Jagd nach der Wahrheit
02.12.2004
Pro:
Recht packende Verfolgungsjagd mit geschichtlichem Hintergrund, gefälliger Erzählstil, gute Personenbeschreibungen
Kontra:
Teils zu bedächtig, voraussehbarer, leicht enttäuschender Schluss
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 winterspiegel
Über sich:
Es gibt nichts Schöneres als das Mysteriöse. Aus ihm entspringt alle wahre Kunst und Wissenschaft......
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Eigentlich steht sie ja unverrückbar fest, ist sozusagen unwiderruflich in den großen Plan des Zeitgeschehens eingemeißelt – Geschichte. Ziemlich genau und sehr präzise kann man in Büchern nachverfolgen, was große Männer aus bestimmten Epochen geleistet (oder halt eben verbrochen) haben. Was aber, wenn sich irgendwann alles ganz anders darstellt; möglicherweise als leichte Verdrehung der Tatsachen, oder schlimmer noch - schlichtweg als ein ausgemachter, himmelschreiender Betrug?Handlung In einer eiskalten Januarnacht im Jahre 1778 inmitten des amerikanischen Revolutionskrieges, wird ein Soldat der kontinentalen Armee hellhörig, als er auf einer Waldlichtung unfreiwilliger Zeuge eines heimlichen Gesprächs wird. Das was der frierende Soldat hört schockiert ihn zutiefst, und kann es im Grunde immer noch nicht glauben. Nach einem darauf einsetzenden Handgemenge und einer kurzen Schießerei, fällt dem Wachsoldaten dann ein Schriftstück in die Hände, das die unglaublichen Aussagen die gemacht wurden, sogar Wort für Wort festhält. Der Soldat steckt das Dokument ein und versteckt es später bei seinen persönlichen Sachen. Doch Tags darauf wird er umgebracht und verscharrt. Das brisante Schriftstück gerät für lange Zeit in Vergessenheit… … bis 1977 ein Student der Universität von Harvard das Papier in einem Nachlass entdeckt. Er ist sich sofort dessen ungeheuerlicher Bedeutung bewusst, und zeigt es deswegen seinem Mentor Professor Nat Underhill. Kurze Zeit später sind beide Tod – ermordet. Anscheinend sind gewisse Leute hinter dem Dokument her, die auch vor äußerster Gewalt nicht zurückschrecken. Als nächstes wird die Aufmerksamkeit dieser Verfolger auf den Geschichtsprofessor Colin Chandler gelenkt, als die Reporterin Polly Bishop eine direkte Verbindung zu den Getöteten und Chandler in aller Öffentlichkeit herstellt. Als der Professor von den Killern kurze Zeit später ungebetenen Besuch bekommt, kann der gerade noch im letzten Moment flüchten. Es fällt Chandler nichts Besseres ein, als bei der Reporterin Polly Bishop Unterschlupf zu suchen, die ihn seiner Meinung nach erst in diese unglückliche Lage gebracht hat.Als die Jäger nach einer Weile auch dieses Versteck ausfindig gemacht haben, müssen der Professor und die Reporterin in aller Eile das Weite suchen. Wo befindet sich das Schriftstück jetzt, von dem die Killer glauben, dass es im Besitz von Chandler ist und was ist darauf geschrieben, dass sogar Menschenleben deshalb rücksichtslos aufs Spiel gesetzt werden…? Kritik Vorneweg: die ein bisschen auf Verschwörungs-Thriller hinarbeitende Aufmachung des Romans, ist im Grunde ein wenig irreführend. Das sollte einem schon hinreichend bewusst sein, bevor man „Aquila“ von Thomas Gifford vorschnell zu seiner Leseliste hinzufügt. Viel eher ist das Buch eine Agentengeschichte zu Zeiten des kalten Krieges, in der die konkurrierenden Systeme sich gegenseitig versuchen über den Tisch zu ziehen. Der Verschwörungsaspekt kocht die ganze Zeit über mehr oder weniger auf Sparflamme und zündet selbst beim haarig eingeleiteten Finale nicht mehr so richtig. Der eigentliche Aufhänger dieser Geschichte ist nämlich ein so genannter McGuffin. Also jener ominöse, schwer zu fassende Gegenstand, nach dem in der jeweiligen Handlung sämtliche Protagonisten wie wild hinterher sind. Simpel ausgedrückt: wenn alles zu