Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
in Gänze ein gutes Arbeitsumfeld |
| Kontra: |
siehe "Job No . 2" |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Gute Arbeitgeber sind nicht immer garantiert, und viele Menschen haben auch in ihren beruflichen Stationen die Erfahrung einmal gemacht. Umso mehr Freude macht es dann, über einen Arbeitgeber zu berichten, der gut ist und als prima Erinnerung ans das Berufsleben genannt werden kann. Es handelt sich um die Industrie- und Handelskammer zu Köln.
Zu den Aufgaben einer Industrie- und Handelskammer gehört die Betreuung und Beratung der einzahlenden Mitglieder - beginnend bei Floristen und endend beim Automobilkonzern. Skeptiker nennen es Zwangsmitgliedschaft, aber ein Gerichtsurteil vor mehreren Jahren beschied, dass jeder Gewerbetreibende Mitgliedzahlungen zu verrichten hat.
Fakt ist, dass die IHK in Sachen Recht und Steuern beispielsweise berät, oder als andere Aufgabe die Berufsausbildung im Kammerbezirk verwirklicht. Auch Zollpapiere werden dort vorbereitet, oder letztlich im Kontakt mit den Gewerbetreibenden versucht, Mittler zwischen örtlicher Politik und Interessen der Unternehmen zu sein. Sicher kann die IHK nicht ganz verleugnen, eine Art Arbeitgeber-Behörde zu sein, was ich wertfrei sehe. Immerhin finanziert sie sich durch deren Beiträge.
@@@ JOB No. 1 @@@
Zu Beginn des Jahres 2003 war ich durch eine Firmenpleite betroffen, wie auch viele hundert weitere Kollegen. Unter anderem schrieb ich eine Initiativ-Bewerbung an die IHK Köln und bewarb mich als Ausbildungsberater gemäß des Berufsbildungsgesetzes, welches diese Aufgabe in den 70er Jahren den Kammern zuwies.
Meine Bewerbung wurde zu meinem Erstaunen recht schnell belohnt, indem ich einen Vorstellungstermin erhielt und durch ein Regierungsprojekt "Jugend in Arbeit", in dem die Arbeitsämter ebenfalls involviert waren, zusätzliche Ausbildungsberater eingestellt werden konnte. Dies war auf 10 Monate zeitlich befristet. Neben der Ausbildungsberatung war auch die Werbung für neue und zusätzliche Ausbildungsplätze ein Hauptaufgabengebiet.
Die Einarbeitung durch eine freundliche Kollegin, ebenfalls mit Zeitvertrag, lief vorbildlich, ebenso die Unterstützung durch die routinierten Ausbildungsberater. Eine unglaubliche Teamfähigkeit stellte ich recht früh erfreut fest. Und neben der Dame, die diesen Bereich Berufsbildung unter sich hatte, gab es drei Teamleiter, die ebenfalls nur als klasse bezeichnet werden konnten. Vor allem für die Sachbearbeiter wichtig, während der Ausbildungsberater seinen Teamleiter seltenes sieht, da er meist bei den Betrieben unterwegs ist.
Zu den guten Aufgaben gehörte das Schaffen neuer Lehrstellen und die erfolgreiche Prüfung, ob ein Betrieb auch ausbilden darf. Zu den eher bitteren Aufgaben gehört, gelegentlich einschreiten zu müssen, wenn Betriebe durch mangelhafte Ausbildung oder verschiedene Formen der Belästigung auffielen. Letzteres betreffend wurde auch mit Rückendeckung "von oben" und vom RP Köln auch nicht lange gefackelt.
Humane Arbeitszeiten und Gleitzeit machten den Job angenehm, auch wenn gelegentlich eine Abend- oder Wochenendveranstaltung anstand. Aber auch das machte Freude, zumal die Vorgesetzten sozial kompetent motivierten und Berufsausbildung auch eine thematisch mich selbstmotivierende Aufgabe seit jeher war.
Auch die Peripherie stimmte: gut eingerichteter Arbeitsplatz, eine wirklich perfekte Büroorganisation und ein Arbeit Hand in Hand mit den Teamkollegen und auch über das Team hinaus.
Zu meinen Schwerpunktberufen gehörten kaufmännische Berufe und solche aus dem Bereich Hotel und Gastronomie, oder auch Floristen und beispielweise der Ausbildungsberuf Kosmetiker/-in. Doch oft kam auch ein Beruf, der in einem anderen Team angesiedelt war hinzu. Da ich selbst die Ausbildungbefugnis für kaufmännische und IT-Berufe habe, kamen letztere gelegentlich auch vor.
Insgesamt vier Ausbildungsberater mit befristetem Zeitvertrag erfuhren, dass das Projekt mit Ende Januar 2004 ausläuft. Für "Jugend in Arbeit" wurden keine neuen Gelder bereitgestellt, obwohl wir viele neue Ausbildungsplätze vermelden konnte. Ich hatte allein schon 150 neue Lehrstellen, und zweifelsfrei hätte die IHK uns auch weiterbeschäftigt, wenn diese öffentlichen Gelder nicht eingefroren worden wären.
Ein wirklich tolles Arbeitszeugnis war immerhin eine Belohnung, die auch die Wertschätzung zeigte, für die Art, wie wir gearbeitet hatten.
