Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Sicherheit, Sozialleistungen, viele Möglichkeiten |
| Kontra: |
manchmal unbeweglich, viel interne Politik |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Warum zu Lufthansa?
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Als ich bei Lufthansa angefangen habe, wollte ich gar nicht lange da bleiben. Unter den Angeboten, die ich nach meinem Diplom bekam, war LH inhaltlich (nicht finanziell) das interessanteste, ein guter Name außerdem, also dachte ich mir: für zwei bis drei Jahre gehst du da hin, macht sich gut im Lebenslauf, und dann wechselst du. Man sollte ja eh oft wechseln, das hörte man immer, denn nur so könnte es vorwärts gehen.
Mit dieser Einstellung "LH, was soll's" bin ich vielleicht nicht ganz der typische Mitarbeiter. Ich habe viele Kollegen, die Flugzeuge und die ganze Fliegerei einfach toll finden, für die darum Lufthansa der Arbeitgeber ihrer Träume ist. Ein Gruppenleiter war mal schwer bestürzt, als der damalige EDV-Bereich als eigene Firma "ausgegründet" wurde und er darum nicht mehr richtig bei einer Fluggesellschaft angestellt war. Eigentlich wollte er Pilot werden, erzählte er uns, aber das ging wegen seiner Augen nicht, und die Computertätigkeit war für ihn der Weg, doch zu Lufthansa zu kommen. Also solche gibt es auch, und nicht zu wenig. Für mich ist das Flugzeug ein Transportmittel von A nach B, so wie ein Fahrrad, und eigentlich macht mir Fahrradfahren mehr Spaß. Der Check-in geht da auch viel schneller! ;-)
Um es kurz zu machen, ich bin immer noch bei Lufthansa, fast 15 Jahre jetzt. Warum habe ich nicht gewechselt? Zum einen haben sich meine früheren Ansätze für neue Jobs aus verschiedenen Gründen nicht realisiert. Ist vielleicht auch nicht so schlecht, wenn man sieht, was aus vielen kleinen Software-Klitschen etc. so geworden ist, die vor ein paar Jahren noch florierten. Zum anderen habe ich festgestellt, dass man innerhalb eines großen Konzerns wie LH wunderbar die Stelle wechseln kann, ohne ein Risiko wie bei einem externen Wechsel einzugehen. Man kommt innerhalb von LH zu ganz anderen Aufgaben, an andere Orte (wenn man will), praktisch in eine ganz andere Firma, behält aber doch die ganzen Sozialleistungen, die man so angesammelt hat.
Gehalt & More
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Diese Zusatzleistungen sind schon ein großes Argument für so einen Konzern im Vergleich zu einem mittelständischen Unternehmen. Sie machen auch finanziell einiges wett, denn zu den besonders gut bezahlenden Firmen hat Lufthansa nie gehört. Dafür gibt es Dinge wie:
- Betriebsrente, und keine schlechte
- Jobticket
- großzügige Gleitzeit- und Teilzeitregelungen
- Kinderbetreuungsnotdienst
- Bonusprogramm für Verbesserungsmaßnahmen
- Ergebnisbeteiligung
- Günstige Gruppenversicherungen
- Nachwuchsförderprogramme
- Soziale Betreuung im Krisenfall
- Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten
- Carpool, d.i. eine Art interne Autovermietung, extrem unkompliziert und sehr preiswert: wer z.B. per Bahn pendelt und den Wagen darum nicht täglich nutzt, steht sich mit den Leihwagen weit besser als mit einem eigenen Auto
- das vergünstigte Fliegen… das ist so eine legendäre Sache, aber man sollte sie nicht überschätzen. Ja, man kann als Mitarbeiter LH-Tickets deutlich günstiger kaufen. Man zahlt aber Steuern auf den geldwerten Vorteil und liegt preislich heutzutage eher über den Lockangeboten von Billigfliegern, zudem ist man "standby", also auf der Warteliste, und bei vollem Flieger bleibt man schon mal stehen. Trotzdem ist es eine nette Sache und verbilligt den Urlaub und andere Reisen. Besonders praktisch, wenn man eine Fernbeziehung hat oder dergleichen…
Natürlich sind auch Dinge wie Kündigungsschutz und Arbeitnehmervertretung bei einem großen Konzern besonders ausgeprägt. Dinge wie Kantinen und Parkhäuser sind selbstverständlich.
