Hightech Antrieb mit mauen Fahrleistungen
21.08.2004
Pro:
Bremsen, Optik
Kontra:
Beschleunigung, Ergonomie,
Empfehlenswert:
Nein
 wunschbox50
Über sich:
Mitglied seit:14.08.2004
Erfahrungsberichte:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 24 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Im Winter 2002/2003 legte ich mir einen Aprilia Leonardo 125SR Bj 1997 (Kilometerstand 12000) zu, nachdem ich zuvor knapp 2 Jahre lang eine Piaggio Sfera 125 RST gefahren war. Da mein Arbeitsweg über 30KM Landstraße führt, benötigte ich einen Roller, der ein vernünftiges Fahrwerk hat und nicht von jedem entgegenkommenden LKW Richtung Böschung geblasen wird. Die Sfera war in dieser Hinsicht Lebensgefährlich.
Für den Leonardo entschied ich mich u.A. wegen der wirklich gut gelungenen Optik sowie allerlei Testberichte, bei denen die Tester stets begeistert waren vom Leonardo. Auf Wunsch einiger Leser werde ich meinen Bericht diesmal gliedern um eine bessere Übersicht zu erreichen.
Antrieb: Flüssigkeitsgekühlter 1-Zylinder Viertakter mit 4-Ventilen und 124 ccm Hubraum. Leistung 12PS bei 8800 U/min. Was sich auf dem Datenblatt als Kerniger Bursche darstellt, ist nach meinem Empfinden ein träger Geselle. Aus dem Stand beschleunigt der Leonardo so lahm, dass man sich Pedale zum mittreten wünscht. Sich im Stadtverkehr mit ihm zwischen Autos zu stellen kann man getrost vergessen, weil man nicht einmal ein Taxi neuerer Art (Mercedes E200 Cdi) zu verblasen schafft. Ab dem Modelljahr 2000 soll dies anders sein, weil die Varioabstimmung geändert wurde. Ist die 136 KG Fuhre aber erst mal in Fahrt, kommt der Vorteil der 4-Ventiltechnik zum Vorschein. Der Achtelliter ist ausgesprochen drehfreudig und zieht von ca 40 KM/h bis ca Tempo 100 mühelos durch, ohne angestrengt zu wirken. Dauertempo 100 ist ohne weiteres drin, wobei der Leonardo in allen Tests um die echten 110 KM/h schnell lief, er ist damit nach BMW C1 und Gilera Runner 125VX einer der schnellsten 125iger Roller überhaupt auf dem Markt. Der durchschnittliche Spritverbrauch lag bei mir bei 3,6 Liter Super, der Ölverbrauch bei ca 50ml/ 1000KM. Prädikat Landstraßentauglich aber kein Stadtflitzer.
Fahrwerk/Bremsen: Vorne Teleskopgabel, hinten 2 Federbeine. Bremsanlage: vorn/hinten Scheibenbremse, Einkolbenzangen, Stahlflexleitungen. Das Fahrwerk vermittelt einen ordentlichen Kontakt zur Straße,die hinteren Federbeine sind allerdings bockhart, bei schweren Bodenwellen kommt man sich gelegentlich vor wie ein Rodeoreiter. Fährt man vernünftige Reifen (zB Heidenau K61 Racer) ist der Leonardo vollkommen spurrinnenunempfindlich. Man kann als Vorderradbereifung entweder die Größe 130/70-12 oder 140/70-12 fahren, wobei der 130iger die Fahreigenschaften hinsichtlich Geradeauslauf sehr verbessert. Die Stahlflexbremsleitungen bürgen für einen guten Druckpunkt, die Bremsleistung ist sowohl bei Nässe als auch bei Trockenheit hervorragend. Ich hatte mal das zweifelhafte Vergnügen einer Vollbremsung, weil mir ein Linksabbieger die Vorfahrt nahm (Tempo 60 und 15 Meter Platz). Mit meinem Runner möchte ich mir das Gleiche nicht so gern vorstellen. Prädikat: Fahrwerk gut aber verbesserungsfähig, Bremsen Spitze. Ergonomie: Durch die gestufte Sitzbank gibt es nur eine einzige Sitzposition. Zusammen mit dem sehr stark gekröpften Lenker war es mir bei 1,85m nie wirklich bequem, permanent ist der Lenker den Knien im Weg, so dass man sich beim Abbiegen oft unsicher fühlt. Fährt man mit Sozius, hat es dieser auf dem Leonardo einigermaßen bequem (große Sitzbank, extra Fussrasten).
Sonstiges: Der Leonardo verfügt über ein großes Helmfach, in das man locker einen Wochenendeinkauf für einen Singlehaushalt verstauen kann. Der Tank befindet sich unter dem Trittbrett, was für einen niedrigen Schwerpunkt sorgen soll, in der Praxis wird damit das Tanken aber zur albernen Angelegenheit, weil der Tankstutzen sich ebenfalls auf dem Trittbrett befindet und man dadurch quasi im Knien tanken muß. Das der Tank voll ist, merkt man nur, wenn er bereits überläuft. Ein Schauglas für den Ölstand gibt es nicht, dafür einen Peilstab der herausgedreht werden muß, der Peilstab hat seine Position hinter dem Auspuffkrümmer unter der Heckverkleidung. Verbrannte oder aufgeschürfte Finger sind damit garantiert. Ein Ölwechsel (alle 4000KM) ist nur mit abgeschraubten Auspuff möglich, was mit 33€ Werkstattkosten teurer ist als bei meinem Auto. Einen Kickstarter gibt es nicht, also keine Experimente machen und brav alle 2 Jahre eine neue Batterie kaufen. Die Spiegel sind an dermaßen Kurzen Ausliegern angebracht, dass man wunderbar seine Schultern darin betrachten kann, keinesfalls aber den Verkehr. Alles was den Leonardo Anno 1997 ausgezeichnet hat, können heutige Roller meist genauso gut, abgesehen von der Optik natürlich.
Fazit: Ich bin den Roller 6 Monate lang gefahren – 5000KM. Störungen hatte ich keine, der Verbrauch ist im Rahmen, die Beschleunigung und die Sitzposition sprechen für mich aber gegen einen nochmaligen Erwerb. Zusammengefasst die Daten für den Aprilia Leonardo 125SR:
Gewicht 136KG Leistung 9KW/12PS bei 8800 U/min Höchstgeschwindigkeit 100 KM/h (laut allen Tests um die 110 KM/h) Tankinhalt 9,2 Liter Verbrauch 3,6 Liter (50% Stadverkehr/50% Landstraße) Preis für ein 97iger Exemplar mit 22000 KM laut Schwacke 1275€
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31.08.2004 23:25
Ich kenne die Ursprungsversion des Berichtes nicht, so ist er jedenfalls sehr brauchbar. Habe damals (1998) vom Kauf des Leos wegen der hohen Wartungskosten abgesehen und zu einer angeblich wirtschaftlicheren ET4 gegriffen. Nun kosten mich die Inspektionen (alle 5000 km) zwischen 160 und 200 Eur... Grüße, Thomas
21.08.2004 21:18
Schön das du diesmal geglidert hast, die Infos stimmen auch nur etwas mehr Erfahrung dann wäre es perfekt! Lieben Gruß-Sebi:)
21.08.2004 20:40
Ich habe zwar keine Ahnung von Motorollern - aber prima Bericht. lg, Nadja