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I’m Leaving on a Jet plane...

4  25.02.2002

Pro:
große Stars, große Action, große Bilder

Kontra:
kleine Story, kleine Figuren, kein Sinn

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Action:

Romantik:

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MarsellusWallace14

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:255

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 42 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Das Jahr 1998 war ein weiterer Zeuge eines Phänomens, wie es nur eins in Hollywood geben kann: zwei aufwendig produzierte Studio-Filme mit der gleichen Thematik starten mehr oder weniger zur gleichen Zeit auf der Jagd nach der Gunst des Zuschauers, der ja bekanntlich nur einmal eine Geschichte erzählt bekommen will und nicht die gleiche in zwei nicht sonderlich unterschiedlichen Variationen. So wie im Jahr zuvor der solide Vulkan-Reißer „Volcano“ gegen den mittelprächtigen Vulkan-Reißer „Dante’s Peak“ aufgrund einem unglücklichen Starttermin an der Kasse verlor, sollte sich auch in diesem Jahr etwas ähnliches abzeichnen.

Doch weit gefehlt. Steven Spielbergs ganz eigene Traumfabrik Dreamworks brachte mit dem von Mimi Leder („Projekt: Peacemaker“, 1997) inszenierten Weltuntergangsdrama „Deep Impact“ einen besinnlich-müden Selbstfindungskitsch mit spektakulärem Finale und nicht ganz fertig gestellten Special Effects vorzeitig auf den Markt, wodurch die Kasse stimmte. Ein weiser Zug, da man wohl trotz einer kraftvollen Besetzung an Charakterschauspielern wußte, daß man gegen das Ungetüm, das Hit-Produzent Jerry Bruckheimer noch im petto hatte, nicht ankommen würde. Inszeniert vom jungen, erfolgsverwöhnten Action-Maestro Michael Bay („Bad Boys“, 1995, und „The Rock“, 1996), mit einer beeindruckenden Star-Besetzung, die alle bisherigen Ensemble-Actionfilme in den Schatten stellte, und einer Unmenge weltfremder, Special-Effects-durchsetzter Bilder vom ultimativen Weltuntergang nach Macho-Manier war „Armageddon“ einer der erfolgreichsten Filme des Jahres.

Ob zu recht oder nicht ist natürlich eine ganz andere Frage, doch dazu später. Kommen wir erstmal auf die höchst unglaubwürdige Handlung des Films zu sprechen. Denn selten zuvor sah man einen Film, der so sehr seine kreative carte blanche in Bezug auf Realismus und gesundem Menschenverstand so ausnutzte wie dieser spektakuläre All-Actionknaller.

Eine tiefe Stimme aus dem Off klärt den leidlich gebildeten Actionfan von heute darüber auf, wie die Dinosaurier vor Millionen von Jahren durch einen Kometeneinschlag auf der Erde ausgelöscht wurden. Der rasche Sprung in die Gegenwart zeigt eine neue Welt, von der aus man eine Mission im All beobachtet. Bei einer Routine-Aktion an einem Raumschiff rast ein Kometenschauer durch das Prozedere und kündigt den folgenden Riesenkometen an, der die Größe von Texas inne haben soll. Also weit größer und fieser als der aus „Deep Impact“.

Schneller Rat und rasche Aktionen sind nun gefragt. Nach vielen Diskussionen kommen die NASA-Experten um Chef Dan Truman (Billy Bob Thornton) auf die sensationelle Idee, zwei Teams ins All zu schießen, wo sie auf den Kometen landen (!), in ihn hineinbohren (!) und durch eine wohlplatzierte Bombe das Teil vor dem kritischen Punkt in seine Einzelteile sprengen. Natürlich sollte man eine All-untaugliche Gruppe wilder Bohrturmarbeiter hoch schicken statt Astronauten im Bohren auszubilden. Prompt wird das beste Bohrerteam der Welt um Harry S. Stamper (Bruce Willis) um tatkräftige Hilfe gebeten...

Nach einigen Verhandlungen (u.a. lebenslange Erlassung der Steuern), besteigen die Recken vor dem wachen Auge der Öffentlichkeit zwei Raumschiffe gen alles vernichtendem Kometen, dessen Vorboten schon New York City und andere Städte der Welt dem Erdboden gleichgemacht haben. Auf der emotionalen Front versucht Harry zu verkraften, daß seine einzige Tochter Grace (Liv Tyler) sich ausgerechnet in den rebellischen Jungspund A.J. (Ben Affleck) verliebt hat und seine Mannschaft alle ihre eigenen Probleme zu bewältigen haben.

Doch das alles ist Nebensache, sobald man im All gegen allerlei Probleme zu kämpfen hat, die eine rasche Beendung der Mission immer mehr erschwert...

