Argentinien - Nigeria

Argentinien - Nigeria

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... Und es steht 1:0 für Argentinien. Ausgerechnet ein Abwehrspieler macht das entscheidende Tor – und das in einer Mannschaft, in der drei berühmte Goalgetter spielen! Aber so ist der Fußball. Einfach unberechenbar. Und das macht seinen Reiz aus. Der Schuss war im wahren Sinne ein Schuss ... Bericht lesen





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Voodoo für Messi?
Erfahrungsbericht von pinkdawn über Argentinien - Nigeria
15.06.2010


Produktbewertung des Autors:   


Pro: ein schnelles Tor von einem Abwehrspieler, viele ungenutzte Chancen, ein guter Goalie
Kontra: ein insgesamt enttäuschendes Spiel, aus dem Argentinien mehr machen hätte müssen .

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Wenn bei Kapstadt die rote Sonne im Meer versinkt, soll es täglich im argentinischen Team zu seltsamen Ritualen kommen. Gebannt lausche ich meinem Informanten aus Südafrika. „Waas?! Frisches Hühnerblut wird da von dunklen Voodoo-Priestern auf den armen Messi gespritzt? Und der lässt sich das gefallen? Nein, das kann ich einfach nicht glauben.“
„Meine Informanten sind normalerweise gut unterrichtete Quellen, wie das so schön heißt“, flüstert mein Informant ins Telefon, „aber heute Nacht werde ich das persönlich prüfen.“
„Aber sei vorsichtig“, will ich ihm noch raten. Doch da geht unser Gespräch schon in einem undurchdringbaren Vuvuzelas-Getröte unter. Jaja, Voodoo ist eine große Macht! Hoffentlich grollen uns jetzt die Götter nicht allzu sehr.

Beten für Messi

Gespannt harre ich des neuerlichen Anrufs meines Informanten. Und tatsächlich: Nachts meldet er sich noch einmal.
„Nein, nein, doch kein Voodoo …“
„Also kein Hühneropfer und keine schwarze Magie. Na da bin ich aber beruhigt.“
„Nein, nein, sie beten nur. Es klingt wie ein Rosenkranzgebet. Aber mein Spanisch ist nicht so gut. Aber so viel ich verstanden hab, fügen sie am Schluss immer ein ‚Und erhalte uns unseren Lionel’ dazu.“
„Nun ja, mein Lieber, das ist ja nicht unverständlich. Ohne den Messi wären die Argentinier doch ganz schön aufgeschmissen. Die sind ja nicht der DFB. Wenn da ein Ballack wegfällt, kommen fünf neue Superkicker nach. Aber die Argentinier?“
Tröööööt.
Unser Gespräch ist wieder einmal unverständlich geworden.
„Aber sag“, frage ich in eine der wenigen Tröt-Pausen noch schnell hinein, „betet der Messi da eigentlich mit?“
„Ich weiß es nicht. Doch keine Sorge, ich bleib am Ball. Morgen weiß ich sicher mehr. Ich werde mich persönlich …“
Tröööt.
Nichts zu machen – unsere kleine Konversation fällt diesmal endgültig der Vuvuzela zum Opfer.

Nigeria zeigt wenig Respekt

Aber da beginnt auch schon das Spiel. Und zwar mit einer kleinen Überraschung: Die Nigerianer zeigen erstaunlicherweise wenig Respekt vor den Gauchos.

Wir befinden uns im ausverkauften Station Ellis Park in Johannesburg. 55.686 Zuschauer fiebern dem Spiel entgegen. Es ist ein Samstag, der 12. Juni 2010. Während wir Mitteleuropäer in der Gluthitze des beginnenden Sommers schmachten, zeigt das Thermometer in Südafrika nur kühle 12° - immerhin wird auf fast 1750 m Seehöhe gespielt.

Verrückt – 3 Superstürmer, aber ein Verteidiger macht das Tor!