Licht und Schatten
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Dass eine große Firma auch Nachteile mit sich bringt, ist klar. Man ist Teil eines großen Gebildes, das sich nicht so schnell von der Stelle bewegt. Alle paar Jahre gibt es bei LH einen Anlauf, um jetzt mal ganz schlank, schnell und flexibel zu werden, aber im Grunde ist jeder Plan gleich Makulatur. Es gibt sehr viele unterschiedliche Interessen im Konzern, auf die man Rücksicht nehmen muss, und manche Bereiche kommen vor lauter interner Politik kaum noch zum Arbeiten. Sind es mal nicht die internen Belange, dann sind es die Aktionäre, die Behörden, die Partner oder die Konkurrenten. Das ist aber, wie ich gehört habe, bei anderen großen Firmen nicht anders. Und auch das: Es macht wenig Sinn, Revolution gegen das ganze Unternehmen zu machen, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. So ein Konzern hat nicht nur gute Juristen, er verhält sich auch normalerweise so, dass man ihm arbeitsrechtlich nicht am Zeug flicken kann. Wenn man mit etwas unzufrieden ist, versucht man es besser von innen her zu ändern, dafür gibt es meist Möglichkeiten, oder man sieht sich nach einem anderen Betätigungsfeld in der Firma um, was leicht ist - dazu gleich mehr.
Bei LH kommt noch hinzu, dass es mal ein Staatsunternehmen war, und das wirkt noch etwas nach. Es gibt immer noch eine Tarifstruktur, die irgendwann in Anlehnung an den öffentlichen Dienst entstanden ist. Es ist aber auch schwer, ein richtiges Privatunternehmen zu sein, wenn man mit seinem Geschäft immer auf die passenden zwischenstaatlichen Verträge angewiesen ist… Man muss LH zugute halten, dass zwar bei der Einstellung ganz formell die Ausbildung das entscheidende Kriterium ist für die Aufgabe und Entlohnung. Später wird es dann aber lockerer: Was kannst du gut, was möchtest du machen - egal wo du ursprünglich herkommst.
Typisch für große Konzerne ist auch, dass es praktisch jede Art von Tätigkeit und Berufsbild irgendwo in der Firma gibt. Techniker oder Jurist, Hausmeister oder Marketing, Übersetzer oder Sozialtherapeut, Krankenschwester, Koch oder LKW-Fahrer: alles da. Unmengen von kaufmännischen Tätigkeiten natürlich. Ach ja, Piloten und Stewardessen gibt es auch noch. Darüber muss man sich im Klaren sein, wenn man mit allzu romantischen Vorstellungen kommt: In vielen Bereichen ist man von Flugzeugen und Fliegerei weit entfernt. In meinen ersten fünf Jahren war ich in der EDV und habe nicht viel davon gemerkt, ob Lufthansa eigentlich Leute fliegt oder Seife herstellt.
Was kann man machen - am Beispiel meiner Wenigkeit
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Kurzer Überblick über die Stellen, die ich bei LH bisher hatte:
1) Anwendungsunterstützung im EDV-Bereich. Ich habe eine Datenbank und eine Programmierumgebung am Laufen gehalten und war Ansprechpartner für alle Probleme damit, als Schnittstelle zwischen den hauseigenen Programmieren und dem Lieferanten der Software. 5 Jahre hab ich das gemacht, eigentlich zu lange. Hat eben gedauert, bis ich zum ersten Mal so weit war, das hinter mir zu lassen und etwas ganz neues anzufangen.
2) Qualitätssicherung in der Buchungssteuerung. Die Abteilung legt für jeden Flug fest, wieviele billige und teure Tickets es gibt (etwas vereinfacht gesagt), und wieviel überbucht wird. Dazu gibt es bestimmte Formeln, Programme und Abläufe, und ich habe die nach Fehlern und Verbesserungsmöglichkeiten untersucht. Spannende Sache, nah an der Fliegerei, und ich habe viel über das Fluggeschäft gelernt. Das war überhaupt meine Erfahrung: mit jedem Wechsel erweitert sich der Horizont, und das persönliche Kapital liegt nicht in dem Faktenwissen, das man auf einer Stelle gesammelt hat, sondern in den Methoden und Arbeitsweisen, die man sich aneignet. Die kann man immer wieder für ganz neue Dinge anwenden, und sollte es auch, wenn man nicht verknöchern will. Nach 3 Jahren habe ich wieder gewechselt.
