Appel Sardinenfilets Piri Piri

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Appel Sardinenfilets Piri Piri

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Unterm Rasenmäher

5  04.09.2004

Pro:
Lecker, lecker, lecker

Kontra:
Nichts, aber auch gar nichts .

Empfehlenswert: Ja 

dahmane

Über sich: "Ich liebe Dich! Du mich auch?" - "Ja, Dich auch."

Mitglied seit:07.03.2000

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Mein Vater kam einmal auf die Idee, den Rasenmäher mit dem Fuß über einen Knubbel in der Wiese hinwegzuschieben, an dem er sich festgefahren hatte. Zum Glück war es Herbst und ein wenig feucht, aber vielleicht rutschte der Schuh aus dickem Leder auch gerade deshalb ab und unter den Mäher. Hätte er in Sandalen gemäht, wäre er vielleicht auch nicht auf eine so bescheuerte Idee gekommen. Wenn man direkt am eigenen Leibe die Rückmeldung bekommt, in welche Gefahr man ihn bringt – den eigenen Leib –, ist man, glaube ich, vorsichtiger, als er es in diesem Augenblick war.
Jedenfalls fraß das Messer sich nicht im dicken Schuhleder und den Wollsocken fest, sondern in seinem großen Zeh. Dann ging der Mäher aus. Seitdem geht er, als müsse er über Wasser wandeln, traue dem Wunder aber nicht so recht. Immerhin konnten die Ärzte den Zeh retten.
Was das mit Fisch zu tun hat? Nichts.
Es gibt aber eine vollkommen absurde Pointe von seltener Schönheit. Für diejenigen, die den Bericht ganz durchlesen.


1.

Ein Bekannter, der ein paar Straßen weiter weg wohnte, lag im Krankenhaus. Seine Frau besuchte meine Eltern. Es war ein später Frühlingsnachmittag, etwa ein halbes Jahr nach dem Unfall. Sie wirkte etwas bedrückt. Deshalb verteilte sie auch die Sardinen ziemlich großzügig auf dem schweren saftigen Bauernbrot, das in dem Dorf gebacken wird, in dem meine Eltern wohnen.
Manchmal setzen sie sich an einen kleinen Tisch neben dem Brunnen, weil sie von dort aus dem Garten überblicken können und das Dorf im Süden, und essen eine Kleinigkeit und schwatzen ein bißchen. Es ist dann vielleicht fünf Uhr, und das Abendessen ist noch weit weg. An diesem Nachmittag standen nur ein paar Schnitten Brot auf dem Tisch, Butter, die neuen Sardinen von Appel, ein Krug mit Rotweinschorle. Es war schon so warm, daß man – in dicke Jacken gehüllt – auf der Terrasse sitzen konnte: die rechte Wange war immer viel wärmer als die linke, weil sie Sonne schon tiefer stand und ein leichter Ostwind wehte. Die liebevoll gestaltete Hecke aus Koniferen und Hainbuchen konnte ihn nicht ganz abhalten.
Ich glaube, sie hatten gerade die Fassung des Violinkonzertes als Klavierkonzert gehört, die Beethoven selbst besorgt hat (weshalb er also insgesamt mindestens sieben Klavierkonzerte geschrieben hat), aber als die alte Frau um die Ecke kam, stellte mein Vater die Musik ab.
Setz dich, sagte er. Willst du mitessen?
Und so kam es, daß Friedchen sich endlich kummervoll reichlich Sardinen aufs Brot tat.
Meine Mutter hatte den Fisch aus