Aber all das lässt die Afrikaner kalt. Unbekümmert greifen sie an und gelangen tatsächlich schon in der dritte Minute zu einer Chance. Allerdings vergessen sie dabei auf so etwas wie Deckung. Die „Albiceleste“ sagen besten Dank dafür und bereits in der vierten Minute bekommt Tormann Vincent Enyeama Arbeit durch die ganz offensichtlich um ein rasches Tor bemühten Herren aus Südamerika. Genau gesagt: durch Higuain. Dabei bleibt es auch nicht. Lord Lionel zielt erstmals aufs Tor der „Super Eagles“. Enyeama, im Tor der Afrikaner, wehrt den aus immerhin 17 m Distanz vom berühmten 22-jährigen Barca-Stürmer vielleicht nicht allzu nachdrücklich gespielten Ball ab. Sekunden später landet die Kugel aber nach einem Eckball von Juan Verón auf dem Kopf von Gabriel Heinze. Der an sich als Verteidiger spielende Real-Madrid-Spieler Heinze steht ziemlich genau auf dem Elferpunkt, von wo aus Kopfbälle an sich selten sind. Und es steht 1:0 für Argentinien.

Ausgerechnet ein Abwehrspieler macht das entscheidende Tor – und das in einer Mannschaft, in der drei berühmte Goalgetter spielen! Aber so ist der Fußball. Einfach unberechenbar. Und das macht seinen Reiz aus.

Der Schuss war im wahren Sinne ein Schuss – Experten berechnen, dass er 55 kmh schnell war. Also einfach unhaltbar – selbst für den wackeren Enyeama.

Damit ist sozusagen das Pflichtpensum erfüllt – der Vorsprung muss jetzt nur noch gehalten werden. Und das schien kein großes Problem zu werden. Während die Nigerianer nach dem Schock des frühen Tors wieder zu ihrem Spiel zu finden versuchen, zeigt der temperamentvolle Messi immer wieder, was er kann. Vielleicht um alle Gerüchte darüber, dass er „überspielt“ sei, gleich von vornherein im Keim zu ersticken. Er trägt die legendäre Nummer 10 auf seinem blau-weiß gestreiften Dress – und wird auch sonst bereits als neuer Maradona gefeiert.

Apropos Diego Maradona – der graubärtige Trainer der Gauchos läuft im eleganten grauen Anzug am Spielfeldrand hin und her und zeigt ebenfalls viel Temperament.

Warum sich anstrengen?

Nun ja, es ist nicht so, dass die Nigerianer absolut untergehen. Sie decken immer wieder so manche Abwehrschwäche der Argentinier auf. Die wiederum scheinen nach dem furiosen Beginn sich bald auf ihren Lorbeeren etwas auszuruhen, werden nun etwas nachlässig und legen öfter „schöpferische Pausen“ ein. Warum sich auch anstrengen?

Yakubu beschäftigt von Zeit zu Zeit ein wenig die argentinische Abwehr.

Ich beginne mich langsam zu fragen, ob die Nigerianer nun doch so etwas wie Respekt vor den Argentiniern empfinden oder ob es vielleicht in Wahrheit deren gute Abwehr ist, an der sie scheitern.

Erst in der 34. Minute hat Argentinien-Tormann Romero das erste Mal Kontakt mit dem runden Leder – das sagt wohl alles über den Spielverlauf. Auch später wird sich das Geschehen überwiegend in der Hälfte der Nigerianer abspielen.

Eine gefährliche „Spitzel-Aktion“

Gegen Ende der zweiten Hälfte, in der 70. oder 71. Minute, kriegt Taiwo auch noch eine Chance – der von ihm gespitzelte Ball geht haarscharf am Tor vorbei. Der Fußball ist rund und rollt. So schnell kann sich, könnte sich ein Ergebnis ändern. Und so gesehen haben die Argentinier Glück gehabt.

