Hartz IV: Jugendliche unter 25 Jahre

1  14.02.2007

Pro:
daran gibt es nichts gutes

Kontra:
alles ist schlecht

Empfehlenswert: Nein 

albinaschulz

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:13

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Liebe Ciao Mitglieder,

endlich kann ich mir mal meinen ganzen Frust von der Seele schreiben, der mir schon so lange auf den Herzen liegt. Und endlich kann jeder mal erfahren, wie es bei den Arbeitsämtern und Jobcenter wirklich abläuft. Denn die Medien können ja auch nicht alles wissen und berichten. Die meisten wissen ja gar nicht wie schlecht es den Leuten in der Arbeitslosigkeit geht, und wenn ich dann mal meine ganzen Geschichten so auspacke, fallen sie aus allen Wolken, dabei ist es für mich schon Alltag geworden.

Zu meiner derzeitigen Situation:

Ich bin 23 Jahre alt, leider schon seid 1 Jahr und 8 Monaten Arbeitslos. bekomme aber weder ALG 1 noch Hartz IV, da ich noch zuhause bei meiner Mutter lebe. Ich bekomme also gar kein Geld muss aber 130 Euro Krankenversicherung bezahlen, da ich das 23. Lebensjahr erreicht habe und nicht mehr Familienversichert, bei meiner Mutter, werden kann. Das nennt sich dann freiwillige Versicherung, ja alles klar (freiwillig). Aber dazu später mehr, denn das ist ja eigentlich der Schluss, der am spannendsten ist.

Wie wurde ich arbeitslos:

Ich war heil froh, das ich nach der Schule gleich einen Ausbildungsplatz als Bürokauffrau bekommen hatte, musste mich dafür sehr anstrengen, aber habe letztendlich den Platz bekommen. Und das beste war, das ich die Ausbildung zusammen mit meiner besten Freundin machen konnte. Es ist zwar nur eine überbetriebliche Ausbildung gewesen, aber lieber so eine, als gar keine. Und um das Beste aus der Situation zu machen, habe ich mir geschworen, mir richtig viel Mühe zu geben und einen super Abschluss zu machen. Das habe ich auch. Ich habe die Prüfung mit 80 % bestanden und auch ein gutes Ausbildungszeugnis bekommen.

Beginn der Arbeitslosigkeit:

Nun war die schöne Zeit der Ausbildung vorbei und das Arbeitsleben ging los, dachte ich jedenfalls. Damals war ich noch optimistisch und dachte auf jedenfall einen Job zu finden.
Aber erst mal musste ich gleich nach bestandener Prüfung am 03.06.2005 zum Arbeitsamt mich Arbeitslos melden. Das war vielleicht ein Horror. Das Berliner Arbeitsamt für die Bezirke Tempelhof Schöneberg ist das schlimmste. Ein riesen Gebäude mit vielen Arbeitslosen und total unfähigen Mitarbeitern. Ich musste doch tatsächlich 5 Stunden warten um mich Arbeitslos zu melden. Dort teilten sie mir mit, das ich noch einmal wieder kommen muss um andere Unterlagen mitzubringen. Also nächsten Tag wieder hin und wieder ewig warten. Aber nach diesen Tag habe ich es geschafft, ich war arbeitslos gemeldet. Von da an musste ich einmal im Monat hin, um mich zu melden.

Ich habe mich auch immer fleißig beworben, doch leider hat das nichts gebracht. Ich habe ungefähr 20-30 Bewerbungen im Monat geschrieben. Ich war ja schon froh, wenn ich mal eine Absage erhalten habe, denn das ist heut zu Tage auch eine seltenheit. Denn wenn ich eine Absage erhielt, habe ich auch meine Unterlagen wieder bekommen und konnte sie somit wieder verwenden. Heute ist es ziemlich teuer wenn man sich bewerben will.

Auflistung der Kosten für eine Bewerbung:

0,50 Euro Bewerbungsmappe (ist das günstigste was ich finden konnte)
0,10 Euro Briefumschlag
1,45 Euro Briefmarke (wird auch immer teurer)
1,00 Euro Kopien von Zeugnissen

dann braucht man noch Tinte und Papier für den Drucker, für die Bewerbung und den Lebenslauf. Das macht also grob gerechnet mit allen drum und dran 3,50 pro Bewerbung. Und günstiger geht es wirklich nicht mehr, es sei denn per E-Mail oder Telefon, aber viele Unternehmen bieten das nicht an. Und das von damals 143 Euro Arbeitslosen Geld. Mehr gab es leider nicht, weil ich in der Ausbildung so wenig verdient habe. Es stehen einen 265 Euro pro Jahr Bewerbungskosten zur Verfügung, aber die sind erstens schnell verbraucht und man muss erst alles selber bezahlen, man bekommt es im nachhinein. Das Geld habe ich einmal erst nach 5 Monaten bekommen. So langsam arbeiten die beim Arbeitsamt.

