"Ich stehe immer noch"
12.09.2004
Pro:
Story, Schauspieler, Ansprechen des Themas Kindesmissbrauch
Kontra:
etwas kitschiges Ende
Empfehlenswert:
Ja
 kleenerknuffi
Über sich:
Urlaub. :o) / CIS funktionert nicht. Bitte bei Lesung Bewertung und Kommentar hinterlassen, da ich s...
Mitglied seit:01.08.2003
Erfahrungsberichte:134
Vertrauende:120
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 201 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Dem einen oder anderen Schauspieler ist das Spiel vor der Kamera nicht genug. Sie wollen auch ihr Können hinter der Kamera beweisen. So konnten schon Robert Redford und Mel Gibson Erfolge als Regisseure vorweisen. Auch der zweifache Oscar Preisträger Denzel Washington wollte beweisen, dass er auch hinter der Kamera ein Könner ist und gab mit dem auf einer wahren Geschichte beruhenden Drama „Antwone Fisher“ sein Regiedebüt.
>>Inhalt<< Für den jungen Navy Offizier Antwone Fisher (Derek Luke) ist die Arbeit nicht nur eine Pflicht, sondern seine Lebensperspektive.
Doch sein unkontrollierbarer Jähzorn droht seine Zukunft bei der Navy zu zerstören. Schon bei kleinen Provokationen rasstet er vollkommen aus und reagiert gewalttätig. Als er einem ihm vorgesetzten Offizier wegen einer vermeintlichen rassistischen Bemerkung verprügelt, wird er vom Captain seines Schiffes degradiert und dazu verurteilt an einer psychiatrischen Untersuchung teil zu nehmen.
Anfangs sträubt sich Antwone mit dem Psychiater Dr. Davenport (Denzel Washington) zu reden. Doch dessen Beharrlichkeit und Geduld bringen Antwone dazu, dass er zu reden anfängt. Antwone erzählt, dass sein Vater vor seiner Geburt von einer seiner Geliebten erschossen wurde und seine Mutter ihn im Gefängnis zur Welt gebracht hatte. Auch nach ihrer Entlassung zeigte sie kein Interesse daran ihn wieder zu sich zu nehmen. Stattdessen wuchs er bei dem Ehepaar Tate auf. Dort wurden er und die beiden anderen Waisenjungen regelmäßig misshandelt.
Nach den vorgeschriebenen drei Therapiestunden empfiehlt Davenport der Navy dem jungen Mann eine zweite Chance zu geben. Doch schon kurz danach wird er nach einer weiteren Provokation wieder in einen Streit verwickelt. Daraufhin beschließt Davenport die Behandlung von Antwone privat nach Feierband fortzusetzen. Doch dadurch hat der Arzt noch weniger Zeit für seine Frau Berta (Salli Richardson) wie er dies schon vorher hatte. Und die sowieso schon angeschlagene Ehe der beiden wird dadurch noch mehr belastet.
Als sich Antwone in seine schöne Arbeitskollegin Cheryl (Joy Byant) verliebt, entstehen neue Probleme. Denn Prügel waren nicht die einzigen Misshandlungen im Hause Tate. Denn Antwone wurde zudem als kleiner Junge von der Tochter des Hauses sexuell missbraucht. Davenport versucht Antwone bei all seinen Problemen zu helfen und so entsteht zwischen den beiden eine tiefe emotionale Bindung. Davenport wird für den jungen Mann ein Vaterersatz. Und der unter der Kinderlosigkeit seiner
Bilder von Antwone Fisher (DVD)
Ehe leidende Psychiater findet in ihm den Sohn, den er nie hatte. Doch Davenport weiß, dass Antwone seine Probleme nur dann in den Griff bekommt, wenn er sich seiner Vergangenheit stellt.
Gelingt es Davenport dem jungen Antwone zu helfen mit seiner schlimmen Kindheit fertig zu werden? Und gelingt es Antwone dadurch endlich seinen Jähzorn in den Griff zu bekommen?
>>Schauspieler<< Denzel Washington (Dämon, Out of time, Ausnahmezustand) spielt den Psychiater Dr. Jerome Davenport. Dieser will dem jungen Soldaten Antwone Fisher helfen seinen Jähzorn unter Kontrolle zu bekommen. Doch dazu muss er erst einmal deren Wurzeln finden. Denzel Washington spielt seinen Filmcharakter sehr einfühlsam und sympathisch. Er wirkt dabei sehr engagiert. Gleichzeitig spielt er seine Rolle zurückhaltend um seinem Filmpartner Derek Luke genug Platz für die Entwicklung seiner Figur zu geben.
