Armut & Hunger

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..." ist ein gemeinnütziger Verein, der einen Beitrag zur Linderung der Armut leistet. Entstehung: Januar 1993 Gründerin: Dr. Gabriele Franz, stammt aus Aumühle (Hamburger Vorort) Name bis 2002: "Aktion Armenhilfe" Finanzierung durch Spenden Der Hilfspunkt hat keine eigenen Räume, mithin ... Bericht lesen





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immer noch aktuell: hilfspunkt e.V.
Erfahrungsbericht von reggie1 über Armut & Hunger
28.07.2007


Produktbewertung des Autors:   


Pro: für alle Bedürftigen da
Kontra: nix

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Hallo Leutz,

viele von Euch kennen diesen Bericht schon, aber da das Thema immer noch akutell ist - setze ich ihn noch einmal nach oben.

HILFSPUNKT - mein Sonntagmorgen

Seit einiger Zeit unterstütze ich in meiner freien Zeit den Hilfspunkt e. V. in Hamburg und möchte Euch über meine Arbeit im Verein berichten, um Euch Lust auf gemeinnützige Arbeit zu machen. Doch erstmal will ich Euch die Organisation vorstellen:


**********was ist der Hilfspunkt e. V. und wofür ist er da?***********
(Quelle: www.hilfspunkt.de)

"Hilfspunkt e.V." ist ein gemeinnütziger Verein, der einen Beitrag zur Linderung der Armut leistet.

Entstehung: Januar 1993
Gründerin: Dr. Gabriele Franz, stammt aus Aumühle (Hamburger Vorort)
Name bis 2002: "Aktion Armenhilfe"
Finanzierung durch Spenden

Der Hilfspunkt hat keine eigenen Räume, mithin auch keine Mietkosten. Da die Helfer vorwiegend an den Wochenenden arbeiten, wenn die meisten anderen Einrichtungen geschlossen sind, können kostenlos leerstehende Räume für die Zwecke genutzt werden. Verwaltungsarbeiten finden in Privaträumen statt. Fast das gesamte Spendenaufkommen kann daher ohne Umwege an die Hilfsbedürftigen weitergegeben werden.

Über 100 ehrenamtliche Helfer sind ständig für den Hilfspunkt tätig. Sie machen alles selber: Mahlzeiten zubereiten, Tische decken, Mahlzeiten ausgeben, Gäste betreuen und beraten, abwaschen, putzen. Die Arbeit mit Kindern wird außerdem von Honorarkräften, die auf Stundenbasis bezahlt werden, unterstützt.

Der Verein bietet an sieben Hilfspunkten am Wochenende morgens, mittags und abends eine Mahlzeit und einen "geschützten" Raum. Den Besuchern wird mit Freundlichkeit, Wärme und Aufmerksamkeit begegnet und es wird ihnen die Zuwendung gegeben, die sich jeder Mensch wünscht. Zudem wird im Einzelfall bei der Wohnungssuche, bei der Beschaffung von Papieren oder in Behördenangelegenheiten geholfen, oft werden Sachspenden ausgegeben oder vermittelt und es wird sich, falls notwendig, um ärztliche Versorgung gekümmert.

Es gibt viele Aktionen, die vom Hilfspunkt angeboten werden, u. a. sind da neben den Mahlzeiten, die am Wochenende ausgerichtet werden auch Bastelnachmittage für Kinder oder auch Erwachsene. Ich war überrascht, wie sehr diese kreative Beschäftigung auch von den "Großen" angenommen wird. Neben Veranstaltungen für Frauen und zu Geburtstagen werden auch ab und zu Ausflüge organisiert - so z. B. geht es jetzt im September in die Heide mit Kutschfahrt und Essen.

Die Seite des Vereins ist momentan nicht ganz aktuell. Der aktuelle Standort, an dem ich arbeite, ist noch nicht aktualisiert.
Wer mehr Informationen möchte, kann sich gern im GB an mich wenden. Wer spenden möchte, findet alle Informationen auf der Internetseite - Sachspenden sind auch wichtig, wer also z. b. den Kleiderschrank seines Mannes ausräumt und darin feste warme Kleidung findet, kann sich ebenfalls gern bei mir melden.

Für seine Aktivitäten hat der Verein Hilfspunkt bereits mehrfach öffentliche Anerkennung erhalten:

§ 2004 erhielt Hilfspunkt den Anerkennungspreis des Hamburger Bürgerpreises der CDU.

§ Ebenfalls 2004 erhielten die im Erwachsenenbereich mithelfenden Schüler und Auszubildenden den Ditze-Preis für ihren anerkennenswerten Einsatz.

§ Im Februar 2005 bekamen wir als Anerkennung für das Sonnabendsfrühstück für Bedürftige in Jenfeld den Umwelt- und Sozialpreis des Bezirkes Wandsbek.

§ Ebenfalls 2005 ehrte die Töpfer Stiftung den Hilfspunkt durch Vergabe der Emmele-Töpfer-Spende an den Verein .

