Antonia und der Reißteufel, Wien

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Antonia und der Reißteufel, Wien

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...php?eventid=877561 ANTONIA UND DER REISSTEUFEL VORSPIEL: Antonia wird vom Reißteufel entführt und in einen Käfig gesperrt. Er will ihre Stimme, weil er darauf Energie gewinnen kann. Doch Antonia weigert sich, ihre Stimmer herzugeben. SZENE 1: Weil der Reißteufel noch auf Antonias Stimme ... Bericht lesen





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Große Kultur für kleine Leute
Erfahrungsbericht von Lady-Alexa über Antonia und der Reißteufel, Wien
13.01.2010


Produktbewertung des Autors:   


Pro: unterhaltsam, spannend und lustig, Kostüme, Orchester, absolut kindgerecht, Kultur für Kids
Kontra: stellenweise fast zu gruselig

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Seit langer Zeit schon ist das THEATER DER JUGEND aus der Wiener Erziehungskultur nicht weg zudenken. In der Schule wird es angeboten, man kann sich aber auch selbst drum kümmern, Abo oder nicht Abo, in jedem Fall gibt es Theater und auch ab und zu eine Oper. Und um diese geht es jetzt, ANTONIA UND DER REISSTEUFEL heißt das Stück, aufgeführt wird es in der Volksoper in Wien. Wer sich über diese informieren möchte, kann das hier tun: www.volksoper.at.

DATEN UND FAKTEN


Uraufführung: Sonntag, 13. Dezember 2009
Spieldauer: 2 Stunden
Pausen: 1 in Szene 5
Szenen insgesamt: 7
Musik: Christian Kolonovits
Text: Angelika Messner

Weitere Infos zum Stück gibt es hier (auch Video- und Musikausschnitte):
http://www.volksoper.at/Content.Node2/home/spielplan/spielplan_detail.php?eventid=877561

ANTONIA UND DER REISSTEUFEL


VORSPIEL: Antonia wird vom Reißteufel entführt und in einen Käfig gesperrt. Er will ihre Stimme, weil er darauf Energie gewinnen kann. Doch Antonia weigert sich, ihre Stimmer herzugeben.
SZENE 1: Weil der Reißteufel noch auf Antonias Stimme warten muss, ist er zu entkräftet, um sich energisch genug gegen einen ungeliebten Gast durchzusetzen: Die Urstrumpftante hat sich selbst eingeladen, um im Schloss des Reißteufels ihren Urstrumpf weiter zu stricken. Dem Reißteufel fällt auf die Schnelle keine Ausrede ein, und so nistet sich die ungeliebte Tante in ihrem alten Kinderzimmer ein.
SZENE 2: Antonia sitzt im Käfig im Steinsaal und fürchtet sich. Doch sie schöpft Hoffnung, als sie den stummen Diener Jonathan kennen lernt und die frechen Fledermäuse Roby und Toby. Die drei unterstützen Antonia und so werden sie dicke Freunde.
SZENE 3: Die Urstrumpftante bereitet sich auf das Stricken vor, Jonathan hilft ihre dabei. Und ganz nebenbei erfährt er so, das der Urstrumpf allwissend ist. Jonathan kommt die Idee, das der Urstrumpf Antonia eine Möglichkeit zur Flucht verraten könnte. Gemeinsam mit den befreundeten Fledermäusen fasst Jonathan einen Plan.
SZENE 4: Der Reißteufel hat Probleme. Er hat sein Herz an den Zeitfresser verloren, weshalb er die Kinderstimmen braucht. Die Freunde des Zeitfressers treiben nun ihre Späße mit dem Reißteufel. Eile, Sorge, Gier, Neid und Stress sind die Bösewichte, und weil der Reißteufel so mit ihnen beschäftigt ist, bemerkt er nicht, das die Fledermäuse ihn beklauen und Antonia aus dem Käfig befreien.
SZENE 5: In der Nacht schleichen Antonia, die Fledermäuse und Jonathan in das Zimmer der Urstrumpftanze. Dort befragen sie den Urstrumpf, der ihnen die Geschichte vom verlorenen Herz des Reißteufels erzählt. Eine kryptische Bemerkung über Zeit und Herz ermuntert die jungen Helden, dem Zeitfresser das Herz zu stehlen, um es dem Reißteufel zurück zu geben. Dann wird er bestimmt auch Antonia laufen lassen, und all die anderen Kinder, die noch im Steinsaal eingesperrt sind.
SZENE 6: Der Zeitfresser amüsiert sich mit seinen Kumpanen im Uhrturm des Schlosses. Dort gelingt es Antonia und ihren Freunden tatsächlich, das Herz des Reißteufels zu stehlen.
SZENE 7: Antonia und die Freunde bringen dem Reißteufel sein Herz zurück. Doch dieser will lieber Antonias Stimme. Die Urstrumpftante ist es schließlich, die das Schlimmste verhindert, und dem Reißteufel mittels Urstrumpf die Weisheit der Welt zukommen lässt. So nimmt dieser schließlich sein Herz zurück und entlässt alle Gefangenen in die Freiheit.

