Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
man lernt etwas |
| Kontra: |
Arbeitsatmosphäre, Überstunden, Gehalt, schlechte Übernahmechancen |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Ich habe Ende 2003/Anfang 2004 ein dreimonatiges Praktikum in der Abteilung Public Affairs und Communications der Coca-Cola GmbH absolviert. Geplant waren eigentlich sechs Monate, ich habe dann aus studien-organisatirischen Gründen verkürzen müssen, war aber um ehrlich zu sein nicht allzu traurig darüber. Doch dazu später mehr.
Ich habe in der Presse erfahren, dass Coca-Cola von Essen nach Berlin zieht. Da ich vor dem Abschluß meines Studiums noch ein Praktikum in der Öffentlichkeitsarbeit eines großen Unternehmens absolvieren wollte und Coca-Cola spannend und nach viel Spaß klang, habe ich mich spontan online beworben.
Ich bin dann auch ein paar Wochen später zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden und musste mich zu diesem Termin bei zwei Abteilungsleitern und in der Personalabteilung vorstellen. Offenbar habe ich einen guten Eindruck gemacht, denn ich bekam das Praktikum. Auch wenn die Bezahlung mäßig war (bei einem Studentenjob verdient man in 20 Stunden pro Woche mehr als bei Coca-Cola in 38 Stunden), habe ich mich sehr gefreut.
Da ich auch viele andere Praktikanten kennengelernt habe, kann ich sagen: Gute Chancen hat, wer am Ende seines Studiums steht und bereits viele Erfahrungen in anderen Unternehmen gesammelt hat. Nicht so gern genommen werden Leute, die ihr Stdudium bereits beendet haben und eigentlich auf der Suche nach einem richtigen Job sind, weil die oft vorzeitig kündigen. Aber einen Versuch ist es wert, es gab auch solche Praktikanten.
Doch zurück zu meinen Erfahrungen. In den ersten zwei Wochen ging ich voller Begeisterung an die Arbeit und dachte: Das ist der Job, den ich spätern gern machen würde. Alles war neu und spannend, die Aufgaben vielfältig. Wir bereiteten gerade die X-Mas Truck-Aktion vor und es gab viel zu tun. Ich beantwortete vor allem per E-Mail die Anfragen von Verbrauchern (nach Standardvorgaben), gelegentlich auch die Anfragen von Journalisten (nach Rücksprache mit der Chefin), schrieb Texte für die Mitarbeiterzeitung (nach Abstimmung), erstellte den Pressespiegel (unter Aufsicht), übernahm diverse Sekretariatsaufgaben, verschickte PINs an Sammler und ordnete das Videoarchiv neu.
Und da sind wird auch schon beim Hauptproblem: Im Laufe der Zeit durfte ich kaum selbständiger arbeiten. Jeder Arbeitsschritt musste abgestimmt werden. Zuviel Eigeninitative war unerwünscht. Die Sektretariatsaufgaben überwogen. Das machte die Arbeit schnell langweilig und unbefriedigend.
Es gab eine Ausnahme: Ich durfte an den Agenturpräsentationen für ein neues Produkt teilnehmen. Dabei stellten drei namhafte PR-Agenturen ihre Ideen für eine neue Kampagne vor. Es war interessant, die verschiedenen Ideen zu vergeleichen und zu überlegen, was wohl warum bei den Käufern besser ankommt.
Insgesamt habe ich auf jeden Fall etwas gelernt, über das Fachliche hinaus vor allem im menschlichen Bereich: Die Arbeitsatmoshäre ist wichtiger als der Job an sich. Und: Kein Job ist es wert, dass man dafür völlig auf ein Privatleben verzichtet. Das ist nämlich Standard bei Coca-Cola.
Alle Kollegen waren chronisch gestreßt und daher häufig gereizt. Da helfen auch die teuren Parties nicht, die regelmäßig für die Mitarbeiter veranstaltet werden (gelegentlich werden die Praktikanten sogar eingeladen).
Alle Kollegen arbeiteten bis in die späten Abendstunden. Aber keiner war bereit, etwas von seiner Arbeit abzugeben, zum Beispiel, damit die Praktikanten etwas zu tun haben. Besonders in den letzten Wochen musste ich oft von Tür zu Tür gehen und bei den Kollegen regelrecht betteln, dass sie mir was zu tun geben.
Das Paradoxe: Obwohl ich wenig zu tun hatte, wurden Überstunden erwartet. Da ich jedoch im Gegensatz zu den anderen Kollegen ein Privatleben habe und zu diesem Zeitpunkt wegen diverser Wehwechen oft den Arzt oder Physiotherapeuten aufsuchen musste, bin ich meistens pünktlich gegangen und hab pro Woche nur etwa zwei Überstunden gemacht. Ich war ja längst mit meiner Arbeit fertig und niemand wollte mir weitere Aufgaben geben. Und vom Rumsitzen nur um Anwesenheit zu beweisen halte ich überhaupt nichts.
Bei den Kollegen und Chefs galt ich dadurch schnell als faul, was sich natürlich am Ende auf mein Zeugnis auswirkte. Auch sonst musste ich leider im Abschlußgespräch feststellen, dass mir wohl zum ersten Mal in meinem Leben kein 1er-Zeugnis ausgestellt werden würde. Denn hinter meinem Rücken hatten sich manche Kollegen über die absonderlichsten Dinge beschwert, statt mir mir ehrlich über mein angebliches Fehlverhalten zu reden. Vieles hätte sich im Gespräch leicht klären lassen.
Außerdem würde mir vorgehalten: Ich hättte zu wenig Einsatz gezeigt (weil ich so wenig Überstunden gemacht hab!) und ich wäre zu oft krank gewesen (das hab ich mir auch ausgesucht!).
Am Ende war ich jedenfalls froh, dass das Praktikum vorbei war. Mittlerweile arbeite ich in einer kleinen PR-Agentur, in der man mir unheimlich viel zutraut und mich sogar selbständig Kunden betreuen läßt. Inzwischen bin ich inoffiziell zur stellvertretenden Geschäftsführerin aufgestiegen. Ich arbeite mal 6 Stunden am Tag, mal 10, je nachdem wieviel Arbeit anfällt. Und ich fühle mich unheimlich wohl, weil die Kollegen in der Agenatur, obwohl sie mindestens genausoviel Streß haben wie die Leute bei Coke, immer entspannt und freundlich sind.
Bei Coca-Cola habe ich gerlernt, was ich nicht will: Ein Leben zu führen, wie die Kollegen dort.
Wer jedoch unbedingt Karriere machen will, der fühlt sich dort sicher wohl. Es gab auch Praktikanten, die fanden es ganz gut. Ich war allerdings auch nicht die einzige,, der es nicht so toll gefalllen hat. Und natürlich macht sich ein Praktikum bei Coca-Cola gut im Lebenslauf. Darauf, möglicherweise nach dem Praktikum in eine Festanstellung übernommen zu werden, haben bisher alle Praktikanten umsonst gehofft. In meiner Zeit wurden zwar zwei neue Stellen geschaffen, die wurden aber mit gestandenen Kommunikationsmanagern Anfang 30 besetzt.
Ich muss noch darauf hinweisen, dass sich meine Beobachtungen ausschließlich auf die Kommunikations-Abteilung beschränkt. Von anderen Praktikanten in anderen Abteilungen habe ich auch viel Positives gehört, besonders im Finanz- und Logisttikbereich. Dort wird auch ab und zu jemand übernommen.
Mehr Infos zu Praktika bei Coca-Cola im Internet unter:
http://www.coca-cola-gmbh.de/index.jsp