten sich etwas mehr Zeit gönnen dürfen. Im Prinzip ist die Darstellungsweise von Baldur´s Gate abgekupfert. Vor isometrischen, vorgezeichneten Hintergründen bewegen sich 3D-Modelle der Spielfiguren und der Gegenstände. Dummerweise passen diese nicht zueinander. Die Figuren sind etwas zu hell geraten und wirken genau wie die Items wie Fremdkörper in den eigentlich ganz netten Hintergründen. Das killt einiges an Spielspaß, spielt doch auch das Auge heutzutage immer mehr mit. Soundtechnisch gibt es eine sehr spartanisch klingende Hintergrundmelodie zu hören, die aber nach einiger Zeit zu gefallen weiß, erinnert sie doch an Filme und Adventurespiele, die in dieser Zeit spielten (z.B. Indiana Jones). Da kann man nicht meckern. Misslungen ist die deutsche Sprachausgabe. Der Versuch des Sprechers, die ihm gegebenen Sätze mit Coolness auszusprechen, wirkt so was von gekünstelt, dass es jeder Beschreibung spottet. Und da man mit soviel Coolness im Handbuch begonnen hat, stellt dies einen weiteren riesigen Einschnitt dar, der kaum verzeihbar ist. Die Bedienung stellt sich trotz guter Beschreibung im Handbuch als etwas kniffelig dar, Gegenstände, die benutzt werden können, werden wie Dialoge mit Personen dargestellt (selbst multiple choice-Auswahl bei manchen Aktionen). Das hätte man besser lösen können. Im Kampf mit NPCs fällt auf, dass Rollenspiel dann nicht so ganz die richtige Bezeichnung ist, Klick-mich-Spiel wäre besser gewesen. Auch das Pausieren während des Kampfes führt nicht dazu, dass man in aller Ruhe taktische Planungen vornehmen kann, man muss das geplante nach der Pause auch noch per Klicks ausführen. „Diablo“-Klicker wird´s freuen, Freunde von Baldur´s Gate und Co. (wozu ich mich zähle) werden an diesem simplen Kampfsystem keine Freude haben. Storytechnisch wird eher Durchschnittskost geboten. Man reist halt auf der Suche nach einem Freund durch Europa, mäht ein paar Gegner um, löst mehr oder minder anspruchsvolle Rätsel und kommt halt einer großen Verschwörung auf die Spur. Nichts besonderes also, aber das wäre bei einem technisch guten Spiel nicht unbedingt der Stein des Anstoßes gewesen.
Bleibt also festzustellen, dass das AW die Erwartungen nicht erfüllen kann. Die technische Umsetzung (Grafik, Sprachausgabe) erweist sich als Atmosphärenkiller, die Steuerung und das Kampfsystem tun ihr Übriges zu dem schlechten Gesamteindruck. ~~ Nach dem Spiel – der Rest der DVD ~~
Schaut man weiter auf der DVD herum, freut man sich, denn man findet eine Unmenge an Demos und kleinen Spielchen, z.B. zu „You don´t know Jack“, „Lemmings“ oder „Stronghold“. Dieser Demoteil ist sehr umfangreich und gefällt mir sehr gut. So hat man noch ein paar vergnügliche Stunden mit anderen Dingen als AW. ~~ Das ernüchternde Fazit ~~
Ich war nach meinen hohen Erwartungen und Hoffnungen leider sehr enttäuscht. Das ganze Äußere ist so vielversprechend und hat soviel Potential, dass es schon fast fahrlässig in den Sand gesetzt wurde. Another War ist leider nicht empfehlenswert, etwas mehr Zeit für Grafik und Spieldesign hätten den polnischen Entwicklern von Mirage bestimmt nicht geschadet. Die prall gefüllte DVD mit den vielen Demos und der interessante Spielhintergrund rechtfertigen allerdings durchaus einen Kauf bei Gelegenheit und überzähligem Geld. Als Bewertung setze ich mal zwei Sterne an, was auf Grund der bisherigen Ausführungen nachvollziehbar sein sollte. Man muss das Spiel nicht unbedingt gespielt haben.. Es grüßt, euer roderick
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02.04.2003 16:26
Netter Bericht, gut das ich ihn gelesen habe sonst hätt' ich mir das Spiel am Ende auch noch geholt. Hab auch Freude an dem Genre.... Greetings Prof.Tester =)
26.03.2003 23:23
ein guter bericht. kannte das noch gar net.
11.03.2003 18:11
Prima Beschreibung! Aber das Game wär jetzt nix für mich! Gruß von Fairman