@@@ JOB No. 2 @@@
Eigentlich sollte ich meine Unterschrift unter einen anderen Vertrag setzen, als Sachbearbeiter bei Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Der direkte Vorgesetzte wäre ein guter Grund gewesen, doch meldete sich mein Bauchgefühl, zumal es bei der IHK Gespräche gab, eine andere Stelle - wenn auch ebenfalls wieder zeitlich befristet - anzunehmen. Nach ein paar schlaflosen Nächten entschied ich mich, bei der IHK einen Folgevertrag für eine Sachbearbeiterstelle im Bereich Industrie, Standortpolitik, Innovation und Umwelt zu unterschreiben.
Schattenseite war, dass es sich erneut um einen zeitlich befristeten Vertrag handelte, der übrigens im Mai 2005 auslief.
In diesem Jobprofil mit dem Schwerpunkt Umwelt gehörte es zu meinen Aufgaben, den vorgesetzten Referenten zu unterstützen. Man witzelte teils "männliche Sekretärin", was mich aber nicht störte. Es wurde ja auch darauf geachtet, meine Aufgabengebiete zu erweitern. Dazu gehörte auch, Anfragen zu beantworten, die mit Umweltrecht zu tun haben.
Und später erhielt ich die Internet-Redaktion für ein Jugendportal der IHK Köln.
Die Büroorganisation indes war mir - gänzlich anders als meine super Erfahrungen im Bereich Berufsbildung - ein Grauen. Fehler durch uneinheitliche Datennutzung waren nahezu vorprogrammiert. Für mich war es unbegreiflich, dass man dies seit Jahren so führte. Ich empfand es schlicht als chaotisch und kontrollierte alles oft dreifach, weil es keine andere Chance gab. Natürlich waren die Systeme vernetzt, doch was ich teils an "Datenschrott" übernahm, war nahezu beschreibbar mit zwei Systemen, die nebenher laufen. Teils fand ich es schlicht belastend, unter solchen Voraussetzungen zu arbeiten.
Leider gab es diesbezüglich aber weder ehrliche Einsichten oder Änderungen. Vieles war das, was man gerne "EDV zu Fuß" nennt. Mein beruflicher Tiefpunkt in Sachen Büroorganisation, in rund 20 Jahren Berufserfahrung.
Phasenweise Unterforderung aus fehlende Auslastung waren ebenfalls frustrierend. Ich erinnere mich an solch eine Phase im März/April 2004, wo ich bei anderen Kollegen immer wieder erfragte, ob sie für mich etwas zu tun hätten. Andernfalls hätte ich 6 von 8 Stunden im Internet herumserven müssen, um nicht vor Langeweile einzugehen. Zeit für die Veränderung büroorganisatorischer Dinge hätte ich gehabt, doch hierzu widerrum hätte es diverser Abstimmungen bedurft. Das war meinem Vorgesetzten doch eine Sache, die er lieber von sich wegschob, was mich wahnsinnig ärgerte. "So" arbeiten war teils wie "Fahren ohne TÜV".
Die Einarbeitung war mittelmäßig, auch wenn ich meiner Vorgängerin ein großes Kompliment machen muss. Doch schien es zwischen ihr und dem Vorgesetzten keine richtige Absprache zu geben, wer was vermittelt. Im Bereich Berufsbildung hingegen gab es einen perfekt durchdachten und schriftlich festgehaltenen Einarbeitungsplan !!!
Diese teils widrigen Umstände, die konstruktiv zu kritisieren sind, empfinde ich als sehr frustrierend, wenngleich festzuhalten ist, dass menschlich das Umfeld aus dem Geschäftsbereich ISIU überaus angenehm war. Für mich wird wiederholt deutlich, dass die IHK sehr darauf achtet.
Der zweite Job bei der IHK machte mich nicht sehr glücklich, auch wenn ich ihn mir ja letztlich selbst ausgesucht hatte. Nur waren viele Arbeitsabläufe im Schwerpunkt Umwelt bürotechnisch und -organisatorisch einfach leicht chaotisch. Dass der zweite Zeitvertrag auslief, machte mich daher nicht sonderlich traurig.
In der Gesamtbetrachtung aber ist dieser Arbeitgeber namens IHK Köln eine prima berufliche Station, an die ich mich gerne erinnere, auch wenn mir der erste Job als Ausbildungsberater deutlich mehr Freude bereitete und dort auch büroorganisatorisch als perfekt war.
Auch die Betreuung der Mitarbeiter - es gab ja neben Personalrat auch eine Betriebspsychologin - spricht für eine mitarbeiterorientierte Denkweise, die ich bis zu den Geschäftsführern erkennen konnte. Vielleicht genehmigen sie auch irgendwann man eine Kantine, die leider fehlt...
Die Verdienstmöglichkeiten erscheinen mir den Jobs angemessen, und gegen Weihnachtsgeld hat natürlich auch niemand etwas einzuwenden. Mit allem Lob und auch konstruktiver Kritik scheint mir die IHK Köln nach meinen persönlichen Erfahrungen einer der wahrlich besseren Arbeitgeber in diesem unserem Lande zu sein :o)
JL
Infos über die IHK Köln siehe www.ihk-koeln.de