einer heillosen Hetzjagd aufbricht, um dem schwer zu fassenden Phantomgebilde nachzujagen.Mit dem zunächst etwas behäbigen Harvard-Professor Colin Chandler und der taffen Fernsehreporterin Polly Bishop erschuf Thomas Grifford ein Gespann, bei dem kräftig die Funken fliegen. Anfangs wegen ihrer Differenzen und Streitereien -, später dann wegen den aufkommenden Gefühlen, die sie füreinander beginnen zu empfinden. Der Autor verstrickt diese beiden Hauptpersonen immer tiefer in die Machenschaften dieser undurchsichtigen Organisationen. Hierbei werden sie schon mal von mordlüsternen Killertypen oder zwielichtigen Sondereinsatztrupps in die Mangel genommen -, müssen mitten in der Nacht völlig überstürzt flüchten, oder in ein klappriges Wasserflugzeug steigen, das sie ins nächste unglaubliche Abenteuer stürzt. Hier hat der gute Schreiber teilweise ein wenig arg dick aufgetragen, z.B. wenn die beiden Turteltäubchen aus einer auswegslosen Situation nach der anderen herauskommen, ohne dass ihnen auch nur ein Haar gekrümmt wird. Dennoch ist die Geschichte eine größtenteils grundsolide Kriminalstory, die alles in allem spannend zwar, aber dann halt doch vereinzelt mit einigen Längen und Ungereimtheiten durchzogen wiedergegeben ist. Der Autor hat in einigen Passagen gepflegten Wortwitz, oder sogar Humor der etwas derberen Sorte eingebracht, sodass der allgemein ernsthafte Grundton der mehrheitlich düstern Handlung lesewirksam aufgelockert wird. Gifford schreibt außerdem ziemlich detailreich, mit teilweise recht blumigen Umschreibungen, die aber im Kontext immer noch sehr unterhaltsam wirken. Dem Inhalt merkt man an vielen Kleinigkeiten auch an, dass er in den 70ern verfasst worden ist – was allerdings überhaupt kein Nachteil darstellt, sondern vielleicht sogar nicht eines gewissen Charmes entbehrt.Fazit Wer nach einem schnellen Blick auf dem Buchrücken und der Inhaltsangabe, eine Verschwörungs-Story á la Dan Browns „Illuminati“ oder „Sakrileg“ erwartet, den muss ich leider ein bisschen enttäuschen, wenn auch diese Geschichte von der Grundstruktur recht ähnlich aufgebaut ist. Thomas Giffords in die Jahre gekommenes Spionagegeplänkel kann halt mit den Büchern des zurzeit angesagtesten Schreiber in diesem Bereich sicher nicht ganz mithalten. Erzählart, Tempo und Überraschungsmomente sind hier eher nach Hausmannsart, als nach dem Vorbild eines Vier-Gänge-Menüs zubereitet -, wenn auch immerhin noch in gehobenen Regionen angesiedelt. Eine insgesamt interessante, gut geschriebene Geschichte bleibt demnach trotzdem als Eindruck übrig, auch wenn der allerletzte Rest Inspiration fehlen mag, um die Story aus dem Fundus vieler gleichsam bemerkenswerter Erzählungen wirklich hervorzuheben. © winterspiegel für Ciao & Yopi Thomas Gifford Aquila Roman Bastei Lübbe367 Seiten Preis. 8.90 Euro
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02.01.2005 14:51
jemanden ereilt der Tod - und jemand ist tot....die Story hört sich ausgesprochen flach an. Nix für mich! Lg feliz
24.12.2004 14:41
Die Story reizt mich schon sehr, erinnert mich irgendwie leicht an eine Verschwörungstheorie a la "Rurpurnen Flüsse", wobei dieser Vergleich nur bedingt zutrifft und das genannte Werk in seiner Genialität beleidigen würde. Sagtest ja schon selber, dass es eher einer Agentengeschichte näher kommt und somit eine leichte Enttäuschung ist. Allgemein finde ich Romane mit schwachen Schluss eh nicht so prickelnd, werd also das Buch meiden. Danke für diese Rezension, hat mir echt geholfen, weil ich schon früher auf das Buch aufmerksam wurde. Irgendwie ist für mich der Titel noch ein Rätsel, warum "Aquila", sprich Adler? Kann sein, dass ich diese info überlesen habe, würde mich schon mal interessieren. lg. Fabian!
06.12.2004 15:39
Dann laß ich da wohl besser die Finger von. gruß, carmen