Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
hübsche Rasse mit liebevollem, ausgeglichenem und lebhaftem Charakter / absolut familientauglich / anhänglich und emotional / guter Wachhund / robust und größtenteils unkompliziert, zumindest wenn man ihm das richtige Umfeld bieten kann |
| Kontra: |
hat einen starken Bewegungsdrang / absolut ungeeignet für die Stadt oder für Stubenhocker / bellt viel / braucht viel Zuwendung und Familiennähe / oft etwas ungestüm und irgendwie ein wenig verrückt – aber sehr liebenswert |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Sennenhunde kennen die meisten Menschen. Klar doch, die großen Berner Sennenhunde, mit dem langen Zottelhaar, der typischen dreifarbigen Fellzeichnung und den niedlichen braunen „Halbmonden“ über den Augen, die den Hundeblick noch unwiderstehlicher machen. Aber den Appenzeller? „Kann man den essen?“, mögen manche da fragen, die den Appenzeller nur von der Käsetheke im Supermarkt kennen. Also, zum Verzehr möchte ich den Appenzeller ganz klar nicht empfehlen. Dafür ist er viel zu schade... ;-)
[ URSPRUNG DER RASSE ]
Der Appenzeller Sennenhund ist eine von vier Sennenhundrassen. Den Berner kennt jeder, die anderen drei Rassen sind weniger geläufig. Der Große Schweizer Sennenhund zählt wie auch der Berner zu den größeren Vertretern der Rasse. Die beiden Kleineren, sind der Appenzeller Sennenhund und der Entlebucher Sennenhund. Außerhalb der Schweiz trifft man diese unbekannteren Sennenhundrassen wesentlich seltener an. Wir haben für unseren Hund auch recht weit fahren müssen und haben ihn von einem Züchter in der Nähe von Petershagen, westlich von Hannover. Von der Größe her, ist der Appenzeller (in der Schweiz wird er auch Bläss genannt) mittelgroß, während der Entlebucher die kleinste Sennenhundart ist.
Gehalten wurde der Appenzeller früher als klassischer Hof- und Hütehund. Die Rasse ist robust, ausdauernd und belastbar und mit einem für seine Größe recht bullig erscheinenden Körperbau ausgestattet, was ihn zu einem hervorragenden Lastenhund machte. Teilweise wurde er früher dazu verwendet, Milchkarren ins Dorf zu ziehen. In irgendeinem Hundebuch habe ich mal ein uraltes S/W-Foto gesehen, das einen vor einem Hundekarren eingespannten Appenzeller zeigte. Gemäß des Bilduntertitels wurden früher in England durchaus mal Hundekarrenrennen mit Appenzellern veranstaltet, was aus heutiger Sicht schon ein wenig sonderbar anmutet.
Der Appenzeller fühlt sich seit jeher in landwirtschaftlicher Umgebung am wohlsten. Er hütete Hof und Vieh gleichermaßen, bellte fremde Eindringlinge aus und trieb das Vieh auf der Weide. Von seinen Eigenschaften her, war der Appenzeller also seit jeher ein richtiger Allrounder mit vielseitigen Stärken und Vorlieben.
[ ÄUSSERES ERSCHEINUNGSBILD ]
Den Sennenhund sieht man dem Appenzeller vor allem an seiner Fellzeichnung an. Er hat das für Sennenhunde typische dreifarbige Fell: Größtenteils schwarz, das an Beinen, Bauch und Kopf in braun übergeht. Ebenso typisch sind die weißen Stellen an Brust, Bauch und Pfoten. Die weiße Blässe auf dem Kopf ist ebenso charakteristisch wie die als rassetypisch geltende weiße Schwanzspitze. Im Gegensatz zum langen Zottelfell des Berner Sennenhundes hat der Appenzeller ein recht kurzes Fell von ca. 2 cm Länge. Das Fell ist glatt, glänzend und so samtig weich, dass ich unsere zweijährige Appenzellerin Aisha den ganzen Abend kraulen könnte.
Ganz typisch für den Appenzeller ist auch der robuste Knochenbau. Im Sitzen zeigt er seinen rassetypischen, geradezu eckigen Brustkorb. Das erscheint bei näherer Betrachtung ein wenig so, als würde ein zu kleiner Hund in einem zu großen Knochengerüst stecken, zeigt sich aber eben nur an der markanten, eckigen Brust. Ansonsten wirkt der Appenzeller wohlproportioniert. Rassetypisch ist auch der leicht geringelte, meist hochstehende Schwanz, der auf Spitzblut in der Ahnengeschichte des Appenzellers hinzudeuten scheint.