Bilder von Appel Sardinenfilets Piri Piri
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Eine Zeichnung der Chili-Pflanze mit Schoten aus dem Jahre 1594
der engen Dose befreit und (so gut es ging) auf einer kleinen Platte angerichtet, aber dabei die roten Pfefferschoten durch feingehackte Zwiebeln, noch feiner gehacktes Schnittlauch und kleine Lauchringe ersetzt. Friedchen schaufelte die kleinen Fische behelfs einer niedlichen dreizinkigen kurzen Gabel auf ihr Brot und zerteilte sie dort fachmännisch mit ihrem Messer. Kein Gedanke, sie zu einem dünnen Belag zu verschmieren, wozu wir als Kinder noch angehalten worden wären, wenn es überhaupt jemals Sardinen auf unserem Tisch gegeben hätte.
So entstehen kleine Hügellanschaften auf dem Brot und dazwischen winzige glänzende Seen aus Olivenöl. Glücklicherweise sind die Sardinen gehäutet, und der eifrige Esser läuft auch nicht mehr Gefahr, spätestens beim Kauen Fossilien in den Fleischgebirgen aufzustöbern. Ich weiß, daß man immer noch die Variante mit Haut und Gräten kaufen kann. Das mag rustikal und authentisch sein, ist aber eigentlich lästig und leicht widerlich. Sardinenhaut ist eine Spur zu fest, zuweilen sogar ein wenig plastikartig, als wäre Verpackung mit hineingerutscht. Und die winzigen Rückgrate der Fische sind von, offen gestanden, eher widerlicher Konsistenz.

Nun, Friedchen, sagte mein Vater jovial und füllte ihr den Steingutbecher mit schäumender Schorle, dann erzähl‘ mal, wie es deinem Mann geht.
Sie schluckte den Bissen herunter, nahm einen wirklich kräftigen Schluck und wischte sich den Mund ohne viel Federlesens mit der Leinenserviette ab, die meine Mutter ihr auf den Schoß gelegt hatte; aber der war eigentlich schon genug durch die lange dunkle Schürze geschützt, mit der sie überall herumlief, ausgenommen während des Gottesdienstes.
Tja, erklärte sie und schluckte noch einmal. Die beiden Finger sind wohl futsch. Und dann, nach einer nachdenklichen Pause, in der sie sich mit der Zunge etwas aus dem Gebiß puhlte: Aber er trägt es tapfer. Nur unsere Nachbarin...

2.

Sardinen sind, finde ich, konzentrierter Fisch, und gerade der konzentrierte Geschmack ist das, was ich so besonders mag. Sie schmecken nicht eigentlich fischig, das meine ich nicht. Sie schmecken – ein besserer Ausdruck fällt mir nicht ein – kernig. Bißfest wie kaum ein anderer Fisch, nicht so saftig und fettig wie eine Makrele oder ein sensationell guter Hering, aber auch nicht so weich und durchsichtig wie die größeren Speisefische; da kommt allenfalls noch ein gut verarbeiteter Thunfisch mit.
Fest und konzentriert. „It has to be hard to be good“, sagen die bösen Mädchen (und die guten sagen: „It’s hard to be good“, fürchte ich) Deshalb mag ich dazu auch weder Schuppen noch Gräten oder knurpsiges Rückgrat. Einfach nur herzhaftes Fleisch in kleinen Filets, die man auf dem Brot zu kleinen Landschaften verteilen kann; das erzeugt eine kleine Ahnung von Luxus. Wobei die Kunst des Genießens in diesem Fall vielleicht darin liegt, das richtige Verhältnis zwischen Fisch und Brot zu finden und ein paar Kräutern dazu und ein wenig frisch gemahlenem roten Pfeffer und einem Hauch von Zitrone, den man eigentlich, verdünnt mit ein bißchen Olivenöl, darüber sprühen müßte, diesen Hauch.
Appel fügt nun jeder Dose eine rote Pfefferschote von beeindruckenden Ausmaßen bei, die leblos im Olivenöl schwimmt, wenn man die Dose geleert hat, und eine schwache Spur von Rot verbreitet, das wie eine kleine Wolke von Blut ins Öl fließt.

