Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
relativ hohes Lehrniveau, Exkursionen in Trier |
| Kontra: |
grauenhafte Organisation, zu alte Professoren, Lage der FH, Manipulation der Studenten (Ranking) |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Ich bin seit 2008 an der Fachhochschule Trier immatrikuliert und studiere nun dort seit einem Jahr. Am Anfang war ich ganz neugierig und gespannt, wie ein Studentenleben so funktioniert, wie ich in den ersten Monaten damit klar komme und vor allem wie mir die FH gefallen wird. Am Anfang fand ichs ganz schön dort, aber mit der Zeit habe ich ziemlich viele Nachteile entdecken müssen.
Aber erst Mal zu den Fakten der Fachhochschule.
Lage
Ich finde sie alles andere als ideal. Wenn man nicht täglich ohne große Umstände mit dem Bus dorthin fahren kann, hat man ziemlich umständlich, dort zu Fuß oder mit dem Rad hinzukommen. Die Hochschule liegt mitten auf dem Berg. Heißt im Klartext: Bergsteigen ist angesagt. Und im schwülen Sommer unter der prallen Sonne ist das wahnsinnig ätzend. Und da im Winter der Fußgängerweg zur FH nicht gestreut wird, hat mans als Fußgänger ganz schön schwer, dorthin zu kommen.
Ansonsten liegt sie relativ außerhalb von Trier. Zwar nicht ganz so weit wie die Uni, aber von da bis ins Zentrum sind das min. 2km.
Informationen zur Fachhochschule
1971
Die Fachhochschule Rheinland-Pfalz wird gegründet und es entsteht die Abteilung Trier der Fachhochschule Rheinland-Pfalz.
1975
Einrichtung des Fachbereiches Betriebswirtschaft III (Organisation und Wirtschaftsinformatik) und des Fachbereichs Betriebswirtschaft IV (Finanz-, Prüfungs- und Steuerwesen).
1978
Einrichtung des Fachbereichs Ernährungs- und Haushaltstechnik und des Fachbereichs Versorgungstechnik.
1980
Umzug in die frei gewordenen Gebäude der Universität Trier am Standort Schneidershof.
1985
Erweiterung des Studienangebots des Fachbereiches BWL IV um den Studiengang European Business.
1994
Einrichtung des Fachbereichs Angewandte Informatik.
1994
Übernahme der Errichtung einer neuen Fachhochschule im Rahmen einer Konversionsmaßnahme auf dem Gelände des ehemaligen US-Hospitals Neubrücke in der Verbandsgemeinde Birkenfeld. Beginn der Entwicklung eines Konzeptes in Anlehnung an angelsächsische Campus-Hochschulen.
1995
Berufsintegriertes Studium Maschinenbau, Fernstudium Informatik.
1996
Die Abteilung Trier wird am 1.September eigenständige Hochschule mit den drei Standorten Trier, Birkenfeld und Idar-Oberstein.
1996
Am 1. Oktober wird am Standort Birkenfeld der Studienbetrieb aufgenommen.
2001
Einweihung des neuen Studienstandortes Irminenfreihof am 21.Juni.
2001
30 Jahre Fachhochschule Trier: Die Fachhochschule Trier ist mit fast 4.500 Studierenden die größte Fachhochschule in Rheinland-Pfalz
2002
Die ersten Bachelor- und Master-Studiengänge werden akkreditiert (Bachelor Sc. Informatik; Master Sc. Informatik)
2003
Feierliche Schlüsselübergabe in den vollständig renovierten Räumlichkeiten des Jugendstilgebäudes am Paulusplatz am 6. Juni.
2003
Die inneren Strukturen der FH Trier werden gestrafft: Am Standort Trier werden die Angebote der bisher zehn Fachbereiche in fünf neuen leistungsstarken Fachbereich gebündelt.
2005
An der FH Trier wird von der Hochschulrektorenkonferenz im Rahmen der Umsetzung des Bologna-Prozesses eine Bologna-Beraterin angesiedelt.
So steht das jedenfalls auf der Homepage. Im Moment studieren dort um die 6000 Studenten.
Ich fange mal mit den Vorteilen an. In meinem Architektursemester sind wir keine 30 Leute. Daher ist das natürlich ideal. Man muss sich nicht mit hunderten Kommilitonen in einen Hörsaal reinquetschen, sondern kann jederzeit Gespräche mit den Profs suchen und führen. Daher bekommt man auch oft ganz individuelle Tipps zu Projekten/Arbeiten und das finde ich sehr hilfreich.
