Liebe Ciao-Gemeinde!
Nach meiner Ausbildung zum Packsklaven bei einem nicht näher bezeichneten Unternehmen hatte ich die böse Befürchtung, dass ich mir vielleicht einfach nur den falschen Job ausgesucht und mich einfach nur künstlich aufgeregt hatte. Dass es gar nicht so schlimm sei, dümmliche Hilfsarbeiten zu machen und sich von Vorgesetzten unterbuttern zu lassen.
Dann jedoch bekam ich die Chance, die Arbeit in dem Berufsbild Verkäufer / Kaufmann mal von einer anderen, wesentlich schöneren Seite zu sehen: Ich wurde trotz der schlechten Wirtschaftslage, als Berufseinsteiger und mit einem nicht gerade wohlwollenden Ausbildungszeugnis als Verkaufsmitarbeiter beim wohl bekanntesten schwedischen Möbelhaus eingestellt. Zwar in Teilzeit und befristet, aber ich kann schon mal soviel verraten: Es wird für alle meiner zukünftigen Arbeitgeber verdammt schwer, diese Arbeitsatmosphäre in positiver Hinsicht zu toppen!
Vorgeschichte:
Ikea als Betrieb dürften eigentlich alle Leser hier kennen, deswegen erspare ich euch mal den Teil, in dem ich erkläre, wer das denn genau ist und was die machen. Ich persönlich kannte dieses Unternehmen jedenfalls primär von meinen Besuchen zur Eigeneinrichtung.
Und ich muss sagen, dass ich damals als Kunde auch nicht weniger zufrieden war als später in meiner Funktion als Teilzeitteppichverkäufer: Die Arbeit dort schien den Mitarbeitern Spaß zu machen, sie waren größtenteils freundlich und hilfsbereit und wohl nicht zuletzt war der Laden dort auch immer gerammelt voll.
So blicken wir also nochmal zurück in den Sommer 2009. Ich sitze da also zuhause mit meinem Ausbildungszeugnis, welches man mit viel gutem Willen als "schlecht"
bezeichnen kann und bekomme Absage nach Absage. Das kann einem den schönsten Tag wirklich verderben. Da ich niemals wieder im Lebensmitteleinzelhandel arbeiten werde, dachte ich mir mal, ich schaue mich auf den Meinungsbildenden Portalen um (so auch hier) und horche mal, welche Arbeitgeber zu empfehlen sind. Ich stieß auch recht schnell auf Ikea, welches hier merkwürdigerweise nicht so durchweg gut wegkommt (verstehe ehrlich gesagt nicht warum). Und dann als ich mich bewerben wollte, gabs die erste Überraschung:
Online-Bewerbung war angesagt! Ein, wie ich finde, sehr praktisches Verfahren, da man Zeit, Nerven und den Weg zur Post spart. Beworben habe ich mich auf eine
ausgeschriebene Stelle über 60 Stunden pro Monat, die lediglich in der homepageinternen Stellenbörse ausgeschrieben wurde.
Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich nicht dachte, dass man mich tatsächlich zum Gespräch einlädt. Zuviele Unternehmen hatten mich wegen fehlender Berufserfahrung und dem äußerst unvorteilhaften Bewerbungsfoto schon vorher gnadenlos abgesägt. Mein Selbstwertgefühl war mit jedem dicken Umschlag im Briefkasten weiter gesunken. Umso überraschender kam dann der Anruf:
Ich erhielt von der sympatischen Stimme am anderen Ende eine recht kurzfristige Einladung zum Vorstellungsgespräch. Dieses wurde dann in sehr freundlicher, familiärer Atmosphäre mit meiner potentiellen Teamleiterin und einer Personalerin geführt und man war auch recht schnell beim berühmten "Ikea-Duzen". Ich fühlte mich jedenfalls auf Anhieb sehr wohl. "Das Karma stimmte!" würde George Harrison sagen.
Ohne jetzt noch viel herumzulabern: Zwei Tage später hatte ich die Stelle und das erste Mal seit Wochen wieder gute Laune.
Was ich da so gemacht hab:
Ich wurde wie bereits erwähnt, als Verkaufsmitarbeiter eingestellt. Meine Abteilung war die Teppich- und Textilabteilung. Hier war ich für die Kundenberatung, die Warenpräsentation, die Auszeichnung der Waren und noch vieles mehr verantwortlich, was man mir bei meinem Ausbildungsunternehmen als dummem Azubi nie zugetraut hatte.
Der Fokus lag bei meiner Arbeit stets im Gespräch mit den Kunden und nicht im Verräumen von Waren in Regale. Das heißt, ich selbst und mein durchaus vorhandenes rhetorisch-emphatisches Geschick im Umgang mit den Kunden wurde hier auch gefordert und Langweile kam so eigentlich nie auf.
Desweiteren wurde sich innerhalb des Verkaufsteams auch regelmäßig abgewechselt, wenn es um die unangenehmeren Tätigkeit ging, wie beispielsweise Kartonagenentsorgung oder Retourenbearbeitung.