Daß das alles unheimlich unsinnig und weit hergeholt ist, braucht man mir nicht zu erklären, wohl aber sämtlichen Kritikern, die den Film beim Kinostart aufgrund der stupiden Story, den wandelnden Klischees, die sich als ernstzunehmende Charaktere tarnten, der zuweilen penetranten Sentimentalität und Bays favorisierte manipulative, sehr amerikanische Bildersprache verrissen. Trotz oder gerade wegen dieser larger than life-Elemente, die alles andere als glaubwürdig sind, ist „Armageddon“ ein bombastisches Filmvergnügen, bei dem man sieht, wohin das immense Budget geflossen ist, und das trotz der epochalen Laufzeit von zweieinhalb Stunden ein rasantes, witziges, zuweilen packendes Unterhaltungskino ist.

Große Kunst ist bei diesem hirnlosen, aber wunderbar comichaft übertriebenen Hollywood-Kracher nicht zu erwarten. Dafür aber liefert „Armageddon“ genau das, was er verspricht: viele Stars in hochstilisierten Posen, satte Farben und beeindruckende Special Effects im glamourösen Breitwandformat, eine so simple, wie stupide Story und viel Budenzauber, um die immensen Schwächen des Films in der Reizüberflutung untergehen zu lassen.

Das hat natürlich viel mit Bays aggressiver Inszenierung zu tun, die einem selbst in intimen Momenten zwischen den Figuren keine Ruhe läßt. Wie ein besessener Werbefotograf, der einem jedes einzelne Bild zu verkaufen versucht, dreht er jede Szene so, als ob es für den Trailer gedacht wäre. Dementsprechend oberflächlich und konstruiert wirken viele der auf Sentimentalität und gar Melodrama hin inszenierten Szenen. Doch das tut dem trashigen Vergnügen am Film keinen Abbruch, verstärkt diesen jedoch vielmehr. Gerade diese fehlende Sensibilität verursachte auch den Supergau, der sich „Pearl Harbour“ schimpfte!

Die Besetzung ist dementsprechend relaxt und zurückhaltend in ihren typisierten Rollen, die nach keiner großer Schauspielkunst, dafür jedoch nach ansprechender Fotogenität fragen. Diesen Anspruch erfüllen sämtliche Hauptdarsteller, vom gewohnt ruppigen, ultimativen Macho Bruce Willis, über den Posterboy mit Charakterkinn Ben Affleck, der bildhübschen Alibi-Frau Liv Tyler bis hin zu dem sympathischen Will Patton als Willis besten Kumpel. Doch was ist mit den Charakterfressen Billy Bob Thornton, Steve Buscemi, Owen Wilson, William Fichtner und Peter Stormare fragt ihr? Nun, selbst die können gutes Geld gebrauchen und nutzen ihre Chance, in einem Big-Budget-Film mit Satten Gagen mitzuspielen.

Ebenfalls zu sehen ist Michael Clarke Duncan als Ungetüm Bear. Der ehemalige Bodyguard von Mike Tyson und Türsteher wurde am Set zum Freund von Bruce Willis, der ihm ein Vorstellungsgespräch bei Frank Darabont für die Rolle des Häftlings John Coffee in der Stephen-King-Verfilmung „The Green Mile“ besorgte. Der Rest ist Geschichte.

Alles in allem ist „Armageddon“ also all das, was der Knabe von heute in seinen Träumen erlebt und allzugerne in der Realität nachspielen würde. Nur sind die höchst unterhaltsamen, wenn auch absurden Szenarien in diesem gewaltigen Reißer davon soweit entfernt wie es nur geht. Und das ist wohl auch gut so. Denn was wäre die Realität ohne actionreiche Träume?


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
DerAußenseiter

DerAußenseiter

11.04.2002 23:29

Schön mal einen Cineasten anzutreffen, der mit mir bei diesem Film einer Meinung ist, statt der obligatorischen Verriße. Gruß, Marcos.

Pandoolio

Pandoolio

05.03.2002 14:42

Hätte sich Bay doch ein bißchen auf seinen zweifellosen Erfolgen ausgeruht, vielleicht wäre es dann zu "Pearl Harbour" nie gekommen ;) Grüße Pandoolio

SmileAngel

SmileAngel

28.02.2002 22:13

gott, was habe ich mir meine tränen um kino verkneifen müssen... *g* schrecklich! ich fand den film sooo traurig. :o) aber als er dann noch mal im fernsehen lief, hab' ich mir erstmal so richtig ausgeheult und saß da echt mit tränenden augen. *lach* ich finde, ein sehr guter film, guck' ich immer wieder gerne. viele grüße, kim

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