Nach ungefähr 5 Monaten der Arbeitslosigkeit hatte sich das Arbeitsamt endlich mal neu Organisiert und man bekam jetzt immer einmal im Monat einen Termin von seinen Vermittler. Man musste nicht mehr einmal im Monat 5 Stunden warten um sich zu melden "hallo ich bin noch Arbeitslos!" Der Vermittler konnte mir aber leider auch nicht weiterhelfen. Er gab mir nur wenig richtige Stellen, weil leider keine da waren. Dafür gab er mir um so mehr misst. Ich musste zu einer Zeitarbeitsfirma, die mir erst viel Hoffnungen gemacht hat, es war aber nur heiße Luft dahinter. Die konnten mir letztendlich auch nicht weiterhelfen. Aber ich musste ja dahin, denn es war vom Arbeitsamt. Wenn man nicht dort hin geht bekommt man eine Sperrzeit, d. h., es wird ein das ganze Geld gestrichen. Ich war aber da, doch komischer Weise hatte ich auf einmal einen Brief vom Arbeitsamt im Kasten, das eine Sperrzeit eintreten würde, weil ich nicht alles dafür getan hätte um meine Beschäftigungslosigkeit zu beenden. Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich war doch da, die konnten mir doch nicht weiterhelfen. Daraufhin rief ich total aufgelöst beim Arbeitsamt an und wollte mit meinen Vermittler drüber sprechen, doch das geht nicht. Vermittler sind nicht per Telefon für ihre Kunden zu erreichen. Mir blieb nichts anderes übrig als es schriftlich zu machen. Die Sperrzeit trat Gott sei dank nicht ein, denn wie mir mein Vermittler später mitteilte ist ihm ein Fehler unterlaufen. Er hätte etwas falsch verstanden. Aber entschuldigt hatte er sich nicht. Ich hatte deswegen voll den Schock. Man sollte ihm mal sagen: wissen sie was, sie bekommen für einen Monat kein Geld. Aber das habe ich ja gut überstanden.

Dann erhielt ich mal wieder einen Brief vom Arbeitsamt. Ich hatte schon angst den zu öffnen, und von da an hatte ich immer angst, wenn ich vom Arbeitsamt einen Brief im Kasten hatte. Zuweisung in eine Eingliederungsmaßnahme lautete der Betreff. Ich musste von da an alle drei Wochen zu einen privaten Arbeitsvermittler. Warum? Ich habe doch einen Vermittler beim Arbeitsamt. Aber nichts des do trotz muss ich dort hin (sonst Sperrzeit). Bin auch immer fleißig hingegangen. Der konnte mir aber auch nicht weiter helfen. Er schaute immer bei Opusforum im Internet nach Stellen und druckte sie für mich aus. Das hätte ich auch alleine gekonnt. Und dafür bekommt er Geld? Totale Verschwendung. Das witzigste war ja, er wollte mich als Sicherheitsfrau vermitteln. Ich sollte im Bereich Objektschutz eine ½ Jährige Ausbildung machen, die auch noch Geld gekostet hätte. Ich bin 23 Jahre alt, sehe aber aus wie 16 Jahre. Und ich bin nur 1,59 cm groß. Die Leute hätten mich ausgelacht, wenn ich dort gearbeitet hätte. Aber zum Glück waren keine freien Plätze mehr.

Dann wollte ich ein Praktikum als Bürokauffrau in der deutschen Staatsoper machen um etwas mehr Erfahrungen zu sammeln, denn das ist das Problem, warum ich keine Arbeit finde. Ich habe eine überbetriebliche Ausbildung gemacht und habe 0 Berufserfahrung. Heute wollen sie mindestens 5 Jahre Berufserfahrung, darüber hinaus sollst du noch französisch, englisch, chinesisch, russisch, türkisch und polnisch können und natürlich einen Führerschein besitzen. Und alle Programme können die es gibt. Tut mir leid, damit kann ich nicht dienen. Also wollte ich durch das Praktikum etwas mehr Erfahrung sammeln. Ich rief bei der allgemeinen Service Nummer an 55555. Die müssten mir doch weiterhelfen, dachte ich. Falsch gedacht, die meinten: man kann kein Praktikum einfach so machen, ohne Aussicht auf eine Stelle danach zu bekommen. Außerdem würde ich dann den Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. Als ich mal wieder meinen monatlichen Termin bei meinen Vermittler hatte, dachte ich fragst du ihn einfach mal. Was sagt er, natürlich ist das möglich. Zwar nur 4 Wochen, aber besser als gar nichts. Das ist auch typisch Arbeitsamt. Wirklich jeder sagt etwas anderes. Fragst du 5 verschiedene Menschen, bekommst du auch 5 unterschiedliche Antworten. Das Praktikum habe ich gut absolviert und hatte nun ein gutes Zeugnis mehr.