Was Größe und Gewicht angeht, so lässt sich der Appenzeller als mittelgroß einstufen. Seine Schulterhöhe liegt bei durchschnittlich 53 bis 56 cm und das Gewicht bei um die 25 kg. Der Appenzeller ist nicht nur vom Knochengerüst her kräftig gebaut, sondern auch muskulös.
Über die Schönheit der Rasse brauche ich mich an dieser Stelle wohl kaum auszulassen. Jeder findet seinen eigenen Hund schön, selbst wenn er übergewichtig, krummbeinig und borstig ist. Ich bin da natürlich auch nicht objektiv und verweise daher an dieser Stelle einfach auf die dem Bericht angehängten Fotos, anhand derer sich am besten jeder ein eigenes Bild machen kann.
[ CHARAKTER & EIGENARTEN ]
Was die Charaktereigenschaften und die Verhaltensweisen des Appenzellers angeht, kann ich natürlich größtenteils nur über unseren eigenen Hund berichten. Die Rasse ist schließlich besonders in Norddeutschland nicht so weit verbreitet, dass man alle naselang einem Appenzeller über den Weg läuft. Wenn ich aber die Eigenarten unseres Hundes mit dem vergleiche, was in den meisten Hundebüchern steht, so lässt sich daraus schon eine gewisse Allgemeingültigkeit ableiten.
Zunächst einmal das wichtigste: der Appenzeller ist ein Hund, der viel Bewegung und vor allem eine Aufgabe braucht, genauso aber engen Familienanschluss sucht. Ähnlich wie andere Hütehunde (Border Collies, etc.) ist er ein sehr lebhaftes Energiebündel und muss gefordert werden, damit er ausgelastet ist. Gemäß seines Ursprungs ist er auch heute noch der perfekte Hofhund und selbstverständlich auch für die gezielte Ausbildung zum Hütehund hervorragend geeignet. Er ist mit Eifer bei der Sache und hat gerne andere Tiere und Menschen um sich.
Das optimale Umfeld des Appenzellers ist somit das Land und die Landwirtschaft. Kann man dem Appenzeller kein Hofleben mit Tieren und viel Bewegung bieten, so wäre Hundesport ein guter Ausgleich. Auf jeden Fall braucht der Appenzeller eine Möglichkeiten seinen Bewegungsdrang und seine Spielfreude auszuleben. Er braucht viel Aufmerksamkeit und wenn er die nicht bekommt, geht er sprichwörtlich vor die Hunde. Ich habe schon von Leuten gehört, die nicht auf die Anhänglichkeit und den Bewegungsdrang des Appenzellers gefasst waren und ihn wieder weggegeben haben, weil ihnen das zu viel wurde. Man sollte die Rasse in ihrer Vitalität und ihrem Aufmerksamkeitsbedarf also nicht unterschätzen.
Ebenso ist der Appenzeller immer mal wieder etwas ungestüm. Es kam schon vor, dass Leute nach hinten übergekippt sind, wenn Aisha sie zur Begrüßung angesprungen hat – das Resultat von einem hohen Maß an Emotionalität und Kraft. Einerseits will der Appenzeller gerne liebkost werden, andererseits ist er aber als Schoßhund viel zu groß und schwer. Wie wichtig die menschliche Zuneigung ist, zeigt sich auch immer wieder daran, dass beim Begrüßen von Leuten die Aisha kennt und mag, ihr Gehirn richtiggehend auszusetzen scheint. Sie wird dann so aufgeregt und hibbelig, dass sie anfängt zu hyperventilieren. Sie dann zu beruhigen und ein Anspringen zu verhindern, ist außerordentlich schwer und kaum machbar, weil man mit seinen Worten gar nicht in Aishas Gehirn vorzudringen scheint.
