Dieser Erfahrungsbericht wurde von 5 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als hilfreich bewertet
USA 1988, Regie: John Musker, Ron Clements, Laufzeit:: 82 Minuten
Rückblickend ist es schon spannend, sich die Wirkungsgeschichte eines älteren Films anzusehen. Gelegenheit dazu gibt es jetzt bei der Wiederaufführung des (Fast-schon-)Klassikers 'Arielle, die Meerjungfrau' aus den Disney-Studios.
Das inzwischen zehn Jahre alte, immer noch amüsante Werk war Ende der 80er Jahre der erste Zeichentrickfilm neuen Stils. Er hatte riesigen Erfolg und führte das Studio dennoch künstlerisch in eine Sackgasse. Doch der Reihe nach.
Die putzige Meerjungfrau Arielle, sechzehn Lenze jung und dem gestrengen Vater gegenüber sehr aufmüpfig, ist das fischige Dasein leid und möchte, wie die Menschen, Beine haben. Als sie eines Tages einen wahren Prachtkerl von Mensch vor dem Ertrinken rettet und sich bei der Gelegenheit unsterblich verliebt, verstärkt das ihren Wunsch.
Behilflich ist - nur zu gern - die böse Seehexe Ursula (im Look einer abgetakelten Schlampe mit Krakenunterteil). Sie luchst der naiven Arielle das schöne Stimmchen ab und gibt ihr im Austausch dafür zwei schmucke Beine. Doch Arielle muß in nur drei Tagen das Herz ihres Märchenprinzen gewinnen, sonst gehört sie auf ewig der bösen Ursula.
Mit dieser freien Adaption des wohl berühmtesten Märchens von Hans Christian Andersen beschritten die Disneys 1989 neue Wege. Zum ersten Mal durfte die Heldin offen ihre erotischen Reize spielen lassen (unter Walt Disney undenkbar!), der Musicalcharakter drängte sich in den Vordergrund, der Trend ging weg vom reinen Kinderfilm zur Unterhaltung für die ganze Familie.
'Arielle' wurde - durchaus zurecht - ein Welterfolg, erhielt zwei Oscars und gab damit die Richtung für die nächsten Projekte vor. Die Liebesgeschichten erhielten von Mal zu Mal größeren Raum (Ausnahme: 'König der Löwen', bezeichnenderweise der erfolgreichste Disney-Film), um schließlich im Kitschhammer 'Pocahontas' (1995) alles andere zu erdrücken. Auch die Heldinnen wurden von der noch recht unschuldigen Erotik Arielles bis zur aufreizend ihre Formen darbietenden Esmeralda ('Der Glöckner von Notre Dame', 1996) immer lasziver.
An den Kassen zahlte sich das Konzept letztendlich nicht dauerhaft aus, die Einspielergebnisse sanken von Film zu Film. (Erst Mulan konnte 1998 den negativen Trend wieder umkehren.)
Das Wiedersehen mit 'Arielle' lohnt sich indes auf jeden Fall. Mehr als alles danach hat der Film das Zeug zum echten Klassiker (mehr noch als der allzu pathetische 'König der Löwen'). In die Kinos kommt eine neue, mehr auf flotte Sprüche angelegte Synchronfassung mit den Stimmen von Anna Carlsson, Naomi van Dooren, Jan Josef Liefers, Beate Hasenau, Ron Williams und Jochen Striebeck.
21.08.2002 17:46
Sehr guter Bericht, gefällt mir! lg Star16
21.08.2002 17:46
Mmh, das kannte ich ja noch gar nicht! lg Star16