Des weiteren wurde Frau Dr. Gabriele Franz dieses Jahr mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet. Ich selbst habe Frau Dr. Franz noch nicht kennengelernt, habe aber schon erfahren, dass sie noch an jede Menge anderer Organisationen und Aktionen beteiligt ist und sich sogar in ihrer Praxis engagiert. Die berufstätige siebenfache Mutter hält sich bezüglich Anerkennung sehr im Hintergrund.


**********wie kam ich zum Hilfspunkt:***********
Ein Kollege von mir veranstaltete letztes Jahr zur WM eine Aktion namens "Fußball-Hilfspunkt". Mein erster Gedanke war: Da haben sie ja ein nettes Pseudonym für Saufpartys gefunden. Im Laufe der Wochen bemerkte ich auch noch, dass mein Kollege Geld nahm: für Bier, Zigaretten, Sitzplatz (unterteilt in 1. Reihe bis hinten) oder Stehplatz - und das in seinem Wohnzimmer! Als ich ihn darauf ansprach, lud er mich herzlich ein, dran teilzunehmen - das Geld würde er dem Hilfspunkt spenden - als ich nachfragte, was denn "das" sei, erklärte er mir den Hintergrund für die Aktion - und mein Interesse war geweckt. Leider hatte ich keine Zeit, an den "Sitzungen" in seinem Wohnzimmer teilzunehmen, doch hörte ich, wie mein Kollege am Ende der WM knapp 700 Euro gesammelt hatte - da muss schon die ein oder andere nette Party vor Ort gewesen sein. :-)) Mein Kollege hat seit dem gezeigt, dass er noch weitere gute Ideen auf Lager hat. Ich muss gestehen, dass ich ihm nie zugetraut habe, dass er jemandem anderen näher ist als sich selbst - mal wieder ein Beweis dafür, wie schlecht doch meine Menschenkenntnis ist. :-))

Da ich zu dem Zeitpunkt der WM gerade in einer Phase war, in der ich mich nicht wirklich auf irgendetwas außer mich selbst konzentrieren konnte, habe ich die Information über den Hilfspunkt erst einmal in meinem Hinterkopf abgelegt. Doch Anfang des Jahres kam das Gespräch wieder wieder auf das Thema und ich fragte, wie der Ablauf des ganzen denn sei. Mein Kollege berichtete mir, dass er einmal im Monat am Sonntag Morgen Frühstück für den Hilfspunkt bereitet. Die Helfer sind zu dritt und am nächsten Sonntag würde jemand ausfallen und so fragte er mich, ob ich nicht Zeit und Lust hätte, mir den Job mal anzugucken.

Klar hatte ich! Und es war eine klasse Erfahrung! Die Leute, Gäste wie Helfer, waren super nett. Die Arbeit ging leicht von der Hand, weil der Dank der Gäste unheimlich groß ist. Mein Kollege schonte mich keine Sekunde und so durfte ich auch gleich beim ersten Mal bedienen. Anfangs war ich etwas gehemmt, aber die Schüchternheit oder aber Offenheit meiner Gegenüber nahm mir die wenige Ängste. Ich war zwar nicht gleich so offen, mich zu den Gästen zu setzen und ein wenig zu schnacken, aber das würde ich auch noch schaffen und so gab es für mich war keine Frage: ich komme gern wieder!

Kurz darauf fand ein Treffen der Högis (Spitzname des Standortes) statt und ich nahm daran teil. Die Helfer und Organisatoren der kleinen Frühstücksgemeinschaft waren sehr offen und super nett, nahmen mich freundlich auf - es wurde ein langer Abend, an dem sich die alteingesessenen Helfer über sich und die Erlebnisse mit den Gästen austauschten.


************Was beinhaltet der Job außer Stullen schmieren?************
Ich wurde zusammen mit zwei anderen Helfern für den ersten Sonntag im Monat eingeteilt und freute mich schon auf den nächsten Einsatz. Zu den weiteren Aufgaben außer dem Zubereiten von leckeren Broten gehört das Einkaufen für den Sonntag. Ich war letzte Woche das erste Mal dran und war ganze zwei Stunden damit beschäftigt, alles zu finden. Aber beim nächsten Mal geht das bestimmt schneller! Oft besorgen wir etwas außerhalb der Liste oder bringen von zu Hause leckere Salate oder Kuchen mit. Über diese doch etwas andere Abwechslung freuen sind unsere Gäste immer sehr und fragen beim nächsten Mal wieder nach, wenn es besonders lecker war.
Auch das Reinigen des Raumes, der Toilette und die Müllentsorgung nach dem Schließen gehören zum Aufgabenfeld. Ich bekam sogar Tipps fürs Klo putzen bzw. erzählten mir die Helfer, dass sie sich gegen Hepatitis B impfen lassen hätten und dachte mir schon, warum das nur so ernst genommen würde. Erst da wurde mir bewusst, dass viele der Gäste ja durchaus Krankheiten haben könnten. Ich hatte bis dahin keinen Gedanken daran verschwendet - aber das brachte mich nicht davon ab, meine Aufgabe anzunehmen und durchzuziehen.

