Arbeiten bei DaimlerChrysler Aerospace

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Heute will ich über die Erfahrungen mit meiner Firma berichten und da speziell über meinen Fachbereich, wo ich ab 1985 für die Leitung des Entwicklungsbereichs zuständig war. Es geht weniger um mich als Person sondern eher um das Verhalten des Managements. Seine strategischen Entscheidungen, ... Bericht lesen





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Goldenes Kalb - Shareholder Value....
Erfahrungsbericht von farnbauk über Arbeiten bei DaimlerChrysler Aerospace
10.07.2005


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Sehr innovativ,
Kontra: Ein Multinationaler Konzern und Arbeitsplatzvernichter

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Heute will ich über die Erfahrungen mit meiner Firma berichten und da speziell über meinen Fachbereich, wo ich ab 1985 für die Leitung des Entwicklungsbereichs zuständig war.

Es geht weniger um mich als Person sondern eher um das Verhalten des Managements. Seine strategischen Entscheidungen, die letztlich als beispielhaft für unsere "Global Player" Industrie stehen kann.

┌══════════════════════════════════════════════
│ ** Etwas Firmen Geschichte aus persönlichem Blickwinkel **
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Etwa 1982 wurde in Gräfenberg (ca. 20 km nördlich von Nürnberg gelegene Kleinstadt)der entscheidende Schritt der Konversion von einem auslaufenden Produkt, es wurden Potentiometer gedruckt (und Schalter gefertigt), zu einem zukunftsorientierten neuen Produkt unternommen.
Dies war der beginn der Polyester-Membran-Drucktechnologie als Basis für das neue Geschäftsfeld Folientastaturen, Schalter und Kleinbaugruppen.
Zu dem Zeitpunkt hatten dort etwa 250 Personen Lohn und Brot.
Die AEG Telefunken (später Telefunken electronic) war für diese Region als größter Unternehmer ein entscheidender Wirtschaftsfaktor.

Die Mitarbeiter in der Entwicklung und Arbeitsvorbereitung, aber auch im eigenen Werkzeugbau waren kreativ und inovativ!
Mit Recht führte Telefunken electronic den Begriff "Kreative Technologien" im Logo.

Mitte 1985 trat ich in diese Firma ein und musste rasch, mit 3 Jahren Berufserfahrung nach meinem Studium, als Werkstoffwissenschaftler (Kunststoffe) quasi fachfremd in einem Elektronik Konzern die Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung mit über 20 Personen leiten.
Was wir entwickelten, gab nahezu 300 Personen Lohn und Brot.
Wir hatten unseren abgeschlossenen Bereich und galten als einer der beiden größten Hersteller für Folientastaturen in Europa.
Mit zweistelligen prozentualen Wachstumsraten, bei konstantem Entwicklungs- und Fertigungspersonal mussten die Gewinne eigentlich explodieren.

┌══════════════════════════════════════════════
│ ** Was ab 1985 geschah! **
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Doch das Unheil zog schon heran!
Die AEG wurde vom Daimler Benz Konzern übernommen.
Der Anteil der US Firma UTC, die 49% an der "Telefunken electronic" hielt, wurde zurückgekauft, wie der 2% die einem Bankenkonsortium gehört hatten um eine Dominierung zu vermeiden.

Diese "Telefunken electronic" (Hauptsitz in Heilbronn, mit Werken in Nürnberg, Ingoldstadt und Gräfenberg) wurde mit anderen Erwerbungen des Daimler Benz Konzerns (MBB, DASA um nur einige zu nennen) zu einem Elektronik Konzern verschmolzen und aus der AEG herausgelöst.

HIER SIND WIR VOLL IM THEMA!

Es wurde der unbekannte Name "TEMIC" für das neue Konstrukt gewählt (Telefunken Microelectronik - "täglich etwas mehr in Chaos" unter den Mitarbeitern).

EDZARD REUTER hatte als Daimler Vorstandsvorsitzender einen Konzern geformt, der als Automobilzulieferer auftreten sollte.
Besonders im Bereich Nürnberg sollte investiert werden.
So war der O-Ton!
┌══════════════════════════════════════════════
│ ** Was ist nun 1993 wirklich geschehen? **
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Firma TEMIC erhält ein neues Werk geschenkt
═══════════════════════════════════════
1993 hat die Temic den 75 Mio teuren Bau im Nordosten von Nürnberg (Sieboldstr.) bezogen.
Die Temic / DaimlerKonzern/AEG haben von der Stadt Nürnberg und vom Freistaat Gelder erhalten (angeblich gesamt 30 Mio DM) mit der Auflage an dem Standort 1000 Arbeitsplätze zu garantieren. Die restlichen Summen zur Finanzierung sind sicherlich aus dem Verkauf des Geländes in Gostenhof im Kern von Nürnberg (Obere Kanalstraße) und dem Werksgelände in Gräfenberg zu decken gewesen.
Also ein nagelneues Werk zum Nulltarif für die damals ca. 650 Mitarbeiter.