Ein weiterer Vorteil ist das hohe Niveau der Lehre. Es wird eine sehr hohe Selbstdisziplin vorausgesetzt. Die Themen, die in manchen Fächern durchgenommen werden, finde ich sehr spannend und sie machen auch Spaß. Aber dann gibts wieder welche, die würde man am liebsten in die Tonne kloppen.
Das erste Semester fand ich im Großen und Ganzen nicht so pralle. In vielen Fächern hat man sich mit Kinderkram rumquälen müssen, es hätte mehr auf Praxisbezug geachtet werden sollen.
Das zweite Semester war wesentlich besser. Endlich gings ans Eingemachte, man begann mit richtigen Grundrissentwürfen. Vor allem die "Meetings" mit den Professoren waren zum Teil wahnsinnig effizient und hilfreich. In dem Bereich will ich mich also auf gar keinen Fall beschweren.
Ansonsten finde ich es auch sehr schön, dass man in mehreren Kursen Exkursionen in Trier durchführt. Daher macht sich die FH zu Recht einen Vorteil daraus, dass sie in der ältesten Stadt Deutschlands liegt. Vor allem, da es dort auch architektonisch sehr viel zu sehen gibt.
Aber nun zu den Nachteilen, da gibt es meiner Meinung nach wesentlich mehr.
Am schlimmsten ist wohl die Organisation des Studiums. Sogar oder erst Recht das Sekretariat weiß oft über nix Bescheid. Es ist egal, worum es geht, auch wenn es wirklich wichtige Punkte sind, man wird immer wieder von A nach B geschickt, dann von B nach C und landet irgendwann wieder bei A und ist immer noch kein Stück schlauer als vorher.
Ich vermute, das liegt noch an der Bachelor-Master-Umstellung. Ich habe auch mal gehört, an anderen FHs soll es zum Teil noch schlimmer zugehen. Aber ich muss deshalb dafür kein Verständnis haben. Vor allem, wenn es um das Praktikum geht, kann es nicht sein, dass keiner Bescheid weiß, wie viel man nun vor bzw. während des Studiums ableisten muss und wieviel Zeit man sich dafür nehmen kann. Das gibt also schon mal ein dickes Minus.
Ansonsten sind viele der Professoren schon relativ alt. Mag zwar zum einen den Vorteil haben, da sie schon viele Erfahrungen gesammelt haben und sie an die Studenten weitergeben können, aber der Nachteil dabei ist eben, dass viele von ihnen das sehen wollen, was denen gefällt. Und da eben jeder anders denkt, hat man es verdammt schwer, seinen eigenen Stil zu entwickeln. Während der eine sagt, das sei so korrekt und so wolle er das haben, finden andere das wieder komplett daneben. Was soll man da schon denken?
Mir ist in letzter Zeit vermehrt aufgefallen, dass mehrere der Professoren/Lehrbeauftragte miese Laune hat und diese wohl gerne an den Studenten auslassen. Das raubt einem den Willen und die Motivation und beeinflusst natürlich die ganze Atmosphäre.
Der krönende Abschluss ist immer noch, dass sie ohne Hemmungen die Studenten beim jährlichen Hochschulranking manipulieren wollen. Leider scheint das bei vielen Unis/FHs in Mode zu sein, bloß um einen besseren Ruf zu bekommen. Aber genau nach einer solchen Aktion hat es keine Hochschule verdient, gut abzuschneiden.
Man bekommt im Grunde sein halbes Mailfach zugespammt, mit der Bitte, sich an die Fachschaft bzw. Professoren zu wenden, sobald man die Umfrage erhält. Es wird sogar ganz trocken gesagt, dass man sich dann mit allen zusammensetzen soll, damit alle alles positiv ankreuzen. Absoluter Quatsch. Es ist eine Umfrage und da hat jeder die Antworten selbst zu wählen, aber es kann nicht sein, dass ich da Sachen ankreuzen muss, denen ich gar nicht zustimme.
Qualitativ lohnt es sich im Grunde schon, sich dort zu immatrikulieren. Innerhalb ein paar Monate habe ich schon sehr viel dazu gelernt. Aber es gibt meiner Meinung nach noch zu viele Punkte, in denen die Fachhochschule ausbaufähig ist. Und der Punkt mit der Manipulation ist ein absolutes Oberminus.