Piri piri nennen die Portugiesen die Chilipflanze, die sie selbst im späten 15. Jahrhundert für Europa entdeckt und aus Südamerika importiert haben. Vor allem aber meinen sie damit sie Malagueta, eine Sorte mit kleinen Schoten, die besonders intensiv schmecken. Sonderbar genug, daß sie zuerst in die afrikanischen Kolonien eingeführt wurde, wo sie Pili-pili genannt wurde und dann später Piri piri. Inzwischen hat man sich überzeugt, daß sie auch im Mittelmeerklima gut gedeiht. Viele Portugiesen ziehen mindestens eine Piri-piri-Pflanze im Garten oder im Blumenkasten.
Traditionell werden daraus die berühmten portugiesischen Saucen hergestellt. Die einzigen (nämlich vier) Grundzutaten dieser Saucen sind scharfe Chilis (Piri-Piri), süße, milde Paprika (ähnlich den süßen spanischen Pimientos), gekneteter Knoblauch und etwas ganz frische Zitrone; hinzu kommen Essig und Salz zur traditionellen Konservierung. Je nach Anwendung und Einsatz der Sauce sind außerdem noch spezielle Kräuter und Gewürze drin - sonst nichts.
Außerdem gibt es überall in Portugal die elementare Variante: sauberes gutes Olivenöl mit Piri piri, zum Anmachen und zum Nachwürzen von Salaten. Und Sardinen – oder, noch besser, Sardinenfilets – kann man auch darin einlegen. So macht das Appel mit den frisch gefangenen Sardinen, und meistens gibt es nichts besseres in einem Augenblick, in dem man ein bißchen Hunger hat, als eine von diesen kleinen Dosen aufzumachen und eine kleine Gabel in die Hand zu nehmen...

Friedchen schnappte nach Luft und goß reichlich Schorle nach, denn die subtile Schärfe der Piri piri kommt mit Verzögerung. Sie ist nicht wirklich schlimm. Niemand schießt deshalb der Schweiß mit Macht ins Gesicht. Aber wenn man das nicht erwartet, sondern nur mit der intensiven (aber etwas langweiligen) gemeinen Sardine rechnet, ist dieser Ansturm von Leidenschaft und Leben schon ein kleiner Schock. Danach freilich versteht man nicht mehr, wie man Sardinen jemals anders hat essen können.
Das war heftig, was? fragte mein Vater und klopfte dabei der alten Frau sanft auf den Rücken. Aber wie was das denn nun mit der Nachbarin?
Meine Mutter lehnte sich im Stuhl zurück.

3.

In keiner portugiesischen Küche fehlt eine Dose oder ein Glas mit gemahlener Piri piri. Das ist eine gute Alternative zu südamerikanischem (vor allem in Mexiko beliebtem) Chilipulver. Chili ist vielleicht eine Spur süßer, Piri piri etwas herber, als wäre grüner Pfeffer die Basis und nicht die rote Chilischote (es gibt übrigens auch gelbe Piri piri, aber die wird als untypisch angesehen und eher selten eingesetzt).
Chili ist aber kein Pfeffer. Kolumbus irrte sich, als er die Chili-Schote mit dem aus dem fernen Osten (vor allem aus Indien) stammenden Pfeffer in eins setzte. Als man den Irrtum erkannte, war es zu spät. Alles, was man noch tun konnte, war, die Schote der scharfen Gewürzpaprika (das ist es biologisch) als Chili Peppers oder Spanish Peppers zu bezeichnen, um sie von dem „echten“ Pfeffer zu unterscheiden.
Auch die abendländische Schulmedizin hat inzwischen den Nutzen der scharfen Schoten gewürdigt. Erfolgreich werden Chili-Wirkstoffe unter anderem gegen Hexenschuß, Migräne, Gürtelrose und Kreislaufbeschwerden eingesetzt, und ständig stoßen eifrige Forscher auf neue Erkenntnisse und Einsatzmöglichkeiten.