EINSCHÄTZUNG


Wer denkt, eine Oper muss langweilig und öde sein, der sei nun eines Besseren belehrt. Denn das Stück ist für Kinder, und als solches dauert es auch nur 2 Stunden. Eine Pause gibt es auch, sodass es für die Kids nicht zu lange wird. Mir hat das Stück sehr gut gefallen, anfangs hatten die Kinder noch etwas Probleme mit der Sprache. In der Oper wird nun einmal (fast) nur gesungen, das macht die Oper eben aus. Ganz kindgerecht allerdings in diesem Fall, der Text ist auch im Gesang zu verstehen, wenn natürlich auch schwieriger als bei gesprochenen Dialogen. Beim Verständnis hat sicherlich geholfen, das wir die Geschichte schon im Vorfeld zwei Mal gelesen haben, sodass die Mädchen (beide 7) wussten, was auf sie zukommt. Da sie die Handlung schon kannten, war es auch nicht unbedingt nötig, das sie jedes Wort verstehen. Dennoch hab ich einige Male Details erklären müssen, das ist auch kaum vermeidlich, denke ich. Das Meiste haben die Kinder jedoch verstanden, und auch rundherum war kaum Gerede oder Gefrage zu hören.

Die Geschichte ist spannend, und insgesamt ist das Ganze eine eher düstere Angelegenheit. Die wunderbaren Kostüme bringen die Erwachsenen zum Schmunzeln und Lachen, die Kinder haben den Reißteufel mit Huf und Schwanz eher bedrohlich gefunden. Gerade der Steinsaal (angedeutet mit farbigen Lichtern) hatte es in sich. In kleinen Käfigen saßen die eingesperrten Kinder, außer Antonia alle grau in grau. Die Atmosphäre war tatsächlich super, die Kinder haben richtig mitgefiebert. Die Käfige waren für meine Mädels allerdings eine Spur zu heftig, auch noch am nächsten Tag sind die noch Thema bei uns. Wie die Kinder da so lange sitzen können? Ob sie was zu essen bekommen? Das hat Eindruck hinterlassen. In der Oper direkt hatte das den positiven Effekt, das die Mädels geradezu gebannt waren, gespannt haben sie geradezu auf die Bühne gestarrt. Es war eine wahre Freude zu sehen, wie sie mitfiebern und voll dabei waren. Genau so soll Oper sein, spannend und fesselnd, unterhaltsam in höchstem Maße. Die Geschichte hilft da natürlich, denn neben den spannenden Teilen ist die pinkfarbene Tante schon alleine wegen ihres Namens ein Kracher. So haben die Kids auch allerlei zum Lachen, die lustigen Fledermäuse sind da die Zugpferde.

Der Wechsel aus Spannung und Spaß kommt bei Groß und Klein an, das Stück wird zu keinem Zeitpunkt langweilig, und die 2 Stunden verfliegen geradezu. Der Highlight ist in meinen Augen der aufgeblasene Riesenstrumpf, der fast die ganze Bühne einnimmt. Einfach zum Schießen, ein absoluter Brüller. Es gibt überhaupt viel zu entdecken, das Stück wimmelt nur so vor kleinen Highlights, einige davon sind wahrscheinlich eher den Erwachsenen aufgefallen. Dennoch hatten die Kids allerlei zu sehen, waren ständig gefordert und sind auch gegen Ende nicht unruhig geworden. Das ist durchaus beachtlich, 2 Stunden sitzen ist schließlich keine leichte Übung für 7-jährige. Neben der fantastischen, abwechslungsreichen Geschichte gab auch das Bühnebild allerlei her, große Bewegungen, bei denen ganze Räume verschwinden gehören zur Oper dazu, bei einer Kinderoper erst recht. Action gibt es also auch, ein wahrer Hochgenuss. Beeindruckend sind zudem die Kostüme, der Reißteufel allen voran. Das Antonia ein rotes Kleid und dazu Jeans trägt, macht sie für die Mädels geradezu unwiderstehlich als Sympathieträgerin. Mit unschuldigem, kindlichen Gehopse zieht sie geschickt das Publikum auf ihre Seite. Die Bösewichte sehen böse aus, die Tante lustig. Die Fledermäuse nett, ein bisschen unheimlich am Anfang, aber sobald man sie als Freunde erkannt hat, findet man auch sie lustig. Der stumme Jonathan in Jeans ist ja auch noch da.