Der Bereich "Folien und Tastaturen" MUSS nach Nürnberg in das gemeinsame Werk umziehen. Dies schädigt den strukturschwachen Raum dort im südlichen Oberfranken. Einige der Mitarbeiter sind nicht bereit täglich etwa eine Stunde länger als bisher auf dem Weg zur Arbeit zu sein. Viele aus den Hinterland springen ab.

┌══════════════════════════════════════════════
│ ** TEMIC vernichtet Arbeitsplätze am Standort Nürnberg **
└──────────────────────────────────────────────
1995 Prof. JÜRGEN E. SCHREMPP löst EDZARD REUTER ab!

Bis 1997 werden planmäßig keine Arbeitsplätze geschaffen, sondern vernichtet.
Dies betrifft ab 1995/6 speziell Mitarbeiter im Operativen Bereich.

1996: Die "Smart Membranes"-Sparte, wie man die Mitarbeiter, zu denen auch ich gehöre jetzt nennt, geht nach Budapest/Pécel.

• Der Bereich "Folientastaturen" wurde nach Ungarn verlagert.
Dies betraf anfangs nur der operative Bereich und die Arbeitsvorbereitung.
Die freigesetzten Mitarbeiter wurden teilweise direkt umgesetzt und teilweise bei der GPQ (Gesellschaft für Personalentwicklung und Qualifizierung) geparkt (und haben dort mit 0-Stunden Kurzarbeit die Sozialkassen und somit unseren Geldbeutel belastet) dann integriert bzw. doch in die Arbeitslosigkeit entlassen.
Andere akzeptierten Aufhebungsverträge gegen Abfindungen.
Das tragische war, dass in etwa im gleichen Zeitraum in Nürnberg Firmen wie Triumph Adler, SEL, Grundig, Phillips uvm. auch Arbeiter freigesetzt hatten.

In Ungarn wurde (angeblich) vom Staat, wegen Ansiedlung einer neuen Technologie, an Temic Millionenbeträge (DM und nicht nur Forint) zugeschossen, die dann teilweise als Gewinne abgeschöpft wurden, denn für Investitionen war im weiteren das Geld immer knapp.

• In 1997 wurde dann noch die Kerntechnologie der Folienverarbeitung, der automatische Rollen Siebdruck nach Ungarn verlagert.

• In 1997 wurde daneben auch die andere Kerntechnologie die Hybridentwicklung und ein großer Teil der Fertigung an Wettbewerber (Siemens und SEL) verkauft, die Mitarbeiter direkt und teilweise wieder über die GPQ geschleust entlassen. Einige wurden dort wieder eingestellt.

• Im Oktober 1997 wurde dann der Entwicklungs- und Vertriebsbereich der Folien (zusammen mit der Ungarn Produktion)an die Firma Freudenberg verkauft. Der Temic Standort verlor wieder 15 Mitarbeiter die im April 1998 auszogen.

1997 besitzt die TEMIC in Nürnberg Mitabeiterzahlen die etwa auf dem Niveau von 1993 liegen. Hier ein Auszug eines offenen Briefes an die Presse und die Bundestagsabgeordneten, als Reaktion auf einen Jubelartikel in den Nürnberger Nachrichten:
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Fakt ist, das die in der Presse genannten Mitabeiterzahlen eigentlich nur das Niveau von 1993 erreichen.
Dies positiv darzustellen ist schlicht eine Lüge.
Was denken alle die Kolleginnen und Kollegen, die auf dem Altar des "Shareholdervalue" geopfert wurden, die die Inkompetenz des Managements und die Menschenverachtung büßen mussten, wenn sie diese Artikel lesen?
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Die Presse kolportiert weiter: Keine qualifizierten Entwickler in Franken
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Die größte Frechheit ist die Aussage in Franken seien keine qualifizierten Entwickler zu finden.
Die Temic (und andere Philips, Grundig, IR3, TA u.a.) haben das ihre getan, die Leute die 55 und älter waren in Vorruhestandsregelungen zu treiben, damit sie aus der Arbeitslosen Statistik heraus waren (teilweise auch wieder mit Struktur Kurzarbeit überbrückt) und schreien nun nach den jungen, dynamischen Ingenieuren 30 Jahre alt mit 20 Jahren Berufserfahrung.
Die Potentiale in den Köpfen der entlassenen Mitarbeiter, sind dank der gesetzlichen Regelungen die die Union, speziell in den letzten Jahren verbrochen hat, unrettbar verloren. Jeder der reaktiviert wird, würde seine persönliche Rentensituation erheblich verschlechtern.

Doch weiter:
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Ungarn Produktion - Nicht alles ist Gold!
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Zuständig für die Entwicklung im Bereich "Smart Membranes" bin ich einer der Köpfe der Führungsmannschaft in Deutschland im Standort Nürnberg!

