Arbeiten bei IKEA

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... Von nun an sollte ich mich einfach hinter einen Kollegen stellen und ihm beim Arbeiten über die Schulter schauen.... Nach einer gewissen Einlernphase würde ich dann selbstständig mit den Kunden arbeiten und die Kollegen würden schauen, ob ich alles richtig mache. Meine Aufgaben ~~~~~~~~~~~~~~ Der ... Bericht lesen





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Erfahrungsbericht von Embraceable über Arbeiten bei IKEA
02.10.2004


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Gute Atmosphäre, tolles Firmenkonzept, Mitarbeiterkantine, Personalrabatt
Kontra: um vieles muss man sich selbst kümmern und es durch mühsames Erfragen rausbekommen

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Liebe Gemeinde,


da meine Arbeit bei Ikea auf großes Interesse hier gestoßen ist, möchte ich ein wenig darüber berichten, wie es so hinter den Kulissen aussieht bei dem schwedischen Möbelgigant.


Vorgeschichte
~~~~~~~~~~~

Ich war schon immer ein großer Fan von Ikea und mindestens zwei Mal im Jahr haben wir die einstündige Fahrt auf uns genommen und sind zu Ikea nach Walldorf gefahren. Das obligatorische 100er Pack Teelichter war genauso selbstverständlich im Wagen wie die Kekse aus dem Schwedenshop, Ikea ist einfach kultig und man darf dazu stehen.
Mit großer Begeisterung erfuhren wir dann, dass einen Ort neben unserer Kleinstadt ein neues Einrichtungshaus entstehen sollte.
Tierisch freuten wir uns und ich malte mir schon aus, wie toll es sein würde, dort während meines Studiums zu arbeiten.


Bewerbung
~~~~~~~~~~

Drei Monate vor Eröffnung und somit viel zu spät, schickte ich meine Bewerbung los. Ich versuchte eine etwas locker wirkende, auf das Firmenkonzept abgestimmte Schreibe zu integrieren und bekam wenig später ein Schreiben. Dies war keine Absage, sondern eine Meldung, dass Ihnen meine Bewerbung gefallen hätte und sie ggf. auf mich zurückkommen würden.
Ich war hartnäckig und schickte eine zweite Bewerbung. Wieder ein sehr freundliches Schreiben, das keinesfalls so aufgesetzt war wie die anderen, die ich von der Konkurrenz bekam.

Ein paar Monate später, die Filiale in Mannheim hatte schon längst auf und ich war wöchtenlich dort anzutreffen, war ein Anruf auf meinem AB.
Eine nette Stimme verkündete mir, dass sie Interesse an meiner Bewerbung hätten und ich mich doch mal melden sollte.
Natürlich griff ich am nächsten Morgen gleich zum Hörer und machte einen Vorstellungstermin.

Vorstellungsgespräch
~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Ich ging am ausgemachten Termin frühzeitig zum Personaleingang, meldete mich an und bekam einen Besucherausweis, wurde zu einer Sitzecke begleitet und sollte dort auf den Personalchef warten.
Ein paar Minuten später kam ein sympatisch aussehender Mann Mitte dreißig im typischen Ikea Look auf mich zu und stellte sich vor.
Ich dachte, er würde mich jetzt zu dem vereinbarten Gespräch bringen, aber dem war nicht so, mit ihm sollte ich mein Gespräch führen. Es folgte ein einstündiges total enstpanntes einfach geniales Vorstellungsgespräch. Wir lachten viel und unterhielten uns sehr locker.

Ich war für den Bereich Kundenservice vorgesehen und als ich gefragt wurde, wo ich gerne eingesetzt werden würde, war ich mir nicht so sicher und antwortete kess:
"Wo würden sie mich denn einsetzen wollen?"
Mit dieser Frage habe ich mich wohl in sein Herz katapultiert, er machte mir ein Kompliment wegen meiner rhetorischen Fähigkeiten und meinte, er würde mich gerne am Return einsetzten, also dem Reklamationsschalter und er meldet sich, sobald er mit dem Chef vom Return geredet hat.

Danach hatte ich noch ein Gespräch mit Oliver, meinem jetzigem Teamleiter. Wieder eine Stunde mit konkreten Problemstellungen, die ich lösen sollte, also nachgestellten Kundenproblemen usw. War eigentlich auch sehr gut verlaufen und er meinte, er sei geneigt, mir den Job zu geben, muss aber noch mit seinem Chef reden und er wolle sich dann in zwei Tagen melden.

ENDLICH kam der Anruf von Oliver und die Meldung, dass ich eingestellt bin. Ich solle auf Post warten....Die kam dann auch und ich war gespannt auf meinen ersten Arbeitstag.