ANTONIA UND DER REISSTEUFEL bringt eine ganze Reihe von Highlights, die man kaum alle aufzählen kann. Wichtig ist vor allem, dass es den Kindern gefallen hat. Und das hat es. Nach der Oper ist das Stück noch eine ganze Weile Thema bei uns, und auch Tage danach ist es noch nicht vergessen. So soll es sein, so macht Oper Spaß. Zu sagen wäre noch, das der Live-Effekt natürlich ganz enorm ist, eine Geschichte auf der Bühne kommt natürlich ganz anders als im Fernsehen. Und in der Oper gibt es ja noch einen Bonus gegenüber dem Theater, nämlich das Orchester. Und es ist beeindruckend, hoch erfreulich, wie die Mädels das Orchester bewundern, Instrumente erraten und bestaunen und den Dirigenten tatsächlich auf Anhieb richtig erkannt haben. Die Musik wirkt natürlich gleich um etliche Dimensionen besser, wenn man sie live vom Orchester hört gegenüber dem, was man im Theater aus den Boxen vorgespielt bekommt. Zwar ist auch dort die Musik nett, aber live ist eben doch ganz etwas anders. Das ist auch den Kindern von selbst aufgefallen, was mich besonders freut.

In der Zeit von Computer und Nintendo ist es nicht einfach, die Kids für Kultur zu begeistern. Ich bin jetzt auch nicht die große Operngängerin, aber ab und zu ein Theater ist schon was Feines. Da freut es mich natürlich, wenn es die Gelegenheit gibt, das gemeinsam mit meiner Großen zu machen. Die Kinderopern in der Volksoper genießen einen exzellenten Ruf, den ich nach dieser Vorführung nur bestätigen kann. Es freut mich sehr, dass es meiner Tochter so gut gefallen hat, und auch ich bin begeistert. Das Stück ist kurzweilig und abwechslungsreich, tolle Musik und wunderbarer Gesang. Und weil es eben eine Kinderoper ist, sind die Kostüme besonders auffällig, das Bühnenbild ganz besonders umfangreich und der gesungene Text ist bemerkenswert verständlich. Da wird wirklich auf die Kinder geschaut, genau so stelle ich mir eine Kinderoper vor. Es ist der ideale Einstieg für die Kleinen, ein bisschen Kultur zur Allgemeinbildung. Und auch wenn sie in einigen Jahren nicht einmal mehr den Titel des Stückes wissen werden, der positive Eindruck, das Opern-Erlebnis wird bestehen bleiben. Und darauf kommt es mir an.

PROGRAMM & SPIEL


Erwähnens wert ist mir noch das Programm. Programmhefte gibt es üblicherweise zu jedem Stück, bei Vorstellungen im Rahmen des THEATER DER JUGEND gibt es auch immer eine Kleinigkeit dazu. Dieses Mal kostet das Programm 5€, was überdurchschnittlich ist. Dafür gibt es ein Kartenspiel dazu, und in dem kleinen Programmheft ist die Anleitung dazu. Das Kartenspiel haben wir natürlich umgehend ausprobiert. Es ist etwas kompliziert am Anfang, aber man findet recht rasch ins Spiel hinein, und dann geht es auch. Das Spiel bezieht sich natürlich auf das Stück, man kann noch einmal die Geschichte durchgehen und sich an die Oper erinnern. So hat man gleich noch etwas länger was davon, die Kinder lieben es.

FAZIT


Oper für Kinder ist Oper die Spaß macht. ANTONIA UND DER REISSTEUFEL erfüllt alle Anforderungen, die man an eine Kinderoper haben kann. Es ist große Kultur in Kindersprache, bunt und schrill, unterhaltsam und extra kurzweilig. Der Gesang ist nicht ganz so pompös, dafür versteht man die Texte gut. Das Stück hat einen Eindruck hinterlassen, den Kindern sehr gut gefallen und das zählt am Ende. Wir werden sicherlich wieder in eine Kinderoper gehen, ganz besonders wenn es im Rahmen eines Abos die günstige Gelegenheit dazu gibt. Einzelkarten sind nämlich recht teuer, das fällt auch mir auf. Dennoch ist das ein Luxus, den man sich ab und zu gönnen kann, ein Erlebnis, das man mit seinen Schätzen teilen kann und an das man sich gerne erinnert. Volle Empfehlung, selbstredend.

Das Stück gibt es noch bis Mai 2010.

   


Antonia und der Reißteufel, Wien

Haupteigenschaften

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