3) Ich ging zu Lufthansa Cargo, der Fracht-Tochtergesellschaft, und machte diesmal EDV im Vertriebsbereich, insbesondere die Bildschirme für ein elektronisches Buchungssystem im Internet. Schön, weil ich modernere Computertechnologie kennenlernte und auch ein bisschen gestalterisch tätig sein konnte. Nach zwei Jahren schon wechselte ich dennoch, denn es wurde ein Traumjob frei:
4) In der Kommunikation der Lufthansa-Fracht wurde ein Leiter für das Intranet gesucht. Mit dieser Aufgabe fing ich dort an, machte in der Abteilung aber bald auch ganz andere Sachen: Pressearbeit, TV-Berichte, Events, Zeitung. Am Ende war ich Chefredakteur der Mitarbeiterzeitung, was ich immer machen wollte. Eine tolle Zeit, immer neue Themen, oft unterwegs… ich hätte das noch länger als 4 Jahre gemacht, wenn nicht eine interne Umstrukturierung wieder einen Wechsel nahegelegt hätte.
5) Seit diesem Jahr mache ich mal wieder EDV: Ich koordiniere die Nutzung der neuen Intranet-Möglichkeiten im LH-Konzern. Etwas technisch, etwas verkäuferisch, etwas kreativ, und man lernt wieder etwas neues dazu. Auch auf dieser Stelle werde ich nicht bis zur Rente verbleiben. Interessant ist, dass man oft frühere Kollegen und Bekannte in neuen Zusammenhängen wieder antrifft, denn die wandern ja auch so durch den Konzern. Früher war man vielleicht der Kunde des anderen, heute ist man sein Dienstleister, und es bildet sich ein gutes Netz von Kontakten.
Wenn's mir nicht passt, dann geh ich?
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Auf jeder Stelle kann sich mal etwas so entwickeln, dass es keinen Spaß mehr macht, und dann ist es gut zu wissen, dass einem viele Wege offen stehen. Wieviel Spaß es gerade macht, das hängt meistens nicht so sehr von der Firma im ganzen ab wie vom kleineren Umfeld: Wie ist der Chef, wie sind die Kollegen, welche Aufgabe habe ich? Und es kommt immer wieder auf den einzelnen an: Zum einen ist Flexibilität immer hilfreich, zum anderen muss man einfach selbst aktiv werden. Ein großer Betrieb wie LH bietet unendlich viele Möglichkeiten, aber sie kommen oft nicht zu dem der wartet, sondern man muss sich mal selbst kundig machen und sich darum bemühen.
Das letzte war jetzt sehr allgemein und galt nicht nur für Lufthansa. Typisch LH ist dagegen die starke Bindung vieler Mitarbeiter an ihr Unternehmen, was eine relativ geringe Fluktuation bringt. Das hängt teilweise mit dem Spezialwissen zusammen, das die Firma braucht und heranbildet, teils mit den erwähnten Sozialleistungen, auf die man ab einem gewissen Alter nicht mehr so leicht verzichten will, teils aber auch mit der Unternehmenskultur: Hire&Fire ist nicht angesagt, sondern die Mitarbeiter werden gehalten, wenn es irgend geht - selbst wenn im echten Krisenfall (wie nach dem 11.9.01) mal zeitweise Einschnitte im Gehalt nötig sind. Diese enge Bindung ist auch in deutschen Konzernen heute längst nicht mehr selbstverständlich. Es gibt immer noch so ein Gefühl von Lufthansa-Familie, das man sonst höchstens in kleineren Firmen hat.
Persönliches Fazit
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Ich wollte kurz zu LH, ich bin schon lange da, ich gedenke noch lange zu bleiben. Es ist nicht der Himmel und keine Idylle, wo gibt es die schon, aber es ist ein Arbeitgeber mit vielen Vorteilen, um so mehr in schwierigen Zeiten. Und mit zahllosen Möglichkeiten für den, der sie nutzt.
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sehr hilfreich
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hilfreich
25.10.2002
(27.10.2002)
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Hätt ich damals nur gewusst ......
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hilfreich
20.05.2008
(03.06.2008)
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Bewertung für Arbeiten bei Lufthansa von
nero2222
Pro: sicher
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hilfreich
03.12.2001
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Kurzbewertung zu Arbeiten bei Lufthansa
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hilfreich
20.01.2008
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