Anfang von Hartz IV:

Langsam neigte das erste Jahr der Arbeitslosigkeit dem Ende zu und damit ich weiterhin Geld bekomme musste ich Hartz IV beantragen. Das habe ich auch rechtzeitig gemacht. Ungefähr 2 Monate bevor das Arbeitslosengeld 1 ausläuft. Weil ich Probleme beim ausfüllen hatte, da diese Anträge sehr komisch und unverständlich formuliert sind und keine Unterlagen vergessen wollte, ging ich zu einem Antrags- und Beratungsservice Namens Bequit. Das Arbeitsamt hat mir einen Flyer von denen mitgegeben. Darauf steht: kurze Wartezeiten nach Terminvereinbarung, wir helfen ihnen beim Ausfüllen, kontrollieren den Antrag, beantworten ihnen alle Fragen und leiten den Antrag schnell ans Jobcenter weiter. Sie versichern eine zügige, freundliche und fachgerechte Unterstützung. Wir freuen uns auf sie....

So etwas witziges habe ich noch nie gelesen, dachte ich mir, als ich alles überstanden hatte und der Antrag abgegeben war. Ich rief also an und machte einen Termin. Wir sind total ausgebucht. Ich bekam erst für zwei Wochen später einen Termin. Als es soweit war musste ich trotz Termin 2 Stunden warten eh ich dran kam. Ich kam in einen Raum mit vielen Schreibtischen wo auch andere Berater mit Kunden waren, die sehr eng aneinander standen, so das man alles von den Nachbarn mitbekam. Als Beraterin bekam ich eine nette russische Frau, die nur gebrochen Deutsch Sprach. Aber auch die meisten der anderen Berater konnten nur gebrochen deutsch sprechen. Wie kann ich dort so jemanden hinsetzten, der mich kaum versteht? Und ihn verstehe ich auch kaum. Was ist wenn ich eine Frage habe, wird sie mich dann richtig verstehen? Leider hatte ich Fragen und sie hat immer nur ihren auswendig gelernten Text runter geleiert. Fachgerechte Unterstützung ist das nicht. So weit es ging hatte ich den Antrag schon ausgefüllt. Die nette Dame ging den ganzen Antrag von Anfang an durch und kontrollierte und verbesserte alles was notwendig war. Als der Antrag komplett ausgefüllt war, machten wir uns an die Unterlagen, die sie benötigen, wie Kontoauszüge, Mitvertrag, Nebenkostenabrechnung usw. Leider fehlten einige Unterlagen, aber woher soll man auch wissen, welche man mitbringen muss? Das könnte man doch auf den Hartz IV Antrag dazu schreiben. Aber nein, das Arbeitsamt liebt es ja alles zu verkomplizieren. Da also noch Unterlagen fehlten musste ich noch einmal wieder kommen um sie abzugeben. Die nette Dame hatte mir aber versichert, das ich keinen neuen Termin brauche. Ich soll einfach vorbei kommen, sie mir schnappen und dann gehen wir alles noch mal durch. Also besorgte ich die fehlenden Unterlagen und ging, wie besprochen, ohne Termin hin. Ich meldete mich an und erklärte das der Person an der Anmeldung, dass sie bitte die Dame holen soll. Nein, das geht so nicht. Sie müssen ein Termin machen. Nach großer Aufregung, langen Warten und einigen bösen Worten hat sie dann endlich die nette Frau geholt. Alle Unterlagen waren komplett, doch bevor der Antrag weitergeleitet wird, wurde er noch drei mal von jeweils 3 unterschiedlichen Personen geprüft ob auch alles richtig und vollständig ist. Das dauerte über eine Stunde. Man kann es auch übertreiben. Man war ich froh als das alles in Sack und Tüten war. Jetzt musste ich nur noch auf den Bescheid warten.