Der arme Taiwo bezahlt seine „Spitzel-Aktion“ mit einem derartigen Krampf im Fuß, dass er vom Spielfeld muss.

Messi gelang trotz redlichem Bemühen leider kein Tor. Enttäuscht hat er dennoch nicht. Er ist die Zentralfigur im argentinischen Team, ohne die sozusagen nichts geht.

Letztlich verwundert es, dass die Argentinier nicht in der Lage waren, aus ihrer Dominanz mehr herauszuholen als diesen knappen 1:0-Sieg. Sie vergeben viele Chancen, zeigen aber auch, dass sie immer wieder Chancen erzielen können.

Zuletzt versinken die – mindestens eine Klasse unter den Argentiniern spielenden - Nigerianer mehr und mehr in Müdigkeit.

Bester Mann am Platz – daran wird wohl niemand zweifeln – ist der 27-jährige Tormann Enyeama, dem es die Afrikaner zu verdanken haben, dass der Sieg der Argentinier nicht wesentlich höher ausfiel.

Enyeama wirkt auch im Schlussinterview nicht enttäuscht. Er ist nach wie vor überzeugt, dass sich seine Mannschaft qualifizieren wird. Ob das der große Fußballgott hört? Erhört? Bald werden wir es wissen. Für Enyeama hat sich sein Einsatz auf jeden Fall gelohnt. Ich könnte mir vorstellen, dass so mancher prominenter Verein nach der überragenden Leistung des derzeitigen Legionärs bei Hapoel, Tel Aviv, nun bei ihm anklopfen wird.

Und die Argentinier? Die werden in den nächsten Spielen aus ihrem taktischen Defensivspiel „auf Zeit“ wohl aufgeben müssen, wenn sie sich eine Chance auf den Weltmeistertitel bewahren wollen – wovon auszugehen ist. Es steckt sicher noch viel Potenzial in Messi, Samuel & Co. Die nächsten Gegner von Argentinien sind Südkorea (am 17.6.) und Griechenland (am 22.6.). Wir dürfen gespannt sein!

Das Telefon. Mein allwissender Informant. Jetzt bin ich aber neugierig. Gleich werde ich erfahren, worum Messi allabendlich betet.
„… und erlasse mir diese Vuvuzelas, Herr!“
„Hab ich mir doch gleich gedacht, dass er nicht für sich selbst stimmen wird. Aber was hat der bloß gegen die akustischen Ausdrücke afrikanischer Volkskultur?
„Er ist nicht der Einzige“, raunt mein Informant. „Die Spieler hören weder die Zurufe des Trainers noch ihrer Kameraden mehr. Wie soll man so Fußball spielen?“
Tröööt!
Während unser Dialog erneut im Getröte versickert, frage ich mich, wie viele Tore Messi gegen Nigeria wohl geschossen hätte, wären da nicht diese Vuvuzelas gewesen …


© DMK 6/10

Facts:

Gruppe C

==Aufstellung:==

Argentinien:

Romero - Gutierrez, Demichelis, Samuel, Heinze - Veron (74. Rodriguez), Mascherano, Di Maria (85. Burdisso) - Messi - Higuain (79. Milito), Tevez

Nigeria:

Enyeama - Odiah, Yobo, Shittu, Taiwo (75. Uche) - Kaita, Etuhu, Haruna, Obasi (60. Odemwingie) - Yakubu, Obinna (52. Martins)
Gelbe Karten: Gutierrez bzw. Haruna

Trainer

Diego MARADONA – seit Oktober 2008 ist der 50-Jährige Trainer der Argentinier - konnte es sich erlauben, Fußballzauberer wie Milito und Aguero auf die Reservebank zu setzen.

Lars LAGERBÄCK – der bald 62-jährige Schwede hat erst Ende Februar die nigerianische Mannschaft als Coach übernommen.

Schiri

Der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark bot übrigens eine tadellose Leistung.

   

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01.01.1970


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