Erfahrungsbericht über

Arizona Junior (DVD)

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Was der Storch nicht bringt, muss man sich selbst holen

3  09.01.2010

Pro:
Temporeiche Komödie mit skurrilen Figuren

Kontra:
Der DVD - Transfer schneidet leider nicht so gut ab wie der Film

Empfehlenswert: Ja 

Spassprediger

Über sich: “We're all mad here. I'm mad. You're mad.” “How do you know I'm mad?” said Alice. “You must be,” sai...

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Das Leben ist hart, dabei aber nicht einmal gerecht: Während Kleinganove H.I. McDunnough und seine Edwina nicht einmal ein einziges Kind bekommen, wird die Frau von Möbelverkäufer Nathan Arizona Mutter von Fünflingen. Weshalb H.I. und Ed beschließen, der Gerechtigkeit mal etwas auf die Sprünge zu helfen.


Verkehrte Welt: Ausgerechnet im Knast findet Eierdieb H.I. (Nicolas Cage) sein Glück. Als Vollzugsbeamtin Edwina (Holly Hunter) ihm die Langfingerabdrücke abnimmt, funkt es zwischen den beiden. Beim Verbüßen der x-ten Haftstraße macht H.I. seiner Herzensdame einen Antrag. Irgendwann flattern die beiden Turteltäubchen gemeinsam in die Freiheit jenseits der Gefängnismauern, bauen ein eigenes Nest (hier: Trailer) und eigentlich könnte das heitere Idyll perfekt sein, wenn, ja, wenn Ed nicht eines Tages nach dem Arztbesuch mit einer schlechten Nachricht herausplatzen würde: Edwina ist unfruchtbar, und also ist’s mit dem erhofften Kindersegen Essig.

Mitten hinein in Edwinas Unglück pfeifen plötzlich die Spatzen von den Dächern, dass Möbelkönig Nathan Arizona Vater von Fünflingen geworden ist. Inspiriert von einer forschen Formulierung der Klatschpresse, redet Ed sich von Stund an ein, der reiche Kindersegen müsse die Eltern überfordern. Von dieser Überzeugung bis zum Kidnapping ist es nur ein Schritt: H.I. und sein ehemals so gesetzestreues Gespons steigen bei Arizonas ein und kaschen den Junior aus dem deutschen Titel des Films, der im Original „Raising Arizona“ heißt und aus dem Frühwerk der Brüder Ethan und Joel Coen stammt. Spätestens seit „The Big Lebowski“ (1998) ist deren Schaffen auch einem größeren Publikum ein Begriff, der rund zehn Jahre zuvor gedrehte „Arizona Junior“ führt aber, so empfinde ich das jedenfalls, immer noch ein ziemliches Schattendasein.

Das ist insofern schade, als auch „Arizona Junior“ schon deutlich die Handschrift der Coens trägt, an deren skurrilen Komödien sich regelmäßig die Geister scheiden. Tatsächlich scheinen die Coens von jeher in der glücklichen Situation gewesen zu sein, ihre Arbeit nicht ausschließlich dem Gewinnstreben unterordnen zu müssen: Die Coens, so mein Eindruck, beherzigen den Rat, den die großartige Katherine Hepburn einst ihrer Tochter gab: „Wenn du immer das tust, was du möchtest, ist wenigstens schon mal ein Mensch glücklich.“ Die Coens haben sich anscheinend auf die Fahne geschrieben, Filme zu machen, an denen zumindest die Coens Spaß haben. Das Ergebnis sind Filme, die in ihrer Doppelbödigkeit und Zitatverliebtheit entweder erfreuen oder verstören. Immer wieder hat man den Brüdern Manieriertheit vorgeworfen, beirren lassen haben sie sich dadurch allerdings nie.

Auch „Arizona Junior“ lässt seine Zuschauer mit einer Reihe von Fragen zurück – man kann das wohl entweder selbstgefällig finden oder darin eine künstlerische Absicht sehen. Was es zum Beispiel damit auf sich hat, dass H.I. am Oberarm eines Sekundenbruchteile später explodierenden Harley-Fahrers das gleiche Tattoo-Motiv entdeckt, das er sich selbst hat verpassen lassen, erfährt der Zuschauer nicht. Wer Filme mag, die keiner Interpretation bedürfen bzw. die ihre eigene Interpretation gleich mitliefern, wird mit den Filmen der Coens seine Schwierigkeiten haben.

