Wagners Hymne auf die todbringenden Hubschrauber
12.05.2002
Pro:
Ein Film der einen schweißdurchnäßt zurückläßt .
Kontra:
Ist das ein Antikriegsfilm?
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 Swinja2000
Über sich:
Bin einer jener bedauernswerten Menschen, die in nachlässiger Kleidung Steine zerklopfen und in der ...
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Wer einmal in dieser grünen Hölle war, in der der Tod in jeder Ecke lauert, findet niemals mehr heraus. Er mag wieder herauskommen, aber im Geiste war er in der ewigen Verdammnis und wird nie zurückkommen. Viele der US-GI’s, die aus Vietnam körperlich zurückkehrten, waren seelisch gebrochene Menschen, die die Rückkehr in die Zivilisation mit ihren Pflichten und Zwängen nicht mehr schafften. Zu sehr hatte der Krieg, der Geruch von Brand und Verwesung, der Anblick von Blut und zerfetztem Fleisch sie geformt. Zu unwichtig war alles geworden, was nicht mit Totschlagen und Selber-Überleben zu tun hatte.
Einer dieser Menschen ist Willard, ein Offizier im Hauptmannsrang, der für andere Dinge außer Sondereinsätze mit Tötungsaufgaben nicht mehr zu gebrauchen ist. Seine Mission beginnt mit einer kalten Dusche in einem Hotelzimmer. Es ist nicht ganz einfach, einen Stockbetrunkenen, der seinen Rausch ausschläft, wach zu kriegen. (Angeblich war dies umso schwieriger, als dass der Vollrausch echt war - Schauspieler Martin Sheen war bei der Szene voll wie eine Feldhaubitze.)
Sonderaufträge haben es an sich, dass sie offiziell nicht existieren, man nicht scheitern darf, und die Unterstützung nur begrenzt ist. Das Problem des Sondereinsatzes - und das Zielobjekt - ist ein hochrangiger Elitemilitär, ein Oberst einer Spezialtruppe, der sich irgendwo in der undurchschaubaren Frontlinie zwischen Nord und Süd, zwischen US Army und Vietcong, in den Bergen selbstständig gemacht hat und im Verband mit “Montagnards”, vietnamesischen Bergvölkern, die abwechselnd auf dieser und jener Seite mitkämpfen, seinen privaten Krieg führt. Cornel Walter Kurtz, der eine Bilderbuchlaufbahn bei den Spezialtruppen des Pentagons hinter sich hat, ist das Ziel. Der Auftrag: Ziel vernichten.
Willards Auftrag klar überschaubar: zusammen mit zwei weiteren hartgesottenen Frontkämpfern den Mekong-Fluss hochschippern, Kurtz und sein Camp zu finden und die grobe Arbeit zu tun. Wie, wird sich vor Ort zeigen. Der Weg wird ein Alptraum: eine Wechseldusche aus Langeweile, gemütlichem Flußschifferleben, bizarrem Campleben in vorgeschobenen Außenposten der Streitkräfte, und tödliche Spannung, wenn die Scharfschützen des Vietcong irgendwo lauern.
Trotz aller Hindernisse: Willard findet Kurtz. Er ist der einzige, der dort lebend ankommt. Seine Mitstreiter finden den Tod. Aber die Erfahrung, die er dabei macht, ist erschreckender als alle Leichen. Er findet nicht, wie er erwartet hat, einen blutrünstigen Kriegsherrn, er findet einen Menschen, der die Grenze zum Wahnsinn überschritten hat, indem er eine wahnsinnige Kleinwelt um sich herum geschaffen hat. Willard erledigt seinen Auftrag - allerdings einen Auftrag, dessen Sinn ihm jetzt nicht mehr zugänglich ist. Das Ende von Kurtz und seinem Kleinimperium ist auch Willards Ende - nicht physisch, aber menschlich...
Der mit ungeheurem Aufwand von FF Coppola gedrehte Film war zu recht ein Kassenschlag. Die realistischen Szenen sind davon nur der kleinere Teil, auch wenn sie das meiste Geld verschlangen. Der größere Teil davon, der in Geld nicht ausgedrückt werden kann, ist die Leistung der Story - eine Spannung, die sich immer weiter aufbaut - aber in den relativ wenigen Actionszenen, die es gibt, nicht richtig abbaut. Die Action ist nicht die Antwort auf die Frage der Spannung. Der Zuschauer fühlt mit den Akteuren, deren Umwelt schrittweise immer absurder und phantastischer wird. Die wohl berühmteste Szene aus dem Film ist der Hubschrauberangriff. An einem Punkt seiner Reise ist Willard auf die Unterstützung der legendären 1. Kavalleriedivision angewiesen - deren Kommandeur Colonel Kilgore, ein ebenfalls der geschlossenen Abteilung naher exzentrischer Haudegen, sie ihm spontan gewährt. Eine vom Vietcong gehaltene Stellung an einem strategisch wichtigen Punkt wird in einem Luftlandeunternehmen gestürmt.