Mein erster Tag
~~~~~~~~~~~~~~

Kirsten, die für mich zuständig war in der Personalabteilung begrüßte mich und eine andere Neue zusammen und führte uns nach einem kurzem Gesräch und dem Verteilen einiger Kleinigkeiten wie dem Namensschild und dem Datenchip für die Stechuhr in die Kleiderkammer.
Eine Bedingung, die man Erfüllen muss, wenn man bei Ikea arbeiten will, ist das Einverständnis mit der Einheitskleidung.
Da es verschiedene Varianten gibt, kann man dennoch ein wenig individualisieren, aber die Kleidung dient einem bestimmtem Zweck, komme ich später noch zu.
Nach der Einkleidung (ich bekam als Samstagskraft eine Hose, eine Kurzarmbluse, ein Langarmhemd, ein T-Shirt und eine Weste) ging's direkt zu meinem Chef, Oliver.

Er begrüßte mich mit den Worten:
"Hi, lass uns erstmal Kaffee trinken gehen". Also gingen wir in die Mitarbeiterkantine und tranken gemütlich einen Kaffee und plauderten über meine Eindrücke.
Danach machte er eine komplette Hausführung mit mir in der wir dutzende Male irgendetwas von Kunden gefragt wurden und ich natürlich als Anfänger nur dürftige Auskünfte geben konnte.

Schließlich kamen wir zu meinem neuen Arbeitsplatz und ich wurde meinen zukünftigen Kollegen vorgestellt. Von nun an sollte ich mich einfach hinter einen Kollegen stellen und ihm beim Arbeiten über die Schulter schauen....
Nach einer gewissen Einlernphase würde ich dann selbstständig mit den Kunden arbeiten und die Kollegen würden schauen, ob ich alles richtig mache.


Meine Aufgaben
~~~~~~~~~~~~~~

Der Bereich Return ist von allen Bereichen im Kundenservice der umfangreichste und auch der anspruchsvollste. Ich fühlte mich also schon ein wenig geehrt ohne kaufmännische Erfahrung gleich auf die Menschheit losgelassen zu werden.

Zu unserem Schalter kommen Kunden, die ein Problem haben und das hat ja bekanntlicher Weise jeder mal gehabt mit Möbeln von Ikea *g*.

Wir sind dann da, um die Ware, umzutauschen, zu ersetzten, Schrauben, Schaniere und Kleinteile zu beschaffen aus unserem Lager oder zu bestellen und Beschwerden jeder Art entgegen zu nehmen.

Sicherlich denken jetzt viele, dass wir es nur mit schlechtgelaunten, verärgerten Menschen zu tun haben, aber dem ist gar nicht so.
Da unser Haus in Mannheim (noch) sehr kulant ist, freuen sich die Kunden immer riesig, wenn wir versuchen, das Unmögliche möglich zu machen.

Dabei hat jeder Mitarbeiter große Selbstverantwortung. Sicher gibt es ein paar Grundregeln, die wir beachten müssen, aber es ist jedem Mitarbeiter selbst überlassen, ob wir die Ware nun umtauschen oder nicht, wenn ein kritischer Fall vorliegt. Im Zweifelsfall kann immer ein Teamleiter dazu gerufen werden, wenn man sich nicht sicher ist.
Diese Verantwortung finde ich klasse, denn dadurch bildet sich kein sturer Arbeitsablauf, sondern ein ständiges Überdenken der eigenen Handlung die für den Kunden, das Einrichtungshaus und last but not least den Mitarbeiter selbst, Konsequenzen hat.

Was man mitbringen sollte, um beim Return zu arbeiten, ist:

---> Rhetorische Fähigkeiten

---> gute Menschenkenntnis

----> Teamfähigkeit

----> Schnelle Auffassungsgabe

----->gute PC Kenntnisse

----> technisches Verständnis

----> Begeisterung für Ikea *zwinker*

----->Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen

------>Fähigkeit zur Selbstreflexion bei Fehlern

------>gepflegtes Äußeres

------>bestmöglichst Kassenerfahrung

------>Kritikfähigkeit

------> Fähigkeit, Dinge nicht zu sehr an sich rankommen zu lassen (schwer!!!)

-----> Gute Englischkenntnisse (!)


Sicherlich ist es das beste, wenn man einfach ins kalte Wasser geschmissen wird und das haben meine Kollegen dann auch liebevoll gemacht, als ich eine komplette Küche in Einzelteilen zerlegt zurücknehmen musst *lach*

Hier ein typischer Reklamationsvorgang:

