Arachnophobie

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Arachnophobie ist eine wirklich weitverbreitete Angst. Circa 80 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer ekeln sich vor Spinnen. Doch nur mit Ekel ist es bei vielen nicht abgetan, sondern es gibt natürlich Menschen, die regelrecht Angst und Panik bekommen, wenn ihnen eine Spinne über den ... Bericht lesen





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Geheilt oder nicht geheilt...
Erfahrungsbericht von Viti1961 über Arachnophobie
15.05.2003


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Eine Therapie hilft
Kontra: * grübel *  was soll ich hier schreiben??

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Arachnophobie ist eine wirklich weitverbreitete Angst. Circa 80 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer ekeln sich vor Spinnen. Doch nur mit Ekel ist es bei vielen nicht abgetan, sondern es gibt natürlich Menschen, die regelrecht Angst und Panik bekommen, wenn ihnen eine Spinne über den Weg läuft.

Bei mir war das auch so!
Ich möchte jetzt nicht groß auf meine Phobie eingehen, da ich das schon ausführlich im Bericht über Angstzustände getan habe. Nur eine kurze Einleitung, wie es bei mir war:
Wenn ich eine Spinne sah, bekam ich Schweißausbrüche, Herzrasen und das Gehirn setzte vollkommen aus. Nachts bekam ich Alpträume und die Stelle, an der ich die Spinne sah, war auf immer und ewig zu einer Gefahrenstelle verbannt.
Durch meinen Umzug letzten Sommer, hatte ich sehr viel mit Spinnen zu tun, da sie sich bekanntlich gerne hinter und unter Schränken aufhalten. Meine Phobie spitzte sich dermaßen zu, dass ich beschloss, eine Verhaltenstherapie zu machen.

Hier möchte ich euch den Verlauf und den Erfolg?? meiner Verhaltenstherapie näher bringen:

Als erstes haben mein Therapeut und ich versucht heraus zu bekommen, warum ich eines Tages diese große Angst entwickelte. Als kleines Kind hatte ich nämlich keine Angst vor ihnen. Wir konnten nur Vermutungen anstellen, wobei heraus kam, dass es wohl die dicke Kreuzspinne auslöste, die einmal im Urlaub über mein Bett krabbelte. Wenn die Angst auch nicht sofort in diesem Ausmaß da war, so steigerte sie sich doch in Laufe der Jahre.

Nach einigen Sitzungen, bei denen ich behutsam darauf vorbereitet wurde, dass es sich wohl im Sinne der Therapie nicht verhindern ließe, eine Spinne zu Gesicht zu bekommen, stellte sich bereits eine Veränderung bei mir ein. Diese Veränderung war aber nicht positiv, wie jetzt vielleicht einige von euch vermuten könnten. Im Gegenteil - ich bekam mehr Alpträume, wurde immer schreckhafter, sobald sich im Augenwinkel etwas bewegte usw.
Mein Therapeut erklärte mir, dass es vollkommen normal sei, da ich mich ja im Gedanken sehr viel mit Spinnen beschäftige, es würde aber bald vorbei sein. Sein Wort in Gottes Ohr, dachte ich mir, konnte aber noch nicht so recht daran glauben.

Dann war es soweit. Er brachte mir eine Zitterspinne in einem Glas mit, die ich mir ansehen musste. Alles sträubte sich in mir, aber ich war ja mutig und gehorchte. Am Ende der Sitzung meinte er doch tatsächlich, ich solle das Glas einstecken und zu Hause überall da hintragen, wo ich mich aufhalte.
Fast 5 Minuten habe ich gebraucht, um das geschlossene Glas überhaupt anfassen zu können. Dieses Glas in meine Handtasche zu stecken war ein Ding der Unmöglichkeit, also gab er mir eine Plastiktüte, die ich weit weg vom Körper bis nach Hause trug. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie unwohl ich mich dabei gefühlt habe.
Mit meinen Kindern zusammen übte ich dann zu Hause, das Glas ohne Zittern anzufassen und umher zu tragen, was mir nach schon zwei Tagen gelang.

Ich habe die Spinne im Glas ständig hin und her getragen und so langsam gewöhnte ich mich an ihren Anblick, so dass ich sie auch mal über längere Zeit beobachten konnte.
Als ich sie zur nächsten Sitzung wieder mitbringen sollte, steckte ich sie sogar in meine Handtasche.
Doch leider war es draußen noch so kalt, dass die Spinne wohl erfror, denn als ich sie auspacken wollte regte sie sich nicht mehr. Ich hatte ein ziemlich schlechtes Gewissen.

Nun sollte also die tote Spinne mein Versuchsobjekt sein! Mein Therapeut holte sie aus dem Glas heraus und ich sollte sie anfassen, was ich mich aber noch nicht getraut hatte. Erst bei der nächsten Sitzung nahm ich all meinen Mut zusammen und tat es - wenn auch mit stark zitternden Händen :-)

Da es zu diesem Zeitpunkt tiefster Winter war, war es auch schwer, eine lebende Spinne zu finden. Doch eines Tages hatten wir dann wieder eine. Wieder eine Zitterspinne von beachtlicher Größe.
Nun begann der Ernst!
Mein Therapeut schüttelte sie aus dem Glas und ich sollte sie mit dem Glas wieder einfangen. Ich zitterte am ganzen Körper und stellte mich dabei so hektisch und ungeschickt an, dass die Spinne vom Tisch fiel und ich mit einem merkwürdigen Laut zurückwich.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass mir die ganze Therapie überhaupt nichts bringt, denn die Panik war noch immer da.