Derek Luke (Pieces of April, Spartan, Biker Boyz) den jungen Navy Offizier Antwone Fisher Dieser hatte eine schreckliche Kindheit und hat von daher viele Probleme als Erwachsener. Der Psychiater Daveport wird für ihn der Vater, den er nie hatte. Derek Luke gelingt es die verschiedenen Facetten seiner Figur glaubhaft darzustellen. Ob voller Zorn, verzweifelt wegen deiner grausamen Kindheit, oder glücklich im Kreise von Davenports Familie, all dass nimmt ihm der Zuschauer ab.
>>Infos zur DVD<< Originaltitel: Antwone Fisher USA: 2002 FSK: 6 Spieldauer: 115 min. Studio. 20th Century Fox Preis: ca. 9,95 Euro
Darsteller:
Dr. Jerome Davenport (Denzel Washington) Antwon Fisher (Derek Luke) Cheryl (Joy Bryat) Berta Davenport (Salli Richardson) Pork Chop (Leonard Earl Howie) Kansas City (Kenté Scott) Slim (Kevin ´Connolly) Grayson (Rainoldo Gooding) Regie: Denzel Washington Drehbuch: Antwone Fisher Buch: Antwone Fisher Produzenten: Denzel Washington Todd Black (Ritter aus Leidenschaft, Alex & Emma) Randa Heines (Gottes vergessene Kinder, Dancing with me) Musik: Mychael Danna (8 mm, Hearts in Atlantis) Schnitt: Conrad Buff (Training Day, Arlington Road) Kamera: Philippe Rousselot (Big Fish, Instinct)
Bildformat: 16:9 Widescreen 2.35:1 anamorph
Tonformat: Dolby Digital 5.1 Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch Untertitel für Hörgeschädigte: Deutsch
Extras:
+ Audiokommentar Der Audiokommentar ist informativ und für Zuschauer mit durchschnittlichen Englischkenntnissen gut verständlich. Ansonsten ist ein deutscher Untertitel zuschaltbar. Hier erzählen die Produzenten Denzel Washington und Todd Black, wie sie auf die Geschichte des Antwone Fisher aufmerksam wurden. Zudem erfährt der Zuschauer von ihnen, dass Antwone nicht nur einen sondern mehrer Psychiater hatte. Doch die im Film angesprochenen familiären Probleme hatte keiner der von ihm besuchten.
+ Meeting Antwone Fisher Dieser Punkt enthält 14 Minuten Interviews mit Antwone Fisher, dem Regisseur und Hauptdarsteller Denzel Washington, dem Produzenten Todd Black und einiger der wichtigen Darsteller des Films. Hier erfährt der Zuschauer, dass Antwone bei der Filmfirma Sony als Pförtner arbeitet, wie seine Geschichte einem Produzenten zu Ohren kam und dieser ihn dazu brachte ein Drehbuch über sein Leben zu schreiben. Und wie diese Geschichte dann endlich nach Jahren zu einem Hollywoodfilm wurde.
+ Making- Of Das 22 Minuten lange Making- Of beinhaltet Interviews mit Cast und Crew, sowie Aufnahmen bei den Dreharbeiten. Zudem informiert es den Zuschauer darüber, dass Hauptdarsteller Derek Luke auf dem Sony Gelände im Souvenirladen arbeitete und er und der echte Antwone Fisher sich dort kennen lernten und beste Freunde wurden.
+Hollywood und die Navy In diesem knapp 5 Minuten langen Beitrag erfährt der Zuschauer, dass kurz nach Drehbeginn die Anschläge des 11. Septembers in New York geschahen. Zudem erfährt man, dass sich die Bedingungen der Dreharbeiten danach sehr erschwerten, da die Sicherheitsmaßnahmen bei der Navy sehr stark erhöht wurden.
>>Bild- und Tonqualität<<
Die Bildqualität der DVD ist sehr gut und scharf. Der Kontrast, auch in dunkleren Szenen und die Farbintensität sind sehr gut. Die Tonqualität der DVD ist sehr gut und klar. Die Dialoge und die Musik des Films sind ungefähr gleich laut, so dass dem Zuschauer eine ständige Lautstärkenreglung erspart bleibt. Nur die Musik in einer Kneipe, die der Hauptdarsteller besucht ist ein wenig zu laut geraten. Die Lautstärke der hinteren und vorderen Boxen ist gut aufeinander abgestimmt.
>>Meine Meinung und Fazit<<
„Antwone Fisher“ ist ein Drama, das zum großen Teil auf der Lebensgeschichte des ehemaligen Navy Offiziers Antwone Fisher beruht. Der Film beschreibt einfühlsam die schwierige Kindheit von Antwone [Vater vor Geburt erschossen, Mutter im Gefängnis ohne jegliches Interesse an ihm, geschlagen von der Pflegemutteer, sexuell missbraucht von deren Tochter] und die aus diesem Erlebten resultierenden psychischen Folgeschäden und das aggressive Verhalten. Auffällig ist dabei, dass sich Antwones Aggressivität nicht gegenüber Schwächeren äußert, sondern gegenüber gleichstarken, bzw. sogar stärkeren [oder auch wegen des höheren militärischen Ranges stärkeren] Menschen richtet. Denn weder lässt er seine Wut an Frauen oder Kindern, sondern nur an Mitkameraden aus. Doch es wäre wohl auch schwer einen Helden zu schaffen, der sich an Schwächeren vergreift.