Kunde kommt, will ein Produkt umtauschen. Man fragt ihn, warum er umtauschen will, um herauszufinden, ob es einfach ein Fehlkauf war oder ein Herstellerfehler vorliegt.
Man bittet um den Kassenbon und sucht die Artikelnummer auf dem Bon, markiert diese.
Dann wird im Rechner ein neuer Return erstellt mit einer passenden ID. Man gibt nun erst Grunddaten ein wie Bondatum, Kassennummer, Zahlungsart usw.
Dann öffnet man ein neues Fenster und überträgt die Artikelnummer, sowie die Anzahl und den Umtauschgrund. Dafür gibt es interne Kürzel, die in ganz Deutschland identisch sind.
Man vergleicht die Preise im Rechner und auf dem Bon (könnten ja varrieren) und führt den Return aus. Nun muss man in der Kasse die vergebene ID eingeben und der Betrag wird auf eine Chipkarte geladen, die der Kunde bekommt zusammen mit einem neuen Umtauschbon und dem entwerteten Orginalbon. Nun geht der Kunde sofort mit der geladenen Karte zu einem speziellen Auszahlungsautomaten und bekommt sofort sein Bargeld ausgezahlt.
Man selbst bekommt für jeden Artikel ein Label, welches man auf den Artikel klebt und dann in den sogennannten Decision Room geht, wo man die Ware dann sortiert nach Abteilung, SB Halle, Lager oder "Recovery" (die bauen dann Teile für die Fungrube aus Einzelteilen wieder zusammen). FERTIG!
Klingt kompliziert, geht aber irgendwann in Fleisch und Blut über. Ein normler, unkomplizierter Return dauert ca. 3 Minuten!
Aber das kann stark varrieren und kommt auf das Problem des Kunden an.


Dienstkleidung
~~~~~~~~~~~~~

Wenn man bei Ikea eingestellt wird, bekommt man die überall bekannte Dienstkleidung. Sicherlich gibt es ein paar Variationen, Frauen können Hosen oder Rücke tragen, Herren haben die Wahl zwischen verschiedenen Hemden, aber im Grunde genommen ist die Kleidung sehr einheitlich. Sie ist gut verarbeitet und trägt sich angenehm. Sie kann nach eigenen Bedürfnissen auch geändert werden.
Man wäscht sie zuhause und bekommt dafür am Ende des Monats eine Wäschepauschale gutgeschrieben.

Ich finde die Einheitskleidung wirklich super bei Ikea, denn dadurch wird nicht gleich ersichtlich, welchen Status man hat. Dies erfährt man höchstens dadurch, dass die Teamleiter alle mit Telefonen rumlaufen, aber theoretisch sind alle gleich bei uns und so kommen dadurch auch keine Spannungen auf.


"Du" sagen
~~~~~~~~~~

In Schweden duzt man sich und auch wir müssen uns alle duzen, bis zum höchsten Chef. Viele kennt man deshalb nur mit dem Vornamen. Dies nimmt ebenfalls die Unterschiede, die in anderen Firmen gerne gemacht werden, gleich raus und schafft ein nettes Klima, ich finde diese Idee super und sie wird wirklich konsequent durchgeführt.


Mitarbeiterkantine
~~~~~~~~~~~~~~~

Die Mitarbeiter haben eine eigene Kantine, in der sie zum Selbstkostenpreis essen und trinken können. Hier kann man sich selbst bedienen und das Essen ist eigentlich ganz gut, bin aber froh, dass ich es nicht jeden Tag essen muss *g*. Für 1.50 bekommt man ein komplettes Menue mit Getränk, das ist wirklich fair.


Mitarbeiterrabatt
~~~~~~~~~~~~~

Alle Mitarbeiter bekommen einen Personalrabatt von 15% auf alle Einrichtungsgegenstände. Das ist zwar nicht die Welt, kann sich aber summieren. Er gilt nur für den Mitarbeiter und die Mitglieder des Haushalts in dem der Mitarbeiter wohnt.


Gehalt
~~~~~~

Ikea muss sich nicht an den Einzelhandeltarif halten, tut es aber meist. Individuelle Gehaltsanpassung ist jedoch durchaus möglich.
Ich werde nach Tarifstufe I bezahlt, ist nicht die Welt, aber es reicht zum studentischen Leben und ist ein nettes Zubrot. Über die Summe schweige ich, wer sie wissen will, fragt mich bitte selbst.


Fazit
~~~~

Mir macht es sehr viel Spaß, bei Ikea zu arbeiten, die Atmosphäre, die nach außen ausgestrahlt wird, täuscht nicht, es ist wirklich schön, dort zu arbeiten. Sicherlich hat jeder Betrieb auch seine Schattenseiten, das ist ganz klar und ich werde den Bericht noch ergänzen, wenn ich ein wenig länger dort arbeite, aber bis jetzt gefällt es mir wirklich sehr gut und ich gehe jeden Samstag gerne dort hin.
Könnt mich gerne mal besuchen kommen, wenn ihr etwas umtauschen wollt *g*, ich freu mich schon :-)

Ich gebe Ikea volle fünf Sterne, behalte mir aber eine Änderung vor *g*

Alles Liebe von Eurer Embraceable


Danke für Lesungen und Bewerungen sowie eure Kommentare....

   

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