Leben mit Hartz IV:

Nach ungefähr 7 Wochen war es dann soweit. Ich hatte den Bescheid im Kasten und konnte es gar nicht glauben. Obwohl ich noch zuhause wohne bekam ich trotzdem dem vollen Hartz IV Satz von 345 Euro und die halbe Miete. Das ist sehr viel, denn ich habe ja keine laufenden Kosten, wie Versicherung, Essen, Kosmetik usw. Das bezahlt alles meine Mutter für mich. Sie wollte nur die hälfte der Miete haben, mehr nicht. Habe eine liebe Mama J
Also ging es mir mit Hartz IV echt nicht schlecht, muss ich wirklich zugeben. Aber andere, die alleine leben, wie z. B. meine Freundin, geht es mit Hartz IV gar nicht gut. Sie muss jeden Cent zweimal umdrehen, wie man so schön sagt. Und das ist doch eigentlich total unfair. Warum soll es den Leuten, die noch zuhause wohnen besser gehen, als denen die alleine wohnen?

Wie auch bei Arbeitslosengeld 1 bekam ich einmal im Monat einen Termin bei meiner Vermittlerin. Bei den ersten Termin musste ich eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben. Darin steht welche Pflichten man hat, und das man alles dafür tun muss um die Beschäftigungslosigkeit zu beenden. Und das ich verpflichtet bin 15 Bewerbungen im Monat zu schreiben.

Langsam aber sicher machte ich mir Gedanken um die Zukunft. So kann es doch nicht weiter gehen. Die ganzen Bewerbungen bringen auch nichts. Also überlegte ich mir etwas neues. Meine Mutter riet mir dazu eine zweite Ausbildung zu machen. Somit hätte ich drei Jahre wieder eine Beschäftigung und vielleicht klappt es in einen anderen Beruf ja besser. Also stimmte ich ihr zu und entschloss mich dazu eine zweite Ausbildung als Bäckerin oder Konditorin zu suchen. Das waren die einzigsten Berufe, die mich angesprochen haben. Und wenn man schon eine 2. Ausbildung macht, soll diese auch Spaß machen. Mit vollen Elan und neuer Motivation schrieb ich Unmengen an Bewerbungen. Hatte auch ein paar Vorstellungsgespräche und sogar auch mal ein Praktikum. Doch aus all dem wurde auch wieder nichts. Letztendlich erhielt ich auch immer wieder nur Absagen, wenn überhaupt. Ich glaube es liegt daran, das es so wenig Ausbildungsplätze gibt und sich die Leute denken, sie hat doch schon eine Ausbildung gemacht. Gebe ich den Platz doch lieber jemanden, der noch keine Ausbildung hat. Ist ja auch verständlich aber ich möchte auch endlich mal eine Chance bekommen. Motivation also wieder im Keller.

Also ging ich regelmäßig weiter zu meinen Terminen bei meiner Vermittlerin. Jedes mal hatte ich Angst, dass sie mir vielleicht einen EIN EURO JOB geben will. Denn man hört nur schlechte Sachen darüber. Von wegen sie nehmen keine Arbeitsplätze weg, da sie ja zusätzlich seien. Was für ein Quatsch. Das stimmt überhaupt nicht. Das sind super günstige Arbeitskräfte für die Firmen. Die nutzen das alles total aus. Und als ob man danach die Chance hätte von denen übernommen zu werden. Man bekommt nur einen Euro pro Stunde. Darf maximal 6 Stunden am Tag arbeiten. Das sind 120 Euro im Monat mehr für 30 Stunden Arbeit die Woche. Davon muss man sich eine BVG Monatsmarke kaufen für ich glaube mittlerweile 36 Euro. Wenn du krank bist, erhältst du kein Geld. Man hat Anspruch auf Urlaub. Zwei Tage im Monat, doch der wird auch nicht bezahlt. Super oder?

Einmal war es dann soweit. Als ich wieder ein Termin bei ihr hatte gab sie mir einen EIN EURO JOB als Erzieherin. Hallo, ich habe diesen Beruf nicht gelernt. Ich habe absolut keine Ahnung von Kindern. Es gibt außerdem bestimmt einen Haufen von Arbeitslosen, die diesen Beruf gelernt haben. Aber man ist ja dazu verpflichtet das Angebot anzunehmen. Das wollte ich auch, aber dann kam der Folgeantrag von Hartz IV, und von da an bekam ich kein Geld mehr. Also musste und konnte ich den EIN EURO JOB nicht annehmen.