Niemand von uns denkt daran, wenn der Sardinen Piri piri ißt, und doch bildet diese kleine Dose den kulinarischen Gipfel einer geschichtlichen Entwicklung, die begann, als Kolumbus fortsegelte, um Indien von Osten her zu erobern.
Sardinen (die übrigens in fast allen romanischen und indogermanischen Sprachen gleich heißen und ausgesprochen werden) sind etwa handlange Raubfische, die wie Heringe nur in Schwärmen auftreten und seit Jahrtausenden als Speisefisch vor allem im Mittelmeerraum sehr geschätzt werden. Wir kennen heute noch ein paar Rezepte aus der Römerzeit.¹ Daß sich ein so gut eingeführter Fisch so zwanglos und ausgezeichnet mit einer adoptierten Würzschote aus Südamerika verstehen würde, war nicht von vornherein zu erwarten. Besondere Beziehungen freilich sind immer dadurch gekennzeichnet, daß im Nachhinein niemand sich mehr vorstellen kann, wie man jemals ohne einander hat auskommen können. Wir erschrecken vielleicht sogar ein wenig, wenn uns das bewußt wird. Was für ein unfaßbares Glück, daß wir uns am Ende doch noch getroffen haben. Die Sardine und das Piri piri.

Ach, sagte Friedchen etwas wegwerfend. Dann griff sie nach der anderen Hälfte des Graubrots mit dem Sardinengebirge darauf. Sie ist halt ein bißchen blöd. Wie Herbert denn auf die Idee gekommen wäre, unter den Rasenmäher zu greifen, um das Gras rauszumachen, ohne daß er das Ding vorher ausgemacht hatte.
Ja? machte meine Mutter und lächelte noch ein wenig mehr.
Ihr müßt das grad sagen! erklärte sie energisch, und dann kaute sie erst einmal lange. Aber weißt du, was ich ihr gesagt habe? Friedchen schaute meinen Vater mit blitzenden Augen an, wie er da saß in seiner imposanten Größe. Die Brillengläser und die Uhrenkette glänzte im Licht der Nachmittagssonne.
Ich habe ihr gesagt: Wenn der intelligente Herr Dahmane sich beinahe seinen Zeh abschneiden kann, dann kann mein Mann sich ja wohl zwei Finger abschneiden.
Und dann kaute sie weiter.

Appel Sardinen „Piri Piri“
Dose 105 g
Preis etwa € 1,50 / 1,60
Einwandfreie Qualität
Leicht zu öffnen (mit angebrachter, sehr stabiler Lasche)
Fisch ist dicht gestapelt und gut zu entnehmen
gut portionierbar
saubere Konsistenz
einheitlicher Geschmack, abgesehen von der Schärfe, die von der Stelle, wo die Piri Piri liegt, nach außen leicht abzunehmen scheint


¹ http://www.angeltreff.org/fische/meeresfische/sardine/sardine.html



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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Lily

Lily

20.06.2006 16:28

.....Offenbar kann ich keinen einfachen Satz mehr richtig schreiben unter der Erinnerung.....

Lily

Lily

20.06.2006 16:26

Ja, das erinnerst du mich an Geschichten....... (die ich erfreulicher Weise vergessen hatte). Grüße" Lily

Dr_Labude

Dr_Labude

09.11.2004 15:09

So, Meister. Ich habe es probiert. Ich fand sie leider ganz langweilig. Scharf sind sie nicht. ich fand, dass sie schmecken wie Sardinen in Öl. Schön, dass sie keine Gräten haben, aber sonst einfach Ölsardinen. Die Dose ist winzig, was den Vorteil hatte, dass ich sie allein aufgegessen habe (sonst wollte sie niemand) und kostete bei mir 2 Euro. Jetzt hätte ich gute Lust, mal Sardinen selbst einzulegen und zwar so wie ich sie mir nach deinem Bericht vorgestellt hatte. Feurig scharf, mit mexikanischem Chili und ein paar Spritzern Limettensaft vielleicht.

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