Allein diese Szene ist ein Goldstück der Filmgeschichte. Im Morgengrauen erhebt sich die Helikopterflotte zum Angriff, traditionell unter den Tönen des Trompetensignals der Kavallerietruppe. Wie ein Schwarm todbringende Hornissen, unter Sphärenklängen, schweben sie aus der aufgehenden blutroten Sonne heraus ihrem Ziel entgegen, dessen Besatzung noch nichts vom herannahenden Tod ahnt... Kilgore, mit dem Humor eines brutalen Landsknechts, läßt derartige Unternehmen stets “mit Musik” durchführen: zu den Klängen von Wagners “Ritt der Walküren”.
Für die vietnamesischen Kämpfer ist die aufgehende Sonne gleichzeitig die untergehende: wie aggressive Insekten stürzen sich die Hubschrauber auf die vietnamesischen Stellungen und spucken aus tausend Stahlrohren Feuer und Vernichtung... das finale Ende markiert eine Gruppe F-16, die “schnell mal eben” vom Flugzeugträger draußen auf dem Gelben Meer her zu Hilfe kommt und ein letztes Widerstandsnest mit Napalm vernichtet: immer noch “mit Musik”, steigt über einem Waldrand, wo ein Granatwerfer die Amerikaner beschoß, eine Flammenwand empor. Tabula rasa, die Schlacht ist gewonnen. “Apokalypse Now” wurde oft als Antikriegsfilm bezeichnet, der das Grauen des Kriegs dem Zuschauer zum Bewusstsein brachte. Mag sein, wenn man empfänglich dafür ist. Die eben beschriebene Szene geht allerdings in eine andere Richtung. Im Heimkino in voller Lautstärke betrachtet, läßt sie einen schaudern - und ist faszinierend. Man ist fasziniert vom Geruch der Macht, der Fähigkeit, in wenigen Sekunden Leben auszulöschen, zu zerstören - als hätte man ein bösartiges Aufputschmittel genommen. Es ist eine Collage aus Stimmungsbildern der Ästhetik des Todes. Im Vertrauen gesagt: zumindest diese eine Szene ist das, was ich - wäre ich Oberkommandierender einer Truppe an der Front - meinen Jungs im Schützengrabenkino vorspielen würde, am Abend bevor es “losgeht”.
Aber die “Helden” sind gar keine. Mancher Soldat hat Schiß, dreht durch. Der eine will nicht aus dem Helikopter aussteigen in das Stahlgewitter da draußen, der andere rastet aus und erschießt bei einer Routinekontrolle einen harmlosen Flußschiffer und dessen Familie. Ein anderesmal stellt sich der heranpirschende Feind als ein (natürlich auch nicht gerade harmloser) Tiger heraus, der aus dem Dickicht heraus plötzlich angreift... Dass man am Ende des Films, zur melancholisch ausklingenden Musik der “Doors” (“This is the end...”), schweißgebadet ist, liegt nicht an den Orgien von Mord und Zerstörung. Man war mit im Dschungel, hatte mit Angst um sein Leben, und duckte sich im Fernsehsessel nach Deckung, wenn die Querschläger vorbeisirrten. Man ahnt und fühlt, welche ungeheure Anspannung auf den Personen lag, auch wenn vordergründig nichts passierte. Und man fragt, wenn man danach wieder das Tageslicht der eigenen Realität sieht: Wie wichtig ist das hier alles um mich rum?
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02.10.2005 17:56
I love the smell of Napalm in the Morning. It smells like ... Victory. Diese Worte stammen aus dem Mund des Luftkavalleriekommandeurs, als sich das Napalm aus den Kampfjets in eine brennende Schneise des Waldes verwandelt, der "im Weg" ist. Guter Bericht von Dir, den Film selbst habe ich verschlungen. Gigantisch gemacht und der Wahnsinn eines jeden Krieges wird hier besonders deutlich. Auch Deine ehrliche Meinung (dass Du es einer Truppe vorspielen willst) gefällt mir. Man muss die Botschaft in diesem Film empfangen, zwischen den Zeilen manchmal lesen. Dann wird einem jeden klar, dass der Krieg an sich ein Wahnsinn ist. So wenn wir weitermachen...oweh! Grüße und danke für den Bericht. Danny
12.05.2002 01:48
Den Film habe ich noch nicht gesehen, aber ein Freund von mir hat mir mal von der besagten Wagner-Szene vorgeschwärmt. Dummerweise habe ich noch haufenweise andere Filme auf meiner "Nachzuholen"-Liste. *gg*
12.05.2002 01:28
Solche Art von Filmen sind eigentlich nicht mein Fall! Mit freundlichen Grüßen!