Leben nach Hartz IV, aber trotzdem weiterhin Arbeitslos:

Ein halbes Jahr lang lebte ich sehr gut mit Hartz IV, bis ich den Folgeantrag bekam. Bei Hartz IV bekommt man alle halbe Jahre einen solchen Folgeantrag. Damit wollen sie wissen, ob sich etwas an der Lebenssituation geändert hat. Dabei ist dieser Antrag total unnötig, denn man ist verpflichtet sich sofort zu melden, wenn sich auch nur das kleinste geändert hat, aber na ja. Ich schickte den ausgefüllten Antrag ab und nach ca. 2 Monaten bekam ich einen Bescheid. Doch es war gar keiner. Ich erhielt einen Brief wo drin stand, das ich keinen Anspruch mehr auf Leistungen habe, weil es ein neues Gesetzt seit dem 01.07.2006 gibt. Dieses besagt, das Jugendliche unter 25 Jahren, die noch zuhause leben, keinen Anspruch mehr auf Leistungen haben. Ich war geschockt. Nun musste meine Mutter mir meinen Lebensunterhalt sichern. Das fand ich gar nicht gut, weil ich ihr nicht immer auf der Tasche liegen möchte. Immer wenn ich konnte gab ich ihr Kostgeld ab für mein Essen und Kosmetik. So hatte ich das Gefühl etwas beizutragen. Doch das ging jetzt nicht mehr. Nun muss sie mir auch noch Taschengeld geben, für Klamotten und damit ich mich bewerben kann. Das fühlt sich echt nicht gut an. Schließlich bin ich 23 Jahre alt. Es ist leider auch sau schwer einen 400 Euro Job zu bekommen. Der würde mir ja schon gut helfen. Aber Arbeit ist einfach Mangelware in Deutschland. Es bewerben sich auf eine Stelle mindestens 200-300 Personen. So können sich die Firmen natürlich den Besten raussuchen.

Doch das Beste kam zum Schluss. Ein paar Tage vor meinem 23. Geburtstag erhielt ich einen Brief von meiner Krankenkasse. Ich dachte mich trifft der Schlag. Sehr geehrte Frau Schulz, da sie bald 23 Jahre alt werden läuft ihre Familienversicherung aus. Sie müssen sich also feiwillig Versichern. Das bedeutet 130 Euro im Monat bezahlen, die ich nicht hab. Echt super. Ich dachte das ist ein Scherz und habe daraufhin wie wild herum telefoniert. Ich dachte, das kann doch nicht wahr sein. Doch das war es leider. Echt ein tolles Geburtstagsgeschenk.

Immer wenn ich diese Geschichte anderen Leuten und Freunde erzähle sagen die zieh doch aus, dann bekommst du wieder Geld und bist auch wieder übers Arbeitsamt versichert. Falsch gedacht, denn man darf nicht mehr ausziehen. Wenn man es doch tut bekommt man kein Geld.

Und das in letzter Zeit die Arbeitslosen zahlen sinken kann ich auch nicht glauben. Es gibt viele Fälle wie mich (unter 25 Jahre, die noch zu Hause leben), die fallen aus der Statistik raus. Ebenfalls auch die EIN EURO JOBBER und Leute die in einer ABM Maßnahme stecken, oder Leute die eine Umschulung oder Fortbildung oder eine Weiterbildung machen. All diese Leute werden in der Statistik nicht erfasst. Ich möchte nicht wissen, wie viel es wirklich sind. Ich würde mindestens 8 Millionen schätzen. Das ist echt traurig.

Ich bin nur heil froh, dass ich so eine liebe Familie hab, das die das alles mitmachen. Die Kosten der Krankenkasse teilen sich meine Mama und meine Oma. Sie unterstützten mich echt wo sie nur können. Ich wüsste nicht, was ich ohne sie machen würde. Ich hoffe, dass ich ihnen irgendwann mal ebenfalls so helfen kann, wie sie es schon mein ganzes Leben lang für mich tun.

Ich hoffe ich konnte euch die Augen über das wahre Arbeitslosen Leben öffnen. Natürlich gibt es bestimmt noch viel schlimmere Fälle als meinen, aber so konntet ihr wenigstens mal einen von vielen kennen lernen.


Liebe Grüße!
Eure Sarah
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
rollingbeaver

rollingbeaver

16.10.2007 15:13

da haste was erlebt.... GH

kaengi_the_kangaroo

kaengi_the_kangaroo

29.07.2007 13:47

Die traurigsten Geschichten schreibt das Leben selbst. LG, Bärbel

sokinai

sokinai

08.07.2007 10:08

Meiner Nichte geht es genauso. Sie macht momentan ein Praktikum - ohne Aussicht auf Übernahme - und bekommt dafür einen Zuschuss für die Fahrtkosten - lg

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