Hitzefrei für Arbeitnehmer

1  17.07.2002

Pro:
Wenn es machbar wäre, eine tolle Sache

Kontra:
Wer soll die Arbeit machen

Empfehlenswert: Nein 

delsch

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:8

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 142 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet


Nun ist es endlich wieder so weit und ich habe es endlich geschafft einen neuen Bericht fertig zu stellen. Also bitte, nicht so laut applaudieren, kann ja mein eigenes Wort nicht mehr verstehen. Erst den Bericht lesen und dann könnt ihr immer noch Lob und Tadel an mich weitergeben. Genug herumgealbert und nun geht es endlich los.

Wir können uns doch sicher noch alle an unsere Schulzeit erinnern, wenn wir im Sommer, in der Hofpause erwartungsvoll am Thermometer standen und darauf warteten, dass es endlich 25 Grad im Schatten anzeigt. Wenn wir dann um kurz vor 10 Uhr wieder in den Klassenräumen waren und der Lehrer dann sagte: „Leute packt eure Sachen und ab nach Hause, es ist Hitzefrei!“ Wer ist denn da noch freiwillig in der Schule geblieben? Ich denke mal, wenn wir alle ehrlich sind, war das doch keiner. Diese schöne Zeit gab es halt nur in der Kindheit und mit Beginn des Berufslebens war doch jeden klar, dass es so etwas wie Hitzefrei nicht mehr geben wird. Nun wurde ich aber wieder einmal eines Besseren belehrt. Einige Erwachsene glauben doch wirklich, ihnen stünde auch im Berufsleben Hitzefrei zu. Ja natürlich, wie wäre es denn noch mit einer Freikarte fürs Freibad?

Nun werde ich euch mal erzählen, wie ich darauf komme. Letzten Donnerstag schlage ich die Ratgeberseite einer Berliner Tageszeitung auf und da stellte ein Büroangestellter folgende Frage.

Da es draußen hochsommerlich heiß ist, der Betrieb keine Klimaanlage hat und die Computer zusätzlich Wärme abgeben, kann er dann von seinem Chef Hitzefrei verlangen, da es in seinem Büro wirklich unerträglich ist.

Als ich die Frage zu Ende gelesen hatte, fragte ich mich, wo dieser Büroangestellte eigentlich seine Intelligenz gelassen hat. Mal abgesehen davon, dass diese Frage schon seit Jahrzehnten in dieser Tageszeitung gestellt wird und das sie auch schon das Thema auf Seite eins war, sind es doch laut Zeitung immer wieder Büroangestellte, die Hitzefrei haben wollen. Wie kommt es, dass ein Erwachsener Mensch, so eine Frage stellt? Schon beim formulieren der Frage hätte er sich doch mal Gedanken machen können, über die Konsequenzen die das ganze nach sich zieht. Allein in Berlin gibt es Tausende Büros ohne Klimaanlage, was wäre das für ein Chaos, wenn all diese Mitarbeiter mehre Tage oder gar Wochen am Stück Hitzefrei bekämen. Ich habe mir mal dazu eine kleine Geschichte ausgedacht.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Das Hitzefrei Szenario
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Detlef sitzt nach der Arbeit am PC und surft im Internet, er sieht sich einige Wetterseiten an, die alle einstimmig mitteilen, dass Deutschland schon am nächsten Tag von einer Hitzewelle heimgesucht wird, die 4 Wochen dauert. Am nächsten Morgen erfährt er durch die Medien, dass alle Büroangestellten bis auf weiteres Hitzefrei haben. Er packt seine sieben Sachen und fährt erst mal für zwei Wochen an den nächsten Badesee um sich mal so richtig auszuruhen. Aber wie es im Leben nun mal so ist, vergeht die Zeit sehr schnell und er muss nach Hause um nach den rechten zu sehen. Zu Hause angekommen findet er in der Post einen Brief von seinem Chef der ihn freundlich mitteilt, dass die Firma pleite ist. Leider war ja niemand da, der sich um den täglichen Arbeitsablauf im Büro kümmern konnte. Es konnten keinen neuen Aufträge mehr bearbeitet werden, der Schriftverkehr blieb liegen und die Bilanzen gingen in den Keller.