All dies und die Tatsache, dass ich hier sofort als vollwertiger Mitarbeiter akzeptiert wurde und auch recht schnell alleine Schichten arbeitete, war vermutlich auch der Grund warum ich hier wesentlich motivierter zu Werke ging als in meiner Azubizeit. Zwar hatte ich mir ein recht umfangreiches Warenkundewissen anzueignen, da in dieser Abteilung auch weitere Artikel, von Jalousien bis zur Bettwäsche verkauft wurden, doch mir machte die Arbeit und der Kundenkontakt einen Riesenspaß und so wie es mir attestiert wurde, habe ich mich auch recht gut verkauft. Das führt uns zum nächsten Punkt:
Das Miteinander:
Die soziale Komponente dürfte wohl so bei keinem anderen Unternehmen ausgeprägt sein: Vom Einrichtungshauschef bis zur Putzfrau duzen sich sämtliche Mitarbeiter/innen dieses Betriebes. Jeder grüßt freundlich und ich habe tatsächlich nicht einen Kollegen gesehen der mal ein langes Gesicht gemacht hat. Mich eingeschlossen.
Ikea setzt außerdem sehr darauf, dass die Mitarbeiter über die einzelnen Arbeitsabläufe sowie die aktuellen Zahlen auf dem Laufenden gehalten werden und generell ist von einem Hierarchiegefälle wie in den meisten anderen Unternehmen nichts zu spüren: Eigeninitiative und kreative Ideen werden hier groß geschrieben und sind denke ich mal an dem Erfolg dieses Unternehmens zu einem beträchtlichen Teil beteiligt.
Förmliches:
Als Verkäufer arbeitet man je nach Vertrag im Schichtsystem und auch Samstags je ab 10 Uhr. Für mich als Nachtmenschen ist das die perfekte Arbeitszeit. Als Teilzeitkraft habe ich meistens drei Tage die Woche je viereinhalb Stunden gearbeitet, die ich mir sogar teilweise aussuchen durfte. Was es an Gehalt genau gab, behalte ich natürlich für mich, aber ich kann aus der Erfahrung eines erfahrenen Ex-Ferienjobbers sagen, das meine 60 Stunden pro Monat doch ziemlich gut bezahlt wurden.
Die Aufstiegschancen scheinen bei Ikea bei gegebener Flexibilität ziemlich gut zu sein, da auffällig viele Teamleiter(innen) und Teamleiterassistenten/tinnen dort noch recht jung sind (Aber das sind wie gesagt nur Einschätzungen).
Was für die Mitarbeiter weiterhin getan wird:
Neben heutzutage "normalen" Aktionen wie der kostenlosen Grippeschutzimpfung (die ja nicht zuletzt auch den Interessen des Arbeitgebers dient), kommt man als Ikea-Mitarbeiter weiterhin in den Genuß von einer kostenfreien, freiwilligen ärztlichen Untersuchung, einer Massage und einer wohl unschlagbar günstigen Kantine: Ich habe mich jedenfalls noch nie für unter einen Euro mit qualitativ gutem Essen bis zum Bersten sattessen können.
Ach ja, habe ich schon die oft zitierten 15 % Mitarbeiterrabatt erwähnt?
Arbeitskleidung:
Das ist der einzige Punkt, der mich nicht so hundertprozentig glücklich gestimmt hat, was aber vermutlich daran liegt, dass ich ein bügelfauler Mann bin, der zuhause in Jogginghosen rumläuft: Man wäscht die Arbeitskleidung selbst! Und das bügeln und auffalten nimmt einem auch keine Firma ab! Macht aber nix, so konnte ich wenigstens diese Lernlücken aus der nie absolvierten Bundeswehrzeit schließen und heute perfekt bügeln. Und außerdem wird das Ganze mit einer Waschpauschale bedacht.
Fazit:
Ich habe leider aufgrund eines von vornherein befristeten Vertrages nur ein halbes Jahr als Vertretung dort arbeiten können, aber kann all jenen, die am Berufsbild des Einzelhandelskaufmannes / Verkäufers interessiert sind den Arbeitgeber Ikea nur wärmstens empfehlen! Mitbringen sollte man sprachliches Geschick, Spaß am Umgang mit Kunden und eine Grundfitness (zumindest wenn man Teppiche verkauft).
Euer
UncleHorst
19.03.2010 13:46
ich bin kein Fan vom "DU" auf arbeite, unter den Kollegen ja, aber zum Chef sollte immer eine gewisse Distanz vorhanden sein.
18.03.2010 08:55
Den geschilderten Eindruck habe ich als Kunde von außen auch. Allerdings bieten die für mich um Köln keine geeigneten Jobs ;)
18.03.2010 04:08
Toller, interessanter Bericht.. würd mich vielleicht auch als Arbeitsstelle reizen. :)