Positiv zu erwähnen ist es, das der Film die sonst in der Gesellschaft so gern verschwiegene und verharmloste häusliche Gewalt gegenüber Kindern aufzeigt. Denn solche Dinge passieren leider auch heute noch Tag für Tag in Deutschland und der ganzen Welt. Hier zeigt der Film welche seelische Entwicklung ein Mensch, der solche Dinge erlebt hat, durchleben kann. Während sich die einen [meist Frauen] verkriechen und fast keine Menschen an sich heranlassen, lassen andere [meist Männer] ihren Aggressionen [die wohl aus ihrem fehlenden Selbstwertgefühl erwachsen] freien Lauf. Auf jeden Fall wird klar, dass ein Mensch mit solchen Erlebnissen dringen seelische Hilfe braucht.
Fraglich finde ich nur ob ein Mensch, der eine solche Kindheit hinter sich hat in so kurzer Zeit [wie man bei dem Film den Eindruck haben kann] sein Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl wieder aufbauen kann. Auch wirkt das Treffen mit der Familie seiner Mutter ein wenig dick aufgetragen. Keiner von ihnen außer seiner Mutter selbst zeigt auch nur die kleinste Ablehnung ihm gegenüber, obwohl sie ihn noch gar nicht wirklich kenne. Ganz im Gegenteil sie nehmen ihn in ihrer Mitte auf, als würde sie ihn schon ewig kennen und nicht erst seit ein paar Stunden.
Genugtuung empfindet der Zuschauer wenn Antwone sich seiner ehemaligen Pflegemutter und deren Tochter, die ihn beide in seiner Kindheit so verletzt haben, stellt. Der Zuschauer fühlt mit ihm und bewundert ihn ein wenig, wenn er selbstbewusst vor ihnen steht und sagt dass sie ihn nicht zerbrechen konnten „Ich stehe immer noch.“ Schauspielerisch ist der Film sehr gut besetzt. Da ist zum einen Oscar Preisträger Denzel Washington, der sich mit der Nebenrolle begnügt. Er zeigt zwar die gewohnte Leinwandpräsenz und die bekannte gute schauspielerische Leistung, hält sich aber zurück um dem Hauptdarsteller Derek Luke den benötigten Platz für die Entfaltung seiner Rolle zu geben. Und obwohl Derek Luke vorher erst einmal in einer Statistenrolle vor der Kamera stand, gelingt es ihm in seiner Rolle vollkommen zu überzeugen. Aber auch Joy Bryat (Honey, 3 Way) und Salli Richardson (Mo´Money) sind gut besetzt und können in ihren Rollen überzeugen.
Die Filmmusik ist gut ausgesucht und kann zu Atmosphäre des Films beitragen. Auch die Drehorte des Films wirken immer passend. So begeht die Pflegemutter die Misshandlungen ihrer Schützlinge im düsteren Keller [passend zum düsteren und traurigen Teil von Antwones Leben], während bei Atwones Begegnung mit Cheryl die Sonne scheint [passend zum glücklichen und hellen Teil seines Lebens].
Die DVD verfügt über ein sehr gutes Bild und einen sehr guten Ton. Zudem verfügt sie über einiges interessantes Bonusmaterial und ist in vielen Geschäften schon für unter 10 Euro erhältlich.
„Antwone Fisher“ ist allen zu empfehlen, die Dramen mit ernsthaftem Hintergrund mögen.
>>Bewertung<<
Der Film selbst erhält von mir wegen der Story, der guten Schauspielern, dem aber ein wenig zu glatten und kitschigem Ende 4 von 5 Punkten. Die DVD selbst erhält von mir wegen der sehr guten Bild- und Tonqualität, dem interessanten Bonusmaterials und dem günstigen Preis 4,5 von 5 Punkten.
Dies ergibt in der Gesamtwertung sehr gute 4 von 5 Sternen Den Kauf der DV kann ich empfehlen.
Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren. Euch allen noch einen schönen Tag.
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Keine leichte Kost ... LG bongilein
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Hört sich interessant an. Gruß
26.10.2005 09:05
Ich kenne diesen Film zwar nicht aber aufgrund deines Berichtes und der Tatsache das Denzel dabei ist bin ich sehr, sehr neugierig geworden! LG Margit