Der Appenzeller ist also sehr emotional. Er ist definitiv kein Hund, der längere Zeit alleine sein kann und braucht einen geregelten Tagesrhythmus. Am glücklichsten ist er, wenn er immer und überall dabei sein darf. Zwingerhaltung ist besonders auch für diesen Hund absolut tabu. Sein Bedürfnis nach einer engen Bindung zum Menschen drückt der Appenzeller oft auch in seinem sehr rassetypischen Anlehnen aus. Das habe ich bei Aisha genauso wie bei anderen (mir eigentlich fremden) Appenzellern erlebt. Sie lehnen sich mit dem ganzen Körpergewicht gegen die Beine eines Menschen und wenn man das nicht kennt und nicht drauf gefasst ist, kann es sein, dass man dabei schon mal aus dem Gleichgewicht kommt. Was den Appenzeller ebenso auszeichnet, ist seine Eignung als Familienhund. Er ist sehr kinderlieb, verspielt, gutmütig und geduldig.
Obendrein hat der Appenzeller einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Er bewacht mutig und zuverlässig Haus und Hof und verbellt Fremde, die sich auf das Grundstück wagen. Das macht er manchmal schon etwas zu zuverlässig. Wer einmal in der Rolle des „Eindringlings“ einem bellenden Appenzeller gegenüberstand, wird wissen was ich meine. In so einer Situation wirkt der Appenzeller mitunter schon mal ziemlich erschreckend und bedrohlich und ich beobachte dabei immer wieder, dass Leute Angst vor Aisha haben: Das Fell stellt sich im bulligen Nacken auf, das Bellen klingt dunkel und grollend und das Gebiss wirkt mindestens so furchterregend wie das eines ausgewachsenen Schäferhundes. Und vor allem will der Hund einfach nicht wieder aufhören zu bellen – sehr typisch für den Appenzeller.
Was der Appenzeller ausgesprochen gerne mag, ist winterliches Wetter. Wenn es draußen richtig kalt ist, dreht er so richtig auf und wenn dann obendrein noch Schnee liegt, gibt es kein Halten mehr. Dann wird im Schnee herumgetobt, bis Herrchen nicht mehr kann... ;-)
[ GESUNDHEIT, ERNÄHRUNG & FELLPFLEGE ]
Der robuste Körperbau ist sicherlich schon ein vielsagender Wink, wenn es um die Gesundheit des Appenzellers geht. So robust wie er gebaut ist, so hart ist er auch im Nehmen. Verletzungen und Erkrankungen habe ich bei Aisha bislang außerordentlich selten beobachtet und das, obwohl sie sich schon allein durch ihre Naivität oft einem erhöhten Verletzungsrisiko aussetzt.
Bislang war sie in gut zwei Jahren erst zweimal wirklich ernsthaft erkrankt oder verletzt. Beide Mal hat sie sich recht schnell aufgerappelt, obwohl sie anfangs gar nicht gut aussah und wir haben sie mit homöopathischer Unterstützung wieder kurieren können. Kleinere Verletzungen sind bei Aisha kaum der Rede wert. Bekommt sie mal von einer Kuh einen Tritt, jault sie nur kurz auf und geht dann weiter ihres Weges. Sie ist alles andere als wehleidig und erfreut sich einer wirklich sehr robusten Gesundheit, was die Zahl der Tierarztbesuche und damit auch die entsprechenden Kosten in Grenzen hält. Bislang war nicht mehr nötig als die standardmäßigen jährlichen Impfungen und die regelmäßige Gabe von Flohmittel.
Zu Fressen bekommt Aisha eigentlich immer nur Trockenfutter und davon braucht sie gemessen an ihrer Größe und ihrem Bewegungsdrang überraschend wenig (ca. einen normalgroßen Kaffeebecher voll pro Tag), so dass die Futterkosten gemessen an ihrer Größe eigentlich eher unterdurchschnittlich sind. Das mag aber auch daran liegen, dass sie während der Melkzeiten immer zwischen den Kühen umherläuft und jede Menge Milch aufleckt. Wäre Milch nicht ihr bevorzugtes Hauptnahrungsmittel, würden wir also sicherlich mehr Futter verbrauchen.
Auch die Fellpflege ist absolut unkompliziert. Für uns kam nur ein Hund mit kurzem Fell in Frage und Aishas samtige Fellpracht ist absolut pflegeleicht. Wenn das Weiß auf der Brust nicht mehr ganz so weiß ist, wird sie gebadet, ansonsten reicht schon Wasser. Ab und zu mal bürsten, mehr ist eigentlich gar nicht nötig. Trocken föhnen funktioniert bei Aisha übrigens nicht, weil sie dann immer umherspringt und in den Föhn beißen will. Appenzeller sind eben auch ein wenig verrückt...