Als frischgebackener Arbeitsloser hatte Detlef erst mal dauerhitzefrei und ging zum Arbeitsamt. Aber als er vor dem Großen alten Gebäude stand, wo er auch viele andere Büroangestellte traf, stellte er schnell fest, das ihn niemand öffnet. Schließlich gab es auch hier viele kleine Büros, ohne Klimaanlage und die Mitarbeiter hatten natürlich auch Hitzefrei. Na, dann gehe ich eben zum Sozialamt, aber da hatte Detlef sich gewaltig in den Finger geschnitten. Da sich Sozialämter meist in alten Rathäusern befinden, gibt es auch dort keine Klimaanlage. Stattdessen hing ein großes Schild an der Tür, mit der Aufschrift: „Bis auf weiteres geschlossen, wegen Hitzefrei!“

Mittlerweile finden es andere Arbeitnehmer ziemlich ungerecht, dass sie bei diesem Wetter arbeiten sollen und bekommen auch Hitzefrei.

Detlef ist über seine Niederlagen an diesen Tag sehr enttäuscht und ihn überkommt eine Fressattacke. (Frustessen) Er geht schnell zur Nächsten Penny Filiale und möchte einkaufen, aber leider steht er vor verschlossenen Türen. In weiter Ferne sieht er noch die Mitarbeiter, wie sie sich auf den Weg nach hause machen. Sie rufen ihn lauthals zu: „Geschlossen, wir haben Hitzefrei!“ Na dann fahre ich eben mit dem Auto da hin, wo ich was zu essen kriege, dachte sich Detlef. Er brauchte aber noch Benzin für seinen Wagen und ging zum Bankautomaten. Frohen Mutes, schob er seine Karte in den Schlitz und gab seine Geheimnummer ein. Plötzlich erscheint die Aufschrift: „Auszahlung nicht möglich!“ Ja wer sollte den Automaten auch mit neuem Geld versorgen. Wütend tritt er gegen den Automaten und geht zur nächsten Bushaltestelle. Nach einer Stunde kommt ihn ein Busfahrer in Bermuda Shorts und Hawaii Hemd entgegen und teilt ihm fröhlich mit, dass er und seine Kollegen keine Lust haben, bei brütender Hitze, den ganzen Tag hinter dem Lenkrad zu sitzen.

Detlef geht nun betrübt nach Hause und plötzlich fährt ihm der Schreck in die Glieder. Da sind doch fremde Leute in seinem Haus, um ihren Frust an der jetzigen Situation auszulassen, sie zerstören all sein Inventar. Er will noch rufen: „Nein, bitte nicht den teuren Rembrandt!“ Aber zu spät, das Teil taugt nur noch als Brennholz. In seiner Verzweiflung wählt er die 110, aber am anderen ende ertönt eine freundliche Stimme vom Band, die ihm mitteilt, dass das Revier wegen Hitzefrei geschlossen ist. Unterdessen haben die Vandalen sein Haus angezündet und zum Glück kommt in diesen Moment auch ein Löschwagen vorbei. Er bittet den Fahrer des Löschwagens doch bitte sein Haus zu löschen aber der antwortet nur ganz patzig: „Was, löschen soll ich, bei der Hitze und dann noch diese heißen Flammen. Nee, da mache ich doch lieber Hitzefrei!“

Detlef versucht die Flammen selber zu löschen, aber vergebens. Schwer verletzt, mit Brandwunden übersäht und nach Luft ringend schleppt er sich in das nächste Krankenhaus. Aber leider ist das auch schon ein älteres Bauwerk und er trifft dort niemanden an. Völlig entkräftet fällt er ohnmächtig zu Boden. Plötzlich schwebt er über seinen Körper und als er sich weiter umschaut sieht er einen langen dunklen Tunnel an dessen Ende ein helles Licht scheint. Er schwebt auf das Licht zu und landet an einer großen Himmelpforte. Hier haben sich auch schon eine Menge andere Menschen versammelt pochen an die große Tür. Sie rufen: „Petrus lass uns rein, öffne die Tür!“ Aber ihre Rufe bleiben ungehört. Nach einer Weile ertönt über ihnen eine mächtige Stimme und sagt: „Petrus, ist leider nicht da, der hat Hitzefrei!“