Und so bin ich nun seit ein paar Monaten dabei und auch wenn mir das frühe Aufstehen am Sonntag manchmal schwer fällt, genieße ich gegen die Müdigkeit einfach das leere Hamburg um acht Uhr morgens, wunderschönes Wecken!


***********die Gäste***********
Uns besuchen Obdachlose, Suchtmittelabhängige, psychisch Kranke, Haftentlassene, Sozialhilfeempfänger und auch Rentner mit Kleinstrenten. Darunter sind z. B. Professoren, Ex-Kapitäne, Auswanderer und auch teilweise sehr junge Menschen. An den meisten Sonntagen haben wir zwei Stunden von 9.00 Uhr - 11.00 Uhr geöffnet und es kommen immer zwischen 40 und 50 Besucher. Am ersten Sonntag im Monat ist nicht immer allzu viel los, da die Ämter gerade die Gelder verteilt haben. Das gibt uns Gelegenheit , mehr mit den Gästen zu sprechen.
Freundlich grüßen sie und unterhalten sich ruhig untereinander, während sie frühstücken. Natürlich gibt es auch mal welche, die sich nicht verstehen und anfangen zu streiten, aber wir weisen dann bestimmt drauf hin, dass diese Dinge draußen zu regeln sind.
Viele stellen sich zu uns und erzählen von sich aus, was in ihrem Leben passiert ist und freuen sich über das offene Ohr. Mir macht das den Umgang ein wenig einfacher, da es mir noch immer schwer fällt, mich zu ihnen zu setzen. Ich habe doch noch ordentlich Respekt davor, weil ich nicht so richtig weiß, was ich sagen soll, aber meine Mitstreiter unterstützen mich und zeigen mir immer wieder, dass das gar nicht so schwer ist. Einige von den Gästen helfen uns sogar beim Abwasch oder an anderen Tagen bei der Zubereitung des Essens - das finde ich richtig klasse! Manche Besucher kenne ich inzwischen sogar mit Vornamen und was in ihrem Leben so vor sich gegangen ist - und das macht das Verhältnis gleich noch viel persönlicher. Wie gesagt sind alle sehr nett und verabschieden sich immer bis zum nächsten Mal.


*********Meine Motivation**********
Mir persönlich ist es wichtig, anderen Mitmenschen, die es nicht so leicht haben wie ich, zu helfen und Ihnen ein bisschen Wärme und das Gefühl zu vermitteln, dass man ihnen zuhört. Ich halte nichts davon, einfach nur Geld zu spenden an eine Organisation, mit der ich nicht persönlich vertraut bin. Das ist beim Hilfspunkt überhaupt nicht möglich: Hier bin ich nah an den Menschen dran und lerne ich viele interessante aber natürlich auch traurige Schicksale kennen. Gerade das ist es, was mir immer wieder bewusst macht, dass diese Menschen teilweise viel stärker sind als ich. Sie überraschen mich - wie sie ihr Leben meistern und einfach nicht aufgeben.

Ich lerne auch viel über mich selbst und wie ich in schwierigen Situationen mit anderen Menschen umgehen muss. Durch die Arbeit im Hilfspunkt habe ich meine emotionalen Ansprüche an mich selbst erhöht und die an mein Portemonnaie runtergeschraubt. Ich bin besser in der Lage, Menschen zuzuhören, ohne mich selbst dabei wichtiger zu nehmen. Das fiel mir früher schwer, weil ich nur mit mir selbst beschäftigt war. Und!: Ich muss inzwischen nicht immer gleich alles auf einmal haben (wenn ich etwas sehe, kaufen), weil ich jetzt noch mehr über die Notwendigkeit dessen nachdenke.

Natürlich gibt es auch Gäste, die durch ihr Schicksal inzwischen in einer anderen Welt leben, denen man nicht ganz glauben kann/darf, was sie erzählen. Doch soll man ja auch nicht Schiedsrichter oder Psychologe spielen, sondern einfach nur mal zuhören. Jeder fühlt sich danach besser. Es gibt Grenzen der Hilfe - wenn es zum Beispiel um direkte Geldgaben geht. Ich will jetzt niemanden von den Gästen schlecht machen, aber es sind schon sehr gewitzte dabei. Aber: wenn wir noch über das Frühstück hinaus helfen können, tun wir das gern, mit Taten und Unterstützung wie bereits oben beschrieben.


***********Fazit*********
Ich hoffe, ich konnte Euch ein wenig Mut machen, Euch zu engagieren, für ein paar Stunden Eure Freizeit zu opfern, um einen oder ein paar Menschen ein wenig mehr Unterstützung zu geben. Es gibt sicherlich eine Menge Möglichkeiten, auch in Eurer Stadt etwas zu tun. Mein Motto: Für mich bedeutet es nur vier Stunden weniger Zeit, für mein Gegenüber ein paar Stunden Gemeinsamkeit.

Liebe Grüße und lieben Dank fürs Lesen!   
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