[ LEBEN MIT EINEM APPENZELLER ]
Mit unserer Hundewahl sind wir absolut zufrieden. Aisha ist letztendlich genau die Art Hund, die wir gesucht haben: nicht zu groß, nicht zu klein, mit kurzem Fell, anhänglich, familientauglich und ein Hofhund, der den ganzen Tag auf dem landwirtschaftlichen Betrieb mitlaufen kann.
~ Aisha als Hof-, Wach- und Hütehund ~
Dass dem Appenzeller der Hof- und Hütehund im Blut steckt, merkt man Aisha sehr deutlich an. Wenn nichts zu tun ist, sitzt sie gerne am Dieleneingang, von wo aus sie einen guten Überblick über Hof und Straße hat und wacht dort. Keine Bewegung entgeht ihr. Stets aufmerksam, spielt sie den Wachhund, um notfalls laut bellend ihres Amtes zu walten und den bösen, bösen Postboten in die Flucht zu schlagen. ;-)
Auch in anderen Bereichen nimmt sie ihre Aufgaben ernst und ist mit Feuereifer dabei. Keine Melkzeit findet ohne sie statt und sie übernimmt dabei hier und da schon mal selbstständig Aufgaben, wie z.B. die Kühe nach dem Melken durch lautes Bellen aus dem Melkstand zu scheuchen. Eine gewisse Intelligenz und eine gute Lernfähigkeit kann man dem Appenzeller also nicht abschlagen, auch wenn zumindest Aisha sie durch ein Übermaß an Naivität wieder ausgleicht.
Apropos Intelligenz: Türen zu öffnen hat sie recht schnell gelernt und auch nachdem wir die Klinken hochgestellt hatten, spazierte Aisha noch rein und raus wie es ihr gerade passte. Die einzige Möglichkeit zu verhindern, dass sie alleine die Tür nach draußen aufmacht, war die Montage eines drehbaren Türknaufs. Ganz dumm kann der Appenzeller also nicht sein.
Das Treiben der Kühe klappt mit Aisha ganz gut, allerdings nur, wenn es lediglich in eine einzige Richtung geht, wie beispielsweise im engen Rücktreibegang am Melkstand. Wird eine Kuh von einem Stall zum anderen getrieben, ist Aisha so aufgeregt und übereifrig, dass sie teilweise eher hinderlich ist. Sie treibt die Kuh von der falschen Seite oder „kneift“ die Tiere mit den Zähne so stark in die Hinterläufe, dass sie bluten. Dieser Übereifer lässt sich langfristig sicherlich nur durch eine professionelle Ausbildung zum Hütehund in den Griff bekommen, aber die ist sehr teuer.
Den alltäglichen Tagesablauf hat Aisha mittlerweile sehr stark verinnerlicht und Abweichungen davon schätzt sie nicht. Sonn- und Feiertage langweilen sie. Dann ist schließlich viel zu wenig los und den Großteil des Tages im Haus zu hocken, gefällt ihr nicht. Sie ist halt immer bei der Arbeit dabei und es gewohnt immer mittendrin zu sein. Ins Haus will sie eigentlich immer erst dann, wenn alle andere auch rein gehen, ansonsten tobt sie sich lieber draußen aus, bewacht den Hof, sonnt sich im Garten oder jagt den Katzen hinterher.
Was ihr Verhalten Fremden gegenüber angeht, so wirkt das manchmal schon ein wenig kurios. Sie scheint einerseits enorm misstrauisch zu sein, andererseits wedelt sie oft schon beim Bellen mit dem Schwanz. Teilweise ist es wirklich so, dass sie zu einem Fremden ganz offensichtlich schon Vertrauen gefasst hat und sich streicheln lässt, plötzlich aber wieder anfängt zu bellen. Ob das übertriebenes Pflichtgefühl in ihrer Rolle als Wachhund ist oder ihr grundsätzliches Misstrauen Fremden gegenüber einfach zwischendurch wieder die Oberhand gewinnt, vermag ich nicht genau zu bestimmen.