Seit 1996 versucht dieser "Folienbereich" der Temic eine "kleine Zelle" der Entwicklungsabteilung in Ungarn aufzubauen und am Leben zu halten.
Es ist äußerst schwierig (wenn man nicht solide und überhöhte Löhne anbietet) dort mäßig gute Entwickler zu bekommen, auszubilden und bei der Stange zu halten.
Die Potentiale sind sehr begrenzt. Der technologische Stand ist, trotz einer enormen Aufholgeschwindigkeit und einem Vorsprung, den Ungarn vor den anderen Ostländern durchaus hat, 15 Jahre hinter der BRD zurück.
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Informationsdefizit der Manager
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Man sieht sich hier wieder mit dem Informationsdefizit der Manager (und der Temic Werbeabteilung) konfrontiert.-
Oder es wird hier wider besseres Wissen gelogen.
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Die Freudenberg Mektec glaubt dies und hat den Bereich gekauft!
Viel zu spät bemerkt dort das Management, dass es von Daimler Benz über den Tisch gezogen wurde.
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Im Oktober 1997 verlasse ich deshalb die Firma Temic und damit Daimler Chrysler Aerospace! Verkauft wie im Altertum die Sklaven!


Weiter über meine Firmen Erfahrung berichte ich in meinem Bericht über die Firma Freudenberg!

Aus gegebenem Anlass:
@ Milsch: ich denke in diesem Bericht durchaus von Erfahrungen berichtet zu haben, die ich in meiner zweiten Stelle, nach meinem Studium gemacht habe.
Sollte er selbst andere Erfahrungen gemacht haben kann er es gerne auch als Bericht darlegen!
Warum soll es mir, der ich im mittleren Management beschäftigt, einen tiefen Einblick gewonnen habe, hier verboten sein meine Eindrücke zu schildern!
Jeder sollte wissen in welcher Firma er Arbeit und Karriere sucht!

FREE SPEECH ON THE WEB!

Gerne auf Wunsch von Suse1919 noch ein paar allgemeine Dinge zur Firma:

Betriebsklima:
In dem Bereich in dem ich gearbeitet habe war das Betriebsklima im Großen und Ganzen in Ordnung (Ausnahmen s. mein Mobbing Bericht), bis die Personalreduzierung einsetzte. Für Personen im operativen Bereich war das eher weniger. Es wurden im Laufe der Zeit massiv Arbeitsplätze abgebaut, was nicht förderlich ist um ein gutes Betriebsklima zu erreichen. "Warum gerade ich und nicht der?" ist eine bekannte Frage.

Soziale Absicherung:
Der Fachbereich der von mir beschrieben wurde, ist inzwischen an die Firma Continental verkauft und heute sehr erfolgreich tätig.
Wer dort rein kam hatte einen sicheren Arbeitsplatz.
Die sozialen Leistungen waren von hervorragend auf durchschnittlich reduziert worden.
Die Betriebsrente war trotzdem deutlich höher, als z.B. die bei Freudenberg. Mann musste allerdings mindesten 10 Dienstjahre im Stück haben.
Als Vermögenswirksame Zusatzleistung wurden (begrenzt) Aktien zum halben Börsenkurs abgegeben.
Für AT Angestellte konnte Direktversicherung abgeschlossen werden.

Ausbildung:
Die Ausbildung, die Anfangs sehr gut war (es sind damals etwa 15 Azubis auf 300 Personen gekommen) wurde stark eingeschränkt und eingestellt.
So mussten Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt geholt werden, was über Leiharbeitsfirmen geschah. Es wurde gemäß der laufenden Personalabbaumaßnahmen sehr sparsam getan.

Kariere:
Für Berufsanfänger, die als Akademiker kamen war die Situation relativ gut. Es wurde nach Metall Tarif bezahlt, der innerhalb der ersten Jahre gute Chancen bietet.
Bei späteren beurteilungsabhängigen Erhöhungen war man sehr kleinlich und restriktiv.
Die Weiterbildung von Facharbeitern zum Techniker wurde gerne gesehen, finanziell aber nicht unterstützt.
Eine entsprechende Gehaltsanpassung nach Vorlage des Abschlusses aber war stets fair.
Die Aufstiegsmöglichkeiten sind eher schlecht. Es war nicht üblich Management Posten (bereits Abteilungsleiter) aus der Firma zu besetzen.

Management Verhalten:
Die Anfangs flache Hierarchie wurde immer höher, was den vertikalen Informationsfluss verfälschte und behinderte.
Das Management wusste nicht mehr, was in operativen Bereichen oder in Entwicklungsabteilungen wirklich ablief.
Deshalb hatten sich im Laufe der Zeit zwischen den Fachbereichen hocheffiziente Querverbindungen etabliert.
So hatte ich stets persönlichen Kontakt zu anderen F&E Managern, wie auch unsere Labors zu anderen Labors. Aber durch Frühverrentung sind viele solche gewachsene Strukturen zerbrochen.
Nur ein Beispiel:
Eingefahrene Strukturen behinderten realistische Kostenermittlungen. Es wurde an Faktoren gedreht statt die Erfassungsbasis anzupassen.
Der Fachmann weiß was eine Zuschlagskalkulation mit einem Faktor 500% oder gar 2000% bedeutet. Deckungsbeiträge waren demgemäß unrealistisch und falsch.
Entscheidungen auf solcher Basis mussten falsch sein.

Dass ich trotzdem gerne dabei geblieben wäre liegt am Produkt und an den Menschen.
Deshalb kann ich die Firma schon (mit Abstrichen) empfehlen. ( * * * )


   

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