Wer hingegen damit leben kann, dass sich nicht alles erschließt (oder das sogar schätzt), der wird an „Arizona Junior“ seine Freude haben und einiges vorfinden, das ihm auch in den späteren Filmen der Brüder wieder begegnet: Die Traumszenen, die die Coens in „The big Lebowski“ und auch in „Hudsucker“ mit offensichtlicher Wonne inszenieren, spielen auch in „Arizona Junior“ eine Rolle, die musikalische Untermalung wirkt in der Retrospektive wie eine Vorwegnahme des Soundtracks von „O brother, where art thou?“ (sollte unter der Ägide der Coens je eine CD mit den besten Folk-Balladen aus den Appalachen entstehen, werde ich mir die bestimmt zulegen – das Wiegenlied „Rose Connelly“ will mir auch Tage, nachdem ich „Arizon Junior“ zuletzt im Heimkino gesehen habe, noch nicht wieder aus dem Kopf). John Goodman, den die Coens später auch für „The big Lebowski“ und „O brother, where art thou?“ verpflichten werden, begegnet uns übrigens auch schon in „Arizona Junior“; hier spielt er einen entflohenen Häftling, der sich sicher auch mit Everett McGill und seinen leicht vertrottelten Mitflüchtlingen aus "O brother, where art thou?" gut verstanden hätte.

Die DVD-Version des Films bietet, immerhin, neben dem deutschen Synchronton auch die englischsprachige Originalversion, beide Tonspuren klingen allerdings für heutige Hörgewohnheiten reichlich schwachbrüstig. Auch mit der Qualität des Bildes setzt Twentieth Century Fox keine Maßstäbe im positiven Sinne – mehr als ein „zufrieden stellend“ ist hier nicht drin; ein Remastering des Films von 1987 wäre wünschenswert, zumal auf der Disc, die neben dem Hauptfilm lediglich den Kinotrailer bietet, ausreichend Speicherplatz für einen qualitativ besseren Transfer sein dürfte.

R e s ü m e e

„Arizona Junior“ ist Kino für Leute, die Spaß an Schnurren haben und die gut damit leben können, dass Fragen offen bleiben, wenn sich der Vorhang schließt. In der Retrospektive wirkt der Film aus dem Jahr 1987 auf mich als Coen-Fan aber vergleichsweise zahm, leicht zugänglich und konventionell – ich finde, im Oeuvre der Brüder Ethan und Joel Coen gibt es einige Filme, die sehr viel sperriger und enigmatischer sind als „Arizona Junior“ („The man who wasn’t there“ z. B., den ich persönlich nicht nur für eine Hommage an das von den Coens offenbar geliebte Genre des Film Noir halte, sondern auch für eine Ehrbezeugung gegenüber Stanley Kubrick – hier müsste man, wie so oft bei den Coens, aber wohl noch ein „unter anderem“ einfügen). Ob es eine tiefere Bedeutung hat, dass Harry, Larry, Garry, Barry und Nathan jr. Arizona in einem Bettchen schlafen, das offensichtlich dem der sieben Zwerge in Disneys „Schneewittchen“ nachempfunden ist? Ich weiß es nicht, aber das macht auch nichts. Vielleicht finde ich auf diese Frage ja auch beim nächsten Anschauen wieder eine neue Antwort; so geht es mir nämlich oft beim Anschauen von Coen-Filmen.

Die DVD spielt sowohl mit Blick auf die Qualität des Filmtransfers als auch auf die Ausstattung leider nur im unteren Mittelfeld – neben dem O-Ton gibt’s die deutsche und die spanische Synchronfassung; außerdem hat die Disc den Kinotrailer an Bord. Das Bild ist zufrieden stellend, hätte aber für die Veröffentlichung auf DVD ruhig etwas besser aufbereitet werden dürfen, der Ton ist ebenfalls nicht der Rede wert.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
MissVega

MissVega

27.01.2010 21:15

Oh, ich liebe die Coens (bis auf den blöden Ladykillers, der war wirklich nicht gut) und diesen hier hab ich ewig nicht gesehen, das könnte ich wirklich mal wieder tun. Und der Soundtrack von O brother... ist sehr geil, den mag ich sehr. Hach... BTW: Was sind Schnurren? Ich kenn das nur von Katzen...;-)

gekothy

gekothy

11.01.2010 16:02

Ach die Coens wieder, da wollte ich doch auch unbedingt mal was sehen; wie schaffst Du nur so viele Filme... ich komm´ hier schon kaum auf mein "Lesesoll". LG

Texterbude

Texterbude

10.01.2010 15:20

liebe Grüße aus dem tief verschneiten Sachsen

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