~ Aisha als Familienhund ~
Wichtig war uns bei der Anschaffung auch, dass der Hund kinderlieb ist, weil wir oft Kleinkinder zu Besuch haben. In diesem Punkt hat uns Aisha nicht enttäuscht. Sie ist richtiggehend vernarrt in den Neffen meines Freundes und wenn er zu Besuch ist, folgt sie ihm auf Schritt und Tritt. Schwanzziehen, etwas grobes Knuddeln und sonstige Spielereien erträgt sie mit einer erstaunlichen Geduld und Gutmütigkeit. Aisha macht jeden Spaß mit und wenn ihr der ganze kindliche Rummel mal zu viel wird, sucht sie sich einfach eine ruhige Ecke und zieht sich zurück. Noch nie habe ich erlebt, dass sie aggressiv wurde. Sie schnappt nach niemandem (außer nach dem Staubsauger... *g*) und hat insgesamt ein absolut ausgeglichenes und freundliches Gemüt.
Charakterlich sind Appenzeller aus meiner Sicht perfekte Familienhunde und man gewinnt gerade auch bei Aisha den Eindruck, dass sie den engen Familienanschluss wirklich braucht. Sie ist einfach nicht gerne allein und sucht entweder den Kontakt und die Zuneigung der Familie oder hält sich in der Umgebung der Kühe auf. Besonders stark merkt man das, wenn Aisha mal traurig ist. Dann sitzt sie bei den Kälbern und lässt sich hingebungsvoll ablecken. Eine weitere Sache, die zeigt, wie emotional Appenzeller sind und wie stark sie eine enge Bindung suchen – sowohl zu Menschen, als auch zu Tieren. Ein entsprechendes Umfeld ist für den Appenzeller daher unverzichtbar.
~ Die Erziehung ~
Aishas Erziehung stellt uns größtenteils kaum vor schwerwiegende Probleme. Im Großen und Ganzen ist sie pflegeleicht und macht wenig Blödsinn. Sie gehorcht aufs Wort, wenn auch nicht immer aufs erste. Sie weiß ganz genau, was sie darf und was nicht, was sie nicht immer daran hindert, etwas Verbotenes zu tun. Aber zumindest hat sie hinterher immer ein sehr schlechtes Gewissen und gibt sich unterwürfig. Es gibt ein paar Punkte, in denen sie in der Erziehung eine recht starke Hand braucht, insbesondere wenn vor lauter überschwänglichen Gefühlen beispielsweise beim Begrüßen mal wieder ihr Kopf aussetzt. Aber mit der verlockenden Aussicht auf eine leckere Belohnung beherzigt sie die meisten Regeln sehr gut.
Kontinuität ist bei Aishas Erziehung auch ein wichtiger Faktor. Man muss die Verhaltensregeln beständig trainieren und richtiges Verhalten konsequent belohnen, dann läuft es im Allgemeinen sehr gut. Die einzigen Punkte, wo sie oft nicht hören will, sind das Ausbellen von Fremden und eben das bereits erwähnte Anspringen zur Begrüßung. So eine überschwängliche Begrüßung (man könnte es eigentlich auch treffender als Ringkampf bezeichnen... *g*) habe ich übrigens auch schon oft bekommen, wenn ich nur mal für 2 Minuten auf dem Klo war. Wie gesagt, Appenzeller sind manchmal ein wenig verrückt... ;-) Ansonsten halte ich Appenzeller in Sachen Erziehung durchaus für verantwortungsbewusste Hundeanfänger geeignet. Für mich ist Aisha der erste Hund, für meinen Freund nicht, aber ich denke in der Erziehung kommen wir gleichermaßen gut mit ihr klar.
Schwierig ist manchmal höchstens ihre etwas ungestüme Art, die nicht immer ganz leicht zu bändigen ist. Sie ist durchaus in der Lage jemanden über den Haufen zu rennen und somit sicherlich kein Hund für ältere Damen.
[ ANSCHAFFUNG EINES APPENZELLERS: PRO & CONTRA ]
Hier noch einmal in aller Kürze ein paar Tipps, die man aus meiner Erfahrung vor der Anschaffung berücksichtigen sollte, damit Hund und Herrchen gleichermaßen mit ihrer Wahl glücklich werden, denn ein Appenzeller ist nicht uneingeschränkt für jede Wohn- und Lebenssituation geeignet.