Doch ein paar Tage später fiel mir die Veränderung, die mit mir passierte, auf. Ich baute ein Regal für ein Fensterschrank und wollte es einsetzen, als mir doch tatsächlich so eine große Spinne über dem Weg lief. Zuerst groß erschrocken (wie immer), holte ich aber gleich mein zurecht gelegtes Glas und wollte sie einfangen. Natürlich darf man hier keine großen Wunder von mir erwarten und ich stellte mich so dämlich dabei an, dass ich den Gläserrand genau auf ihren Körper drückte - das arme Vieh :-(
ABER.... Der gute Wille war schon da!
Zwei Monate vorher wäre ein solcher Gedanke undenkbar gewesen.

Ein Bekannter kam mich mal besuchen und ich zeigte ihm stolz mein Glas mit der Spinne. Er lachte und meinte, das wäre doch keine richtige Spinne. Dort, wo er arbeitet, nämlich in Schächten, dort wären "richtige" Spinnen! Ich packte die Gelegenheit beim Schopfe und sagte ihm, er soll mir doch mal eine mitbringen, was er nach zwei Wochen auch tat.
Eine Spinne mit 7cm Durchmesser, dicken Beinen und behaarten Körper - eklig!
Mein Glück war, dass diese Spinne nicht auf Glas laufen kann, so dass sie ihr Netz am Boden sponn.
Ich beobachtete Sie wie besessen, denn es ist die erste Spinne in meinem Leben, bei der man sogar die Augen sehen kann - oder anders gesagt, einer so großen Spinne war ich noch nie so nahe :-)

Ich erzählte meinem Therapeuten von ihr und er freute sich richtig, wie fasziniert ich von der Spinne sprach. Nun machte ich mir Gedanken, wie ich die Spinne möglichst lange behalten könnte, ohne dass sie mir verhungert, also suchte ich das WWW nach Infos ab. Wasser ist wichtig, aber sie kommen eine lange Zeit ohne Futter aus. Zuerst spritze ich das Wasser über die Luftlöcher ein und machte eine tolle Entdeckung - sie fing nämlich an sich zu putzen. Bein für Bein. Es war das erste mal, dass ich zu einer Spinne "putzig" sagte!
Mit der Zeit wurde ich immer mutiger und öffnete zum Wassergeben sogar den Deckel. Und dann kam ich zu einem kleinen Garten und sammelte Ameisen, damit mir meine Spinne nicht verhungert.
Ihr merkt, es scheint doch Erfolg gegeben zu haben mit meiner Therapie.

Mittlerweile klappt es mit dem Einfangen während einer Sitzung wirklich gut. Ich zittere dabei nicht mehr und verletze die Spinne auch nicht mehr. Wenn ich im Garten eine Spinne entdecke, was ja nicht gerade selten ist, so erschrecke ich zwar immernoch, aber ich lasse sie ruhig ihrer Wege gehen. Auch in der Wohnung habe ich schon Spinnen gefangen und lebendig entsorgt.

Fazit:
Ich möchte jedem, der unter einer Arachnophobie leidet, ans Herz legen, eine solche Verhaltenstherapie zu machen. Es hat mich nicht 100 Prozentig geheilt, denn anfassen würde ich eine Spinne immer noch nicht, außer sie ist tot (und auch hier war es vorher nicht möglich, aber das Leben ist gefahrloser für mich geworden, was ich für mich als großen Erfolg ansehe.

Hier noch ein paar Fakten zur Verhaltenstherapie:
Um eine solche Therapie überhaupt machen zu können, braucht man entweder einen guten Arzt oder Psychiarter, der die Notwendigkeit der Krankenkasse bestätigt, oder viel Geld ;-)
Mir wurden von der AOK 25 Therapie-Stunden genehmigt, die meines Erachtes vollkommen ausreichend sind.
Man sollte sich nicht gleich den nächstbesten Psychologen aussuchen, sondern es muss schon eine Person sein, der man Vertrauen entgegen bringen kann. Ist einem der Psychologe unsympatisch, dürfte es schwierig sein, sich voll und ganz auf ihn zu verlassen - und das ist bei einer solchen Therapie sehr wichtig. Mein Therapeut merkte sofort, wenn er zu viel von mir verlangte und gönnte mir die Erholungspause, die ich brauchte.

Zum Abschluss noch ein wenig Lustiges:
Meine Spinne heißt "Jungfrau Maria", da sie zum zweiten mal Eier gelegt hat und das ganz ohne Mann. Wie macht sie das??

Also nochmals: Auch wenn es im ersten Moment unmöglich erscheint, so sollte man den Schritt zu einer Therapie ruhig wagen, denn so wird das Leben angstfrei und wieder lebenswert ;-)

Die Bewertung zum Produkt bezieht sich auf die Verhaltenstherapie und nicht auf die Arachnophobie.   
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