ENDE

Das war nur mal ein kleiner Überblick, was passieren könnte. Die Ausmaße wären vielleicht wesentlich größer und für uns unvorstellbarer. Jetzt wollt ihr bestimmt wissen ob einem Arbeitnehmer nun Hitzefrei zusteht oder nicht.

Nein, einem Arbeitnehmer steht grundsätzlich KEIN Hitzfrei zu.

Dieser Meinung sind auch Arbeitsrechtsexperten.
Laut Arbeitsstättenverordnung § 6, muss in Betriebsräumen während der Arbeitszeit eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur vorhanden sein. Laut Arbeitsstättenrichtlinie sollte die Raumtemperatur 26 Grad nicht überschreiten, ausgenommen sind Hitzarbeitsplätze. Richtlinien sind aber nicht rechtverbindlich und die Temperaturangabe nur eine Empfehlung. Eine Überschreitung der Temperatur hat keine rechtlichen Folgen für den Arbeitnehmer. Soll heißen, Arbeitnehmer können sich den Gang zum Arbeitsgericht sparen.

~~~~~~~~~
Fazit
~~~~~~~~~

Jeder Arbeitnehmer sollte sich doch mal die Mühe machen und sich mit den Rechten und Pflichten für Arbeitnehmer vertraut machen. Es wäre vielleicht auch angebracht, wenn man sich mit einer solchen Situation gedanklich auseinander setzt. Man wird schnell merken, dass Hitzefrei für Arbeitnehmer überhaupt nicht machbar ist. Stattdessen könnte man an heißen Tagen seinen Chef fragen, vorrausgesetzt es ist nicht viel zu tun, ob man Überstunden abbummeln darf. Manchmal ist es auch möglich Minusstunden zu machen, die man an Arbeitsstarken Tagen wieder einarbeiten kann. Bei mir hat das immer gut geklappt, aber auch hier muss man darauf achten, das nicht alle Kollegen auf einmal frei machen.

Die Frage aus der Zeitung und der Arbeitsstättenverordnung, habe ich nicht kopiert, sondern selbst formuliert.

Ich hoffe das gelesene hat euch gefallen und freue mich auf eure Bewertungen.

Danke fürs Lesen und Bewerten delsch


Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
ganjaklaus

ganjaklaus

23.10.2002 16:47

aber schön wäre es dennoch! cui

regenbogensammlerin

regenbogensammlerin

13.09.2002 23:57

Echt drollig, wie Du Dir all das ausgemalt hast. :-) Ich arbeite auch im Büro und nehme im Sommer bei wenig Arbeit Freistunden die ich möglichst bei schlechtem Wetter abarbeite. Geht natürlich nur wenn immer jemand da ist.

EWARamon

EWARamon

08.09.2002 20:34

Sehr guter Bericht, aber ich finde es schon Erstaunlich das ausgerechnet immer wieder Büroangestellt auf solche Ideen kommen. In einer Fertigungshalle mit Öfen, Maschinen, Laminatoren und so weiter ist es auch sehr heiß, da ist aber noch nie jemand auf so eine Idee gekommen. Komisch und dabei tun die aus den Büros immer so als wären sie intelligenter als ein einfacher Arbeiter. Dein Bericht macht wohl auch noch dem dümmsten klar was für wirtschaftliche Folgen so etwas hätte.

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 3273 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (99%):
  1. SchwesterE
  2. mg1970
  3. ganjaklaus
und weiteren 137 Mitgliedern

"hilfreich" von (1%):
  1. hsk_de
  2. jinky

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.