• Appenzeller gehören nicht in eine Stadtwohnung. Sie brauchen viel Bewegung und Freiraum, am besten auf dem Land und in einer Umgebung mit anderen Tieren.
• Als Hütehunde brauchen sie eine Aufgabe und müssen gefordert werden. Wenn’s keine Tiere zu hüten gibt, kann das beispielsweise auch Hundesport sein.
• Appenzeller sind sehr emotional und brauchen sehr viel Zuwendung. Sie suchen Familienanschluss und können weder täglich mehrere Stunden alleine sein, noch im Zwinger gehalten werden.
• Sie brauchen jede Menge Spiel und Bewegung, am besten mehrmals täglich und sind somit nichts für Stubenhocker.
• Der Appenzeller bellt schon rassebedingt viel. Wen das stört, der könnte schnell ein wenig genervt sein.
• Man sollte den Bewegungsdrang der Appenzeller nicht unterschätzen, denn wem sie vielleicht in ihrer Art und ihrem Spielverhalten zu ungestüm sind, der wird vermutlich nicht so wahnsinnig glücklich mit dem Hund.
• Gleiches gilt für die Emotionalität der Rasse. Appenzeller brauchen eine intensive Bindung zum Herrchen und zeigen gerne und oft ihre Gefühle. Anspringen und Ankuscheln kommt da sehr häufig vor, darüber sollte man sich im Klaren sein.
• Weil die Lebhaftigkeit der Appenzeller gerne unterschätzt wird, kann ich nur dazu raten, sich vor dem Kauf einmal einen Appenzeller in Aktion anzusehen, damit man weiß, worauf man sich einlässt. Appenzeller sind halt ein wenig verrückt und ausgelassen, das sollte man stets im Hinterkopf behalten.
• Appenzeller-Züchter gibt es nicht an jeder Ecke, daher kann man dem potentiell Interessierten nur empfehlen, Augen und Ohren offen zu halten, sich durchzufragen und fleißig im Internet zu recherchieren, wo man auch einige seriöse Züchter findet. Wir haben unseren Hund auch nur rein zufällig über eine Anzeige im Tiermarkt der Zeitschrift Land & Forst entdeckt. Ein Tipp wäre beispielsweise der Schweizer Sennenhundverein für Deutschland unter http://www.ssv-ev.de.
Wer sich für einen Appenzeller entscheidet, wird aber in meinen Augen reichhaltig belohnt, denn es gibt einige Punkte, die für ihn sprechen:
• Der Appenzeller ist in seinem Bewegungsdrang und seiner Lebensfreude absolut ansteckend.
• Die einfache Fellpflege, die robuste Gesundheit und das zuverlässige Wesen des Appenzellers machen die Haltung recht leicht.
• Die Erziehung ist nicht sonderlich schwer, erfordert aber eine gewisse Konsequenz, aufgrund der manchmal doch recht ungestümen Art des Appenzellers. Mit dem Leckerli in der Tasche erzielt man aber gute Erfolge.
• Appenzeller sind ausgeglichen, gutmütig, verspielt und absolut kinderlieb: ein wunderbarer Hund für Familien mit großem Garten.
• Ein guter Wachhund, der bedrohlich wirken mag, aber nicht aggressiv ist.
• Appenzeller sind absolut liebenswürdig, emotional und anschmiegsam. Ein Hund, der sich gerne mal bei Herrchen anlehnt.
[ FAZIT ]
Was bleibt als Fazit noch festzuhalten? Wir sind mit unserem Appenzeller glücklich und zufrieden und haben einen Hund gefunden, der wirklich gut zu uns und unserer Lebensweise passt.
Empfehlenswert? Ja, aber nicht immer. Für jeden ist der Appenzeller ganz sicher nichts, aber wer ihm das passende Umfeld bieten kann und genau weiß, worauf er sich einlässt, der dürfte mit einem Appenzeller glücklich werden. Sie sind wirklich herzliche und liebevolle Tiere, auch wenn sie oft etwas ungestüm sind.
Bewertung? Kann man ein Lebewesen auf einer Skala von 1 bis 5 beurteilen? Wohl kaum, also gibt’s eine demonstrative Höchstnote. Schließlich ist der eigene Hund immer der beste und schönste...
~~ © 01/05 Espionne ~~
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